Angst der Moslems und Angst vor Moslems in Deutschland

Keine Gewalt in der Religion

Beides hängt zusammen. Moslems haben Angst vor der Ungültigkeit oder Minderwertigkeit ihrer Religion, oder wegen der Zugehörigkeit zum Islam; aber auch Angst vor religiösen Führern, also Angst vor Diskriminierung von zwei Seiten, also Angst letztlich vor psychischer wie physischer Gewalt.

 

Deutsche befürchten, dass solche Konflikte des Islams – und auch mit dem Islam - in unsere Gesellschaft getragen werden.

 

In Deutschland liegt laut unserer Verfassung das Gewaltmonopol beim Staat. Er garantiert die religiöse Freiheit auch aller Moslems. Jede eigenmächtige religiöse Gewalt ist verboten.

 

Also keine Angst.

 

 

 

 

Gebrauchsanweisung für ein Buch. (unfertig, Stand 19. Mai, 2005)

Dies sind Vorüberlegungen oder besser Nachüberlegungen zur Frage nach der Bedeutung des christlichen Glaubensbekenntnisses, oder eines religiösen Glaubensbekenntnisses allgemein als öffentliches Wertungskriterium.

 

Der Reiz des Öffentlichen

Mit der Frage nach der Gültigkeit des christlichen Glaubensbekenntnisses erzeuge ich bei entsprechender Formulierung nicht nur bei Christen des Abendlandes, sondern wohl weltweit das unangenehme Gefühl von Unsicherheit, Betroffenheit und ernte Ablehnung oder sogar Aggression, allenfalls Rechtfertigungsansätze. So ähnlich wird es auch Andersgläubigen ergehen, Moslems, Juden, Hindus, wenn ich deren Glaubenssätze schlicht für ungültig erkläre, denn ich berühre mit dieser Infragestellung nicht nur eine Ansicht, einen Glauben, den diese Menschen haben, sondern etwas, das diese Menschen sind: sie sind Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten. Ich stelle sie quasi als Menschen infrage, und ich berühre damit eine der drei Grundbedürfnisse oder Triebe des Menschen, wie ich begründen möchte, die als das Streben und Bedürfnis des Menschen nach Gültigkeit neben oder mit den beiden anderen Grundtrieben „Existenzerhalt“ und „Arterhalt“ eng verknüpft unser individuelles wie gesellschaftliches Leben bestimmt.

Dies ist unabhängig davon, ob diese sprachliche Gleichstellung von Haben und Sein im Fall von Religionszugehörigkeit und Identität auch in allen nicht-indogermanischen Sprachen derart deutlich betont wird, oder nur durch die Weltsprache Englisch zum allgemeinen Wertungskriterium wurde. Jedenfalls ist es die Vielschichtigkeit dieser einfachen Selbstverständlichkeit als Grundbedürfnis nach Gültigkeit, das im Extremfall schlicht Lebensrecht bedeutet, die uns bislang offensichtlich hinderte, diesen Grundtrieb als elementaren Lebenstrieb näher zu verstehen.

„Die Welt ist ein Narrenhaus, das Renommee macht alles!" meint Albert Einstein nicht zu Unrecht, als sei Geltung und Gültigkeit sogar das Hauptbedürfnis, und als sei Ungültigkeit und Lächerlichkeit die ärgste Bedrohung des Menschen.

Die Vielschichtigkeit eines solchen Gefühls zwischen Abwehr und Aggression wie auch von Abwehr und Aggression angesichts einer drohenden Ungültigkeit gilt es zu verstehen, was wir Christen zumindest vorerst nicht einfach den Religions- oder den Konfliktwissenschaften überlassen können, die ja selbst in diesem Gestrüpp von gültig und ungültig herumhangeln und rangeln.

Dieses einfache unangenehme Gefühl von Drohen und Bedrohtsein hinter jenem Geltungstrieb äußert sich in vier verlinkten Relationen:

Ø      Ich bin ungültig.

Ø      Der andere hält mich für ungültig: Ich bin bedroht.

Ø      Ich halte den anderen für ungültig: Ich drohe dem anderen mit Aggression.

Ø      Ich ernte Aggression gegen meinen Vorwurf, der andere sei ungültig, also gegen mein Urteil wider den anderen. 

Im eigenen Bewusstsein undeutlich weil kaum unter dem Vorzeichen „gültig“ und „ungültig“ thematisiert, gilt es weiter, die verschiedenen Begrifflichkeiten zu unterscheiden, die diesen Aspekt von Leben allgemein von der Ursache her bezeichnen (man ist brav, konform, ehrgeizig, loyal, integer, treu usw.), und zwar unterschieden von den Begriffen, die sich auf die Wirkung und auf das Verhalten beziehen (man verhält sich korrekt, gerecht, streng, aggressiv, fanatisch usw.) . Wie der Trieb zum Arterhalt und mit diesem zusammen, ist das Bedürfnis nach Gültigkeit und der Geltungstrieb also eine soziale Dimension, woraus sich entsprechend zwei weitere komplementäre Begrifflichkeitspaare ergeben, wechselseitig voneinander abhängig nämlich einerseits die der eigenen Gültigkeit, der eigenen Legitimität und Geltung, was wir im Tierreich hauptsächlich genetisch als eigenen Geruch, eigenes Aussehen und Geschlecht aber auch im eigenen Verhalten und Anspruch vorgegeben finden, andererseits hat sich eine Begrifflichkeit daraus entwickelt, wie man die Gültigkeit, Legitimität und Geltung des anderen und der anderen prüft, feststellt, akzeptiert, bejaht oder eben verneint und ablehnt und wie man dies äußert, bzw. wie man dadurch im eigenen Verhalten als Reaktion bestimmt wird.

Zum dritten haben zwei weitere Aspekte innerhalb des Menschlichen zwei weitere eigene Begrifflichkeitspaare hervorgebacht, die Angst vor Ungültigkeit und Ablehnung, vor Verfolgung und Vertreibung als Ungültiger, was nahezu mit Tötung und Todesangst gleichkommt, und des weiteren, das gemeinsame Bedürfnis und Bestreben nach der Gültigkeit der Gültigkeitskriterien, ohne die man sowohl die Orientierung wie auch die eigene Zugehörigkeit verlieren würde.

Geltung oder zumindest Gültigkeit im Urteil anderer Menschen ist die Voraussetzung  für jedes soziale Miteinander.

Diese etwas komplizierte Struktur des Geltungstriebes und die entsprechenden Begrifflichkeiten umfassen ein Großteil aller Aussagen des Folgenden, ohne dass dies bereits etwas mit Glaube, Theologie oder Religion zu tun hätte. Was immer unter dem Vorzeichen Erziehung, Bildung, Sozialisation, Inkulturation, Kultur, Nationalität, Sprache, Werte, Leitkultur, Kampf der Nationen und Kulturen, Zivilisation, Emanzipation und Entwicklung getan und gesagt wird und getan wie gesagt werden kann, ist aus jenen Grundtrieben und jenem Bedürfnis nach Gültigkeit und Geltung und der Furcht vor dem Ungültigen und der Ungültigkeit und Verneinung ableitbar.

Dies ist ganz unabhängig davon, ob diese drei Triebe „Existenzerhalt, Arterhalt und Gültigkeit“ genetisch genau derart im DNS-Code allen Lebens verankert sind, oder ob es sekundäre Strukturen, also nur die Folge mehr elementarer Anlagen sind, oder ob sie nur die logische Konsequenz bzw. die logische Voraussetzung von Leben darstellen, oder ob sie nur eine Zusammenfassung vieler Triebe oder Antriebe sind, die wir zusammen als Leben bezeichnen, d.h. ob es für die unterschiedlichen Aspekte jeweils besondere Gene gibt.

Wenn man aber bedenkt, dass die aktuellen Neurowissenschaften diese drei Triebe im Limbischen System und jenen Geltungstrieb dort im Hypothalamus und das Zugehörigkeits- und Treuegefühl in der Hypophyse lokalisieren, was entwicklungsgeschichtlich als der älteste Hirnbereich, als das Reptilienhirn bezeichnet wird, siehe >www.psych.utoronto.ca/.../TVO%20Episode%202.htm<,

sollten insbesondere wir Juden, Christen oder Moslems, ganz unabhängig davon, ob wir den empiristischen Darwinismus als inakzeptable Gegenthese zum biblischen Schöpfungsbericht ablehnen oder beides miteinander vereinbaren und differenzieren können, uns jedenfalls bewusst machen, dass es sich dabei um veranlagte Triebhaftigkeit handelt, die wir mit Fröschen, Haien, Rudelwölfen, Ratten, Hunden und Katzen gemeinsam haben, die ihre soziale Stellung und ihr Revier bis zum Tod verteidigen. Denn genau all das, was heute allgemein unter die Identität eines Menschen gezählt wird, nämlich „das Revier“ der Zugehörigkeit, das man als Geltung und Gültigkeit sowohl für sich erobert und behauptet und erweitert wie auch gegen den verdrängenden Anspruch und Angriff anderer auf das eigene Revier als drohende eigene Ungültigkeit verteidigt als den regionalen Bereich – oder gar als Besitz einer Sprache, Religion, Rasse oder Kultur, was wir als „höheres“ Ich oder gar höchstes Gut des Individuums definieren, für das man zu töten und zu sterben bereit ist, all das geht zurück auf animalische Instinkte und Triebhaftigkeit. Es handelt sich also um tierische Triebhaftigkeit, von der man getrieben wird und gegen deren triebhafte Gewalt man sich wehrt, wenn sie einem von anderen droht. >http://www.lebenskreise.info/docs/1051867533.pdf>

Während wir ersteren Trieb, Existenzerhalt als genetische Kondition angenommen, wohl derart auch für alles pflanzliche und nichtmenschliche Leben annehmen können, sehen wir den Menschen in seiner freien Entscheidungsmöglichkeit und Verantwortung diesen drei Trieben allesamt zwar unterworfen und von diesen abhängig, - die Menschheit wäre ohne sie ohne Zweifel innerhalb weniger Wochen ausgestorben -, jedoch in jeweiligen konkreten Entscheidung noch zusätzlich dem jeweils individuellen Urteil, der menschlichen Vernunft und damit der Entscheidungsfreiheit und Verantwortung als einer ethischen Dimension gegenübergestellt.

Dies sei dem Folgenden vorangestellt und immer vorausgedacht, worin es uns hauptsächlich um den Trieb oder das Bedürfnis nach Gültigkeit und Geltung, also um Revierabstecken, Zugehörigkeit, Hackordnung usw. geht, womit ich mit Absicht auch für Menschen die Bezeichnung „tierische Triebhaftigkeit“ benutze, worin wir uns auch als Menschen durchaus wiedererkennen, wie es die zuletzt genannte Webseite ja auch nachweist. Es bedeutet aber dennoch nicht, einem Determinismus das Wort zu reden, wie es jener Aufsatz von Thomas Assheuer „Hartz IV in der Synapse“ zur Diskussion bringt:

 http://zeitonl.ivwbox.de/cgi-bin/ivw/CP/allg_wiss;";var szmvars="zeitonl//CP//allg_wiss";

 

Längst schon, liebe Leserin und lieber Leser, werden Sie befremdet fragen, was dies alles mit dem christlichen Glaubensbekenntnis zu tun haben soll, - wenn Ihnen nicht die beiläufige Erklärung aufgefallen sein sollte, dass ich bei dieser groben Skizze der archaischen Werte, die ja eindeutig aus dem triebsteuernden limbischen Bereich des Zentralhirns stammen und nicht aus dem Evangelium, bereits auf die Verknüpfung unserer Urteile hinwies, wo das Prädikat „gültig“ vorausgesetzt ja gleichgesetzt wird mit „zugehörig“, „wahrhaftig“ und „wahr“. Und in der Tat ist das alte Glaubensbekenntnis neben dem Vaterunser das große Verbindungsstück der Christenheit sowohl sozial untereinander wie auch historisch bis zu den Ursprüngen der ersten Gemeinden, wobei das Prädikat „Christenheit“ spätestens seit den islamischen Eroberungszügen und den Christianisierungskriegen unter den deutschen Kaisern auch eine territoriale Dimension und damit eine politische, staatsrechtliche und strafrechtliche Bedeutung erhielt. Die Herkunft aus einem „christlichen“ oder „islamischen“ Revier, Bereich, Herrschaftsgebiet usw. wurde zur entsprechenden Identität der Menschen, nicht nur die jeweilige Zugehörigkeit zu einem „Rudel“, einer „Herde“ als einem Volk und einer Sprache zum Prädikat, sondern noch grundsätzlicher auch zum konstituierenden Subjekt: „Ich bin Christ.“, „Ich bin Moslem“, „Ich bin Deutscher.“. Und die unvorstellbare Grausamkeit bei den Religionskriegen und später bei den Nationalkriegen, wo eine jeweils andere Zugehörigkeit und Identität eines Menschen zugleich seine Ungültigkeit bedeutete und oft genug auch seinen Tod, ergab sich eben nicht aus dem Glaubensbekenntnis und stand mit dem wahren jeweiligen Glauben sogar in einem Widerspruch, wie er extremer kaum vorstellbar ist, sondern entstammt jener archaischen und triebhaften Wertung, die wir mit Wölfen und Haien gemeinsam haben.

Heute gilt es, das Triebhafte unserer archaischen Wertungen zu verstehen, nach denen wir uns oder etwas werten und gewertet werden, soweit sie sich sogar mit den höheren religiösen Werten vermengt haben, die uns gerade von der tierisch triebhaften Abhängigkeit oder gar Determiniertheit lösen sollen, wobei sie oft stattdessen zu deren Vorzeichen wurden, den christlichen, islamischen und jüdischen, wo immer sich Religion, Sprache, Kultur und Zivilisation territorial als Urteil über gültig und ungültig definiert oder eben, wie es unser Thema ist, einerseits sozial als gültige Zugehörigkeit wie auch in Korrelation als Gültigkeit der Gemeinschaft, zu der man gehört, andererseits.

Und gerade bei Letzterem gilt es das tierisch Triebhafte einerseits des Öffentlichen der eigenen Gültigkeit und Geltung als Grundbedürfnis zu erkennen und dies eben nicht als das eigentlich Höchste zu hypostasieren, wo es doch nur um Übereinstimmung, um Mitlaufen und anpassen geht, statt um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, wie es sich andererseits auch bei der Öffentlichkeit eigentlich um das Phänomen einer blinden Hammelherde handelt, wo jeder mitläuft, weil jeder mitläuft.

Die Grundgefahr gegenüber diesem limbischen Bedürfnis als dem Ninivesyndrom der haltlosen gesellschaftlichen Verkommenheit ist, dass gegenüber der Vordergründigkeit der bewussten Wertungen in Form von tausend Argumenten, deren logische und vernünftige Verknüpfung und Rechtfertigung als die zivilisierte oder kulturelle Leistung im Großhirn lagert, der Mensch sein Menschsein aufgibt und, wie man sagt, zum Tier wird, zum Triebtäter oder zur Meute und dazu womöglich noch christliche oder religiöse Argumente benutzt als Rechtfertigung.

Das Recht zu solcher ungehemmten Willkür gestand man in den vorchristlichen Kulturen nur dem Leitwolf oder dem Leithammel, also dem Despoten zu, dem stärksten, den niemand durch Wertung hindern konnte, dem Abgott, dem Moloch, dem Kan, Pharao, Zar, Caesar, Kaiser, König oder Herrscher, der sich jede Willkür erlauben konnte.

 

Die tausend oder hunderttausend Kriterien oder Argumente für Geltung und Gültigkeit, nach denen dagegen die Gemeinschaft das Individuum beurteilt und das Individuum die Gemeinschaft und jeden Einzelnen der Gemeinschaft, dürfte also auf höchster Stufe, also auf der sozialen Stufe der Gemeinschaft als Zivilisation, Religion oder Kultur dennoch wie im Tierreich, vornehmlich die Art selbst sein, und dieser untergeordnet die jeweils individuelle Art verschiedener „Herden“, „Rudel“, Völker, Sippen, und diesen untergeordnet wiederum das individuelle Gen.

 

Funktionen der Öffentlichkeit.

 

Beim Menschen sehen wir diese groben genetisch bedingten Kriterien dieser Triebe als Triebhaftigkeit quasi kultiviert und zivilisiert hochdifferenziert unterteilt in eine Vielzahl weiterer archaischer Kriterien oder Argumente, die je nach Zugehörigkeit gelernt werden und in der Großhirnrinde gespeichert sind und zu unserem Bewusstsein gehören, die im Laufe der Geschichte und Entwicklung entstanden sind, wie Sprache, Kultur, Religion, Kleidung, Benehmen, Gestik, Konventionen, Traditionen, Besitz und alles, was bis ins kleinste Detail dazugehört., nach denen der Einzelne gewertet wird und nach denen er wertet, wobei er als Einzelner zugleich die eigentlich konstituierende Realität des Wert- und Wertungsgefüges ist.  Dies wird im Rahmen der Sozialisation und Inkulturation wie die Sprache gelernt oder „angenommen“, wobei wechselseitig Gültigkeit als Erfüllung des Urtriebes an der Übereinstimmung der Argumente mit denen der Gemeinschaft gemessen wird. Die jeweilige Übereinstimmung ist sowohl Gültigkeitskriterium wie auch Wahrheitskriterium. „Man spricht nicht mit vollem Mund.“ „Man gibt die rechte Hand zum Gruß.“ „Die Rechte kommt vom Herzen.“ usw.. Was alle glauben, muß wahr sein.

Hierbei, beim Gültigkeits- als Wertkriterium, sehen wir selbst die Bestimmung der eigenen Art, z.B. weltanschaulich, als Gültigkeitskriterium für das Bedürfnis oder den Trieb nach Gültigkeit dieser Vernunft ausgesetzt, die unvermeidlich nichts mehr als Voreingenommenheit ist, die man+++++.

In unserer christlichen Grundsätzlichkeit gilt es, die jeweilige Wertung und deren Folge zu verantworten. Wir müssen diese Korrelation von Individuum und Gemeinschaft bezüglich der Geltung oder Gültigkeit gesellschaftskritisch wie auch selbstkritisch hinterfragen: einerseits, wie die anonyme Allgemeinheit den Einzelnen sieht und behandelt, also ausstößt, akzeptiert oder bevorzugt, je nach seiner Übereinstimmung mit den geltenden Gültigkeiten, andererseits kann und darf das Individuum die Verantwortung für sein Werturteil und Verhalten nicht blind oder automatisch auf die Allgemeingültigkeiten der anonymen Allgemeinheit abladen, übertragen oder mit dieser rechtfertigen. Aus dieser reflektiven selbst- und gesellschaftskritischen Einsicht heraus ergibt sich die gesellschaftliche Entwicklung einer jeden Wertegemeinschaft, einer jeden Sprache, Kultur und Religion.

