Afghanistan

Islam und Christentum

Islam und Christenheit,

der Islam und der Westen

Gott als Mensch und der Mensch als Gott,

(In der) Politik.

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11. September 2001. aktualisiert 10. Okt.

[Zugriffszähler]          Was soll man tun mit den Gefangenen?

Afghanistan
September 11. 2001
Okt. 7. 01, der Gegenschlag
Das Selbstmordattentat als logisches Problem.
Eitelkeit und verletzte Eitelkeit als Identität.
Zivilisiertes  Miteinander
aller Nationen- auch des Islams.
 Was ist Gott?
 

Demokratie und Obrigkeit
Entwicklung in Religion und Politik seit 630 n.Chr.

Scheich Ahmed Jassin: Der Freund, der Arafat das Leben schwer macht [spiegel]
portraitiert den radikal-islamischen Gründer und Chef der Hamas, deren Kämpfer die Zerstörung Israels als "Heiligen Krieg" verstehen

©Friedhelm Schulz 
 
 

Es ist nun mal so, daß Gott im aktuellen politischen Gespräch keine Rolle zu spielen scheint, insofern, als man Politik und Theologie voneinander getrennt hält. Außenpolitiker unserer Gegenwart sind im Westen wie im Islam keine Theologen.Und es sind ja in der Tat auch wir Menschen, die da sprechen und handeln, Frieden schließen oder Kriege führen und töten und solches verantworten müssen. Oder?

Im Deutschen gibt es einen Weisheitsspruch: "Ein jeder kehr vor seiner Tür." Und es geht mir hier nicht darum, aus christlicher Sicht den Islam anzuschwärzen.

Für eine andere weltweit bekannte Weisheit fand ich typischer Weise im Deutschen keinen entsprechenden Spruch, obwohl ich einige dicke Bücher mit solchen Weisheiten durchblätterte. Ich fand dagegen viele überholte und unweise und oft dumme "Weisheiten" in den oft uralten Erfahrungen unserer Ur- und Ururahnen, die einstmal durchaus stimmten und gültig waren, heute aber falsch sind, auch wenn sie noch immer benutzt und hergeplappert werden. Wie z.B. etliche Sprüche der folgenden Seite aus einem Buch (G.O. Marbach, "Sprichwörter und Spruchreden der Deutschen" Teil I, Seite 65, Verlag Ralph Suchier, Wiesbaden, 1980): 
 


Deutsche Weisheitssprüche einer Seite in einem neueren Buch mit einer aber typischen alten Illustration:

Viele Hände machen bald ein Ende. 

Viele Hände zerreißen die Wände. 

Am Handel erkennt man die Ware.

Handel und Wandel leidet keine Freundschaft.

Wer vom Handwerk ist, beschämt den Meister nicht. 

Handwerk hat einen goldenen Boden.

Mit einem Handwerk kommt man weiter als mit tausend Gulden.

Ein schlechtes Handwerk, das seinen Meister nicht nährt. 

Neunerlei Handwerk, achtzehnerlei Unglück. 

Wer hängen soll ersäuft nicht.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.


Jene andere weltweit bekannte Weisheit, die in jedes Kinderzimmer gehört, muß ich dagegen mit eigenen Worten formulieren. Sie behandelt die allzu menschliche Erfahrung mit dem Entropiegesetz "Wer nicht regelmäßig aufräumt, gerät ins Chaos." Aber nicht diese Binsenweisheit meine ich, sondern die daraus resultierende Weisheit: "Den großen Berg Dreck, den ich wegräumte, sieht keiner, nur über den kleinen Rest, der liegen blieb, empört sich die ganze Welt." 

Was meine ich damit?

Vorweg will ich die Christenheit in einem Punkte loben vor allen anderen Religionen: Keine andere Religion ist so selbstkritisch und duldet aus dem eigenen Kulturbereich soviel Kritik, wie die christliche - zumindest seit 800 Jahren. Und eine Menge Mist wurde aufgeräumt. Und es wäre in der Tat eine Schande, wenn der Mensch in 800 Jahren nichts dazugelernt hätte.


 

Aber auch das Verhältnis von Islam und Christentum hat sich normalisiert. Auf allen Seiten ist viel Dreck beseitigt worden. Inzwischen fahren die Menschen aus dem Westen gerne in die islamischen Länder und werden dort freundlich empfangen. Wie viele interessante Gespräche über Gott, über meinen Glauben und über den Glauben jener islamischen Gesprächspartner habe ich geführt. Sollte Gott solche Gespräche verboten haben?
Und fast alle Moslems, die ich traf, waren gerne in den westlichen Ländern oder würden gerne diese kennenlernen, Europa und Amerika. Sollte Gott das verboten haben? Sind wir nicht alle Gottes Kinder?

Wären meine Eltern Marokkaner oder Ägypter und wäre ich dann in Casablanca oder Kairo geboren, dann hieße ich vielleicht Hussein, Ali oder Mohammed und wäre frommer Moslem; und wäre jener Freund Mohammed aus Casablanca, der mein Auto reparierte, von deutschen Eltern und wäre in Köln oder München geboren, so wäre er frommer Katholik und hieße vielleicht Christian, Franz oder Peter. Würde deswegen Gott den einen verfluchen und den anderen segnen?

Natürlich gibt es Probleme, Kriminelle, Idioten und Hinterwäldler auf allen Seiten, - im Westen und auch im Islam. Dennoch hat sich die Welt verändert und verbessert; und das ist ein Wunder, das leicht übersehen wird.
Schwierig aber wird es, dieses heute ganz selbstverständliche friedliche Miteinander auch theoretisch, d.h. auch soziologisch und theologisch zu verstehen.

Es ist keineswegs Amerika, Western-Life, McDonald, CocaCola  sondern ist weltweit eben Weltstandart, auf den Dörfern vielleicht schwächer als in den Städten – natürlich mit unterschiedlichen Akzenten, in Dar Es Salam das Gleiche, wie in Paris, Rom, Oslo, Peking, Tokio, San Franszisko, New York, usw.
Dieses war vor 50 oder vor 100 Jahren, vor 200 und 500 Jahren keineswegs schon so, als der Mann und Beschützer der Familie noch seinen Dolch, sein Schwert oder seine Pistole bei sich hatte, - und das keineswegs zur Dekoration.
Die Welt hat sich verändert.
Natürlich spielen in den unterschiedlichen Regionen die unterschiedlichen Religionen eine Rolle für die Art des Miteinander, aber selbst bei sehr religiösen Menschen spielt die Religionsausübung neben den weit dominanteren Aspekten wie Existenzerhalt, also Essen, Trinken, Arbeit, Wohnung usw., neben Arterhalt, also Familie, Verwandtschaft, Kinder, Erotik, Eifersucht und Sex usw., und neben der Geltung in der Gesellschaft, neben Gesundheit, Kleidung, News usw. eine relativ reflektierte Rolle, wie sie für den Islam der Islamist Yasar Nun Öztürk in der Unterscheidung von Religion und Religionsausübung zu beschreiben versucht.
 

