Staat und Religion im Islam 630 n.Chr.
Abschnitt 1
11. September 2001. aktualisiert 10. Okt.

Afghanistan
September 11. 2001
Okt. 7. 01, der Gegenschlag
Das Selbstmordattentat als logisches Problem.
Eitelkeit und verletzte Eitelkeit als Identität.
Zivilisiertes  Miteinander
aller Nationen- auch des Islams.
 Was ist Gott?
 

Demokratie und Obrigkeit
Entwicklung in Religion und Politik seit 630 n.Chr.

Abschnitt 2
Dschihad
Römerbrief
Das Paradies im Islam
Ein logisches Problem
 
 

Abschnitt 3
Titel 1
Titel 2
Titel 3
Titel 4
Titel 5

Abschnitt 4
Titel 1
Titel 2
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Titel 4
Titel 5
Titel 6
 

Dschihad
Lexikon des Islam nach Thomas Patrick Hughes

DSCHIHAD

Wörtlich »Bemühung, Kampf«. Der »Heilige Krieg«. Ein religiöser Krieg im Auftrage Mohammeds gegen die Ungläubigen. Er ist eine zwingende religiöse Pflicht, die im Koran und in den Traditionen als göttliches Gebot begründet ist. Er dient vor allem dem Zweck, den Islam zu verbreiten und die Muslime vor fremder Gewalt zu schützen.

Wenn ein muslimischer Herrscher ein von Ungläubigen bewohntes Land erobert, haben die Einwohner dieses Landes drei Möglichkeiten:

1. Ubertritt zum Islam. In diesem Falle werden die Besiegten zu vollwertigen Mitgliedern des islamischen Staates.

2. Zahlen einer Kopfsteuer.

—*Dschizya

Dadurch werden die Ungläubigen unter den Schutz der Obrigkeit gestellt, vorausgesetzt, sie gehören nicht zu den arabischen Götzendienern.

3. Tod durch das Schwert für diejenigen, die sich weigern, die Kopfsteuer zu zahlen.

Die Pflicht zum Heiligen Krieg (die nach der einhelligen Meinung aller Kommentatoren zu jeder Zeit besteht) ist im Koran in folgenden Versen verankert, die bemerkenswerterweise alle in medinischen Suren stehen, die also in einer Zeit entstanden sind, als Mohammed sich als Machthaber etabliert hatte und in der Lage war, seinen Feinden Bedingungen zu diktieren.

Sure 9 5-6: »Sind die heiligen Monate vorüber, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie auch findet, fanget sie ein, belagert sie und stellet ihnen nach aus jedem Hinterhalt. Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und den Armenbeitrag entrichten, so lasset ihnen ihren Weg. Wahrlich, Gott ist allverzeihend und allbarmherzig. Und wenn dich ein einzelner von den Götzendienern um Schutz bittet, so schütze ihn, daß er das Wort Gottes höre; dann laß ihn einen sicheren Ort erreichen. Dies, weil sie Leute sind, die nicht verstehen.«

Sure29: »Bekämpfet die an Gott nicht glauben und an den Jüngsten Tag, die nicht heilig halten, was Gott geheiligt und sein Gesandter, und nicht anerkennen die Religion der Wahrheit, von denen, die die Schrift empfingen, bis sie Tribut aus der Hand zahlen und gering sind.«

Sure76-79: »Aber für den Pfad Gottes kämpfen sollen nur diejenigen, die das Leben hienieden für das zukünftige verkaufen. Und wer für den Pfad Gottes kämpft und getötet wird oder siegt, herrlichen Lohn geben wir ihm dereinst. Was habt ihr, daß ihr nicht kämpfet für den Pfad Gottes, für die Schwachen der Männer, für die Frauen und für die Kinder, die da sprechen: »Herr unser, führe uns aus dieser Stadt, deren Bewohner Sünder, und gib uns deinerseits einen Beistand, und gib uns deinerseits einen Helfer.« Die glauben, sie kämpfen für den Pfad Gottes, die aber ungläubig sind, sie kämpfen für den Pfad des Taghut. So kämpfet gegen die Freunde Satans, denn wahrlich, die List Satans ist schwach. Siehst du nicht jene, denen gesagt wurde: »Lasset eure Hände; verrichtet nur das Gebet und entrichtet den Armenbeitrag.« Als ihnen aber der Kampf vorgeschrieben wurde, fürchtete ein Teil von ihnen die Menschen, wie sie Gott fürchten, ja noch mehr, und sprachen: »Herr unser, weshalb hast du uns den Kampf vorgeschrieben, hättest du uns doch bis zum nahen Lebensziel gefristet!« Sprich: »Der Besitz hienieden ist gering, besser ist das Jenseits für den, der gottesfürchtig ist; ihr sollt nicht um eine Dattelfaser übervorteilt werden.«