Das eigene Verhalten steht dabei immer in einem selbstkritischen wie auch gesellschaftskritischem Verhältnis zur Gewohnheit und Konvention.

Genau dies ist konstituierendes und keineswegs unkonventionelles Verhalten.

Man geht unter Leute seinesgleichen, um sich abzugleichen, d.h durchaus auch, um sich anzugleichen und auszugleichen, aber eben auch, um seinen Platz zu behaupten neben anderen oder über andere; man putzt sich aus, mit Kleid oder Pelz, mit Krawatte oder Hut und tritt entsprechend auf, man kämpft um seinen Platz in der Hackordnung.

Es gibt bis heute noch keine Wissenschaft, die diesen komplexen Prozess des normalen Alltags bereits zum Thema hätte. Norbert Elias in seinem „Prozess der Zivilisation“ und auch Hermann Broch in den „Schlafwandlern“ sehen und unterstreichen zumindest die Notwendigkeit einer Ausweitung der Soziologie, sind aber dennoch – wie nicht anders die betroffenen Wissenschaften und auch die Theologie selbst - blind für die Bedeutung des Glaubens in diesem Entwicklungsprozess. Im Gegenteil sind auch dort oder gerade dort Geltung und Gültigkeit ganz natürlicher Weise Trieb und Antrieb und zugleich Urteils- wie auch Wahrheitskriterium, und setzen irrtümlich Weg und Ziel diesen Trieben gleich.

Die Erfüllung dieser Triebe wird irrtümlich gleichgesetzt mit dem Streben der Menschheit wie des einzelnen Menschen. Die Erfüllung dieser natürlichen Triebe ist weder Seligkeit noch Glückseligkeit. Man kann weder die Kuh auf einer fetten Weide, die regelmäßig kalbt und ihren Platz in der Herde hat, als selig oder glückselig bezeichnen, noch den Menschen, der Ansehen, Auskommen und Familie besitzt. Die Überbefriedung oder Pervertierung der Triebe durch Macht, Reichtum und exzessiven Sex und zahllose Kinder bedeutet erst recht nicht Glückseligkeit sondern ist abartig.

 

++++ Öffentlichkeit

(Geltung und Gültigkeit als Trieb und Bedürfnis sind die beiden Koordinaten der Öffentlichkeit im Positiven, die sowohl Physiognomie einer Gemeinschaft ist wie auch als Bühne, Koordinator und Vollstrecker fungiert, was in der Negation Verneinung, Ungültigkeit und Feindschaft bedeutet.)

 

 

Ohne diese Triebe wäre, wie schon gesagt, die Menschheit in wenigen Wochen ausgestorben. Dennoch ist die Existenz der Menschheit wie die Existenz des Menschen nicht das Ziel des Lebens, des Menschen oder der Menschheit. Dies gilt es rein logisch zu sehen. Diese Triebe gehören zur quasi biologischen Grundstruktur des Lebens, wie das Fenster zu einem Haus gehört. Das Fenster ist jedoch nicht der Sinn des Hauses.

Diese recht verbreitete Verirrung gilt es als solche zu verstehen.

 

Gültigkeit von Religion, von Konfession oder Glaubensbekenntnis z.B. bestimmt entsprechend bis heute noch wohl zu 90% aller Eheschließungen und Erziehungskonzepte für Kinder auf der Welt. Dies hat neben der blinden Voreingenommenheit gegenüber anderen Religionen, Konfessionen, Nationen, Hautfarbe usw. jedoch noch einen tiefer anzusetzenden Grund, der nicht einfach verworfen werden kann, und wir sehen zum einen, wie eng diese Triebe ontisch miteinander verknüpft sind, und zum anderen, wie sehr das menschliche Urteil sowohl über das, was Art ist, wie über das, was gültig ist, dem menschlichen Urteil, der menschlichen Irrtumsmöglichkeit, der Entscheidung wie auch der individuellen Verantwortung unterliegt und damit der Reflektion bedarf dessen, als was wir uns selbst jeweils unser bewusst sind: als Natur und Teil der Natur und von ihr bestimmt und abhängig einerseits, oder in der übernatürlichen Dimension der freien Entscheidungsmöglichkeit und der Verantwortung sowohl für die Natur, wie auch ihr gegenüber. Denn vom Letzteren wissen wir heute, dass andernfalls die Natur den Menschen wegräumen oder beseitigen wird. Dies gilt für die Existenz des einzelnen genauso, wie für die Existenz des Menschen als Art oder Spezies überhaupt.

Der Mensch wie die Menschheit kann also zum einen in solcher Freiheit Selbstmord begehen oder nicht, zum anderen kann der Mensch über diese Natur des sterblichen Menschseins hinaus gehoben werden, wie der Christ glaubt, mit Gottes Hilfe.

Zu keiner anderen Zeit der Menschheitsgeschichte gingen solche Vorstellungen derart über den abstrakten Glauben hinaus und wurden Bestandteil konkreter menschlicher Entscheidung und Berechnung, ohne dass der Menschheit wie dem einzelnen Menschen, und leider auch nicht den Theologen aller Religionen in gleicher konkreter Weise klar ist, was nun unter Existenz, unter Natur und Freiheit und unter einem Jenseits der Natur, und was im Verhältnis zu beidem unter dem Bedürfnis oder dem „natürlichen“ Trieb nach Gültigkeit entsprechend konkret zu verstehen ist, das genau dieses Verhalten mehr zu bestimmen scheint, als die natürlichen Triebe Existenzerhalt und Arterhalt.

Wenn mit dem Ende des 2. Weltkrieges und der Kolonisation auch die Frage nach der Gültigkeit der Rasse und Hautfarbe als Gültigkeitskriterium wohl überwunden oder wenigstens zurückgedrängt wurde, so bleiben aktuell die (vielleicht ebenso fragwürdigen) Fragen nach dem Gültigkeitskriterium der Nationalität, der Konfessionalität und Religionszugehörigkeit und das inzwischen politische Kriterium der Freiheit zur freien Entscheidung als die gültige Natur des Menschen und sein Menschenrecht, für das Menschen die individuelle Existenz wie sogar die Existenz der Menschheit als Art ganz bewußt riskieren, wie es der „Kalte Krieg“ nach dem 2. Weltkrieg demonstrierte.

Wenn Gorbatschow und Teng Hsiao-ping diese offensichtlich blinde Verfangenheit in totaler Konfrontation verschiedener Gültigkeiten einem gegenseitigen Vertrauen unterstellte, war dies ein Akt der vernünftigen Entscheidung, nämlich das Spiel solchen offensichtlichen Unsinns zu beenden: Auf der westlichen Seite vereinfacht „Lieber tot als rot.“, und im Osten vereinfacht „Lieber tot als nicht rot.“ Diese erschreckende Disposition, die Verfügbarkeit über die Existenz eines bewohnbaren Planeten und damit der menschlichen Existenz, die vor der Gorbatschowschen Wende offensichtlich unfertigen politischen Vorstellungen sogar untergeordnet waren, und die sich nach der Wende noch dringlicher weil nahezu schicksalhaft zwar den politischen, weltanschaulichen und religiösen Gültigkeiten überordnet: Umweltverhalten und Eindämmung von Terrorismus z.B. steht als Voraussetzung einer weiteren Existenz der Menschheit über religiöse, nationale und politisch-kulturelle Gültigkeiten.

In diesem Wandel wird das, was in überkommener Begrifflichkeit als Welt, Existenz und Sein gemeint ist, z.B. die Welt, immer mehr zu einem Instrument außerhalb des eigenen Lebens, zum Planeten Erde, der zum Sonnensystem, zur Milchstaße usw. gehört das Auto Instrument ist zur Mobilität.

 

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Nach Martin Heidegger geht die christlich-abendländische wie auch die islamische Vorstellung einer Welt oder der Wirklichkeit zurück auf die missverständliche Übertragung der griechischen Vorstellung von Substanz und Akzidenz in das spätere römische Denken, das von den Theologen der beiden großen Religionen übernommen wurde. Heidegger in »Der Ursprung des Kunstwerkes«: „Sie (die mißverständliche Übersetzung) beginnt mit der Übernahme der griechischen Wörter in das römisch-lateinische Denken. upocειμεnon wird zu subiectum; npostasιz wird zu substantia; suμβεβhcoz wird zu accidens. Diese Übersetzung der griechischen Namen in die lateinische Sprache ist keineswegs der folgenlose Vorgang, für den er noch heutigentags gehalten wird. Vielmehr verbirgt sich hinter der anscheinend wörtlichen und somit bewahrenden Übersetzung ein Übersetzen griechischer Erfahrung in eine andere Denkungsart. Das römische Denken übernimmt die griechischen Wörter ohne die entsprechende gleichursprüngliche Erfahrung dessen, was sie sagen, ohne das griechische Wort. Die Bodenlosigkeit des abendländischen Denkens beginnt mit diesem Übersetzen.“

Diese „Bodenlosigkeit“, die sich in der theologischen Drei-Etagen-Vorstellung unserer Existenz und Welt als „Materie, Leben und Geist“ ( nach Hans Küng) dann wiederfindet und weiter verstrickt, entpupte sich in der modernen Naturvorstellung seit der Aufklärung bei Kant und der gegenwärtigen Physik als eine Verbindung ungreif- und unbegreifbarer Annahmen: Die Substanz als das, was eine Eigenschaft hat, wie auch die „accidens“, die diese Eigenschaft ist, wie dann auch jene drei Küngschen Etagen, sind als Unterschiedliches nicht real, nicht wirklich, was logischer Weise entweder gegen den christlichen und islamischen Glauben zum Skeptizismus und Nihilismus und zum Atheismus führte und führen bzw. verführen müßte, dem Heidegger (vergeblich) durch ein genaueres Verständnis der Griechen und durch einen Rückgriff auf die Vorsokratiker zu entgehen versucht++++++++++

Terroristen. Heidegger versucht der Konsequenz der Erkenntnistheorie bei Kant und Hegel und überhaupt dieser Welt als theoretische Konzeption des Schöpfers bzw. unseres Verstehens zu entkommen, indem er Erkennen bereits als Verhalten zu sehen versucht, das noch vor aller Theorie und Erkenntnis anzusetzen sei.

Ein Ansatz, der von Heidegger zwar aufgegeben werden musste, der in der Gegenwart von Gerold Prauss durch eine neue Zeitauffassung unter anderem Vorzeichen als die Praktizität unseres Erkennens neu angesetzt wurde, (Die Welt und wir).

Bei Prauss wird Erkenntnis und Erkanntes, Ding und Eigenschaft, Theorie und Praxis und selbst das Ding-an-sich und das Sein-an-sich als Strukturelemente unserer Erkenntnis als Praktizität von Leben aufgrund unserer Natur nur noch zur bewusst erkennenden nichtempirischen Natur des Menschen.

Dieser gigantische Versuch von Gerold Prauss mag dem traditionellen Naturphilosophen, der von der scheinbar „empirischen Wirklichkeit“ ausgeht, deren „Realität“ jedoch aus nichtempirischen und empirisch unfaßbaren Elementen wie Ding und Eigenschaft besteht und ganz selbstverständlich unsere Welt darstellt, befremdlich wirken, er zeigt jedoch für den Künstler wie für den modernen Theologen die widerspruchsfreie Denkbarkeit solcher Wirklichkeit von Ding und Form, von Theorie und Praxis, von Kunst und Wahrnehmung, von menschlicher Willensfreiheit und Verantwortung, und dem entsprechend die Denkbarkeit von Körper und Geist wie von Glaube und Kirche.

 

Lust-Unlust, Hume positiv-negativ Widersprüche, Umwelt, Tradition (Seite 481 Küng)

Gennatur, Natur des freien Menschen zwei Ebenen

Ein solches Ding, das nicht selbst erscheint, ein „Ding an sich" nämlich, ist nach Kant z. B. das Ganze der Welt, ein solches Ding ist sogar Gott selbst. Dinge an sich und Dinge, die erscheinen, alles Seiende, das überhaupt ist, heißt in der Sprache der Philosophie ein Ding.

drei Etagenvorstellung der Existenz – Materie, Leben Geist -

 

In dieser grundsätzlicher verstandenen Dimension der Natur des Menschen steht der Mensch über der Natur und ist mit seiner Verantwortung für sich, für die Menschheit und die Natur mit seinem Gewissen durchaus übernatürlich oder sogar unnatürlich und nicht ein Produkt der Natur, etwa eine vom Affen her weiterentwickelte Spezies oder Eigenschaft im Sinne von Darwin.

In diesem Sinne ist das Geschehen Jesu denkbar als Erkenntnis und zugleich Wort Gottes als Verhalten gegeben und aufgegeben. Nach Heidegger ist Kunst dagegen noch das Geschehen der Wahrheit im Bild, wobei das Subjekt nur Teil oder Medium des Wirklichen, des Geschehens ist.

Der kunsttheoretische Aspekt solcher Konsequenz und Denkbarkeit deckt bei Prauss auf viele Parallelen von Kunst und Religion auf, so dass sich heute die Religionen weitgehend nicht nur als menschgemachte Kunstgebilde verstehen lassen, sondern die Kunst als Gebärerin nicht nur von Götzen und Göttersagen, als Realisationen kausaler Schöpfungen unserer Phantasie und von religiösen Glaubensinhalten offenbart, sondern zum Teil als Ursprung der Religion zu verstehen ist, was wir solange als harmloses Beiwerk des Glaubens reflektiert dulden dürfen, wenn wir z.B. Gott bei unserem Gebet oben über uns im Himmel wähnen, was wir jedoch als Gültigkeitskriterium zu überwinden ist.

 

 

In der Abhängigkeit und genetischen Verwandtschaft von der Natur, auch der des Affen jedoch

 

 

Grundsätzlich sollte diese Gebrauchsanweisung für jede Art Veröffentlichung in unserer neuen globalisierten Welt gelten, sei es die auf dem Jahrmarkt des Fernsehens, des Rundfunks, der Zeitungen, seien es jeder Art Pamphlete, Ansprachen, Nachrichten, Instruktionen, Proklamationen, Gesetze, Satzungen und Kommentare, also für alles, was sich derart von der privaten Mitteilung und Kommunikation zwischen Individuen unterscheidet.

Was mit einem solchen Versuch einer Gebrauchsanweisung für ein Buch nur beabsichtigt sein kann, ist, unser normales, d.h. weitgehend unreflektiertes und unthematisiertes Verhältnis zum Öffentlichen, wie es ein Buch als Veröffentlichung darstellt, zu reflektieren und zu thematisieren und den Leser vorab zu einem richtigeren, d.h. reflektierten und damit emanzipierten Verhalten oder Verhältnis aber nicht nur zu derlei Publikationen anzuleiten, sondern zur Öffentlichkeit schlechthin. Damit wird auch sogleich deutlich, dass sich dies Vorhaben keineswegs schon vorab auf ein klar definierbares Verhältnis von zwei eindeutig unterschiedlich definierten klaren Positionen bezieht. Denn neben dieser Unterscheidung, der öffentlichen von der privaten Mitteilung, gilt es zusätzlich zu unterscheiden die Mitteilung im Namen der Öffentlichkeit von der Mitteilung oder von dem Apel an die Öffentlichkeit. Außerdem kennen wir private Dialoge und Ansichten, die dennoch längst Bestandteil des öffentlichen Bewußtseins sind, ich denke hier an öffentlich überlieferte Privatgespräche in der Bibel wie in der Dichtung und Geschichte. Wir können also nicht ohne weiteres von bereits klaren Positionen sprechen, hier der Privatmensch und das private Gespräch und dort die Öffentlichkeit mit allen Publikationen, die eben Unterschiedliches darstellen und unterschiedliche Eigenschaften besitzen, für die es nur noch ein rechtes und richtiges Verhältnis zueinander zu finden gilt. Denn ohne Zweifel gehört der Privatmensch mit seinem Verhalten zum Öffentlichen mit zu eben dieser Öffentlichkeit; er ist quasi die Materie und damit eine wesentliche Eigenschaft des Öffentlichen.

Letztendlich, um den Aufriß der Komplexität noch zu erweitern, gilt es bewusst zumachen, daß in unserer Zeit mehr oder weniger explizit alles, was wir an wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und Gesetzen „wissen“, den allgemeinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt, was sich nicht von dem unterscheidet, was wir unter einem öffentlichen Statement oder Anspruch verstehen.

Damit sollten Ihnen in jedem Fall Ihre eigene Wert- und Gültigkeitserwartung an eine Veröffentlichung einerseits und auch der normale meist unausgesprochene Wert- und Gültigkeitsanspruch einer Veröffentlichung durch Staat, Religion und Konfession, durch Verein, Partei, Wissenschaft und Wissenschaftler, Autor, Redakteur, Regisseur, Künstler usw. andererseits bewusst werden.

In diesem Korrelat zweiartiger Erscheinungen der Wertung von Geltung und Gültigkeit des Öffentlichen als Anspruch wie als Erwartung einer Allgemeingültigkeit, sei es im Gegensatz zur privaten Meinung die einer Veröffentlichung oder einer allgemein bekannten Aussage, einer Proklamation, einer Weisheit, eines Liedtextes, eines Sinnreimes, einer Gewohnheit usw., da steht im Hintergrund zum einen die gnadenlose Diskretion von entweder gültig oder ungültig, wie es oft bei unterschiedlichen Kulturen oder Traditionen gegeneinander stehen kann. Hier bedeutet das Urteilskriterium „entweder oder“, „entweder gültig oder ungültig“ sowohl für die Veröffentlichung, wie auch für die Rezeption, d.h. sowohl für den Proklamator wie für den Rezipienten oft regelrechte Existenzangst. Denken wir an der Sinnspruch „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“. Hier kann das Urteil „ungültig“ durchaus Isolierung oder Ausschluß aus der Gemeinschaft bedeuten, und war in früheren Zeiten nicht selten das Todesurteil, sowohl für den, der veröffentlichte wie für den, der einer ungültigen oder als ungültig erachteten Äußerung anhing; und bedeutet bis heute nicht nur auf den Dörfern tödliche bis diskriminierende Blamage. Ich denke, dass wir hierin auch die Beharrungskraft sehen können, mit der sich sowohl gute Traditionen, Erfahrungen, Gewohnheiten und Weisheiten erhalten, wie aber auch manch Unsinniges und Überholtes.