Die Schwierigkeit aber, Gott und Mensch, göttliche und menschliche Absicht sowie göttliches und menschliches Handeln zu unterscheiden oder unterscheiden zu können, also nicht das eine für das andere auszugeben oder zu halten ist keineswegs nur eine Frage der genannten drei Kriterien, Kriminalität, mangelnde Intelligenz oder Bildung, oder Rückständigkeit, wenn auch Redlichkeit, Sorgfalt und Konditionierung im Denken und auch Menschenkenntnis, d.h. Kenntnis von Begriff und Bedeutung in unserer Gegenwart die Vorbedingungen sind, allzu menschlichen Irrtum und Irrweg zu vermeiden.
Ein Dichter sagte einmal sehr treffend zu dieser Schwierigkeit: Wenn ein Frosch Gott beschreiben sollte, würde er ihn als einen ganz besonders großen Frosch darstellen. Und da wäre sicher eine Giraffe empört und würde diese Vorstellung des Frosches für ausgesprochen subjektiv und dumm halten, da Gott doch sicher einen sehr großen und langen Hals habe, den auch ein Riesenfrosch nicht haben könne, - was wiederum wir Menschen sehr voreilig für subjektiv und dumm halten würden. Und wir würden uns von Frosch und Giraffe kaum unterscheiden, wenn wir nicht die tiefe Wahrheit in der Ansicht des Frosches zu erkennen suchen. Denn das Hauptproblem liegt ja in dem, bzw. entsteht durch das Verhältnis von Mensch, Giraffe und Frosch durch die unterschiedliche Theologie der drei.
Und in der Tat sind es heute die Theologen und Fundamentalisten, die selbst ein friedliches Verhältnis der Menschen untereinander erschweren oder verhindern, weswegen auch wir gläubigen Menschen durchaus die Weisheit moderner Politiker erkennen sollten, den theologischen Streit aus der realen Politik herauszuhalten und ihn vor allen Dingen mit Verstand, Glauben und Gebet und nicht mit Waffen, Strategien, Bosheit und Verschlagenheit, Neid, Missgunst, Eifersucht, Haß und Vorurteilen zu führen, wohinter meistens ja auch Machtgier, Habsucht und Egoismus verborgen ist.

Dienstag, den 11. September 2001.
Ein schlimmer Tag für den Islam, denn wahrscheinlich erlebte die Welt einen Amoklauf mit der neuen Dimension moderner Globalität aus dem religiösen Bereich des Islams.  Das empörte Mitgefühl der ganzen Welt gehört der USA und allen Opfern des Massenmords. Auch das Mitgefühl der islamischen Welt, - und wo nicht, wäre der Moslem gezwungen zu lügen.
Aber solch sinnloser kollektiver Amoklauf ist auch von einer Sekte aus dem christlichen Bereich oder dem jeder anderen Religion denkbar, wie die Giftgasanschläge in Japan oder die Selbstmordaktion jener anderen eher christlich geprägten Sekte aus den USA bereits signalisierten. Aber es kann auch ideologisch dazu kommen, - und denkbar sind viel schlimmere Aktionen. Wie die Union der amerikanischen Staaten sich zu einem FBI bequemen mußte, so werden sich nun die Staaten einer zunehmend globalisierte Welt, die ja allesamt - einzelnd oder in Gruppen oder gesamt - Opfer solchen Irrsinns werden können, zu einer gemeinsamen Polizei mit einem entsprechenden Instrumentarium, mit entsprechenden Absprachen der Länder und mit entsprechenden Vollmachten  bequemen müssen. Hier muß der alte Nationalismus nun über seinen Schatten springen.

Die ersten Opfer waren aber auch jene jungen Leute, in diesem Fall wohl aus dem islamischen Bereich, die ihr Leben scheinbar freiwillig für solch ein Verbrechen und für solche Verbrecher und Kriminellen wegwarfen und in Israel fast täglich wegwerfen und damit zu vielfachen Mördern werden, ohne je bereuen zu können, um die es mir nicht weniger leidtut. Und ich halte es aus Gründen der Aufklärung für notwendig, den verderblichen Automatismus aufzuzeigen, über den solche naiven und meist sogar frommen jungen Menschen zu Verbrechern gemacht und für irgendwelche strategisch ausgedachten Ziele wie tote Gegenstände instrumentalisiert werden.

Ein Vergleich des 11. September 2001 mit Pearl Habor oder dem militärischen Aspekt des 2. Weltkrieges ist absurd, in dessen Kontext noch es nicht nur ganz offen und ungeschminkt Japan und den Nazis samt Deutschland um nationalistische Weltmachtträume ging, sondern nicht weniger den anderen Nationen wie Italien, und vor anderen Frankreich und Groß-Britannien. Die USA unter Roosevelt stand sicher außer Verdacht.
In dreierlei Hinsicht vergleichbar ist solche Aktion wie die vom 11. September allerdings mit der heimtückischen Aktion des Holocaust: 1. Die Täter und Hintermänner sind Menschenverächter, Verächter des Individuums, 2. sie sind sich der Kriminalität voll bewusst, und 3. – dies ist in der Tat komplizierter, - wie Hitler sich als Arm der Natur oder Evolution fühlte oder die Evolution selbst sein wollte, so fühlen sich die Terroristen als Arm Gottes oder als Gott.
Sicher ist unser Vater und Schöpfer kein Menschenverächter, kein Verächter des Individuums, der sich mit solchem Terror an Tausenden unschuldigen Kinder, Männer und Frauen erpressen lässt.
Vielleicht sei noch der 4. Aspekt von Ähnlichkeit mit dem Holocaust erwähnt, dass nämlich Verirrung, Irrsinn, Kriminalität und eben ein grundsätzlicher Denkfehler die Fähigkeit zu einer präzisen Logistik nicht ausschließt, so dass sogar Letzteres den Irrsinn noch zusätzlich zu rechtfertigen versucht, wie wir es in den Argumenten von Neonazis immer wieder beobachten können.
Und den Irrsinn und Irrtum beider mit einfachen Worten zu beschreiben, ohne dass es wie Rhetorik aussieht, dürfte noch schwieriger sein, als das Naheliegende und eigentlich heute den meisten Menschen ganz Selbstverständliche zu verstehen, wenn wir mit Kopfschütteln einem Menschen begegnen, der mit dem Bewusstsein handelt: Der Schwache muß weichen und untergehen und der Stärkere setzt sich durch und hat recht.. Dies sei das Gesetz der Natur und als Gottes Schöpfung auch der Wille Gottes.
Selbst wenn in den Schulen der Darwinismus als wissenschaftlich gelehrt wird, setzt man als selbstverständliche Vernunft bei jedem Menschen voraus, dass solcher Grundgedanke nicht eindimensional und fundamentalistisch den gesamten Kontext menschlicher Werte, - christlicher wie auch humaner islamischer, buddhistischer, hinduistischer usw. – wie eben das individuelle Gewissen außer Kraft setzt, und quasi autistisch zum alleinigen und obersten Handlungskriterium wird. Darwinismus ist keine menschliche oder tierische Handlung, sowenig wie die Schwerkraft der Erde eine menschliche Handlung ist. Dieses ist nur eine der Selbstverständlichkeiten menschlicher Existenz der Gegenwart, die in der Tat schwer zu erklären ist, wie die menschliche Handlung überhaupt. Und dies gilt für alle Naturgesetze, nach denen wir Maschinen bauen und die Umwelt berechnen, - zwar immer in der Gefahr, den Menschen selbst, der solche Gesetze ja nur denkt, einem solchen Naturgesetz und seiner Logik unterzuordnen. Die Anwendung eines sog. Naturgesetzes, und dieses gilt auch bzw. erst recht für ein psychologisches, politisches oder soziologisches, ist im Gegensatz zu einem Automatismus einer willenlosen Reaktion, wie wir sie im Tier- und Pflanzenreich beobachten, sicher eine Handlung, die beim Menschen jedoch immer der Verantwortung des Handelnden untergeordnet ist, und nicht umgekehrt, als könne so ein Gesetz selbst verantwortlich sein oder verantwortlich gemacht werden.
Dies ist sicher allgemein bekannt und selbstverständlich und gehört zu den Grunderfahrungen des Menschen, worin wir uns vom Tier unterscheiden. Tiere werden von uns derart dressiert, so daß sie uns als Automatismus erfahren und sich danach richten. Leider geschieht auch die Erziehung unserer Kinder noch weitgehend nach dem Prinzip solcher Dressur: Wir spielen dem Kind einen Automatismus vor, nach dem es sich richten kann oder soll. Das Spiel mit solchen Automatismen gehört zu den Grundbedürfnissen eines Kindes. Automatismen als Wiederholen und eben als Wiederholbarkeit gehören zu den Grundelementen des Lernens und des Gedächtnisses. Aber auch ein Kind lernt gleichzeitig, zwischen Spiel und Wirklichkeit, und dabei zwischen Automatismus und Handlung ganz selbstverständlich zu unterscheiden.