Sure214-215: »Sie werden dich inbetreff des Kriegs im heiligen Monat befragen. Sprich: »Der Krieg in diesem ist schlimm, aber sich vom Pfad Gottes abwenden, ihn und die heilige Anbetungsstätte verleugnen und sein Volk aus dieser vertreiben ist vor Gott noch schlimmer. Die Verführung ist schlimmer als das Töten.« Und sie werden euch zu bekämpfen nicht aufhören, bis sie euch von eurer Religion abgebracht haben, wenn sie es können. Und wer von euch von seiner Religion abfällt und als Ungläubiger stirbt, dessen Taten sind verwirkt hienieden und jenseits. Diese sind Genossen des Höllenfeuers, ewig verweilen sie darin. Wahrlich die glauben und die ausziehen und für den Pfad Gottes streiten, diese mogen auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen. Und Gott ist all-verzeihend und allbarmherzig.« 

Sure39-42: »Sprich zu denen, die ungläubig sind: Stehen sie ab, er wird ihnen verzeihen, was bereits geschehen, wenn sie aber rückfallen, bereits ist das Verfahren an den Früheren vollzogen. Und so bekämpfet sie, bis keine Verführung mehr ist und die Religion ganz Gottes. Stehen sie ab, wahrlich, Gott ist dessen schauend, was sie tun. Kehren sie aber um, so wisset, daß Gott euer Beschützer ist. Wie schön ist der Beschützer, wie schön ist der Helfer! Und wisset, was ihr an Dingen erbeutet, ein Fünftel Gott und seinem Gesandten, sowie seiner Verwandschaft, den Waisen, den Armen und den Wandrern, wenn ihr an Gott glaubt und an das, was wir unsrem Diener geoffenbart am Tag der Erlösung, am Tag, da beide Heere zusammentrafen. Und Gott ist über alle Dinge mächtig.«
Es folgen nun Aussprüche Mohammeds zum Thema Heiliger Krieg, die in den Traditionen überliefert sind:

»Gott unterstützt den, der für den Pfad Gottes kämpft. Wenn er überlebt, kehrt er mit Ehren und Beute beladen nach Hause zurück. Wird er aber getötet, wird er ins Paradies gelangen.« »Ich schwöre bei Gott, daß ich auf dem Pfad Gottes getötet werden möchte, dann wieder zum Leben erweckt und wieder getötet und wieder zum Leben erweckt und nochmals getötet, so daß ich jedesmal neue Verdienste erlangen könnte.«

»Die Grenzen des Islam nur einen einzigen Tag zu bewachen ist mehr wert als die ganze Welt und alles, was in ihr ist.«

»Das Feuer der Hölle wird nicht die Füße desjenigen versengen, der mit dem Staub der Schlacht für den Pfad Gottes bedeckt ist.«

»Jemand, der einen anderen im Kampf für den Pfad Gottes mit Waffen unterstützt, ist wie der Kämpfer selbst und hat Anteil an den Belohnungen. Und jener, der zurückbleibt, um sich um die Familie des Kämpfers zu kümmern, ist dem Kriegs-held ebenbürtig.«

»In den letzten Tagen werden die Wunden der Kämpfer für den Pfad Gottes offenbar werden, und Blut wird ihnen entströmen, aber es wird wie Moschus duften.«

»Im Kampf für den Pfad Gottes getötet zu werden löscht alle Sünden aus.«

»Wer stirbt und nie für die Religion des Islam gekämpft hat und nie auch nur in seinem Herzen zu sich gesprochen hat: Wollte Gott, daß ich ein Held wäre und für den Pfad Gottes sterben könnte«, der ist einem Heuchler gleich.«

»Für den Pfad Gottes zu kämpfen oder dazu entschlossen sein ist eine göttliche Pflicht. Wenn dein Imam dir befiehlt, in den Kampf zu ziehen, dann gehorche ihm.«

Im folgenden werden die wichtigsten sunnitischen Vorschriften den Heiligen Krieg betreffend dargestellt (Quelle: Hidaya):

»Die gesetzlichen Vorschriften bezüglich des Heiligen Krieges sind erfüllt, wenn dieser von einer Teilgruppe von Muslimen geführt wird. Die restlichen Gläubigen sind dann von dieser Pflicht befreit. Dies gilt deshalb, weil es sich hier nicht um einen positiven Auftrag handelt, denn Krieg ist seinem Wesen nach mörderisch und zerstörerisch, sondern weil er nur dem Zweck dient, den wahren Glauben zu verbreiten und Übel von den Dienern Gottes abzuwehren. Wenn also zur Erreichung dieser Ziele eine begrenzte Anzahl von Muslimen ausreicht, ist diese Verpflichtung für den Rest nicht mehr bindend. Wenn sich allerdings kein einziger Muslim fände, der der Kriegspflicht nachkommt, dann würde sich die Gesamtheit aller Muslime der Sünde der Pflichtverletzung schuldig machen.«