Neben solcher Angst vor den Folgen des diskret-übergangslosen Urteils „gültig oder ungültig“ gibt es zum anderen zugleich die Sukzession der Geltung, die der Mensch oder eine Aussage durch Qualität, Kontinuität, Rezeption und Antizipation mehr und mehr gewinnt oder verliert. Darin müssen wir eine noch stärkere Kraft sehen, die eine Kultur ausmacht, die einmal allein durch die Tradition und durch die Zeit an Qualität von Gültigkeit gewinnt, z.B. an Gemeinsamkeit, und zunimmt, bzw. sich abbaut, sich verändert oder emanzipiert. Die zum anderen eben anstrebbare Geltung als Qualitätskriterium bedeutet, sowohl für den Autor wie für den Rezipienten somit Hoffnung, Antrieb, Ziel, Lohn, Bedeutung, was eben anstrebbaren Gewinn an Bedeutung bedeutet.

Diese beiden Kräfte, Angst und Antrieb oder Angst und Hoffnung, keineswegs als Verhältnis zu Gott oder zur Wahrheit, sondern gegenüber der jeweiligen Gemeinschaft und zwar als Öffentliches, und nur von daher als Gültigkeits- und Richtigkeitskriterium, sind nicht die einzigen, wie wir am Ende dieser Gebrauchsanweisung für ein öffentliches Buch noch ableiten werden, sondern bilden mit weiterem zusammen einen Grundtrieb im Menschen, der neben den Trieben zum Existenzerhalt und Arterhalt nicht nur beim Menschen genetisch zu dem gehören, was wir Leben nennen.

Dies gilt dann aber auch für das christliche Glaubensbekenntnis in beiderlei Sinn und Unsinn.

Sie sollten sich mit und mittels einer Reflektion zumindest selbst in ein bewusstes und emanzipiertes Verhältnis zum Öffentlichen bringen, nämlich Ihre eigene Werterwartung in ein bewusstes Verhältnis zu dem Attribut einer Veröffentlichung, soweit es Gültigkeits- und Wertanspruch bedeutet und nicht zu früh – wenn überhaupt – dem natürlichen Konsensbedürfnis nachgeben, dem „natürlichen“ und archaischen Prinzip jeder Gemeinsamkeit, durch das es die Gemeinsamkeit der Sprache, der Religion, der Kirche oder Partei nur geben kann, wie eben auch die Gemeinsamkeit als Wissenschaft, Staat, Nation oder Kultur und derart Gemeinschaft, und das heißt: Etwas gilt deswegen, weil alle es für gültig halten.

Die Relevanz dieser ambivalenten Art als die Voraussetzung und Möglichkeit jeder Kommunikation und Erkenntnis wie zugleich ihrer Grenze sehen wir dann am Ende dieser sicher merkwürdigsten Gebrauchsanweisung. Ebenso die Skizze einer Definition dessen, was wir unter Entwicklung des menschlichen Bewusstseins verstehen, von Generation zu Generation, wie von Augenblick zu Augenblick, für die jene Möglichkeit wie auch jene Grenze die Voraussetzung ist.

Es sind die neuen Medien++++ ich z.B.

 

Ich meinerseits will jede Parteinahme verweigern, die ihrerseits nichts anderes fordert, will aber in jedem Fall versuchen, die bestehenden Positionen und ihre Argumente der Bewertung     und deren Begründung verständlich zu machen, - zumindest aber sie zu verstehen und miteinander zu vereinbaren, und muß dies hier am Ende wiederum begründen. Denn grundsätzlich muß hier jede „Auseinandersetzung“ im Sinne von „ja oder nein“ als Unvereinbarkeit von Privatheit und Öffentlichkeit in eine Sackgasse führen.

Wie solcher Automatismus einer Entscheidung, was eben keine Entscheidung wäre, insbesondere in theologischen Fragen zu Fehlverhalten führt, wie es übrigens viele moderne Science-Fiction zum Thema haben, lässt sich leicht an zwei aktuellen Beispielen demonstrieren.

  1. Man sagt, dass sich der Buddhismus darauf begründe, Leid und Schmerz zu überwinden, was als „Ja“ für den Buddhismus gelten soll; andererseits wissen wir, dass Leid und Schmerz die angeborenen Regulativen unseres Körpers sind, die uns warnen und davor beschützen sollen, uns selbst zu verbrennen, zu stoßen, zu verdursten und zu verhungern. Zahnschmerzen sollen uns warnen, die Zähne nicht zu putzen. Aus dem Leid der Kriege lernen wir, diese zu vermeiden. All das könnte als ein „Nein“ gegen den Buddhismus gesehen werden, denn Leid und Schmerz sind lebenswichtig.
  2. Man sagt, dass der christliche Glaube die normalen Triebe des Menschen, wie Sex, Geltungstrieb, Gütererwerb, Egoismus ablehnt, was als „Ja“ zum christlichen Glauben gelten soll; aber wir wissen, dass die Triebe Geltungs- und Gültigkeitstrieb, Arterhalt und Existenzerhalt angeborene Triebe sind, ohne die die Menschheit, aber auch die Pflanzen und Tierwelt in wenigen Wochen ausgestorben sein würde, was wir ja nicht wollen, und was als „Nein“ zum christlichen Glauben gelten könnte, - wie denn auch von vielen vertreten wird.

Auf der Hand liegt, dass in beiden Fällen die einfache automatische Alternative „Ja oder Nein“ nicht vernünftig und auch keine Lösung, geschweige denn Erlösung wäre, insbesondere dann, wenn dieses öffentlich apodiktisch sogar als Programm verkündet würde, sei es als obiges „Ja“ oder als „Nein“, was immer „man“ befürworte.

Was als Spekulation, Taktik und Strategie in der Politik normaler Alltag und rhetorisches Handwerkzeug ist, dass der Gültigkeits- und Wahrheitsanspruch durch die Veröffentlichung z.B. einer Proklamation in das offene Ohr der Gültigkeits- und Wahrheitserwartung bei der Öffentlichkeit trifft und durch das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit als Übereinstimmung entsprechend verstärkt wird, sollte in unserem Diskurs über Glaubensfragen vermieden werden, weil genau dies als Zentrifugalkraft einem friedlichen, sachlichen und gegenseitigen Verständnis in einer kleiner gewordenen Welt entgegensteht.

Als ja bestehendes unterschiedlich Gedachtes über Glaubensfragen der unterschiedlichen Gemeinsamkeiten kann die Kenntnis von realen anderen Denkbarkeiten als reale andere Gemeinsamkeiten und Gemeinschaften nur bereichern und verbinden, nämlich als verschiedene und dennoch mögliche Denkbarkeiten nebeneinander.

Wie soll man also ein Buch als Statement zu dieser Frage lesen, ob man das gemeinsame Glaubensbekenntnis von Milliarden Christen und von den vielen weiteren Milliarden Christen vergangener Generationen ändern soll, von denen wir den christlichen Glauben übernommen und geerbt haben?

Wäre es etwas anderes, wenn wir die Frage diskutieren wollten, ob man die beiden Türme des Kölner Domes in ihrer alten Form erhalten oder durch ein paar moderne ersetzen sollte? Es wäre doch heute geradezu kindisch, wenn sich beide Denkbarkeiten in der Form von unversöhnlichen Parteien gegenüberstünden ohne gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen jeweils gegnerischen Argumente!

 

Damit geht es hier um den Entwurf und Gebrauch und die Einschätzung einer neuen Art von Veröffentlichung in Buchform, Boock on Demand und Internet. Ich kann und will Ihnen deswegen, verehrte Leserin und verehrter Leser, innerhalb dieser Buchreihe auch keine fertige, gut gegliederte und durch die Veröffentlichung quasi als kompetent legitimierte Erkenntnis in der Form einer „einzigrichtigen“ Antwort oder Information übergeben, was immer dies auch bedeute und wie immer dies sonst geschehe, sondern ich kann nur versuchen, Sie zu einem Stück eigener Erkenntnis, Vernunft und allerdings auch Verantwortung zu führen, während Sie meinem Gedankengang folgen, und dazu sollten Sie den gegenwärtigen weltweiten Diskurs zu dieser Form einer Mitteilung, nämlich der öffentlichen Mitteilung wahrnehmen und berücksichtigen. Denn anders als bei der absurden Frage, ob man die Türme des Kölner Domes erhalten oder ersetzen solle, letztendlich eine einfache Frage der Entscheidung von Ja oder Nein, betrifft die Frage nach unserem christlichen Glaubensbekenntnis viele Milliarden Menschen in Gegenwart und Vergangenheit. Und die öffentliche Proklamation z.B. einer positiven Stellungnahme zur Frage Ja oder Nein, die sich zudem durch die Veröffentlichung zu legitimieren versucht, würde die Öffentlichkeit der Christenheit selbst verneinen, und damit auch den Glauben der Christen, den wir von ihnen geerbt und übernommen haben. Eine vernünftige Antwort muß also beides vereinen und vereinbaren, sowohl „Ja“ wie auch „Nein“.

Die Not der Christenheit und eigentlich jeder Religion und Kultur der Gegenwart in dieser Frage, was es zu verdeutlichen gilt, ergibt die Notwendigkeit einer klaren Antwort, die eben nicht einfach ist, nicht Parteinahme für „Ja“ oder „Nein“. Dabei ist der direkte oder indirekte Alleingültigkeitsanspruch jeder „Wahrheit“ nur eines der Probleme.

Ich werde aber versuchen, Ihnen die Lektüre durch Überschriften zu erleichtern.

Sie werden im Text dieser theologisierenden Veröffentlichung zum Thema Glaubensbekenntnis verstreut mehrere sog. „Links“ zu zitierten, entsprechenden und widersprechenden Webseiten finden, Sie werden dort unter www.jesus-und-kirche.de auch diesen Text selbst finden, und zwar mit von mir auch in Zukunft ständig hinzugefügten Erweiterungen, Präzisierungen und Aktualisierungen, die dann erst in einer nächsten Auflage auch in der handlicheren Buchform zu lesen sein werden.

Sie sollten sich zu Beginn vielleicht mit dem Stand des gegenwärtigen Diskurses zum Thema Öffentlichkeit vertraut machen, z.b.

 »http://www.club-der-toten-soziologen.de/«

oder

„Privatheit als Ausdruck von Unterdrückung“ von Beate Rössler unter

»http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/27099/«

und

»http://literaturbeilage.zeit.de/show_buch?ausgabe_id=1&buch_id=2001_41_Rssler_DerWertdesPrivaten «,

wo der Diskurs allerdings als soziologische und philosophische Reaktion, - wie nicht anders zu erwarten - hinter dem realen Geschehen der Internetrealität herhinkt.

Was heißt Öffentlichkeit und was ist eine Veröffentlichung als beanspruchte Bedeutung?

Siehe die Literaturangaben von Dr. Kai Buchholz.

Lesen Sie vielleicht meinen Aufsatz „Mail-Art als Existenzsignal“ unter

»www.friedhelm-schulz.de«

Denn es gilt auch für die Bedeutung des christlichen Glaubensbekenntnisses das sich heute verändernde Verhältnis der faktischen Realität einer Öffentlichkeit zu ihrer Bedeutung und zu der Einschätzung ihrer Bedeutung zu sehen, im Internet nicht anders als im Bewusstsein z.B. der Kirche einerseits und der islamistischen Terroristen andererseits – und beides wiederum anders im „Bewusstsein“ der »tatsächlichen Weltöffentlichkeit«, was immer das auch sei: Weltöffentlichkeit, die Öffentlichkeit in Deutschland, in Europa oder in der Redaktion eines Verlages oder einer Fernsehanstalt? Und schließlich die Bedeutung der Öffentlichkeit für einen normalen Menschen, der sich z.B. in seiner Wohnung für den Gang auf die Straße oder für den Kirchgang zurechtmacht.

 

Friedrich Nietzsche, der Pfarrerssohn, veröffentlicht, spielt oder spricht öffentlich vor hundert Jahren?:

„Also sprach Zarathustra: Du großes Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!“

»http://www.blackmask.com/books113c/7zara.htm#1_1_1«

 

Stil und Pathos solcher Sprache bei Nietzsche beanspruchen eine uns noch immer vertraute privilegierte gesellschaftliche Position der Kanzel oder Kanzlei, eine Position mit Wahrheits- und Gültigkeitsanspruch der Ansprache, - mit der Nietzsche spielt, die er parodiert und vom Inhalt der Aussage her sogar ketzerisch angreift – auch wenn er sie zugleich benutzt, um seine Öffentlichkeit zu verführen, an die er sich wendet, wohl selbst verführt von ihrem Glanz, - wenn man die angesprochenen Sonne, den Sonnengott, den er lästert, als die öffentliche Gültigkeit oder als die Öffentlichkeit selbst versteht, was ursprünglich sogar mit Allgemeingültigkeit, Erfolg, göttliche Legitimierung und Wahrheit verbunden wurde. Auch wenn er sich zugleich selbst als diese Sonne ausgibt für die Öffentlichkeit des tierischen Untermenschen, bzw. sich dafür hält oder als solche anbietet oder anbiedert, die er als Jahrmarkt der Eitelkeiten und der Untermenschen glossiert, ehe er sich dort selbst hineinbegibt als Sonne oder Unwetter.

Diese diffuse Ambivalenz des Begriffs und der Bedeutung der Öffentlichkeit einerseits in der Öffentlichkeit selbst – was immer das heißt und bedeutet - und andererseits in Bewusstsein und Verhalten des privaten Individuums soll mit dem Verlagssymbol einer Pyramide mit dem Namen GOTO (sprich: gotuu, gehe hin) als das ambivalente Verhältnis von Oben und Unten als das Verhältnis von Tragen und Getragenwerden aller Werte dargestellt sein, wenn es z.B. zu beurteilen gilt, ob das Tragen oder das Getragenwerden Funktion und Wert bestimmt, der z.B. zur Existenz der Pyramide, des Staates, der Kultur, der Sprache, Religion, Partei usw. führt oder diese erhält. Denn was gilt die offizielle Hochachtung und Toleranz gegenüber den öffentlichen Weltreligionen und wiederum gegenüber deren Veröffentlichungen und Statements, wenn nicht als privater Glaube des Einzelnen? Wir werden deswegen in einem 2. Band nicht umhin kommen, in dieser Hinsicht auch den sprachphilosophischen und erkenntnistheoretischen Aspekt einer öffentlichen Gemeinschaft und ihrer Gemeinsamkeit weiter zu betrachten, und nur so an den Klippen oder Fallgruben bestehender Theorien und Thesen vorübergehen können. Denn die Frage, ob und in welcher Weise das christliche Glaubensbekenntnis getragen wird oder aber ob es die Christenheit zu tragen vermag, stellt sich eben nicht bzw. wäre als dieser oder jener – natürlich hinreichend bekannte – Standpunkt, als These, Theorie, Denkbarkeit oder Dogma, wofür oder wogegen es nur Argumente zu sammeln gälte, als die jeweilige Partei, Gemeinschaft, Gemeinsamkeit oder Gegnerschaft und Feindschaft nur eine unvernünftige Sackgasse.

Die Relativität der Gültigkeit und Wahrheit einer öffentlichen Proklamation, sei sie nun als Anspruch der Veröffentlichung oder als Erwartung an solche indirekt bzw. nur implizit enthalten, oder aber explizit formuliert, ist uns z.B. in den Wahlzeiten, wenn es z.B. um das amerikanische Präsidentenamt geht oder um einen deutschen Bundeskanzler, längst bewusst, zumindest mehr oder weniger. Da wird vieles apodiktisch behauptet, bejaht und verneint, nur um der Gegenpartei zu widersprechen. Die Logik wird zum Büttel der Rhetorik, wodurch sich zugleich der Anspruch auf Allgemeingültigkeit durch das Vorzeichen des Parteilichen der Partei relativiert, wie sich bei einer modernen Buchveröffentlichung ein solcher Anspruch durch die Angabe des Autors zurücknimmt. Denn wir wissen, dass sich die Parteien anschließend wieder zur „vernünftigen“ und friedlicheren Realpolitik entsprechend zurücknehmen und Gegensätze wieder miteinander vereinbaren müssen, so wie sich jeder Autor dann nicht weniger stolz in die Reihe der Autoren einreiht.

Was eine Demokratie von einer Diktatur grundsätzlich unterscheidet, ist dieser inzwischen wohl selbstverständliche Reflexionsschritt, was er zumindest wohl sein sollte, dass man nämlich bewusst den Proklamierenden und das Proklamierte voneinander unterscheidet, und dann beides wiederum von dem jeweiligen Geschehen der öffentlichen Proklamation. In einer Diktatur werden die drei ja gänzlich unterschiedlichen Aspekte traditionsgemäß deswegen als zusammengehörig und miteinander fast identisch und zusammen als Gültigkeit und Wahrheit aufgefasst, weil ein Vergehen gegen auch nur einen dieser Aspekte als Verstoß, Vergehen oder gar Verbrechen gegen die Obrigkeit, gegen den König, den Fürsten oder gar gegen die geltende Weltordnung geahndet, ob ich nun lache über den bunt aufgeputzten Herold in seinem Stolz, über das, was er verkündet oder über die Veranstaltung solcher Proklamation; in alten Zeiten – und selbst heute z.B. gegenüber einem Saddam Hussein und seinen Lakaien und Herolden - konnte bereits ein solches Lachen den Kopf kosten.

Gerade die Deutschen haben in ihrer Obrigkeitshörigkeit und Wahrheitsbesessenheit noch ein großes Stück Demokratie zu lernen, wobei es ja noch zusätzlich gilt, eine Mehrheitsregierung zwar als Obrigkeit, aber eben nicht als Wahrheitsinstanz und auch nicht als Öffentlichkeit zu verstehen, und diese „Öffentlichkeit“ dann eben nicht auch noch mit Wahrheits- und Gültigkeits- und Richtigkeitskriterien gleichzusetzen, als wäre Demokratie ein Wahrheitsermittlungsautomatismus und als müsste ich gegenüber einer Mehrheit meine private Ansicht aufgeben.

Es ist vielleicht verständlich, aber deswegen keineswegs verzeihlich, dass die Deutschen noch immer jenes alte diktatorische Obrigkeitsprinzip als einzig machbare Ordnung empfinden, und eine Demokratisierung z.B. des Iraks als Ende jeder Wahrheit und Ordnung eben auch dort im Grunde verneinen, weil sie die Iraker mit sich selbst vergleichen und ihnen eine Emanzipation nicht zutrauen, die sie auch den normalen Deutschen nicht zutrauen. Mit dem kindischen Bedürfnis, auch im Nachhinein rechtgehabt haben zu wollen, wird in deutschen Medien fast übereinstimmend die einsetzende liberale Veränderung nicht nur im Irak, sondern im ganzen Nahen Osten übersehen und bestenfalls als Rückkehr zur „Vorkriegsnormalität“ bezeichnet, ARD, wobei noch immer nun ganz parallel zu Saddam selbst, nicht der Diktator sondern die Amerikaner als Verbrecher bezeichnet wird. „Demokratisierung kann und darf nicht klappen“, wie es auch einst der letzte deutsche Kaiser glaubte.