Der jeweils individuelle Prozeß oder Schritt der Vernunft vom „Spiel“, von der begrifflichen Argumentation, Interpretation, Begründung mit der Kausalität zur selbstverantwortlichen Entscheidung und Handlung in der Wirklichkeit – wie es sich hier allerdings sehr vereinfacht darstellt, - wird in fast allen Sekten und sog. fundamentalistischen und ideologisch geprägten Gemeinschaften einfach unterbrochen; man spricht dann vom Verlust der Identität oder einem Ersatz durch eine logische, kausale, kollektive usw. Identität, der sich das Individuum unterstellt, wie wir unten noch etwas genauer sehen, wenn es um einen automatisierten, kausalisierten Gott oder Himmel geht.

Dies gilt eben auch oder gerade für den Begriff der „einzig wahren Religion“.
Ich will dazu bei meinem Versuch einer einfachen Darstellung mit dem Tierbeispiel von Frosch und Giraffe fortfahren.
Zuerst jedoch zwei Zitate, die beide von der Kritik an deer Institutionalisierung, an Empirismus und Aufklärung des Abendlandes ausgehend, Kirkegaard den christlichen und Abd al-Qadir as-Sufi den islamischen Glauben als Gegengewicht sehen, Kirkegaard dabei den Einzelnen als Gegensatz zum Allgemeinen und Abd al-Qadir as-Sufi den Islam nach Mohammed.
 
 

Sören Kierkegaard:
Zur Deduktion „jenem Einzelnen“ (1846)

"Der Einzelne ist die Kategorie, durch welche, in religiöser Beziehung, die Zeit, die Geschichte, das Geschlecht hindurch muß. . .

Es gibt eine Anschauung vom Leben, die meint, daß wo Menge ist, auch die Wahrheit sei, daß es ein Bedürfnis in der Wahrheit selbst sei, daß sie die Menge für sich haben müsse. (Fußnote: Vielleicht ist es doch am richtigsten,  ein für allemal zu bemerken, was sich doch von selbst versteht, und was ich ja niemals geleugnet habe, daß im Verhältnis zu allen zeitlichen, irdischen, weltlichen Zwecken die Menge ihre Gültigkeit haben kann, ihre Gültigkeit sogar als das Entscheidende, das heißt als die Instanz. Aber von derlei rede ich ja nicht, so wenig, wie ich mich damit befasse. Ich rede vom Ethischen, dem ethisch-Religiösen, von der „Wahrheit“ und davon, daß ethisch-religiös betrachtet, die Menge die Unwahrheit ist, wenn sie als die Instanz dafür gelten soll, was „Wahrheit“ ist.)
 Es gibt eine andere Anschauung vom Leben; die meint, daß überall, wo Menge ist, die Unwahrheit sei, so daß, wenn, um einen Augenblick die Sache auf ihre äußerste Spitze hinauszuführen, sogar alle Einzelnen, jeder für sich, im Stillen die Wahrheit hätten, doch, wofern sie in Mengen zusammenkämen (so, daß „die Menge“ irgendwelche entscheidende Bedeutung bekäme), die Unwahrheit sogleich zur Stelle sein würde. . . .

,,Der Einzelne ist die Kategorie des Geistes, der Geisteserweckung, Politik so entgegengesetzt wie wohl möglich. Irdischer Lohn, Macht, Ehre, usw. , usw. ist mit ihrer rechten  Anwendung nicht verbunden; denn selbst wenn sie im Interesse des Bestehenden gebraucht wird, Innerlichkeit interessiert die Welt nicht, und wenn sie katastrophisch gebraucht wird, sie interessiert die Welt doch nicht, denn Opfer zu bringen, geopfert zu werden , was ja die Folge davon werden muß, daß er nicht sehen will, sinnliche Macht zu werden, interessiert die Welt nicht.
"Der Einzelne"; das ist die christlich entscheidende Kategorie, und sie wird auch entscheidend werden für die Zukunft des Christentums.
Die Grundverwirrung, was man den Sündenfall der Christenheit nennen könnte, ist: daß sie Jahr um Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Jahrhundert um Jahrhundert, schleichend – halb fast sich selbst unbewußt, was sie wollte, und wesentlich sich selbst unbewußt, was sie tat – Gott das Eigentumsrecht am Christentum hat abluchsen, und sich in den Kopf setzen wollen, daß das Geschlecht, das Menschengeschlecht, selbst das Christentum erfunden habe, oder doch so nahezu selbst erfunden habe. Wie im Staat, wenn ein Vermögen eine gewisse Anzahl von Jahren geruht, und kein Eigentümer sich gemeldet hat, das Vermögen dem Staat zufällt – so hat das Geschlecht, verwöhnt dadurch, daß es im trivialen Sinn darum wissend ist, daß das Christentum einmal da ist, so gedacht: es ist nun so lange her, daß Gott etwas von sich hat hören lassen qua Eigentümer und Herr, so ist das Christentum uns zugefallen, mögen wir es ganz abschaffen, oder es ad libitum anpassen wollen, nahezu als unser eigentum und unsere Erfindung, das Christentum behandelnd, nicht nur als das, was in der Unterwerfung des Gehorsams unter Gottes Majestät geglaubt werden soll, sondern als etwas, das, damit man es annehme, sehen muß mit Hilfe von „Gründen“, „die Zeit“, „das Publikum“, „diese geehrte Versammlung“ usw. zu befriedigen. Jeder Aufruhr in der Wissenschaft – gegen die Zucht, jeder Aufruhr im sozialen Leben – gegen Gehorsam, jeder Aufruhr im Politischen  - gegen weltliches Regiment, hängt mit diesem Aufruhr des Geschlechts gegen Gott bezüglich des Christentums zusammen und ist von ihm deriviert. Dieser Aufruhr – der Mißbrauch des "Geschlechts" erinnert übrigens nicht an den der Titanen, sondern ist der der Reflexion, der schleichende Aufruhr, fortgesetzt von Jahr zu Jahr, von Geschlecht zu Geschlecht. Die Reflexion nimmt immer nur ein ganz winziges Stück auf einmal; und im Verhältnis zu diesem winzigen Stück wird man immer sagen können „ja bei dem bißchen kann man nun auch nachgeben“ – bis dann die Reflexion alles wird genommen haben, worauf man nicht aufmerksam wurde, weil es nach und nach geschieht, „und bei dem Wenigen kann man nun schon nachgeben“. Darum müssen die Menschen Einzelne werden, um den christlich-pathetischen Eindruck vom Christentum zu bekommen; der Einzelne, jeder Einzelne, hütet sich wohl mit Gott im Himmel darüber prozessieren zu wollen, wer von den beiden, unbedingt und bis zum geringsten, geringsten Tüttelchen, das Eigentumsrecht am Christentum hat. Gott muß zu rechtem Nutzen wieder die Zwischenbestimmung werden können; aber Gott als der Zwischenbestimmung entspricht „der Einzelne“. Soll „das Geschlecht“ „die Instanz“ oder nur die Zwischeninstanz sein, so ist das Christentum abgeschafft, wenn nicht auf andere Weise, so durch die verkehrte, unchristliche Form, die man der christlichen Mitteilung gibt. Der klügsten Polizei betrautester Spion kann nicht gewisser einstehen für die Richtigkeit von dem Inhalt seines Rapports, als ich, ein armer Privatisierender, ein Spion, si placet, einstehen werde für die Richtigkeit von diesem.