»Wenn aber Ungläubige islamisches Territorium angreifen und der derzeitige Imam einen allgemeinen Aufruf zum Kampf erläßt, dann wird die Kriegspflicht zu einem positiven Auftrag und jeder Muslim in diesem Gebiet, ob Mann oder Frau, ist verpflichtet, in den Kampf zu ziehen, und wenn die Einwohner dieses Gebietes nicht in der Lage sind, sich des Angriffs zu erwehren, dann wird diese Pflicht für alle islamischen Nachbarländer gültig, und wenn dies schließlich nicht ausreicht, wird die Kriegspflicht für alle Muslime der Welt bindend.«

»Kinder unterliegen nicht der Kriegspflicht, denn sie sind Objekte des Mitleids. Dasselbe gilt für Sklaven und Ehefrauen, denn die Rechte des Herrn oder des Ehemannes gehen vor; ebenso für Blinde, Krüppel und Altersschwache, denn sie sind unbrauchbar. Bei einem Angriff der Ungläubigen auf muslimisches Territorium jedoch ist dessen Verteidigung die Pflicht eines jeden Muslims, und die Ehefrau und der Sklave dürfen in den Kampf ziehen, ohne daß ihr Mann bzw. der Herr eingewilligt haben, denn der Krieg wird dann zu einem positiven Auftrag, und ein Besitzanspruch (auf einen Sklaven oder eine Frau) kann nicht mit einer positiven Anweisung konkurrieren. «

»Es ist nicht gesetzlich, Krieg zu führen gegen ein Volk, das nie zuvor zum wahren Glauben gerufen wurde, ohne ihm vorher Gelegenheit zu geben, sich zu bekehren, weil der Prophet es seinen Heerführern so befohlen hat und damit das Volk weiß, daß es aus Glaubensgründen angegriffen wird und nicht, um ausgeplündert und versklavt zu werden. So wird den Ungläubigen die Möglichkeit gegeben, dem Ruf zu folgen und sich die Mißhelligkeiten eines Krieges zu ersparen.«

»Wenn ein Muslim Ungläubige angreift, ohne sie vorher zum Glauben zu rufen, dann ist er ein Aggressor, denn dies ist verboten. Wenn er es trotzdem tut und sie tötet und ihren Besitz raubt, so ist er allerdings weder zu Sühnegeld noch zu Schadenersatz verpflichtet, denn das, was sie schützen würde (nämlich der Islam), existiert bei ihnen nicht, und die reine Übertretung eines Verbotes rechtfertigt weder ein Sühnegeld noch Schadenersatz. In gleicher Weise ist die Tötung von Frauen oder Kindern von Ungläubigen verboten, hat aber nicht die Verhängung eines Sühnegeldes zur Folge.«

»Wenn die Ungläubigen, nachdem sie den Ruf zum Glauben erhalten haben, diesen nicht befolgen und sich auch weigern, die Kopfsteuer zu zahlen, ist es die Pflicht der Muslime, Gott um Hilfe anzurufen und die Ungläubigen mit Krieg zu überziehen, denn Gott hilft denen, die ihm dienen, und er vernichtet seine Feinde, die Ungläubigen. Die Muslime müssen nun die Ungläubigen mit allen verfügbaren Kriegsmaschinen angreifen, ihre Häuser in Brand setzen, sie mit Wasser überschwemmen, ihre Felder verwüsten und das Getreide vernichten, denn das schwächt die Feinde und ihre Macht wird gebrochen. Alle diese Maßnahmen sind deshalb vom Gesetz geheiligt.«

»Es ist erlaubt, Pfeile oder andere Geschosse gegen die Ungläubigen abzuschießen, obwohl man einwenden könnte, daß durch sie auch ein zufällig unter den Ungläubigen weilender Muslim getroffen werden könnte. Aber das Abschießen von Pfeilen oder anderen Geschossen bekämpft ein allgemeines Übel an der Gesamtheit des Körpers der Muslime, während die Tötung eines einzelnen Muslims nur ein begrenztes Übel darstellt, und ein solches muß in Kauf genommen werden, um ein allgemeines Übel zu bekämpfen. Auch wenn die Ungläubigen in einer Schlacht einen Schild aus muslimischen Kindern oder Gefangenen aufbauen würden, um sich vor Geschossen zu schützen, so wäre dies kein Grund, auf Schußwaffen zu verzichten. Es ist jedoch erforderlich, daß die Muslime mit ihren Schußwaffen ausschließlich auf die Ungläubigen zielen. Auch wenn es nicht möglich ist, genau zu treffen, kommt es doch dabei hauptsächlich auf die Absicht an.«