 

Ich will versuchen, die Tücke solcher Ambivalenz am Beispiel eines Urteils „Mensch und Unmensch, Mensch oder Unmensch“ im ganz privaten, aber auch im öffentlichen Bewusstsein zu verdeutlichen, über die einem selbst eine offenkundige Widersprüchlichkeit, ja selbst Unredlichkeit gar nicht als solche, sondern als eigene Klugheit und Wahrheit erscheint und derart sogar zum Selbstbetrug und zur Selbsttäuschung verführt.

Öffentlichkeit sei die Gemeinsamkeit einer Gemeinschaft, bei der jedes Individuum nur anonym Mitglied und dabei also nur scheinbar d.h. eben nur gemeinsam aber nicht individuell verantwortlich ist. Die Ähnlichkeit einer geheimen Wahl mit der anonymen Öffentlichkeit sollte deswegen nicht dazu verführen, beides gleichzusetzen, was nichts anderes wäre, als die Wahrheit zu ideologisieren.

Siehe hierzu den öffentlichen Diskurs:

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2094/2.html

„Vom globalen Dorf zum globalen Gehirn“

und ebenfalls:

http://www.diegegenwart.de/ausgabe37/ehre.htm

http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_10.htm

http://www.theomag.de/1/kw1.htm

http://www.anthroposophie.net/anthroposophie/anthro_rassismus.htm

http://www.xspace.at/agm/agm_sites/1680028176.html

http://userpage.fu-berlin.de/~milan/ha/techa/techa.htm

http://www.brock.uni-wuppertal.de/Schrifte/AV/Kulturb2.html

http://home.no.net/snauth/publications/diss/puk3-02.html

www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Grundkurs17/Vortrag/Thema3.pdf+%C3%96ffentlichkeit+und+Individualit%C3%A4t&hl=de&lr=lang_de

und viele andere Seiten zu diesem Thema.

Versuchen Sie bei der Lektüre bitte einmal sich vorzustellen, als ob hinter allen Texten ein einziger einfacher Menschen stünde als alleinigen Autor, der alle Aspekte und auch alle Widersprüche derart verfasst hätte, nämlich als Träger aller Denkbarkeiten samt den denkbaren Widersprüchen, unabhängig davon, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.

Nehmen Sie dann versuchsweise an, dass jeder Mensch eigentlich jede Meinung vertreten kann, wenn er will.

Der Versuch einer Antwort auf die weit schwierigere Frage, warum dies höchstens theoretisch denkbar ist aber niemals realiter so sein würde und könnte, würde bereits den Überblick über den ganzen Horizont der eigentlich beschämenden Problematik menschlicher Standpunkte ermöglichen, über die Niederungen des trivialen „Lebenskampfes“: warum vertritt ein Mensch nur eine Meinung; und wie kann es zu unterschiedlichen Meinungen bzw. zu einer anderen Meinung als der meinen überhaupt kommen? Was sich in der merkwürdigen Wortbildung „Meinung“ ja andeutet, in der Substantivierung des verbalisierten Possesivpronoms „mein“, wobei sich mit „meinen“ eigentlich schon andeutet, was und wovon das Individuum etwas „zum Meinigen macht“, nämlich von allen Denkbarkeiten, was dann als „seine“ Meinung gilt, weswegen Schopenhauer nur die geäußerte, d.h. veröffentlichte Meinung Schopenhauers und nicht auch die Friedrich Nietzsches sein kann weil auch nicht sein soll, nämlich quasi als sein vereinnahmter Claim, als abgesteckter Standort in der Weite aller Denkbarkeiten.

Der einzelne Mensch mit dem Blick über alle Claims wäre dabei ganz grundsätzlich als die Gesamtheit aller Aspekte, auch die der Öffentlichkeit und eben auch aller Denkbarkeiten und deren mögliche Widersprüche zu sehen.

Der moderne Trend zu solchen Reflexionsversuchen, wie z.B. Bertrand Russels „Die Philosophie des Abendlandes“ oder Albert Schweizers „Geschichte der Leben Jesu Forschung“ oder die enzyklopädische „Religion in Geschichte und Gegenwart“ und viele anderer gerade der Gegenwart, kann man natürlich als Versuch einer Relativierung individueller Positionen deuten, ist aber eigentlich der Versuch einer Emanzipation des Privaten, wie sie eigentlich schon jeder gefüllte Bücherschrank andeutet. 

Alle Ja und Nein zu vielen Fragen eben auch des Glaubens sind nicht anders auch in Jesus enthalten, wie er tatsächlich war und tatsächlich ist, und eben auch in dem, wie er gesehen wurde und heute gesehen wird mit allen nur möglichen Denkbarkeiten und Widersprüchen aller möglichen Standpunkte und Meinungen, - wie es das Johannesevangelium mit dem wohl tiefsten Verständnis der Problematik formuliert als Jesu eigentliche Qualität, die über jede Wahrheit jeder Meinung steht, jeder Wahrheit nämlich, die jemand nur haben oder wissen kann, die man sucht oder zu wissen glaubt, wenn er Jesus sagen lässt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Mit anderen Worten: Für den Menschen führt keine Methode, keine der möglichen Wahrheiten und auch keine Formulierung zu Gott, es sei denn durch Menschsein; seit dem Menschsein Jesu erlöst eben auch als das eigene Menschsein, nämlich unabhängig von der jeweils mehr oder weniger zufälligen oder gewählten Position, und zwar sowohl als frohe Botschaft wie auch als Ermöglichung für alle.

Hier geht es mir jedoch nur darum, wie man dieses Buch und wie man generell ein Buch zu lesen hat, und wie man noch allgemeiner eine Veröffentlichung und ein Öffentliches und selbst ein Allgemeingültiges zu verstehen hat, und vor allen Dingen: wie man dies nicht zu verstehen hat.

Und auch für dieses Detail kann ich mich nicht nur auf alle großen Philosophen berufen, sondern auch auf alle großen Religionen, auf Jesus, auf Mohammed, auf Buddha, Laotse und Konfuzius.

Dabei muß die Forderung nach dem jeweils Eigenen des Menschseins im eigenen Urteil und der eigenen Kompetenz dazu und zwar als Emanzipation des Individuums wie der Gemeinschaft keineswegs als Emanzipation von Kultur und Religion überhaupt verstanden werden oder als Verneinung eines oder aller gewollter oder zufälliger Standpunkte, was sich mit der Urteilsfreiheit des Einzelnen allerdings nicht ausschließen kann und womit sich allerdings dem Mensch auch erst die Verantwortung für Kultur und Religion ergibt und ermöglicht. Wer sonst könnte solche Verantwortung haben als der Mensch? Diese Freiheit und Verantwortung gilt es erst mal zu verstehen, herauszustellen und zu realisieren, was damit eben nicht notwendig entweder ein unverrückbares Nein zur Kultur, zur Religion und Gemeinschaft bedeuten kann, aber eben auch nicht ein apodiktisches Ja. Es gilt dabei eine wahrscheinlich genetisch angeborene und durchaus wertvolle Eigenschaft und Eigentümlichkeit des Menschen richtig einzuordnen, die die Voraussetzung jeder Sprache und Kultur des Menschen ist, durch die jede Allgemeingültigkeit überhaupt Gültigkeit bekommt, die jedoch falsch verstanden aus dem Menschen ein Herdentier, einen regelrechten Idioten und Unmenschen und aus der Gemeinschaft und Kultur eine blinde und blöde Hammelherde und Unkultur machen kann, wofür es schreckliche Beispiele gibt, wie es in der Gegenwart mit dem islamistischen Terror und ihren Zielen der Entmündigung und Bevormundung des Menschen als Bedrohung wie eine finstere Wolke sowohl über den einzelnen betroffenen Menschen, über alle Welt wie erst recht über dem Islam steht.

Es muß hier darum gehen, den verführerischen Denkfehler zu verstehen, der einfach formuliert darin besteht, in einem öffentlichen Allgemeinwissen eine Allgemeingültigkeit zu sehen und zugleich mit allgemeiner Richtigkeit und Wahrheit gleichzustellen, was nicht minder als Anspruch einer Veröffentlichung durch die Veröffentlichung regelrecht falsch wäre, wie erst recht als Erwartung und Zuschreibung an die Veröffentlichung durch solche, wie wir es in den Worten „Es steht geschrieben, …“ „Dies und das hat jener gesagt.“ allzu gut kennen.

Allgemeiner und keineswegs abartig kennen wir derartigen Gültigkeitsanspruch, wenn wir z.B. in der frühesten Erziehung innerhalb der Familie dem Kind sagen: „Das gehört sich nicht.“ „Das tut man nicht.“ „Dies heißt soundso.“ „Kinder müssen gehorchen.“ usw.. Dieses bedeutet jedoch Zweierlei zugleich: Die Allgemeinheit ist sich einig im  Sinne eines gemeinsamen Konsens, dass sich dieses oder jenes nicht gehört, dass man es nicht tut, dass Kinder gehorchen müssen usw. ; die andere Bedeutung ergibt sich ohne die Vorstellung eines Konsens allein aus der Tatsache oder die Vorstellung des Öffentlichen im Sinne des Öffentlich-seins eines Imperatives, und zwar als Allgemeingültigkeit einerseits und als Gültigkeit der Dazugehörigen.

Obwohl sich seit der Neuzeit des Buchdrucks solcher implizite oder gar explizite Wahrheitsanspruch einer Veröffentlichung, - sei es Bibel, Buch, Zeitung oder Bild, oder sei es das christliche Glaubensbekenntnis durch den Autor oder durch die Signatur des Künstlers gewissermaßen relativiert als nur individuelle Ansicht oder als individuelle Forderung, so besteht dennoch die Versuchung und der Missbrauch auf Seiten des Produzenten wie auch des Konsumenten, die Veröffentlichung gewissermaßen als Wert- und Wahrheitsprivileg und -adelung des Autors und damit eben auch seiner Aussage und auf Seiten des Konsumenten sogar als Wert- und Wahrheitsbeweis aufzufassen.

Daß das Unbewusste solche Qualifizierung vielleicht sogar auf eine genetische Veranlagung des Menschen zurückgeht, darf uns also nicht hindern, dieses Phänomen zu reflektieren und auch kritisch zu sehen und unserer Vernunft und Verantwortung unterzuordnen, was wohl eine gewisse Bildung oder Schulung sowohl des Autors wie des Konsumenten voraussetzt. Denn gerade dies Letztere bedeutet doch nichts Geringeres, dass die Öffentlichkeit sowohl des Autors oder Künstlers, wie auch eine öffentliche Aussage ganz unabhängig von dem, was ausgesagt wird und durch wen, allein durch die Veröffentlichung noch keine Bedeutung und keinen Wert bekommt.

Solche Aufwertung wäre ohne Zweifel sogar der giftige Honig, der seit Menschengedenken den Menschen dazu treibt, sich ‚einen Namen zu machen’, selbst zu einem Begriff zu werden. Dieses Gift ist ohne Zweifel der Honig, der auch den neuzeitlichen Terrorismus nährt, sei dieser ein Massenmord in der Schule durch einen Schüler, sei es Massenmord durch Selbstmordterroristen, wodurch es nicht nur gilt, Öffentlichkeit herzustellen und Schlagzeilen zu machen, wozu man nur genügend Menschen töten muß, sondern womit man absurder Weise auch Wahrheit und Glaubwürdigkeit herstellen will, was halt nur bei unreflektierter Wahrnehmung der Ereignisse und durch blinde Einfalt gelingen kann, was die Voraussetzung wäre für einen entsprechenden Erfolg, - aus welchem Grund auch immer er angestrebt wird, aus Eitelkeit, aus Geltungstrieb oder als Instrument, um Macht und Einfluß zu erlangen.

Bevor wir die Problematik solcher Versuchung, des Missverständnisses, des Missbrauchs oder grundsätzlich eines gewollten wie ungewollten Fehlverhaltens und einer „klugen“ Unredlichkeit bezüglich der Öffentlichkeit einfach quasi durch ein entlarvendes oder warnendes Ikon bezeichnen und markieren können, will ich versuchen, neben der sinnvollen und geradezu lebenswichtigen Funktion von Allgemeingültigkeit und Öffentlichkeit zumindest einen Aspekt dieser recht komplizierten möglichen Fehlfunktion, Versuchung und zugleich Fallgrube mit den Möglichkeiten neuester Analyse und Philosophie zu verstehen.

Warum fliegt eine Motte nicht nur zum Licht sondern eben auch ins Feuer?

Die Versuchung liegt hier in der Art und Weise, wie der Mensch denkt:

1. ist eine Prädikation immer auch eine Existenzaussage. z.B. es gibt christliche Religiosität bzw. religiöses Christentum.

2. wird damit das jeweilige Prädikat eben nicht thematisiert, wie etwa, was ist christlich, was ist religiös? und

3. bleibt dieses Attribut damit im Unterbewußtsein. Und zwar wechselseitig a) sowohl als christliche Religiosität wie auch b) als religiöses Christentum.

Man kann sich und einem anderen, den man gerade "beschwatzt", derart also mal das eine und mal das andere als nichtthematisiert ins Unterbewußtsein verschieben und zwar in jeweils strategisch „beliebiger“ Deutung und Bedeutung.

Hier gilt es nicht nur die sich damit regelrecht anbietende entsprechend unredliche Rhetorik gegenüber dem anderen, sondern vor allem den allzu menschlichen Hang zum Selbstbetrug sowohl über die Grammatik wie insbesondere über die Struktur menschlicher Wahrnehmung erst einmal bewusst zu machen als das, was es im negativen Falle ist, nämlich Rhetorik und Selbstbetrug, indem wir versuchen, das Zustandekommen zu verstehen bzw. als verstehbar zu demonstrieren, soweit es mit Hilfe modernster Erkenntnistheorie möglich ist, um dann von dem Abweg zur rechten Selbstbesinnung finden zu können.

Die drei von mir aber ja kommentierten Zitate stammen von dem heutigen Erkenntnistheoretiker Prof. Dr. Prauss, geb. 1933, Prof. an verschiedenen Universitäten und internationalem Einfluß, entstammen seinem Hauptwerk

 

 „Die Welt und wir“ (vier Bände, Metzler-Verlag) und einer Arbeit über das Unterbewusstsein bei Freud, (Alber-Verlag, Freiburg) und sind sicher ohne den Gesamtzusammenhang schwer verständlich. Sie sollen hier aber zumindest die Verstehbarkeit verbreiteter Verirrungen demonstrieren, wobei die Hauptarbeit von Prauss wohl darin besteht, das Geröll beiseite zu räumen, das den Blick auf den Menschen und sein Tun und Denken verstellt.

Prädikation als Existenzaussage

Gerold Prauss, „Die Welt und wir“ Bd.I/2 Seite 695-701:

In diesem Sinn jedoch muß das für alle Fälle von synthetischer empirischer Erkenntnis gelten, auch für einen Fall wie »E=m • c2«. Und so kommt alles darauf an, daß Sie den Sinn, in dem synthetische empirische Erkenntnis - welcher Form auch immer - Wirklichkeitsbehauptung oder Existenzaussage sein muß, nicht in einer Weise mißverstehen, die wieder jenes Unhaltbare nach sich zieht. Denn nicht in dem Sinn hat dies durchgehend für sie zu gelten - nämlich für elementare Wahrnehmung in Form von Prädikation wie dann auch noch für komplexe Wissenschaft in Form von All- oder Identitätsaussage -, daß nur mit ihr eine Existenzaussage oder eine Wirklichkeitsbehauptung noch verbunden oder in ihr noch enthalten sein muß: eben implizit nur als Voraussetzung der Existenz oder der Wirklichkeit genau des Etwas, das dann beispielsweise durch Prädikation wie »Dies ist rot« auch noch als etwas prädiziert oder bestimmt und so erkannt wird, weil dies angeblich auch nur auf Grund dieses Vorausgesetzten sinnvoll werden kann. Sonst müßte nämlich möglich sein, diese Voraussetzung auch explizit zu machen, was jedoch unmöglich ist. Denn letztlich könnte sie in jedem Fall nur lauten »Dies ist wirklich« oder »Dies ist existent«. Doch damit wäre sie als ursprüngliche Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung unvermeidlich tautologisch, nämlich analytisch-uninformativ, weil damit so, wie es gemeint ist, immer wieder nur soviel wie »Dieses Wirkliche ist wirklich« oder »Dieses Existierende ist existent« behauptet oder ausgesagt sein könnte6, während jede ursprüngliche Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung - ob nun eine positive oder negative - zweifellos informativ-synthetisch sein muß.

Ursprüngliche synthetische empirische Erkenntnis muß vielmehr Prädikation als Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung in dem Sinne bilden, daß Prädikation als solche selbst schon Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung sein muß, daß es demgemäß Prädikation im Unterschied zu Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung überhaupt nicht geben kann. Daß man dies gleichwohl meint, ja mittlerweile gar für selbstverständlich hält, liegt nämlich daran, daß in einem Fall wie »Dies ist rot« und »Dies ist rund« oder »Dies ist ein Tisch« von Existenz oder von Wirklichkeit doch keine Rede sei, weil »... ist...« doch lediglich die »Kopula« als die Verbindung von »Subjekt« und »Prädikat« zum Ausdruck bringe oder die des »Indikators« mit dem »Prädikator«.

Deshalb müssen Sie auch damit rechnen, daß man Ihnen diese Auffassung so auszulegen trachten wird, als liefe sie darauf hinaus, Prädikationen wie »Dies ist ein Tisch« und »Dies ist rot« und »Dies ist rund« bedeuteten infolgedessen eigentlich soviel wie »Dieser Tisch ist wirklich« oder »Dieser Tisch ist existent« und das Entsprechende im Fall von »Dieses Rote ...« oder »Dieses Runde ...«, was jedoch erst recht unhaltbar, weil erst recht bloß tautologisch oder analytisch-uninformativ sei. Und warum? - so wird man Ihnen triumphierend kommen wollen -, weil dabei für »Dieser Tisch...« auch eben dieses Tisches Existenz bzw. Wirklichkeit schon immer vorgegeben und vorausgesetzt sein müsse.