„Der Einzelne“; mit dieser Kategorie steht und fällt die Sache des Christentums, nachdem die Weltentwicklung so weit in Reflexion gelangt ist, wie sie ist. Ohne diese Kategorie hat der Pantheismus unbedingt gesiegt. Sie werden darum gewiß kommen, die diese Kategorie ganz anders dialektisch zu spannen wissen – sie haben auch nicht die Arbeit damit gehabt, sie hervorzubringen – aber die Kategorie „Der Einzelne“ ist und bleibt der feste Punkt, der gegen pantheistische Verwirrung standhalten kann, ist und bleibt das Gewicht, das darauf gelegt werden kann, nur daß die, die mit dieser Kategorie arbeiten und operieren sollen, immer dialektischer sein müssen im Verhältnis zu der immer größeren Verwirrung. Denn im Verhältnis zu jedem Menschen, den man unter diese Kategorie bringen kann, kann man sich verpflichten, ihn zum Christen zu machen – soweit der eine Mensch dies tun könnte für den anderen – und darum richtiger, man kann ihm dafür einstehen, daß er es werden soll. Als Einzelner ist er allein, allein in der ganzen Welt, allein – Gott gegenüber: so geht es schon mit dem Gehorchen. Aller Zweifel ( der in parenthesi bemerkt, wenn nicht wissenschaftlich vornehm Aufhebens von ihm gemacht wird, sondern wenn er ethisch betrachtet wird, schlecht und recht: Ungehorsam gegen Gott ist) hat zuletzt seinen Rückhalt im Sinnesbetrug der Zeitlichkeit, daß man so einige rechte Kerls, oder so die ganze Menschheit sei, die so zuletzt Gott imponieren, selbst Christus sein könne; und der Pantheismus ist ein akustischer Betrug, ein von dem Nebel der Zeitlichkeit gebildetes Dunstbild, eine von ihrem Reflex gebildete Lufterscheinung, die das Ewige sein soll. Aber die Sache ist, doziert werden kann diese Kategorie nicht; es ist ein Können, ein Kunst, eine ethische Aufgabe und eine Kunst, deren Ausübung vielleicht zu Zeiten das Leben des Operateurs fordern könnte. Denn was göttlich das Höchste ist, das wird das selbstherrliche Geschlecht und die Schar der Verwirrten als Majestätsverbrechen ansehen gegen „das Geschlecht“, „die Menge“, „das Publikum“ usw."

(von mir eingefügt)
In der Tat ist der Schritt vom Automatismus zur eigenen Handlung und Verantwortung ein individueller vor dem eigenen Gewissen aber durchschaubar von anderen. Beweisbar allerdings ist er nicht, da ich jeden Schritt, den ich als Sklave, als Automatismus, als Handlanger oder Zombi tue, als eigene Entscheidung hinstellen kann, - dann aber auch verantworten muß.
 

Abd al-Qadir as-Sufi
Der Tod – der Beginn einer Reise, 1977.