»Es ist den Kriegern nicht verboten, ihren Koran und ihre Frauen mitzuführen, wenn es sich um eine große Streitmacht handelt, die ihnen genug Schutz bietet. Wenn die Streitmacht jedoch klein ist und nicht hinreichend Sicherheit vor dem Feind gewährleistet, ist das Mitführen der Frauen verboten, denn sie würden dem Risiko der Entehrung ausgesetzt, und Korane dürfen nicht mitgeführt werden, denn der Feind könnte sie schänden; die Ungläubigen pflegen nämlich auf Korane zu spucken, um die Muslime zu beleidigen. Dies ist die wahre Bedeutung des Ausspruchs des Propheten: »Tragt nicht euren Koran in das Gebiet des Feindes!«

»Es entspricht dem Gesetz, wenn ältere Frauen eine Armee begleiten, um ihnen angemessene Aufgaben zu verrichten, wie Mahlzeiten zu bereiten, Wasser zu holen oder Kranke und Verwundete mit Medizin zu versorgen. Junge Frauen sollten jedoch lieber zu Hause bleiben, denn ihre Anwesenheit könnte Unruhe und Mißverständnisse erzeugen. Die Frauen sollen sich jedoch nicht am Kampf beteiligen, denn das könnte beim Feind den Eindruck von Schwäche erwecken. Frauen dürfen daher nicht unmittelbar in den Kampf eingreifen, es sei denn, es wäre unbedingt erforderlich. Eine Ehefrau darf ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht am Kampf teilnehmen, ebenso kein Sklave ohne Einverständnis seines Herrn, außer ein Angriff des Feindes würde dies notwendig machen.«

»Es ziemt sich nicht für Muslime, Verträge zu brechen, sich beim Plündern unkorrekt zu verhalten oder Menschen zu entstellen (durch Abschneiden von Ohren und Nase). Ebenso ziemt es sich nicht für Muslime, Frauen, Kinder, alte Männer, Bettlägrige oder Blinde zu töten, denn der Kampf ist die einzige Gelegenheit, bei der Töten erlaubt ist, und diese Personen sind zum Kampf nicht in der Lage. Aus dem gleichen Grund dürfen auch Gelähmte nicht getötet werden und auch nicht diejenigen, denen eine Hand oder eine Hand und ein Fuß abgeschnitten wurde. Der Prophet hat das Töten von Kindern und Einzelpersonen verboten, und einmal, als er sah, wie eine Frau erschlagen wurde, hat er ausgerufen: »Wehe, diese Frau hat nicht gekämpft. Weshalb wurde sie erschlagen?« Aber wenn jemand aus diesem Personenkreis ein Anführer ist oder eine Frau eine Königin, dann darf sie getötet werden, denn sie könnte den Dienern Gottes zur Last fallen. Auch wenn eine dieser Personen in den Kampf eingreift, darf sie getötet werden, denn der Kampf macht Töten gesetzlich.«

»Ein Geisteskranker darf nicht getötet werden außer im Kampf, da eine solche Person nicht verantwortlich für ihren Glauben ist, nimmt er aber am Kampf teil, ist es notwendig, ihn zu töten, um das Übel zu bekämpfen. Es muß weiter beachtet werden, daß Kinder und Geistesgestörte getötet werden dürfen, solange sie kämpfen, wenn sie aber in Gefangenschaft geraten sind, dürfen sie nicht mehr getötet werden, im Gegensatz zu den anderen, die auch nach ihrer Gefangennahme getötet werden dürfen, denn sie sind für ihren Glauben verantwortlich. «

»Es ist verabscheuenswürdig für einen Muslim, gegen seinen Vater zu kämpfen, der unter den Ungläubigen sein könnte, und er ist nicht verpflichtet, ihn zu töten, denn Gott hat im Koran gesagt: »Ehre deinen Vater und deine Mutter«, und weil der Sohn die Pflicht hat, das Leben des Vaters zu erhalten. Wenn der Sohn in der Schlacht auf seinen Vater trifft, darf er ihn nicht selbst erschlagen, sondern er muß ihn im Auge behalten, bis ein anderer kommt, der ihn tötet, denn so wird dem Gesetz Genüge getan, ohne daß der Sohn seinen Vater tötet, was eine Gesetzesübertretung ware. Wenn aber der Vater versucht, seinen Sohn zu töten, und dieser ihn nicht anders abwehren kann, als ihn seinerseits zu erschlagen, so darf er dies ohne Zögern tun, denn seine Absicht ist lediglich, sich seines Vaters zu erwehren, und das ist erlaubt. «
 

 

Ende

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