Doch weit gefehlt! - so müßten Sie jetzt zu erwidern in der Lage sein -, weil »Dieser Tisch ...« oder auch »Dieses Rote ...« oder »Dieses Runde...« ja, wie Ihnen schon geläufig, nur »Dies ist ein Tisch...« bedeuten kann bzw. »Dies ist rot...« und »Dies ist rund ...«. So aber kommen Sie genau zum gegenteiligen Ergebnis: Tautologisch oder analytisch-uninformativ wird »Dieser Tisch ist wirklich« dann nicht deshalb, weil für »Dieser Tisch...« die Wirklichkeit von diesem Tisch schon immer vorgegeben und vorausgesetzt sein müßte, sondern weil durch »Dieser Tisch...« im Sinne von »Dies ist ein Tisch ...« die Wirklichkeit von diesem Tisch ursprünglich allererst behauptet oder dieser Tisch als wirklich überhaupt erst hingestellt wird; und dies eben weil er als ein wirklicher dabei gerade nicht schon immer vorgegeben und vorausgesetzt sein kann. Prädikation als solche selbst ist somit ursprüngliche Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung, und zwar explizite, so daß jeglicher Versuch, im Anschluß an sie eine explizite Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung erst noch aufzustellen, nur noch eine tautologische und analytisch-uninformative liefern kann. Und aus demselben Grunde kann dann »Dieser Tisch ist nicht wirklich« auch in der Tat nur einen expliziten Widerspruch bedeuten, eben weil durch »Dieser Tisch ...« im Sinne von »Dies ist ein Tisch ...« die Wirklichkeit von diesem Tisch auch explizit behauptet wird. Und in der Tat, wie schon gesagt: Auch nur ein wirklicher ist überhaupt ein Tisch, so daß der Sinn von Wirklichkeit auch schon im Sinn von Tisch als solchem liegt. Denn ein nur möglicher zum Beispiel ist auch überhaupt kein Tisch, gleichviel, wovon dabei die Rede sei, wie etwa von dem Holz, aus dem er angefertigt werden kann.

Nur unter dieser ihrer Auffassung als Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung können Sie sich denn auch jenes Faktum noch erklären, daß tatsächlich jeder Fall einer Prädikation als Form synthetischer empirischer Erkenntnis auch ein Fall von Irrtum sein kann, während jene Fehlauffassung unlösbare Schwierigkeiten damit hat. Bei vorgegebener und vorausgesetzter Wirklichkeit bzw. Existenz desjenigen, worauf Prädikation Bezug nimmt, kann als Irrtum nämlich allenfalls dergleichen wie »Dies ist ein Tisch« und »Dies ist rund« verständlich werden, aber beispielsweise nicht auch so etwas wie »Dies ist rot«, weil man sich höchstens darüber, daß etwas Wirkliches bzw. Existentes Tisch sei oder rund sei, irren könne, aber nicht darüber, daß es rot sei. Nur kann eben ohne Zweifel auch ein jeder solche Fall ein Irrtum sein. Denn was nicht alles kann durch Affektion auf die genannte Weise so etwas wie Rot-Anschauung und mithin auch »rot«-Begriff in uns hervorrufen, so daß wir sie durch ihn in Form von »Dies ist rot« auf etwas Rotes in der Außenwelt hin deuten, ohne daß es etwas Rotes dort auch gäbe, wie wir dies in jedem Traum und jeder Halluzination von etwas Rotem denn auch immer wieder tun.

Daß jegliche Prädikation jedoch recht eigentlich als Existenzaussage oder Wirklichkeitsbehauptung auftritt, läßt auch solche Fälle ohne weiteres verständlich für Sie werden: Wahrnehmung in Form von »Dies ist rot« bedeutet eben nicht, etwas schon immer Wirkliches als rot ursprünglich zu bestimmen, sondern umgekehrt gerade, etwas immer schon als Rotgehalt Bestimmtes ursprünglich als wirklich hinzustellen oder zu behaupten.

 

Für unser Thema erweitert oder angewandt hat das auch für Erkenntnisse zu gelten wie »Dies ist Christentum«, »Dies ist Islam«, »Dies ist Hinduismus« oder »Dies ist öffentlich», »Dies ist allgemeingültig«, »Dies ist privat«, wobei wir dies, was immer wir darunter verstehen oder missverstehen oder uns vorstellen im empirischen Sinne als Wirklichkeit behaupten oder hinstellen.

 

Und genau in diesem Sinne unterscheidet »Dies ist rot« von anderer synthetischer empirischer Erkenntnis als Prädikation wie »Dies ist rund« oder »Dies ist ein Tisch« sich denn auch überhaupt nicht. Und das gilt für alle übrige synthetische empirische Erkenntnis gleicherweise, wie komplex auch immer dasjenige sei, was sie als Wirklichkeitsbehauptung oder Existenzaussage je und je als wirklich hinstellt. Welche Komplexion auch immer sie erreichen mag, etwa durch Nutzung von Mathematik oder Formaler Logik, - auch so etwas wie ein »nicht«, »und«, »oder«, »wenn-dann«, »alle«, »einige« und »ist gleich« kann dabei nur zur Bestimmung dessen dienen, was tatsächlich immer schon - und sei es noch so hoch komplex - bestimmt sein muß, um dasjenige darzustellen, was dann insgesamt dadurch behauptet wird, so daß dies auch tatsächlich überhaupt nichts anderes bedeuten kann als: was dann insgesamt dadurch als wirklich hingestellt wird.

Folglich hätten auch »Formale Logik« sowie alle an sie anschließenden Unternehmen gründlich umzudenken, nämlich den Verrat an einem ihrer Ahnherrn endlich aufzugeben. Kein geringerer als Frege nämlich stellt mit Argumenten klar: Es hat dergleichen wie ein »nicht«, »und«, »oder« und »wenn-dann« durchaus nicht den Sinn, so etwas wie Arten von Behaupten zu spezifizieren, also nicht einmal das »nicht« den Sinn der Spezifikation von negativem gegenüber positivem. Überzeugend zeigt er, daß vielmehr ein jedes davon, selbst ein solches »nicht«, noch mit zum »Inhalt« zählt, und erst durch eine bloße »Form« wie diejenige des Behauptens läßt sich dieser dann eben behaupten, weil er sich genausogut auch durch die bloße »Form« des Fragens etwa fragen läßt7.

Zu diesem »Inhalt« aber zählt nach Frege auch dergleichen wie ein »alle« oder »einige«, so daß ein »Inhalt« auch durch solch ein »alle« oder »einige« noch nicht behauptet wird.8 Gerade davon rückt jedoch »Formale Logik« ab, soweit sie nämlich »alle« oder »einige« dann als »Quantoren« auffaßt, um sie aus dem »Inhalt« sozusagen auszuklammern und dann gleichsam vor der Klammer in die Rolle des Vollzugs einer Behauptung einzuweisen. Letzteres tritt denn auch untrüglich für Sie daran hervor, daß »einige« im Sinn von »mindest eins« dadurch speziell zum »Existenzquantor« und die Behauptung, die er bilden soll, speziell zur Existenzbehauptung wird.

Doch gegen Freges Argumente hat man dabei schlechterdings kein Gegenargument ins Feld zu führen, wie Sie ferner finden werden: weder dafür, welchen Sinn es überhaupt besitzen könnte, so etwas wie Arten des Behauptens zu spezifizieren, noch gar dafür, weshalb gegenüber »alle« ausgerechnet »einige« speziell den Sinn von Existenzbehauptung bilden sollte, so daß dies von vornherein schon ebenso dogmatisch wie auch problematisch bleibt. Der eigentliche Grund dafür liegt nämlich nur in der Dogmatik jenes Empirismus der Platonismus, wonach Wirklichkeit von Gegenständen stets schon vorgegeben und vorausgesetzt sein müsse. Denn erst dies erzeugt den Schein, als könnten Existenzbehauptungen allein in Form von »einige« und so nur als »partikulare« sinnvoll werden9. Und bis heute ungelöst ist die damit verbundene Problematik10 nur, weil sie auch prinzipiell unlösbar ist, solange man von dieser Art Dogmatik sich nicht radikal befreit.

Und hilfreich dazu könnte eben eine Rückbesinnung auf die Einsicht Freges sein, genauso wie ein »einige« gehöre auch ein »alle« nicht zur »Form«, sondern zum »Inhalt« des Behauptens. Beides nämlich dient zu nichts als zur Bestimmung des Begriffes von genau den Gegenständen, die dann - wie komplex auch immer - durch die »Form« dieses Behauptens selbst als wirklich hingestellt erst werden, so daß ihrer »Form« nach jegliche Behauptung, und zwar expliziterweise, Existenzbehauptung bildet, eine Einsicht, zu der Frege damit immerhin schon unterwegs11 war: Auf Grund solcher immer gleicher »Form« dieses Behauptens selbst muß jegliche Behauptung auch als solche selbst den immer gleichen Sinn dieses Als wirklich-Hinstellens besitzen, so daß es auch Arten von Behauptungen und damit Existenzbehauptungen im Unterschied zu andern Arten von Behauptungen von vornherein nicht geben kann. Daß Frege zwar zu dieser Einsicht auf dem besten Wege war, doch nicht mehr durchgedrungen ist, liegt nur daran, daß er vermeint: Von immer gleichem Wesen sei Behaupten deshalb, weil, etwas behaupten, soviel heiße wie, etwas als wahr hinstellen12, was jedoch unhaltbar ist, wie Sie gleich sehen werden.

 

Und dies hat – wie gesagt - insbesondere für Erkenntnisse zu gelten wie »Dies ist Christentum«, »Dies ist Islam«, »Dies ist Hinduismus« oder »Dies ist öffentlich», »Dies ist allgemeingültig«, »Dies ist privat«, wobei wir dies, was immer wir darunter verstehen oder missverstehen oder uns vorstellen im empirischen Sinne, - sei es im Falle von »Dies ist Christentum.“ die Kleidung, das Rechtssystem, die Gewalt der Kreuzzüge, die Kirchenmusik, die Gesellschaftsstruktur, die Christologie oder die Predigt oder welcher Aspekt auch immer – das Christentums als Wirklichkeit behaupten oder hinstellen, aber keineswegs deswegen oder stattdessen dies bereits als wahr oder als Wahrheit oder als Wahrheitsbehauptung verkennen, und zwar mit Folgen, die wir uns erst in einem nächsten Schritt verdeutlichen können.

 

 

Nur wird all dies eben erst an Wahrnehmung oder Prädikation als der elementaren offenkundig, weshalb auch nicht zufälligerweise beide miteinander förmlich wie ein Stiefkind von Philosophie behandelt werden, und nicht nur bei Kant, sondern bis heute noch, so unlösbar gehören sie zusammen. Denn welche Form kann Wahrnehmung, die auch einmal als Irrtum auftritt, überhaupt besitzen, wenn nicht die von »Dies ist rot« und »Dies ist rund« und »Dies ist ein Tisch« und dergleichen?, wie auch umgekehrt: Wovon kann so etwas wie »Dies ist rot« und »Dies ist rund« und »Dies ist ein Tisch« überhaupt die Form sein, wenn nicht die von Wahrnehmung, die auch einmal als Irrtum auftritt? Und so können denn auch Fälle solchen Irrtums nur darin bestehen, etwas immer schon als Rotgehalt oder als Rundgehalt oder als Tischgehalt Bestimmtes durch »Dies ist ein Tisch« oder durch »Dies ist rund« oder durch »Dies ist rot« als wirklich hinzustellen.

- was in unserem Fall eben der Gehalt von ‚bestimmter’ Kleidung, von Dankformeln, von Rechtssystem, Gewalt der Kreuzzüge, Kirchenmusik, Gesellschaftsstruktur, Christologie oder Predigt - oder von welchem Aspekt auch immer - schon bestimmt ist, wenn wir es prädizieren.

Erst von daher nämlich wird für Sie dann auch noch einsichtig, weshalb elementare Wahrnehmung oder Prädikation als negative wie »Dies ist nicht rot« oder »Dies ist nicht rund« oder »Dies ist kein Tisch« nur als Berichtigung von solchem Irrtum überhaupt verständlich werden kann.

in unserem Fall „Dies ist keine Kleidung“, „Dies ist keine Dankformel“, „Dies ist keine Rechtssystem.“, „Dies war keine Gewalt der Kreuzzüge.“, „Dies ist keine Kirchenmusik.“, „Dies ist keine Gesellschaftsstruktur.“, „Dies ist keine Christologie.“ oder „Dies ist keine Predigt.“.

Und das heißt abermals: nicht etwa in dem Sinn, etwas als Wirkliches schon immer Vorgegebenes wie auch Vorausgesetztes allererst als keinen Tisch oder als nicht rot oder nicht rund zu bestimmen, sondern wieder nur in dem, etwas als nicht rot oder nicht rund oder kein Tisch immer schon Bestimmtes dann als wirklich hinzustellen. Und zwar, weil auch Berichtigung Behauptung ist, und weil Behaupten von etwas auch immer wieder gleicherweise nur Als wirklich-Hinstellen von etwas heißen kann, gleichviel ob nun von etwas Positivem oder Negativem, das hernach womöglich abermals durch etwas Positives eingelöst wird wie zum Beispiel bei »Dies ist kein Tisch, sondern ein Stuhl« oder »Dies ist nicht rot, sondern orange« oder »Dies ist nicht rund, sondern oval«.

Denn erst von daher leuchtet Ihnen dann auch ein, worin Berichtigung von Irrtum eigentlich besteht: nicht darin nämlich, etwas, das im Fall des Irrtums etwas Wirkliches doch gar nicht ist, als solches etwa festzuhalten, um es anders zu bestimmen, sondern darin vielmehr, etwas immer schon Bestimmtes auszutauschen gegen etwas anderes, doch gleichfalls immer schon Bestimmtes, um statt jenes dieses nun als wirklich hinzustellen oder zu behaupten. Und genau in diesem Sinne steht denn in synthetischer empirischer Erkenntnis - von elementarer Wahrnehmung bis zu komplexer Wissenschaft - auch immer wieder auf dem Spiel, ob dieses oder jenes immer schon - sei es elementar oder komplex - Bestimmte nun tatsächlich wirklich ist, wie durch sie hingestellt oder behauptet, oder nicht vielmehr etwas ganz anderes, dann aber gleichfalls immer schon Bestimmtes oder jedenfalls erst einmal zu Bestimmendes.

Nur müssen eben alle jene Unternehmen wie »Formale Logik«, »Semiotik«, »Syntax« und »Semantik« oder auch »Sprachanalyse« sowie »Wissenschaftstheorie« unlösbare Schwierigkeiten mit dem Etwas haben, das dadurch als wirklich hingestellt wird, weil sie vom Subjekt als etwas Nichtempirischem und von Philosophie als nichtempirischer Erkenntnis einer Reflexion darauf nichts wissen wollen. Dadurch nämlich können sie auch davon, daß ein solches Subjekt in Gestalt von solchem Etwas oder solchem Gegenstand sich etwas Anderes als sich schon immer aus sich selbst heraus entwirft und vorstellt, überhaupt nichts wissen: um so weniger, da dieser Gegenstand als solcher dabei seinerseits bloß etwas Nichtempirisches und damit etwas bloß für Reflexion Zugängliches sein kann, zu dem sich nichtempirische Subjekte nur verwirklichen, um dadurch auf empirische Objekte als Erfolge für sich selbst als Intentionen auszugehen. So jedoch gerät mit allem, was dazugehört, gerade dieses Nichtempirisch-Wirkliche der Intention eines Subjekts vor jenem Objekt als Empirisch-Wirklichem eines Erfolgs von ihr so in den Hintergrund, es selbst nämlich so in den Vordergrund, daß dann vor lauter Empirie jene Nichtempirie, für die es diese Empirie doch überhaupt erst geben kann, verschwinden muß.

Ja derart überwältigend wirft sich Empirisch-Wirkliches in dieser Weise auf zum Einzig-Wirklichen, daß jenes Nichtempirisch-Wirkliche, für das es dies Empirisch-Wirkliche doch überhaupt erst geben kann, sogar so grundsätzlich verschwunden ist, daß es auch dann verschwunden bleibt, wenn es gerade aufzutauchen scheint, indem es nämlich seinerseits etwas Empirisch-Wirkliches zu bilden scheint. Denn liegt nicht auf der Hand, daß es zum Wahrgenommenen auch noch das Wahrnehmen sowie das Wahrnehmende geben muß, und zwar empirisch, mithin zum Behaupteten auch das Behaupten und so das Behauptende, was dann als das »empirische« Subjekt herumgereicht wird? Ja versteht sich nicht sogar von selbst, etwas behaupten, heiße keineswegs, etwas als wirklich hinstellen, beispielsweise einen Tisch, heiße vielmehr, etwas als wahr hinstellen, eben die Behauptung »Dies ist ein Tisch« selber? Und ist diese denn nicht gleichfalls etwas Wahrnehmbares und mithin Empirisch-Wirkliches?

Nur haben Sie sich mittlerweile freilich systematisch hergeleitet, daß dies prinzipiell unmöglich ist. Bedeutete, etwas behaupten, in der Tat, etwas als wahr hinstellen, so könnte dabei nämlich auch grundsätzlich nicht von so etwas wie einem Tisch die Rede sein, sondern allein von so etwas wie der Behauptung »Dies ist ein Tisch« selbst, weil sie allein wahr (oder falsch) sein kann, ein Tisch jedoch bloß wirklich (oder unwirklich.)

 

Und auch dies gilt erst recht für Erkenntnisse wie »Dies ist Christentum«, »Dies ist Islam«, »Dies ist Hinduismus« oder »Dies ist öffentlich», »Dies ist Allgemeingültig«, »Dies ist privat«, »Die ist subjektiv«, wobei wir dies, was immer wir darunter jeweils verstehen oder missverstehen oder uns vorstellen im empirischen Sinne als Wirklichkeit behaupten oder hinstellen.

 

 

Fußnoten

6 Womit sich letztlich nur auf andere Art noch einmal jene Fehlauffassung einstellte, wonach »Dies ist ein Tisch« bloß »Dieser Tisch ist ein Tisch« heißen und mithin nur etwas Analytisch-Uninformatives statt etwas Informativ-Synthetisches bedeuten könnte. Vgl. oben Teil I, § 6, S. 94 ff.

7 So bereits in der Begriffsscbrift, Halle 1879, vgl. S. X, S. XIII, S. l ff.

8 Vgl. a.a.O., S. 4, S. 19. So aber auch noch in Die Grundgesetze der Arithmetik, Bd. l, Jena 1893, S. 12 sowie in Kleine Schriften, hg. I. Angelelli, Darmstadt 1967, S. 198, Anm. 2.