"Aus der Sicht der Wissenschaft der Offenbarung wäre es nicht annehmbar, den beschreibbaren Inhalt der Nachtodes Zustände allein dem Bereich der Mythen zuzuordnen. Beinhaltet doch die anthropologische Betrachtungsweise dessen, was man aus der Sicht dieser »Wissenschaft« als Religion bezeichnet, den -  ziemlich metaphysischen -  Anspruch, den Gegenstand von einem höheren Standpunkt aus zu sehen, einem Standpunkt, der sowohl geographisch als auch historisch dem »Relativismus« der Quelle des Mythos enthoben sein soll. Dieser magische Standpunkt, der von vornherein erklärt, er sei seinem Untersuchungsgegenstand überlegen, legt natürlich auch fest, daß die Schlüsse, die man aus dem Ergebnis seiner rituellen Untersuchungen und Analysen ziehen wird, den Inhalt des Mythos als wertlos erweisen werden. Schließlich wurde das Material dem hellen magischen Licht der wissenschaftlichen Methodik ausgesetzt, welches alles, was es berührt, zum Staub von Primitivismus und vor-wissenschaftlicher Unwissenheit zerfallen läßt.
Die schützende Einnebelung in ein Gebaren, das auf einfallsreiche Weise Einfühlungsvermögen vorspiegelt, wird es dem Mißtrauischen verwehren, das anthropologische Vorgehen als den destruktiven Prozeß zu erkennen, den es tatsächlich darstellt. Die Anthropologie, in sich ein zutiefst anti-existentieller Prozeß, ist im Grunde die Pseudo-Wissenschaft, die man benutzt, um unsere gegenwärtige technologische Gesellschaft über Wasser zu halten und sie mit einem Schutzschild der Geschichtlichkeit zu umgeben, indem man mit ihr die Evolutionstheorie nicht nur auf biologischer, sondern auch auf historischer und sozialer Ebene »beweist«. Anthropologie ist nicht die Sammlung der Erkenntnisse dieser Pseudo-Wissenschaft, sondern die Methode selbst. Man versteht sie deshalb besser, wenn man sie als unechte Religion ansieht. Ihre Priesterschaft sind die Experten, ihre Tempel sind die Universitäten, ihr Bekenntnis ist der »Fortschritt«, ihr Glaube ist utopisch, und ihr erklärter Feind ist die Weisheit.
Dieses total irreführende, wenn auch brillant ausgeklügelte System von Einbildungen hat Millionen von »gebildeten« Muslimen -  ganz zu schweigen von den aufrichtig Wissensdurstigen unter den Kafirun (Ungläubigen, Mehrzahl von » Kafir«) -  den Zugang zu dem großen Gebäude der Weisheitsbücher des Islam versperrt. Es ist bezeichnend, daß nach zwei Jahrhunderten der akademischen Forschung von Kafir-Gelehrten und »Orientalisten« nicht eine der großen Sammlungen von Hadithen oder aufgezeichneten Aussprüchen und Taten des Gesandten Mohammed, der Friede und Segen Allahs seien mit ihm, in eine europäische Sprache übersetzt war. Und doch ist ein Gebäude »fundierter« Studien von europäischen Juden und christlichen Gelehrten zustande gekommen, die der akademischen Welt erklären, sie hätten diese Werke untersucht und als unhaltbar zurückgewiesen. Erst seit kurzem wird auch das Werk europäischer und amerikanischer Gelehrter der kritischen Prozedur von Auswahl und Zurückweisung unterworfen, der die Muslime selbst ihre Schriften unterwarfen, bevor sie diese als annehmbar erklärten. Tatsächlich ist die Sichtung, Zuordnung und Auswahl der großen Zahl von Hadithen wahrscheinlich die größte Leistung in der Geschichte des Gelehrtentums.
Ist die vollständige Zerstörung des Islam als organisches gesellschaftliches Phänomen der Tatsache zuzuschreiben, daß Kafir-Kolonialherren den besiegten und unterdrückten Muslimen ihre eigenen sozialen und politischen Strukturen aufzwängten, so sind für die beinahe vollständige Ausrottung der existentiellen Manifestation -  also des muslimischen Menschen selbst - zwei Dinge verantwortlich zu machen. Erstens die Weigerung, die arabische Schrift anzuerkennen, und die erzwungene Einführung der lateinischen (christlichen) Schrift für die Muslime; und zweitens die Erziehung der Jungen im Rahmen eines »fortschrittlichen« Erziehungssystems. Das Ergebnis ist nun, zweihundert Jahre später, das beinahe vollständige Fehlen von -  im muslimischen Sinne -  gebildeten Menschen innerhalb der Gemeinschaft der Muslime. Schlimmer noch, es ist heute eine ehrfürchtig bestaunte Überzeugung, daß die einzige Hoffnung für den Islam die Einrichtung von etwas ist, das man eine »islamische Erziehung« nennt, was aber tatsächlich nichts anderes ist, als eine klägliche Nachäffung des bestehenden Kafir-Systems, dem man unter dem Namen der »religiösen Studien« eine kastrierte Lesart des Islam aufgepfropft hat. Die Kafirun und christlichen Intellektuellen nehmen denn auch das Ergebnis entzückt zur Kenntnis -  so ist der Muslim für sie akzeptabel. Endlich ist ihr Muslim nun nicht mehr länger »zurückgeblieben« oder »statisch«, »fatalistisch« oder »unterentwickelt« oder »fanatisch« -  er ist ein dynamischer, progressiver, positivistischer Psychopath.
In unserer gegenwärtigen Lage sind zwei Dinge klar. Unsere, heute bereits kurzlebige, technologische Zivilisation ist auf dem Wege zum Zusammenbruch. Dieser Zusammenbruch wird sich dort am spürbarsten auswirken, wo die Gesellschaft am »fortschrittlichsten« ist und die Menschen deshalb am meisten von den Erzeugnissen ihres Maschinensystems abhängig sind. Wo der Mensch sich noch auf die Schöpfung verläßt und darauf, daß seine eigenen Hände sie gestalten, ist eine Kontinuität weiterhin möglich. Klar ist außerdem, daß die große Mehrheit der menschlichen Rasse, welche niemals ein Nutznießer des technologischen Zeitalters war, es nach seinem Untergang kaum vermissen wird. Genau an diese Menschen, an die Armen und die gesegneterweise unterentwickelten Gesellschaften, wird sich der Islam in nicht zu ferner Zukunft wenden.
Für uns bedeutet »Erziehung« ein Wissen für das Leben. Das Leben ist eine Reise, die vor der Schöpfung der phänomenalen Welt begann, als jeder einzelne der Söhne Adams vor seinen Schöpfer gerufen und gefragt wurde: »A lastu biRabbikum?« -  »Bin Ich nicht dein Herr?«. Ein jedes Selbst bejahte diese Frage. Diese Frage und diese Antwort sind die grundlegende Vibration, das Geheimnis auf dem Grunde des Herzens des menschlichen Geschöpfes. Es ist diese uranfängliche Frage, die im menschlichen Herzen nachhallt und jene große Ruhelosigkeit verursacht, auf welcher jede Kultur, alle menschliche Kreativität und jede innere Suche gründen. Von dieser anfänglichen Begegnung aus unternimmt das menschliche Selbst eine siebenfältige Reise -  von der vorunendlichen Zeit bis zur nachunendlichen Zeit. Seine nächste Station ist die Welt der Arwah (Geist, Seele) von wo aus wir in das Reich des Mutterschoßes weiterreisen. Dann kommt die Mitte der Reise: das Leben auf Erden -  fest und zeitgebunden, ein Ort für Absichten und Taten, ein Sinn, welcher in ein Bild projiziert wurde.
Dann kommt der Tod, welcher die nächste Stufe bringt, den Bar‘zakh, den Zwischenbereich zwischen den zwei großen Reichen. Nun stürmt die gewaltige metakosmische Dimension des Selbst, die im »Leben« nur gelegentlich in Träumen und Visionen zu uns eingebrochen ist, mit entweder entsetzlicher oder erleuchtender Macht auf uns ein. Dann kommt die nächste große Stufe -  die Versammlung der menschlichen Rasse, die vollständige Schau des Schöpfungsvorganges und der zentralen Rolle, die der einzelne darin spielt, sowie seines Geheimnisses. Zuletzt wird die Bedeutungs-Wirklichkeit des Selbst erfüllt, und ein jeder ist, was er ist. Dies ist das Feuer, und dies ist der Garten. Jenseits dieses Bereiches, am Lote-Baum der Letzten Grenze -  das ist der Punkt, hinter welchem keinerlei Form mehr besteht - , ist alles Bewußtsein aufgehoben. Der Lote-Baum ist ein Baum, dessen Frucht Ohnmacht und Ekstase verursacht sowie die Sehnsucht nach der Heimat. Von ihm zu essen, bedeutet für immer vernichtet zu sein. Hierin liegt das Letzte, über das gesprochen werden kann. Jenseits davon herrscht Schweigen, das große Sukun (phonetisches Stillezeichen im arabischen Alphabet). Alles entschwindet außer dem Antlitz Allahs.
Der Anfang und die Wiederbelebung der Weisheitswissenschaften des Islam müssen mit einer Wiederentdeckung eines krafterfüllten Imam beginnen, in welchem der Glaube an die Engel, den Jüngsten Tag und das Aufstellen der Waage in einem lebendigen kosmologischen Sinne wirklich sind und nicht in einer begrifflichen oder vereinfachten Weise. Diese Dinge stellen für uns, die Muslime, unsere innere Geographie dar, nicht weniger und nicht mehr. Unsere Verehrung, unser Leben und Sterben gehören Allah, mit Dem wir niemanden und nichts, weder einen Wali  (Heiligen) noch einen Propheten oder Engel in Verbindung bringen können.
Allah segne unseren Herrn Mohammed und gebe ihm und seiner Familie Seinen Frieden gemäß der Anzahl aller erschaffenen Dinge."
,Abd al-Qadir as-Sufi

Diese fast gnostische Kosmologie, die Abd al-Qadir as-Sufi als innere Landkarte eines Gläubigen bezeichnet, beinhaltet in der Tat Weisheit und Richtigkeit, wenn man Landkarte nicht geographisch und diese kosmologische Lebensbiographie nicht physikalisch- oder physisch-zeitlich versteht als eine Abfolge von automatischen Ereignissen, und als stünde Gott am Ende wieder ganz alleine da.
Leicht einsehbar ist, daß Sektenführer aus Überzeugung oder aus Scharlatanerie genau solche Interpretation solcher bildlichen Kosmologie im Sinne von alltagssprachlicher Zeitlichkeit benutzen, Gott und die Welt einem jungen Menschen wie einen Automatismus aufzuschwatzen, ihm einzureden, den nur irdischen Teil seiner Existenz etwas abzukürzen, damit er diesen Menschen dann als lebende Bombe instrumentalisieren kann.

Mord ist vor Gott und ist auch im rechtgläubigen Islam eines der schlimmsten Verbrechen, auch und besonders der heimtückische Mord an Ungläubige im mohammedanischen Sinne. Keiner soll zum Glauben gezwungen werden. Und es wäre Mohammed wohl nie in den Sinn gekommen, Frieden zwischen den Völkern zu verhindern und dem arbeitenden Menschen bessere Werkzeuge zu verbieten.
Man kann die Bibel und man kann auch den Koran als Unterdrückungs- und auch als Mordwaffe benutzen, womit Mord immer noch Mord bleibt, was mit Bibel oder Koran zu rechtfertigen nicht nur Blasphemie ist, sondern auch vor jedem irdischen Gericht in jedem Staat zu bestrafen ist; - ganz abgesehen natürlich von dem Mord an unschuldigen Menschen.

Sicher spricht Abd al-Qadir as-Sufi manchem „Grünen“ unserer Gegenwart aus dem Herzen, wenn er sich eine heile Welt im Sinne einer rein agrarstrukturierten Beduinenkultur vorstellt, in der die uralten Lebensregeln wie zur Zeit Mohammeds wieder passen: Eine kleine reiche Kaste regiert über arme, abhängige und religiös wie politisch unmündige Kuh- und Schafhirten.
Aber selbst Mohammed spricht an mehreren Stellen im Koran davon, daß solche Lebensregeln der jeweiligen Zeit anzupassen sind, womit sich allerdings die Frage nach den kompetenten Anpassern stellt.

Wie sich bis vor wenigen Jahren auch in der christlichen Welt Diktatoren und Potentaten gegen eine gerechtere Staatsordnung gesträubt haben, weil sie Privilegien nicht verlieren wollten, so sollte sich auch die islamische Welt von dem Mißbrauch der Religion befreien, nämlich diese nur zum eigenen Machterhalt zu mißbrauchen, und sollte mit der Weltgemeinschaft zumindest die minimalen Menschenrechte akzeptieren, wenn nicht noch weiterentwickeln.

Was derart durchaus berechtigt als rein politisches Anliegen gesehen werden kann und soll, d.h. daß eine Regierung nach den Bedürfnissen der Regierten geschieht und nicht nur nach den Bedürfnissen der Regierenden, hat durchaus eine profan-ethische wie auch eine theologische Dimension. Vor Gott sind wir gleich, ob Mann oder Frau, ob Reich oder Arm, ob Schwarz, Weiß, Gelb oder Rot.. Dennoch wird es natürlich Fordern- und Befehlenkönnen wie Gewähren und Gehorchenmüssen wohl immer geben, auch wenn sich solches über demokratische Abstimmungen oder über den Markt, bzw. über das Geldmedium regelt. Und wie der traurige und erschütternde Anlaß gegenwärtiger Diskussion demonstriert, kann man wirtschaftliche Macht bzw. finanzielle Überlegenheit auch benutzen, Schulen zu gründen, in denen die Schüler lernen, sich auf Befehl umzubringen. So wie das Christentum Jahrhunderte benötigt, um den Makel der Inquisition und der Kreuzzüge im Mittelalter verblassen zu lassen, so wird die Selbstmordschule, in denen den Opfern zudem vorgelogen wird, daß Gott Selbstmord und heimtückischen Mord auch noch belohnt, als Schande des Islams bleiben, wenn sich islamische Staaten nicht davon distanzieren.
Selbstverständlich wäre mit einem Ende solcher Unmenschlichkeit an junge Menschen, die sich mit jeder Tragödie um so mehr verschlimmert, je mehr sich die Welt daran gewöhnt, der Terror noch nicht beseitigt.
Daß Menschen Freiheit, Gastfreundschaft und Vertrauen für Dummheit und Schwäche halten und es zum Schaden der Gastgeber benutzen, hat es immer gegeben. Freizügigkeit, Freiheit der Information, Zugang zu Technik und Komfort läßt auch die Mafia, den Waffen-, Drogen- und Menschenhandel wie auch die Macht- und Effektspekulationen der Fundamentalisten, Pyromanen und Terroristen ihr Spiel auf der globalen Ebene versuchen.

Ich habe aber nicht die beiden Zitate aus den beiden Kulturen, die hier am 11. Sept. wohl aufeinandergehetzt werden sollten, nicht deswegen zitiert, um diese möglichen Mißverständnisse bezüglich der einzig wahren Religion hervorzuheben, die durch und als Ungenauigkeit der Begriffe so deutlich ins Auge stechen. Es dürfte wohl beiden Theologen ganz selbstverständlich sein, daß das von ihnen Beklagte, nämlich ein bestimmter Trend auch theologischer Wissenschaft zum Empirismus, nicht durch Terror, Bevormundung, Entmündigung des Laien und Inquisition aufzuhalten oder umzukehren sei. Wieso dies selbstverständlich ist, wieso gerade Glaube, Frömmigkeit und Redlichkeit solches in unserer Zeit ganz von selbst verbietet, daß z.B. Krieg und Bomben kein Mittel sein kann, diesen Trend aufzuhalten oder zu verdeutlichen, sondern im Gegenteil genau das Übel wäre, das es zu verstehen gilt, fand ich nirgendwo in den alten Weisheiten formuliert, wohl deswegen, weil es eine Selbstverständlichkeit erst unserer Zeit ist: Man darf einfach nicht Gott, die Heiligkeit, die Ewigkeit, das eigene Leben und das Leben anderer Menschen, die Auferstehung von den Toten wie Einzelteile eines Autos oder Fahrzeugs betrachten, mit dem man dann fahren kann, wohin man will. Gott läßt sich nicht derart instrumentalisieren, er ist kein Idiot und kein Automat. Man kann auch nicht derart einen Gottesstaat bauen, als wäre dann der Staatsführer und seine Polizei Gott selbst. Dies wäre Lüge und reiner Okultismus. Das heißt, als gewissenloser Mensch kann man durchaus, man kann eine Sekte oder einen „Staat“ gründen, man kann damit einfache Menschen, die einem vertrauen, verführen und in eigenem Sinne verfügbar machen.