9 Vgl. z.B. W. Carl, Existenz und Prädikation, München 1974, S. 71 ff.

10 Vgl. a.a.O.

11 Vgl. aber unten S. 708ff.

12 Vgl. z.B. Kleine Schriften, Darmstadt 1967, S. 346, S. 347, S. 365.

Derart ist die Prädikation weit mehr als nur eine grammatische oder sprachtechnische Weise, etwas Gemeintes oder etwas Wahrgenommenes auszudrücken.

Mit einfachen Worten heißt dies zuerst, dass mit einer Prädikation nicht nur ausgesagt wird, was oder wie etwas ist, sondern in der Hauptsache, dass es ist, dass es existent ist.

Wir sollten hierbei zum anderen jedoch dick und doppelt unterstreichen, was Prauss hier als Selbstverständlichkeit nur noch beiläufig erwähnt, dass wir mit der Art der Existenzaussage von etwas als Bewusstsein, also als etwas, das uns dabei bewusst wird, immer zugleich die Art des Selbstbewusstseins eben auch der eigenen Wahrnehmung als eigene Existenz des eigenen Seins, eben des Seins behaupten und verwirklichen.

 

So bedeutet das christliche Glaubensbekenntnis eben nicht nur die Beschreibung der Erkenntnis des christlichen Glaubens und zwar als Behauptung, dass dieses Christliche wahr und existent ist, sondern zugleich, dass man als jemand solches wahrnimmt und erkennt.

Man könnte entsprechend sagen: Man ist nicht nur so, wie man  wahrnimmt und was man wahrnimmt, sondern man ist vorweg natürlich auch jemand, der wahrnimmt, nämlich der Jemand als das Ich bzw. Subjekt.

Auf solchen Erfolg ausgehend weil davon abhängig, weil eben Erfolglosigkeit beim Wahrnehmen immer zugleich Bewußtlosigkeit wäre, (von einem misslungenen Versuch kann auch niemand etwas wissen, davon, ob z.B. ein Stein vergeblich versucht hat, Wahrnehmungen zu machen, kann selbst der Stein nicht wissen, sonst hätte er ja zumindest den vergeblichen Versuch wahrgenommen.), und der sich in der Regel ja auch als Erfolg erweist bzw. als solcher brauchbar ist , kann sich solche Prädikation und Existenz bzw. Entität eben auch als Irrtum, als Illusion, Traum oder Halluzination entpuppen, was erst in einem weiteren Schritt als Wirklichkeit, als tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch bejaht oder eben auch verneint werden kann oder gegebenenfalls verneint werden muß.

Diese Kontingenz jedoch, und zwar sowohl als Zufälligkeit wie auch als Übereinstimmung mit Allgemeingültigkeiten oder mit Allgemeinheiten ermöglicht neben dem, was wir als das normal empirisch Reale bezeichnen, auch recht merkwürdige Entitäten, Realitäten und Existenzen eben auch als das entsprechende Bewusstsein als Folge davon. Dem Hauptthema vorgreifend begegnen wir hier dem Urgrund des bis heute unerledigten Universalienstreites, aber auch dem Urgrund von Vorurteilen, Mythen, Theorien und Weltbildern.

Wie beschämend unverstanden der alte Universalienstreit bis heute ist, ersehen Sie bitte aus dem mit recht konzentrierter Sorgfalt entwickelten Statement des bekannten Philosophen Wolfgang Stegmüller (gest. 1991), dessen dennoch erschreckende Konfusion zu denken geben sollte auf er Webseite www.jesus-und-kirche.de/universalienstreit.htm mit meinen Anmerkungen.

Wichtiger jedoch als den alten Universalienstreit gilt es unter diesem Aspekt – wie schon gesagt – die nur scheinbare Selbstverständlichkeit dessen zu verstehen, was wir heute als Religion, Kultur als der auch Zivilisation bezeichnen, wie uns dadurch eben nicht nur ein ethisches Verhalten eigen ist als Prädikat und regelrechte Eigenschaft, sondern auch Misstrauen und Angst vor – und zuweilen Haß gegen anderen Religionen, Kulturen und Zivilisationen, selbst wenn sich diese explizit mit gleichen ethischen Prinzipien und Geboten definieren.

Mit einem zweiten Schritt gilt es deswegen, uns das Unterbewusste als das Nicht-thematisierte innerhalb des Prädikats einer Behauptung solcher Wirklichkeit zu verdeutlichen, zunächst an unserem aktuellen Thema als Beispiel, wenn wir von der Bedeutung einer Veröffentlichung sprechen, wie es diese ist. Denn in der Prädikation der Wahrnehmung »Dieser Aufsatz ist eine Veröffentlichung.« bzw. »Dies ist veröffentlicht«, oder „Dies ist öffentlich.“ oder auch als Absichtserklärung »Ich werde dies veröffentlichen.«, gilt es mit der Existenz- oder Wirklichkeitsbehauptung durch die Prädikation zwei unterschiedliche Bewusstseinsebenen im Prädikat bzw. in den Attributen des Prädikats zu unterscheiden, von denen jedoch auch das Unterbewusste quasi im Huckepack mitbehauptet wird.

Und dies gilt nicht nur für diese und jede andere Veröffentlichung, sondern auch für alles in der Veröffentlichung, in jeder Veröffentlichung behauptete. Dies gilt ganz unterschiedlos auch – und erst recht für die Bibel und den Koran.

Wir treffen damit auf die ungeheure Bedeutung auch dieser prophetischen Literatur für ein Volk und sein Zusammenleben, in der sie öffentlich ist.

Gilt doch z.B. in allen Religionen die Unterscheidung von Körper und Geist des Menschen, wobei die Wirklichkeit von beidem je nach Bildung, Beruf, Anlaß und Situation eine andere Aktualität besitzen kann, wenn ich z.B. als Boxer oder als Soldat dem Gegner gegenüberstehe, oder als Mann einer schönen Frau, oder als Mutter meinem Kind, wobei zuweilen, je nach Thema, der Körper samt aller Triebe, die wir biologisch mit den Tieren gemeinsam haben, mal, ich will sagen als Kategorie (α) als das Unbewusste, Unmenschliche, Sündhafte, Gefährdete wie auch Gefährliche und Verwerfliche akzentuiert wird, das es durch Bewußtmachung zu überwinden, zu bändigen oder zu kontrollieren gilt, um Mensch und menschlich zu werden oder zu bleiben, zum andere Mal jedoch, nämlich (β), der Körper und seine Natur als das einzig Wirkliche und Wichtige den Vorrang hat, dem wir alle Geistige, alle Ideen, Ideale, Pläne, Strategien, Absichten, Vorsätze uns selbst die Gebote der Religion unterordnen.

Beides in scheinbarer Ausgewogenheit der Bewertung kennen wir als den normalen Menschen, der wir selbst sind und uns zu sein bemühen und als den wir unseren Mitmenschen als normal empfinden und vertrauen, oder zumindest als normal abschätzen können.

Mit dem Vorrang von (α) jedoch, verbindet und verband sich nicht selten in tragischer Weise die Vorstellung nicht nur von Mensch und Nichtmensch, nämlich von Mensch und Tier in einer Person, sondern auch von Christ als Mensch als Gegensatz von Nichtchrist als Nichtmensch, was als Kampf gegen das „Fleischliche“, „religiös Ungültige“ erst recht und nicht nur in der mittelalterlichen Vergangenheit zu einem wahrhaft unmenschlichen Verhalten verführte, sondern in vielen Variationen noch immer Gegenwart unmenschlichen Verhaltens ist, wo immer als Rasse oder Religion im „guten Glauben“ für die „richtige“ d.h. gültige Rasse, Nation oder Religion als das Höhere einfach getötet wurde und noch immer wird.

Und wir kennen zur Genüge das andere Extrem (β) als „homo homini lupus“, mit der weiten Scala vom Eudämonismus über den Egoismus, Materialismus bis zum Hedonismus, dem wir nicht nur Religion, Ethik und alle Ideale unterordnen, sondern auch den anderen Menschen, der sowohl als Mensch wie auch als Idealist und als Ideen- oder Religionsträger, als Ideen- und Religionsabhängiger dann nur noch Mittel zum Zweck ist.

Und wir wissen zur Genüge, dass der Übergang und selbst der absolute Wechsel von einem zum anderen, von (α) nach (β) und umgekehrt, und leider auch von einem Extrem zum anderen einen jeden Menschen zu jederzeit droht, gewollt wie auch ungewollt, bewusst wie auch unbewusst, offen wie auch heimlich und heimtückisch, wo der Menschen beides ist, sowohl Subjekt und Täter wie auch Objekt und Opfer, und oft genug beides zugleich, - meistens ja ganz im Bereich des Normalen, wenn z.B. die Aussage einer Predigt einmal nach der theologischen und exegetischen Sorgfalt gewertet wird, und dann an der numerischen Anzahl der Kirchenbesucher oder auf das eine oder andere hin konzipiert wird.

In unserem aktuellen Fall gilt es zu verstehen, wie Veröffentlichung als Wert, als Gut oder Böse, als gefährlich oder nützlich eigentlich ganz unabhängig vom inhaltlichen Wert einmal durch die Quantität des Bekanntseins oder Bekanntwerdens empfunden oder gedacht wird, und wie sich andererseits (oder zugleich) der Wert des Inhaltes durch die Veröffentlichung, durch das Öffentlichsein bereits als Qualität und Legitimität ergibt.

Es stellt sich also nicht nur einfach die Frage, ob sich die Veröffentlichung aus der Qualität ergibt oder ob wir die Qualität aus der Veröffentlichung ableiten, was ja kein Widerspruch oder Gegensatz sein würde, da sich eines aus dem anderen ergibt, sondern als Gegensatz gilt es zu reflektieren, wo immer der Wert erst durch die Veröffentlichung entsteht, wie wir es zum Teil bei den sog. Schlagern oder Hits der Unterhaltungsbranche beobachten können, die in Vergessenheit geraten dann auch ihre Qualität verlieren.

Wir werden dann in einem 3. Punkt sehen, wie unser ganzes normales Leben in der Gemeinschaft von diesem Kriterium mitbestimmt wird.

 

Daß all dies deswegen eben nicht reine abstrakte Erkenntnistheorie ist, sondern praktischer Alltag und reale Alltagsproblematik, demonstriert und analysiert beispielhaft der Aufsatz von Gerold Prauss über das Unterbewusstsein bei Sigmund Freud als der Bereich des Unbewußten.

 

Gerold Prauss beschreibt, wie der große Schriftsteller und Nobelpreisträger den Ödipuskomplex, der weltweit inzwischen zur allgemeinen Begrifflichkeit menschlichen Selbstverständnisses und Selbstanalyse gehört, zum Thema einer Erzählung macht, in der sich ein einstiges Liebespaar nach langer Zeit zu einem Gespräch wiedertrifft, Sie hatten sich getrennt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Geliebte die Mutter des Liebhabers war.

Sowohl die Mutter wie der Sohn stellten nun bei diesem Wiedertreffen fest, dass sie es unbewusst immer schon gewusst hätten.

 

Prauss (www.Kommentare-zu-Gerold-Prauss.de): „Im Schlußkapitel seines Romans ,,Der Erwählte“ greift Thomas Mann unüberhörbar auf die Psychoanalyse Freuds zurück. Es gestaltet unter anderem eine Wechselbeichte zwischen Sohn und Mutter, — einen jahrelangen Inzest miteinander anbetreffend. Doch nicht dieser Inzest selbst ist es, was beiderseits gebeichtet wird. Der nämlich hatte sich zuletzt herausgestellt, worauf sich beide trennen mußten und sich nun zum ersten Mal wieder begegnen und erkennen und auch davon ausgehen, daß sie wechselseitig sich erkennen. Was tatsächlich beiderseits gebeichtet wird, ist vielmehr ausschließlich das Folgende. Die Mutter: ,,Tief unten“, dort, wo in der Seele ,,still die Wahrheit wohne“, da sei ihr ,,bekannt“ gewesen, habe sie ,,gewußt“, daß er ,,das eigene Kind“ ist. Und der Sohn, daß er ,,dort, wo die Seele keine Faxen macht“, desgleichen ,,recht gut wußte“, daß sie seine Mutter ist.

Hat Thomas Mann die Freudsche Theorie, die er gut kannte, hierin mißverstanden? Ist doch nach der Theorie vom Ödipus-Komplex, die Thomas Mann hier nutzt, der ödipale Inzestwunsch ,,verdrängt“ und dadurch ,,unbewußt“, und zwar im eigentlichen Sinne dieses Wortes, nämlich als verdrängter nicht einmal bewußtseinsfähig. Von etwas nur faktisch Unbewußtem, doch durchaus Bewußtseinsfähigem‘ das Freud als bloßes ,,Vorbewußtes“ auffaßt, grenzt er dieses eigentliche Unbewußte nämlich als ,,dynamisch“ Unbewußtes ab, denn dieses werde durch Verdrängung ständig neu bewußtseinsunfähig gemacht.“

 

Unabhängig davon, ob die Kindesliebe zum andersgeschlechtlichen Elternteil oder der „krankhafte“ zu therapierende Hass gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil als Ödipuskomplex nun die richtige oder unhaltbare Freudsche Interpretation ist, nämlich einer tatsächlichen Verirrung der Gefühle, sprechen wir von der Existenz einer psychischen Krankheit mit dem Namen „Ödipuskomplex“ in Anlehnung an eine griechische Sage, nach der Ödipus als Strafe und Fluch – wenn auch unwissentlich – seinen Vater tötet und seine Mutter ehelicht.

Diese Reflexion auf unser Beispiel bewegt sich demnach auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Durch die richtige oder unhaltbare Freudsche Interpretation als Prädikation sprechen wir einmal von der tatsächlichen Existenz einer psychischen Krankheit, die deswegen auch heilbar ist, wenn wir Freud folgen. Die andere Ebene thematisiert mit der Erzählung von Thomas Mann hauptsächlich das Prädikat, das sich am Ende nicht als pathologisches sondern als ethisches Problem darstellt und lässt die Frage offen, ob die Liebe zu den Eltern generell eine Vorstufe zur ehelichen Liebe ist, die nur dann im Freudschen Sinne krankhaft ist, wenn sie sich nicht von den Eltern oder dem Elternteil lösen kann und sich ganz nach Freud in Liebe zum einen und in Eifersucht und Hass zum anderen Elternteil verstrickt.

Wir sehen jedoch, dass wir uns bereits mit dem Begriff „verstrickt“, der nichts Konkretes mehr aussagt über die Art der Verstrickung, wieder von der Thematisierung des Prädikats abgewendet haben.

Gerold Prauss geht es in seiner Untersuchung jedoch darum, dass diese falsche oder richtige Prädikation, die in beiden Fällen zur Existenzaussage als Wahrnehmung führt, keineswegs unbewusst, sondern durchaus auch als nichtthematisiert bewusst ist.

Gerold Prauss:“ Hat Thomas Mann die freudsche Theorie, die er gut kannte, hierin mißverstanden? Ist doch nach der Theorie vom Ödipus-Komplex, die Thomas Mann hier nutzt, der ödipale Inzestwunsch ,,verdrängt“ und dadurch ,,unbewußt“, und zwar im eigentlichen Sinne dieses Wortes, nämlich als verdrängter nicht einmal bewußtseinsfähig. Von etwas nur faktisch Unbewußtem, doch durchaus Bewußtseinsfähigem‘ das Freud als bloßes ,,Vorbewußtes“ auffaßt, grenzt er dieses eigentliche Unbewußte nämlich als ,,dynamisch“ Unbewußtes ab, denn dieses werde durch Verdrängung ständig neu bewußtseinsunfähig gemacht.4

Noch dringlicher jedoch wird diese Frage, weil sich hinreichend belegen läßt: Nicht nur meint Freud mit ,,unbewußt“ soviel wie schlechthin ,,nicht bewußt“; als gleichbedeutend für ,,bewußt“ setzt er auch immer wieder ein ,,bekannt“ oder ,,gewußt“, so daß mit ,,unbewußt“ auch immer wieder ,,nicht bekannt“ bzw. ,,nicht gewußt“ gemeint sein muß .5 Zumal ein wesentlicher Grund dafür, daß Freud jenen Komplex gerade mit dem Namen ,,Ödipus-Komplex“ bezeichnet, darin liegt, daß Ödipus gerade ,,unwissentlich“ seine Mutter heiratet, nachdem er seinen Vater auch ,,unwissentlich“ getötet hat.6

Ein Mißverständnis also? Keineswegs. Was sich bei Thomas Mann hier widerspiegelt, ist vielmehr geradezu die wunde Stelle in der Theorie von Freud, die weiterhin der Heilung harrt, weil sie bisher noch nicht einmal in ihrem vollen Umfang aufgedeckt ist. Reihenweise gibt es Stellen in den Texten Freuds, wo es ihm schwer wird, jene strenge Unterscheidung von bewußt und unbewußt, die er von Anbeginn getroffen hatte, aufrechtzuerhalten, nämlich in dem Sinn von entweder bewußt oder gleich unbewusst als nicht bewußt. War diese Unterscheidung doch einhergegangen mit der psychoanalytisch-grundlegenden These, mit der Freud einst angetreten war, wonach das Psychische gerade nicht mit dem Bewußten gleichzusetzen sei, wie überwiegend angenommen werde, sondern daß es Psychisches auch noch als Unbewußtes gebe. Mittlerweile ist bekannt,7 daß hierin Freud weit mehr an Vorgängern besitzt als die, auf die er selbst gelegentlich verweist, wie Lipps und Eduard von Hartmann. Unbeachtet bleibt jedoch, daß dabei allen — nämlich denen, die ein unbewußtes Psychisches bejahen, ebenso wie denen, die ein unbewußtes Psychisches verneinen — dieser strenge Unterschied von entweder bewußt oder gleich unbewußt im Sinn von nicht bewußt als selbstverständlich gilt.

Gerade Freud jedoch gerät mit dieser Selbstverständlichkeit, und zwar im Sinn der eigenen Theorie in Schwierigkeiten. Denn wie sollte sich verstehen lassen, um nur einen Grund zu nennen, daß ein ödipaler Vatertötungs- oder Mutterheiratswunsch nicht nur verdrängt wird, sondern immer weiter auch verdrängt gehalten wird, wenn die verdrängende Instanz das zu Verdrängende nicht mindestens auch unterscheiden kann von dem nicht zu Verdrängenden? Ist Freud zufolge doch durchaus nicht alles, was im Psychischen an Wünschen oder Trieben auftritt, etwas zu Verdrängendes.8 Wie aber könnte zwischen beidem unterschieden werden, ohne daß von beidem auch in irgendeinem Sinn Bewußtsein vorläge? Dann aber kann Verdrängtes als auch weiterhin verdrängt zu Haltendes nicht einfach unbewußt sein in dem Sinn von nicht bewußt.