Die gemeinsame Qualität der beiden Zitate richtet sich ja genau gegen solche Instrumentalisierung und Versachlichung, wozu die Tiefe des Glaubens verdeckt wird und verdeckt werden muß.

Weil sich der unmenschliche Terror als Glaubenskrieg schmückt und rechtfertigt, habe ich diese beiden Zitate aus beiden Kulturkreisen mit ihrem gemeinsamen Anliegen hervorgehoben, und möchte dieses mit einfachen Worten über „die einzig wahre Religion“ noch verdeutlichen.
Wenn eine „islamische“ und eine "christliche " Fußballmannschaft gegeneinander spielen, wird dann diejenige gewinnen, die den „einzig wahren Glauben“ hat? Dann ließe sich also leicht der „einzig wahre Glauben“ ermitteln. Dies wäre finsteres Mittelalter.
Psychologisch verständlich würde in der Tat vielleicht diejenige Mannschaft gewinnen, deren Spieler den größten Religionspatriotismus besitzen. Und der Trainer oder Coach würde in der Tat vielleicht vor dem Spiel die Spieler derart anfeuern: „Blamiert nicht den Islam“ oder „blamiert nicht das christliche Abendland“, d.h. die Wahrheit würde nicht durch jene Tiefe des Glaubens und des Denkens ermittelt, wie es beide oben zitierte Theologen fordern, sondern durch reine Muskelkraft, durch das beste Training, also durch empirisch meßbare, künstlich verfügbare Fakten. Und in einem Glaubenskrieg durch militärische Stärke, durch die besseren Waffen, Bomben und durch die unmenschliche Vernichtung und Tötung des Andersdenkenden.

Um die Absurdität zu verdeutlichen, will ich nun endlich mit meiner Parabel vom Frosch und der Giraffe fortfahren. Natürlich ist auch solche Parabel nur eine Vereinfachung, mit der ich aber verdeutlichen will, daß etwas Neues und dennoch Selbstverständliches unserer Zeit und Situation theologisch bereits schwer, empirisch jedoch gar nicht zu formulieren ist.
Zur Einleitung sollten wir uns jedoch noch vergegenwärtigen: Was für Jesus und seine soziale Umwelt aufgrund seiner Herkunft und Erziehung ganz selbstverständlich und deswegen auch kein Thema war, daß es nur einen einzigen, wahren Gott gibt, das ist im Islam eines der Hauptanliegen im Bekenntnis, weil es im sozialen Umfeld Mohammeds noch viele Gottvorstellungen und Projektionen gab, den Gott der Berge, der Wüste, der Sonne, der Liebe, des Handels, der Seefahrt usw.. So war es auch bei den Fröschen und Giraffen. Und wir wollen uns vorstellen, daß auch die Frösche und Giraffen irgendwann zu der Einsicht und Erfahrung kamen, daß es nur einen wahren Gott und Schöpfer gibt. Dieser jeweilige Monotheismus wurde dann durch Erziehung, Befehl und Gesetz mit der Zeit im Reich der Frösche auf der einen Seite und im Reich der Giraffen auf der anderen Seite allgemeingültig. Und so kam es dann nicht nur zu einem Streit zwischen Frösche und Giraffen, sondern auch zwischen den Fröschen und Giraffen untereinander, wie der wahre Gott sei und in welcher Weise er angebetet werden soll. Wir erinnern uns, daß die Frösche sich Gott eher in Sprache, Mentalität und Wesenart der Frösche vorstellten, während die Giraffen eher von einem Ebenbild der Giraffe ausgingen, nur eben jeweils größer, mächtiger, lauter und allgegenwärtig.
So entschied durch den Krieg letztlich Militär und Gedankenpolizei, in welcher Gegend welcher wahre und alleinige Gott in wahrer Form geglaubt und angebetet werden mußte und schließlich auch wurde. Die Frösche hatten am Ende zehn unterschiedliche Reiche an Bächen, in Sümpfen und Wäldern, und die Giraffen ebenfalls zehn Reiche und Gottesstaaten in Savannen, Steppen und an den Rändern der Urwälder.
Als man dann nach einem langen Lernprozeß miteinander Frieden schloß, sprach man nicht über das Aussehen oder die Attribute Gottes, und nicht mehr über das, wovon man sich voneinander unterschied, sondern über die konkreten Gemeinsamkeiten, über gemeinsame Grenzen, gemeinsamen Handel und Wandel. Dies bedeutete nicht die Relativierung des eigenen Glaubens und der Glaubensformen oder eine innere Abkehr vom Glauben, sondern eine Vertiefung insofern, als man nun scheinbar Gott selbst das Urteil über die jeweilige Redlichkeit und Richtigkeit des Menschen in seinem Tun und Denken überließ und solches nicht mehr durch Krieg entscheiden zu können glaubte und wollte.
Nun ist absurder Weise Frieden zwischen Menschen unter einer monotheistischen Religion, welche überparteilich vom Menschen Frieden und Rechtschaffenheit verlangt, weit komplizierter als der Friede zwischen unterschiedlichen polytheistischen Religionen, wo jeder seinen eigenen jeweils parteilichen Gott hat. Diese Schwierigkeit eines friedlichen Miteinander verschiedener Religionen und Konfessionen im Monotheismus liegt an der besonderen zentralen Konstellation des Gottes zu den verschiedenen Menschen, weil der ja auch im Verständnis der unterschiedlichen Religionen ein gemeinsamer Gott ist.
Wenn es nun dieses Gott tatsächlich gibt, muß man oder kann man zumindest davon ausgehen, daß dieses Zusammentreffen dieser drei Religionen kein Zufall ist. Aber auch für einen ungläubigen Soziologen und Religionswissenschaftler ist klar nachvollziehbar, wie Christentum und Islam sind zu unterschiedlichen Zeiten und unter ganz unterschiedlichen Umständen und mit unterschiedlichem Vorzeichen aus dem Judentum hervorgegangen sind.