Geradezu bewegend ist es nun, mitanzuhören, wie das, was nach Differenzierung förmlich schreit, das Ohr von Freud auch tatsächlich erreicht, doch ohne daß es sich im eigentlichen Sinn Gehör bei ihm verschaffen kann. Buchstäblich zu verdrängen sucht er dieses zu Differenzierende, um seine strenge Unterscheidung zwischen Psychischem als unbewußtem und bewußtem durchzuhalten. Freud auch selbst hier freudianisch zu behandeln, wird tatsächlich unausweichlich.“

 

Prauss beschreibt dann – wenn auch mehr oder weniger explizit wie beiläufig - weiter die Versuchung, Gefahr und Fallgrube Freuds durch das Veröffentlichen oder beim Veröffentlichen seiner These und zugleich die Versuchung, Gefahr und Fallgrube der Freudianer durch die Veröffentlichung des sog. „Unbewußten in unserer Wahrnehmung“, mit der Existenz des „Ödipuskomplexes“ auch das Prädikat in seiner ganzen Widersprüchlichkeit wie „unbewusst bewusst“, „unwissend bewusst“, usw. einfach hinzunehmen, als verhängnisvolle Versuchung deswegen, weil dadurch die Existenz und damit die Wahrheit des „Ödipuskomplexes“ auf dem Spiel steht.

Prauss weiter: „Was genau ist es, was Freud in diese Schwierigkeiten bringt? Etwa das Unbewußte, wie dies alle meinen, die ihn kritisieren, aber ohne daß ihm dadurch beizukommen wäre? Durchaus nicht. Beizukommen ist ihm vielmehr erst, wenn man sich klarmacht, daß es keineswegs das Unbewußte, sondern das Bewußte ist, was diese Schwierigkeiten macht. Der Sinn des Unbewußten nämlich ist als negativer abhängig vom Sinn dieses Bewußten. Denn je danach, welcher Sinn mit dem Bewußten zu verbinden ist, ergibt auch dessen Negation einen je andern Sinn. Der Sinn dieses Bewußten aber gilt nicht nur Freud selbst, sondern auch jedem seiner Kritiker bis heute noch als selbstverständlich. Wie wir alle orientieren sie sich, wenn sie von etwas Bewußtem sprechen und von dem Bewußtsein, für das es bewußt ist, immer wieder an der Außenwelt, die wahrgenommen wird. Denn für die Wahrnehmung als Wahrnehmungsbewußtsein ist die Außenwelt gerade als etwas Bewußtes etwas Wahrgenommenes. Sie alle halten dieses Wahrgenommene und diese Wahrnehmung jedoch nicht nur für einen klaren Fall von beidem, von Bewußtsein und Bewußtem, sondern eben deshalb auch noch für einen elementaren Fall von beidem. Nur aus diesem Grund kann ihnen allen als so klar erscheinen, daß ,,bewußt“ sich nur negieren läßt zu ,,nicht bewußt“ als ,,unbewußt“.

Wie aber, wenn die Wahrnehmung als Wahrnehmungsbewußtsein und entsprechend auch das Wahrgenommene als Bewußtes kein elementarer Fall von beidem wäre, sondern ein komplexer, wie zum Beispiel dadurch, daß Bewußtsein und Bewußtes ein spezieller Fall und damit ein in sich differenzierter Fall von beidem wäre? Dann nämlich wäre er auch alles andere als ein klarer Fall von beidem. Denn dann ließe der elementare Ausdruck, unter dem ein jedes davon auftritt, den differenzierten Sinn von beidem ja gerade undifferenziert. Vor allem aber wäre dann auch alles andere als klar, daß bei differenziertem Sinn diese Negierung von ,,bewußt“ nur ,,unbewußt“ als ,,nicht bewußt“ ergeben kann. Denn ist ein undifferenzierter Ausdruck von differenziertem Sinn, so bleibt zunächst auch unklar, welches Element dieses differenzierten Sinns durch die Negierung seines undifferenzierten Ausdrucks eigentlich negiert wird. Wo das klar ist, wie etwa bei ,,Löwe“, ist auch klar, was bei Negierung eigentlich negiert wird, nämlich nur, daß etwas Löwe sei, und nicht auch noch, daß dieses Etwas Lebewesen sei: Der Gattungssinn von ,,Lebewesen“, der als Teilsinn innerhalb des Sinns von ,,Löwe“ mitenthalten ist, bleibt bei Negierung dieses letzteren unangetastet. Und das heißt: Es wird dadurch nicht ausgeschlossen, dass ein Nichtlöwe ein Lebewesen sein kann. Diesbezüglich hatte man jedoch für den besonderen Fall dieses Bewußtseins und dieses Bewußten, dessen Sinn bis heute noch ein Rätsel ist, nicht die geringste Hilfe. Die Versuche nämlich, in die innere Struktur desselben vorzudringen, waren nicht gelungen.

Freilich hätte man gewarnt sein können, da seit Aristoteles bekannt war, daß die Wahrnehmung in sich komplex sein muß, weil sie auch Irrtum, und das heißt, auch falsch sein kann und deshalb grundsätzlich die innere Struktur von Urteil, Aussage oder Behauptung haben muß.22 Danach heißt, etwas wahrzunehmen, grundsätzlich, etwas als etwas wahrzunehmen, wobei diese beiden Etwas nicht identisch, sondern different sind. Ersteres steht dabei für ein Ding und zweiteres für eine Eigenschaft von ihm. Im einfachsten und ursprünglichsten Fall hat Wahrnehmung von Außenwelt deswegen immer eine Form wie etwa ,,Dies ist rot“, auch wenn dieselbe sprachlich in der Regel nicht zum Ausdruck kommt. Denn nur durch diese Form läßt sich die Tatsache erklären, daß Wahrnehmung auch einmal Irrtum, also falsch sein kann. Etwas als etwas wahrzunehmen, heißt mithin, dem einen Etwas - einem Ding, das dabei indiziert wird, durch den sogenannten Indikator ,,Dies …“- das andere Etwas - seine Eigenschaft – dabei zu prädizieren durch den sogenannten Prädikator „…. rot“, wobei sie durch das „…ist…“, die sogenannte Kopula, verbunden werden.

So bekannt jedoch die innere Komplexität der Wahrnehmung als Prädizierung war, so unbekannt ist immer noch, daß eben diese innere Komplexität derselben auch noch eine innere Komplexität derselben als Bewußtsein nach sich zieht. Danach ist auch der einfachste und ursprünglichste Fall der Wahrnehmung von Außenwelt als Wahrnehmungsbewußtsein keineswegs elementar, sondern komplex, weil er als Einheit eines Wahrnehmungsbewußtseins jeweils unterschiedliche Bewußtseinsarten, die denn auch zu unterscheiden sind, in sich vereint. Dies aufzuweisen, ist jedoch erst möglich seit der wohlbekannten Unterscheidung zwischen Sprache als ,,Objektsprache“ und ,,Metasprache“. Wie als erster Frege eingesehen hat, ist diese Unterscheidung nötig, um semantische und logische Paradoxien zu vermeiden.23 Als Objektsprache ist Sprache danach Sprache über die nicht-sprachlichen Objekte, wohingegen sie als Metasprache vielmehr Sprache über Sprache ist und so zuallererst die Metasprache über die Objektsprache.

Im angelsächsischen Bereich zog diese Unterscheidung Freges nun noch eine weitere nach sich, die bedeutsam ist, deren Bedeutsamkeit indes noch immer nicht erkannt zu sein scheint. Was bedeutet es für Sprache selbst, so fragte man sich dort, wenn zwischen Sprache als Objektsprache und Metasprache solch ein wesentlicher Unterschied besteht? Und man beantwortete diese Frage sich wie folgt. Entscheidend dafür ist der Unterschied von ,,used“ und ,,mentioned“.24 Als Objektsprache ist Sprache ,,used“, benutzt, jedoch nicht "mentioned", nicht erwähnt. Das wird sie vielmehr erst, wenn sie als solche selbst zum Objekt einer Metasprache wird, die ihrerseits dann wieder ,,used“, benutzt, jedoch nicht ,,mentioned“‘ nicht erwähnt ist. Vielmehr wird das auch die Metasprache erst, wenn sie als solche selbst zum Objekt einer Metametasprache wird, die ihrerseits dann wieder ,,used“, benutzt, jedoch nicht ,,mentioned“‘ nicht erwähnt ist, usw.

 

In seinem bereits zitierten Hauptwerk untersucht Prauss diese Problematik im Gesamtkontext menschlichen Verhaltens. „Die Welt und wir“, Band I/II, Seite 352:

 

„Die ganze Härte der Begriffsbildung, die bis hierhin erzwungen wird, ist somit notwendig, um das Intuitiv-Synthetische eines Begriffes wie »Bewußtsein« auch in das entsprechend Analytisch-Diskursive noch zu überführen. Bewußtsein ist danach zunächst einmal nur Selbstbewußtsein, nämlich ein Sichgegenüberstehen, das recht eigentlich ein immer wieder neu Sichgegenübertreten bildet.“

Prauss weiter „Die Welt und wir“, Band I/II, Seite 353, Fußnote 8:

„Beachten Sie, daß damit etwas aufgedeckt wird, was bisher anscheinend unbekannt ist. Es ergibt sich nämlich, daß »bewußt« zum einen seinem Sinn nach einfach und zum andern seinem Sinn nach zweifach und im ganzen seinem Sinn nach somit dreifach ist, was nunmehr expliziert wird. Denn »bewußt« hat danach einen und denselben Sinn, der dennoch ohne jeden schlechten Doppelsinn «bewußt begleitet« ebenso bedeutet wie »bewußt begleitend«, womit Unterschiedliches bezeichnet wird: mit ersterem die Ausdehnung, mit letzterem der Punkt. Und deren Differenz im Rahmen der Identität ursprünglichen Bewußtseins als des Selbstbewußtseins ist danach für dieses auch notwendig.

 

Prauss weiter „Die Welt und wir“, Band I/II, Seite 354-357

 

Damit greife ich, zunächst in einem ersten Schritt, die wohlbekannte Unterscheidung auf zwischen »to mention something« und »to use something«, die ich dann auch sogleich in einem zweiten Schritt noch übernehmen werde. (Fußnote 9: Nach Quine (vgl. Mathematical Logic, Cambridge 1941, 3.Aufl. 1955,  4 Ende) geht sie zurück auf Frege (vgl. Grundgesetze der Arithmetik, Bd.1, Jena 1893, 5. 4).

Für den Sinn, in dem ein Selbstbewußtsein jener Zeit von sich als Ausdehnung für sich als Punkt im Zuge ihrer Selbstverwirklichung erstehen muß, wird nämlich als ein weiterer Begriff der eines nichtthematisierenden bzw. nichterwähnenden Bewußtseins notwendig, das trotz­dem voll und ganz Bewußtsein dessen ist, das ihm bewußt ist. Und der Grund dafür, daß man in Selbstbewußtsein immer wieder eine unlösbare Problematik sah und sieht, der lag und liegt denn zusätzlich zu jenem anderen — auch wesentlich noch darin, daß man gänzlich ungerechtfertigt vermeint: Als solches selbst müsse Bewußtsein von etwas thematisierendes oder erwähnendes Bewußtsein dieses Etwas sein, weil etwas nur bewußt sein könne, wenn es auch erwähnt oder thematisiert sei. Dies jedoch trifft schlechterdings nicht zu. Das sollten Sie sich darum auch an einem Beispiel aus dem Umkreis des Empirischen verdeutlichen und dadurch sicherstellen: Dies läuft durchaus nicht etwa auf eine petitio principii hinaus, die bloß umwillen dieses Nichtempirischen der inneren Struktur der Zeit erfolgt, auf die wir nichtempirisch­philosophisch reflektieren.

Schon jedem Fall elementarster Empirie laßt sich bei angemessener Reflexion auf ihn entnehmen, daß Bewußtsein keineswegs nur als erwähnendes oder thematisierendes Bewußtsein auftritt, sondern auch als nichterwähnendes bzw. nichtthematisierendes. Die ursprünglichsten Fälle solcher Empirie sind nämlich immer wieder zweifellos die von Prädikationen wie zum Beispiel »Dies ist rot« und »Dies ist rund«. Denn darin kommt die ursprüngliche Wahrnehmung von etwas in der Außenwelt zum Ausdruck, und als solche ist die Wahrnehmung recht eigentlich das Wahrnehmungsbewußtsein von etwas. Genausowenig aber kann dabei in Zweifel stehen, daß in jedem solchen Fall durch einen Prädikator wie zum Beispiel » ... rot« und » ... rund« allein von dem die Rede ist, worauf dabei durch einen Indikator wie zum Beispiel »Dies .. .« Bezug genommen wird: von einem Ding, und nicht etwa auch noch von seiner Eigenschaft, von Röte oder Rundheit, die es, wenn es rot ist oder rund ist, hat. Denn rot bzw. rund ist ja gerade nicht die Eigenschaft, sondern allein das Ding; sonst käme ein unendlicher Regreß in Gang, durch den sich das Gesamtverhältnis zwischen Ding und Eigenschaft von vornherein zerschlüge. Dementsprechend ist bei solcher Prädikation als dem Ausdruck solcher Wahrnehmung bewußt im Sinne von erwähnt oder thematisiert ausschließlich dieses Ding, und nicht etwa auch noch die Eigenschaft von ihm, obwohl es diese hat und diese auch gerade das ist, was ihm prädiziert wird.

Daß es trotzdem in der Tat nicht diese Eigenschaft ist, was dabei bewußt im Sinne von erwähnt oder thematisiert ist, geht denn auch unzweifelhaft für Sie daraus hervor, daß eine einschneidende Ausdrucks-Änderung notwendig wird, damit nicht nur ein solches Ding, sondern auch noch die Eigenschaft von einem solchen Ding bewußt im Sinne von erwähnt oder thematisiert wird. Notwendig wird dafür nämlich nichts geringeres als der Übergang von so etwas wie »... rot« bzw. »..... rund« zu so etwas wie »..... Röte« oder »..... Rundheit«, der denn auch sofort den weiteren Übergang von »ist .. .« zu »…hat ...« notwendig macht. Denn »Dies ist rot« bzw. »Dies ist rund« ist logisch nur mit »Dies hat Röte« oder »Dies hat Rundheit« gleichbedeutend, nicht jedoch mit »Dies ist Röte« oder »Dies ist Rundheit«, woraus klar die Andersheit der Eigenschaft zum Ding hervorgeht, das infolge eben dieser Andersheit von ihr die Eigenschaft nur haben und nicht etwa sein kann. Trotzdem aber muß die Eigenschaft dann auch in jedem Fall wie »Dies ist rot« bzw »Dies ist rund« in vollem Sinne schon bewußt sein, und das heißt: auch schon in jedem Fall, in dem bewußt im Sinne von erwähnt oder thematisiert allein das — eben rote oder runde — Ding ist.

Denn sonst könnte Ihnen erstens nicht verständlich werden, daß gerade diese Eigenschaft es ist, die einem Ding in allen solchen Fällen prädiziert wird, was doch wohl nur möglich sein kann, wenn sie dabei auch schon voll bewußt ist. Und nur dann kann Ihnen zweitens auch verständlich werden, daß von jedem solchen Fall wie »Dies ist rot« bzw »Dies ist rund« ein Übergang zu »Dies hat Röte« oder »Dies hat Rundheit« möglich ist. Denn daß genau die vordem unerwähnte oder unthematisierte Eigenschaft durch diesen Übergang nunmehr thematisiert oder erwähnt wird, läßt sich nur verstehen, wenn sie als vordem unerwähnte oder unthematisierte gleichwohl eine voll bewußte ist. Nur ist sie danach eben eine unerwähnt-bewußte oder unthematisiert-bewußte, die als solche erst durch diesen Übergang bewußt-erwähnt oder bewußt-thematisiert wird.

Darum folgt aus dieser mittels Reflexion vollzogenen Analyse nicht nur, daß Bewußtsein also keineswegs etwa als solches selbst erwähnendes oder thematisierendes Bewußtsein sein muß, sondern daß es auch ein nichterwähnendes bzw nichtthematisierendes Bewußtsein sein kann, das trotzdem ein Vollbewußtsein dessen ist, das ihm bewußt ist. Vielmehr folgt daraus noch weiter: Mindestens in allen solchen Fällen wie in denen, die als Beispiele herangezogen wurden, steht erwähnendes oder thematisierendes Bewußtsein von etwas sogar auch noch in einer unumkehrbar-einseitigen und auch unlösbaren Abhängigkeit vom entsprechend nichterwähnenden bzw. nichtthematisierenden Bewußtsein eben dieses Etwas. Ohne Zweifel nämlich ist ein Fall wie »Dies hat Röte« oder »Dies hat Rundheit« etwas Abgeleitetes von einem Fall wie »Dies ist rot« bzw. »Dies ist rund« als dem entsprechend ursprünglichen, und nicht etwa umgekehrt. Ja daraus folgt zuletzt sogar auch noch des weiteren, daß so etwas wie »Dies ist rot« bzw »Dies ist rund«, als demnach ursprüngliches Wahrnehmungsbewußtsein von etwas, ein nichterwähnendes und ein erwähnendes oder ein nichtthematisierendes und ein thematisierendes Bewußtsein wiederspruchsfrei in sich selbst vereinen muß.“

 

 

Und das heißt bei uns: Weder beim Arzt und Psychologen noch beim Patienten, dem seine Krankheit als existierende Tatsache praktisch erst noch eingeredet werden muß, was nach Freud ein Bewusstmachen und damit zugleich auch die Voraussetzung einer Heilung bedeutet, wäre dann die Frage von Belang, ob die Freudsche Interpretation nun richtig oder unhaltbar oder nur je nach Fall eine richtige oder falsche Diagnose ist.

Allein dadurch nämlich, - zumindest weitgehend als Versuchung, Fallgrube oder Gefahr- , dass der „Ödipuskomplex“ allgemein und öffentlich ein allgemeingültiger fester Begriff wurde, gilt dieses Phänomen, diese Tatsache „Ödipuskomplex“ als existent, d.h. gibt es auch diese Krankheit.

Wir kommen damit zu dem dritten Aspekt einer derart öffentlich im Sinne von allgemein als gültig bis allgemeingültig sanktionierten Wahrnehmung, und zwar als existent und deswegen auch als wahr.

Denn was immer wir durch das Geschehen des Veröffentlichen durch einen Autor oder mit der Tatsache der Veröffentlichung als Leser mit dem Attribut der Veröffentlichkeit verbinden, kann uns erst in einem nachfolgenden dritten Schritt zum Thema werden, mit dem wir uns auch die Existenzaussage selbst, die Wahrheit und die Bedeutung von Allgemeingültigkeit hinterfragen können.

Prauss ebenda Seite 357:

 

„Ohne Zweifel nämlich ist ein Fall wie »Dies hat Röte« oder »Dies hat Rundheit« etwas Abgeleitetes von einem Fall wie »Dies ist rot« bzw. »Dies ist rund« als dem entsprechend ursprünglichen, und nicht etwa umgekehrt.“

 

In dieser thematischen und zeitlichen Gerichtetheit (und nicht etwa umgekehrt!) liegt denn auch begründet, was wir als sukzessive Emanzipation und Entwicklung verstehen können vom Mythischen zum Religiösen, Kulturellen, Geschichtlichen bis zum schließlich erlösten Selbstbewusstsein des Individuums von allem in allem in der Allgemeinheit, und zwar indem wir permanent nach der Existenzausaussage von etwas auch die Prädikation thematisieren und damit hinterfragen.

Denn wie in einem trojanischen Pferd laden wir mit der Prädikation und der Wirklichkeit von Etwas – und damit auch der Wirklichkeit von uns selbst, - die jeweils eigene Erfahrungsumgebung als Konnotaion dem jeweiligen empirischen Ding auf den Rücken, - und auch bisweilen umgekehrt uns selbst quasi auf den Rücken dieser Konnotation, als existierten wir durch unsere Erfahrung, durch unsere Vergangenheit.

Was dabei als Definition oder Umschreibung des Bewußtseins nach wissenschaftlichem Maßstab ein Makel menschlicher Erkenntnis sein mag, nämlich eben die Subjektivität, wird durch einen weiteren, aber ebenfalls nur scheinbaren Makel noch unterstrichen, durch den Begriffe und Aussage einer Behauptung überhaupt erst sprachlich für andere bzw. alle verständlich werden.

Dazu müssen wir diesen 3. Schritt unterteilen in zwei Grundthemen.

Zuerst gilt es zum Zweck der eingeforderten Thematisierung des Prädikats durch eine Betrachtung die Verhältnisse solcher Konnotation zur Denotation und umgekehrt zu verstehen.

In einem zweiten Schritt gilt es eine Struktur des Sprachlichen über seinen Weg zur Gültigkeit und Allgemeingültigkeit der benutzten Wörter und grammatischen Regeln zu verstehen, durch die eine Thematisierung des Prädikats erst verständlich werden kann.

Dabei wird die zweifache Tiefendimension einer menschlichen Aussage deutlich; und zwar nicht nur, was an Bedeutung das Attribut Öffentlichkeit, Allgemeingültigkeit oder Veröffentlichung betrifft, betreffen kann und eben auch nicht bedeuten sollte, sondern was zugleich auch alles Veröffentlichte, Allgemeine und Allgemeingültige betrifft, - und dies betrifft dann eben zugleich auch alles sprachlich Mitteilbare einer Religion, Kultur, Zivilisation oder Sprachgemeinschaft – und damit für uns nicht zuletzt auch das christliche Glaubensbekenntnis.

Das einfache Standartbeispiel sei die Aussage oder Behauptung einer Wahrnehmung oder Erkenntnis „Dies ist ein Tisch.“ Wir sehen hier bereits ein hochkomplexes Verhältnis zwischen den unterschiedlichen und möglicherweise gegensätzlichen Begriffen „Aussage“, „Behauptung“, „Wahrnehmung“ und „Erkenntnis“. Die Äußerung „Dies ist ein Tisch.“ Bezieht sich als Aussage und Behauptung auf die Wahrnehmung und Erkenntnis, auf das, was mit dem „Dies“ jetzt und hier gemeint ist. Die Frage dabei ist nicht, was denn nun ein Tisch sei. Aber genau letzterem soll unsere Aufmerksamkeit gelten. „Ein Tisch“ ist, wie schon gesagt nicht ein ganz bestimmter Tisch. Als Gattungs- oder Sammelbegriff aller möglichen und unmöglichen Tische sind darin einbezogen alle Gegenstände, die die gemeinsamen Merkmale besitzen, die zu einem Tisch gehören. In der Mathematik bezeichnen und reduzieren wir eine solche Gattung durch das logische Minimum an Gemeinsamkeiten, z.B. Dreieck, Viereck, Kreis, Sinuslinie usw. Wir unterscheiden diese Gemeinsamkeiten als Bedeutung jedoch außerdem zum einen in der intensionalen Bedeutung z.B. eines Dreiecks, das neben den drei Ecken auch noch die Winkelsumme von 180° und mit allen weiteren Dreiecken noch viele weitere Eigenschaften besitzt, die allen Dreiecken gemeinsam sind, und zum anderen kennen wir die extensionale Bedeutung, als den Umfang aller Gegenstände, die unter diesen Begriff fallen.

In der normalen Sprache tritt zu dieser Reduktion auf Gemeinsamkeiten bei dem Wort „ein Tisch“ in unserem Beispiel eine Addition aller subjektiven Erfahrungen hinzu, die das jeweilige Subjekt bei unserem Beispiel mit Tischen gemacht hat, die sich ebenfalls in Intension und Extension unterscheiden. Zu den intensionalen Erfahrungen mit Tischen könnte z.B. der Ärger gehören, den man einmal mit der IKEA-Gebrauchsanweisung hatte oder mit einer unaufgeräumten Tischschublade. Zu den rein subjektiven extensionalen Erfahrungen könnte z.B. gehören, dass man ein Hochplateau im Gebirge tatsächlich wie einen göttlichen Tisch erlebte, wie es zudem im Namen Tischplatte oder Tafel mitschwingt. Zu den Erfahrungen extensionaler Art kann gehören das angenehme Erlebnis einer Frau, die auf einem Tisch tanzt, wie das Gleiche: der Tisch als unangenehmes Erlebnis des eifersüchtigen Partners.

Ob, wann und auf welche Weise wir ein solches Konnotat beim Erlernen der Sprache mit übernehmen und nicht selbst in Form eigener Erfahrung mit dem Wort verbinden, mag ein eigenes Thema werden. Jedenfalls spüren wir bei manchen Begriffen scheinbar uralte Bedeutungen mitschwingen.

Im Falle des Glaubensbekenntnisses liegen derart allen Worten nicht nur die jeweils subjektiven Erfahrungen und Erlebnisse der eignen Kommunion oder Konfirmation wie die Erfahrungen der eigenen Gottesdiensterlebnisse zugrunde, sondern auch die Erfahrung der Kontinuität durch das eigene Leben, und, wie ich glaube, auch das Bewusstsein der Übereinstimmung aller Gottesdienste weltweit, wie auch Gleichheit und Kontinuität in der ganzen Kirchengeschichte über Jahrhunderte und Jahrtausende.

Bevor wir am Ende darauf zurückkommen, sollten wir ein weiteres Beispiel anführen, an dem ein subjektives wie allgemeines Konnotat derart an Bedeutungsgewicht das Denotat überlagert, so dass das Denotat quasi nur noch als Nebenbedeutung zum Konnotat des eigentlichen Konnotats wird, so dass Denotat und Konnotat praktisch die Plätze wechseln. Diesen Fall haben wir z.B. in der alltäglichen Redensart als Bezeichnung einer unangenehmen Schelte, „Dies war ein regelrechtes Donnerwetter.“, was mit dem denotativen Wetter und Gewitter nur noch als Neben- oder Unterton, eben als Konnotat

 

 

Extension Bedeutung für alle, öffentlich

Intension, wörtlich, grammatisch

Ein riges++++

 

 

+++++++

3. Das Wort als Trampelpfad?.

 

 

Nichtchrist = Unmensch?

 

Wir sollten uns jedenfalls nicht von einer als wissenschaftlich-empirischen ausgegebenen Beweismethode verführen lassen und schon gar nicht zum Vorbild nehmen, das Nichtempirische einer Meinung oder Ansicht auf den Leisten solcher Alternative zu spannen, so verführerisch sich die beste Theorie auch als wissenschaftlich geriert.

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Das Gemeinsame aller Menschen ist ganz grundsätzlich die anonyme Natur des Menschen, also der biologische Aufbau von Körper, Nervensystem, physische Gestalt, DNS, usw., wobei man die menschliche Entscheidungsfreiheit durchaus leugnen wie auch bejahen kann. Man kann die individuelle Entscheidungsfreiheit als den göttlichen Adel oder auch nur als Perfektionierung des Organischen sehen und vertreten, aber auch als Makel, als Fehler, als Ursache für die Unberechenbarkeit des Menschen. Umgekehrt gibt es die verbreitete Ansicht, nach der gerade das Körperliche und Biologische der peinliche und fehlerbehaftete Makel des Menschen sei, in dem der freie Geist nur auf Zeit eingefangen sei und mit dem Tode erlöst würde.

Es sollte spätestens nach der Lektüre dieser Gebrauchsanweisung einer Veröffentlichung zur selbstverständlichen Denkbarkeit gehören, dass sich beide Thesen nicht im Sinne von „Ja oder Nein“ gegenseitig ausschließen oder widerlegen.

 

Meistens jedoch, wenn es zu unterschiedlichen Auffassungen kommt, die sich als Ja oder Nein gegenüberstehen, wird die möglicherweise ja identische Formulierung nur unterschiedlich gemeint.

 

Öffentlichkeit als Wertkriterium

Als Wahrheitskriterium,

als Gottesurteil

als Erfolg

der Einzelne als Samenzelle

 

 

Ist Christsein so schwer?

 

 

So fragte mich jemand, die sich weigerte, mein postmodernes Gemälde, nämlich diesen Hörerbrief zu dieser Frage zu lesen, ob man das christliche Glaubensbekenntnis verändern dürfe.

 

Natürlich ist Menschsein und Christsein einfacher, als all das zu lesen, zu verstehen und zu lernen, was wir Menschen über den Menschen und seinen Glauben ,,wissen“ oder zu wissen glauben, all das, was über das Menschsein und Christsein gedacht wurde und wird, was heute keinem einzelnen Menschen mehr - und auch nicht dem größten Genie - möglich wäre, denn allein um alles zu lesen, bräuchte man mehrere Menschenleben.

Allein das normale Ereignis, wenn sich ein Mensch frühmorgens am Sonntag oder Sabbat zurechtmacht und in die Kirche, Moschee, oder Synagoge geht, ist als gelenktes oder lenkendes, als getragenes oder tragendes Geschehen derart komplex, logisch, psychologisch, soziologisch, philosophisch, theologisch, politisch und geschichtlich, zudem unter je vielen Gesichtspunkten, so dass diese kein einzelner Mensch und Wissenschaftler mehr allesamt und gleichzeitig zu verstehen und zu beurteilen imstande wäre.

Dabei sind es gerade die nicht reflektierten Selbstverständlichkeiten, die soweit noch unverstanden, einerseits zurecht zu Vorurteilen gegen mich bzw. gegen einen selbst führen, wobei das unreflektiert und unverstanden Selbstverständliche ja Prämisse meines Verhaltens ist und als solches gesehen, erlebt und berücksichtigt werden muß, andererseits jedoch zu unrecht zu arroganten Vorurteilen gegenüber anderen wird, weil ich das Verstehenkönnen dieser Selbstverständlichkeiten des Anderen dem Anderen einfach abspreche, indem ich ihn als eine Art Automation der anderen Religion, Kultur oder Sprache festlege, die mir als andersartiger z.B. einer anderen Religion und Kultur keineswegs selbstverständlich sondern im Gegenteil gerade deswegen erst mal suspekt erscheinen. Ich schließe von mir selbst auf andere.

Dazu kommen noch drei grundsätzliche Schwierigkeiten: zum einen ist die inzwischen unübersehbare Informationsmenge, was wir über den Menschen und seinen Glauben wissen oder zu wissen glauben, bestenfalls 1% dessen, was den Menschen mit seinem Glauben tatsächlich ausmacht und zum anderen könnte all dieses auch nicht als Gebrauchsanweisung dienen, wie man Mensch oder Christ, Moslem oder Jude sein könne, falls man nicht schon einer wäre, zum anderen ist bis heute und auch auf absehbare Zeit hin selbst für diese 1% nicht geklärt, wie man das Wahrheitsverhältnis zwischen dem Erkennen (durch mich selbst oder andere) und dem Erkannten, von Sujet und Darstellung, Wirklichkeit und Wissenschaft, Glaube und Theologie u.s.w. erklären, geschweige denn beweisen solle.

Als einfacher Christ mit einem ungetrübten Verhältnis zu unserem Herrn, Jesus Christus, werden Sie mich spätestens mit dem nächsten „Link“ wiederum fragen, wenn Sie ihn denn öffnen, ob sich mit solchen ganz unreligiösen Überlegungen von Max Black denn nun irgend ein positiver Sinn verknüpft, ob sie uns im Glauben bestärken oder nicht viel eher nur verwirren und verunsichern. Es geht dort um die Infragestellung der Selbstverständlichkeit, wie wir ein Bild, ein Foto oder Gemälde von irgend etwas zu verstehen glauben. Fast möchte ich Sie, verehrte Leserin und verehrter Leser nach solcher unwilligen Frage fast darin bestärken, in Ihrem ungetrübten Glauben zu bleiben, der schließlich ein ungetrübtes Verhältnis zu Gott bedeutet. Dies soll Ihnen keiner streitig machen, bis Sie sich plötzlich in einem gefährlichen Räderwerk von Vorurteilen wiederfinden, die andere zurecht? Ihnen gegenüber vorbringen, wenn diese Ihnen vielleicht blinde und unbelehrbare Selbstgerechtigkeit unterstellen, Glaube an Vielgötter und Kannibalismus, Welteroberungsabsichten und Alleingültigkeitswahn u.ä. vorwerfen, während Sie selbst den anderen Unbelehrbarkeit, Gottlosigkeit, Aberglaube und dergleichen unterstellen. Dabei ist es gerade das Selbstverständliche, das Nicht-Hinterfragte, das in der Gegenwart nicht nur zu solchen Vorurteilen verführt, die dann in Feindschaft endet, sondern es handelt sich im weitesten Sinne um ein Vergehen gegen das 2. Gebot, um das Bild, das wir uns alle von Gott, von Himmel und Hölle, vom Diesseits und Jenseits, von der Bibel oder dem Koran und von dem wahren Glauben machen, wie immer es als Vorstellung für uns auch hinter den Worten des Glaubensbekenntnisses besteht, - sei dieses Bild nun gemalt, mit Worten beschrieben oder in Gedanken ausgemalt – es ist immer nur ein Abbild.

Ich empfehle hierzu den kleinen Aufsatz von Max Black ,,Wie Bilder darstellen.“ Karl Barth gebrauchte für den Vergleich von Theologie und Glauben den schönen Vergleich einer gezeichneten Blume und einer wirklichen Blume. Ein Bild von etwas ist jedenfalls nicht wie scheinbar selbstverständlich zu verstehen

  1. als Abbildung, als das Zeigen eines Objekts,
  2.  als Ergebnis einer Kausalgeschichte wie das Foto einer Kamera
  3. als Information über das dargestellte Objekt
  4. als Intention des Künstlers
  5. als die Illusion von einem scheinbar vorhandenen Objekt
  6. als Dokumentation
  7. als Ähnlichkeit mit dem Objekt

 

 

Übereinstimmung mit dem Sujet plus Übereinstimmung mit anderen Menschen.

 

Dennoch gehört das Gespräch wie auch alle Kunst, Theologie und Wissenschaft zum Leben und zu unseren Bedürfnissen, und natürlich  - aber keineswegs selbstverständlich! - gehört dazu auch unsere hart erkämpfte Freiheit, uns mancher Ansicht öffnen oder auch verschließen zu können; und das Leben und jeder Glaube würde schließlich ersticken und erlöschen, würde der Mensch aufhören, über sich und seinen Glauben nachzusinnen und die Kompetenz dafür an irgendwelche Institutionen abzugeben oder zu delegieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedhelm Schulz

Nachwort als Vorwort

 

Mit der Frage, ob man das christliche Glaubensbekenntnis verändern soll — (die Antwort ist denkbar einfach), berührt man eine der Grundfesten der Christenheit, ein internationales, weltweit tief eingewurzeltes Gebilde, wie mir bei einem Fernsehgottesdienst bewusst wurde. In der Reaktion darauf entstand spontan aus der Hand ein relativ kurzer Text, (verglichen mit den imposanten Werken bestallter Theologen) wie der Künstler gelegentlich ein Bild in einem großen Zug Tag und Nacht hindurch fertig malt, um es später nicht mehr wesentlich zu verändern. Es steht so seit 1997 im Internet www.jesus-und-kirche.de und wird jährlich von vielen Tausend Interessierten geöffnet.

 

Wenn Sie, lieber Leser, liebe Leserin, die ersten 4 Seiten gelesen haben, sollten Sie sich mit etwas Abstand immer zugleich Ihren eigenen Weg durch die nur grob strukturierte Gedankenwelt bis an die Grenzen des Denkbaren und dabei vor allen Dingen Ihre eigenen Gedanken suchen oder bilden.

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder, Römer 8, 14.

 

Die Antwort auf die gestellte Frage ist, wie gesagt einfach. Ein Glaubensbekenntnis kann sein, wenn man sagt ,,Ich bin Christ.“ Manchmal genügt ein Kopfnicken, manchmal ist es unser Verhalten.

 

Wenn man das nicaische Glaubensbekenntnis verändert, ist es nicht mehr das „nicäische“ Glaubensbekenntnis.

 

Mehrere Bücher von bestallten Theologen unserer Zeit erklären ausführlich, wie diese Kostbarkeit aus den Anfängen der Christenheit entstanden ist und auch heute seine Bedeutung hat. Man sollte es auswendig kennen.

 

Wie wir mit diesem unveränderten Glaubensbekenntnis gut zurecht kommen können, ohne die große Theologie bemühen zu müssen, beschreibt z.B. der Theologe Dr. Jörg Zink.

 

Dennoch ist damit unsere Frage keineswegs bereits gegenstandslos. Siehe z.B. Das christliche Glaubensbekenntnis und seine Irrtümer

 

 

Friedhelm Schulz