 und setzt einmal ein differenzierteres Verhältnis des Menschen zu sich selbst wie auch zum Mitmenschen voraus und erzwingt geradezu die ständige Weiterentwicklung von Theologie und Menschenkenntnis. Während im Polytheismus und Animismus der jeweils andere Gott auch als die andere Eigenschaft des Mitmenschen erscheint, und der dabei auch die eigene Redlichkeit und Unredlichkeit und Verschlagenheit mitmacht und unterstützt, und dieses dann auch beim anderen, so bedeuten unter dem gemeinsamen monotheistischen Vorzeichen alle Attribute Gottes und alle Glaubensformen nicht nur die jeweilige Gültigkeit innerhalb einer Religion, Tradition und Gewohnheit, sondern beanspruchen ganz automatisch aufgrund der logischen Konstellation Allgemeingültigkeit wie auch Alleingültigkeit, was dann zugleich die Ungültigkeit aller anderen Religionen und Konfessionen bedeutet.
Denn wenn es nur einen Gott gibt, kann er für alle Menschen nur so und nicht zugleich anders sein.
Friedliches Miteinander unterschiedlicher monotheistischer Religionen und Konfessionen bedeutet also im Grunde, daß man sich gegenseitig und den Glauben gegenseitig zwar für ungültig erklärt, sich dabei aber nicht beleidigt oder beleidigt fühlt.
Für einfache Gemüter ist denn auch Feindschaft, Streit und Krieg einfacher als die gedankliche Bemühung, die Widersprüche und Unterschiede zu erklären oder einen modus vivendi zu finden.
In unserer Tierparabel, in der sich die Frösche Gott als einen großen, mächtigen Frosch vorstellen, ist es nun relativ naheliegend für die Frösche, die ganz andere Vorstellung der Giraffen mit deren artspezifischen Subjektivität zu erklären, und die Giraffen werden vielleicht die Froschvorstellung von Gott andersherum als deren Subjektivität bezeichnen und verzeihen.
Mit solcher Lösung allerdings, die uns heute naheliegend und selbstverständlich erscheint, beginnen allerdings neue Schwierigkeiten, die keineswegs so einfach sind. Denn es stellt sich gerade im Frieden dann die weitere Frage, wenn Attribute und Eigenschaften durch die artspezifische, traditionsspezifische, zeitspezifische und situationsspezifische Subjektivität bestimmt oder beeinflußt sind, wo beginnen und enden dann die Eigenschaften, und wo beginnt das und was ist das, was diese Eigenschaften hat, und da wir Menschen uns nichts ohne bestimmte Eigenschaften vorstellen können, ergibt sich die Frage, ob Gott überhaupt existiert.

Was für Jesus aufgrund seiner Herkunft im jüdischen Glauben kein Problem und auch kein Thema war, ist für Mohammed das Hauptthema und Anliegen; allerdings fußt seine strikte Verneinung und geradezu das Verbot der Vielgötterei, auf seine Behauptung, daß alle anderen Götter außer dem jüdischen Gott nicht existieren.

Der eingangs beschriebene Optimismus bezüglich einer bereits bestehenden gemeinsamen globalen  Zivilisation ist das Ergebnis einer Entwicklung über viele Entwicklungsstufen, die es zu reflektieren gilt. Am Beispiel von Frosch und Giraffe spricht man heute unter Laien zwar noch immer von dem Gott der Giraffen oder dem Gott der Frösche, bzw. von dem Gott der Moslems und dem Gott der Katholiken oder Protestanten aber man meint mit dem gemeinsamen einzigen Gott keineswegs eine synkretistische Konstruktion, als habe der gemeinsame Gott eine Mischung aus Froschhals und Giraffenhals, sondern ich glaube, jeder Theologe ob Moslem, Hindu, Buddhist, Katholik oder Protestant würde der Definition zustimmen können, die ich einem neueren katholischen Handwörterbuch für theologische Grundbegriffe entnommen habe, die folgendermaßen beginnt:

            Philosophisch(Prof J. B. Lotz)

            Die Frage nach Gott ist seit Aristoteles und Thomas von Aquin auf das innigste mit der Frage nach dem Sein verknüpft; daher bezeichnet Heidegger die Metaphysik als »Onto-Theo-Logik«. Tatsächlich geht es um eine Wissenschaft, weil es sich zuinnerst nicht um zwei verschiedene Fragen, sondern um zwei Entfaltungsstufen derselben Frage, nämlich der Seinsf rage, handelt. Das Eindringen in das end­lich-welthafte Seiende führt nach Thomas erst zum ipsum esse oder zum unbestimmten Sein selbst als dessen nächstem Grund, der selbst wieder zum esse subsisten‘s oder zum bestimmten subsistierenden Sein als dessen letztem Grund hinleitet (5. th.I,II,2,5 ad 2; 1,4,2 ad 3). Dabei zielt der Aufstieg, der bei dem partizipierenden Seienden  ansetzt, kraft seiner innersten Eigenart auf das subsistierende Sein hin, weshalb das unbestimmte Sein nicht eine dritte Wirklichkeit zwischen den beiden eben genannten darstellt, sondern lediglich als der zwischen ihnen vermittelnde Übergang mitwirkt. Als eine eigene Größe wird das unbestimmte Sein allein von unserem Geiste herausgehoben, ohne je in der Wirklichkeit als solche auftreten zu können (Contr. Gent. 1,26).

Für den eben angedeuteten Zusammenhang sind zwei Züge kennzeichnend: das unbestimmte Sein ist nur Übergang; Gott ist letztlich als Sein, nicht als Seiendes zu fassen. Insofern das unbestimmte Sein nur Übergang ist, kann es der Vergessenheit anheimfallen; dann istauch Gott nicht mehr als subsistierendes Sein sichtbar und gerät unter die Seienden. In dieser Richtung sieht Heidegger die gesamte Metaphysik. Wahr ist, daß die nachthomanische Metaphysik, zumal in ihren rationalistischen Spätformen, diesen Weg eingeschlagen hat, weshalb sie die Schwierigkeiten bezüglich der Erkenntnis Gottes nicht zu überwinden vermochte, auf die Kant den Finger gelegt hat. Man kommt an Gott nicht als Seiendes heran, nachdem man das Sein vergessen hat." weiter

Neben diesen einleitenden Satz des kath. Theologen und Philosophen Prof. Prof J. B. Lotz möchte den folgenden Satz des islamischen Theologen Prof. Yasar Nun Öztürk stellen:

Eine kurze und ausreichende Erläuterung zur Unterscheidung zwischen Religion und Religionsausübung finden wir in den Ausführungen des großen Korankommentators Elmah Ha mdi Yazir zu Sure 1, Vers 4. Wir wollen hier einige Zeilen zitieren:

»Man darf die Bedeutung von zwei Begriffen nicht miteinander vermischen: die Bedeutung des Substantivs din und des din, das als ein Verbalsubstantiv für die Ableitung des Begriffs diyanet (Religionsausübung) dient. Diyanet ist ein Begriff, der die Eigenschaft des Menschen beschreibt und subjektiv ist. Din hingegen ist ein realer und unveränderlicher Begriff, welcher das eng verbindende Thema des Menschen ist. Der Unterschied zwischen den beiden ist wie der Unterschied zwischen einem subjektiven Ausspruch und den Prinzipien und Gesetzen, mit denen dieser Ausspruch in Verbindung steht. Mit anderen Worten: Religion ist ein System und eine Wahrheit, die Gott eingerichtet hat, Religionsausübung ist eine Einrichtung, die der Mensch geschaffen hat. Diejenigen, die diese Unterscheidung nicht treffen können, verfallen im Namen der Wissenschaft einem Fehler.“ (die ganze Aussage von Prof. Yasar Nun Öztürk, aus: 400 Fragen zum Islam, Grupello Verlag Düsseldorf)

Denn beide Aussagen weisen - wenn auch über verschiedene Wege - auf eine Grenze hin, über die die formale menschliche Wissenschaftlichkeit nicht hinaus kann. Weder Gott noch das menschliche Bewußtsein kann auf dem Weg und mit Methoden empirischer Wissenschaftlichkeit erkannt und verstanden werden. Dieses gilt auch für den ganz "normalen" menschlichen Gedanken, der ja weder ein Gewicht noch eine bestimmte Farbe noch irgend eine räumliche Ausdehnung besitzt. Man könnte vielleicht einwenden, daß jedoch ein geschriebener Gedanke, z.B. ein Satz in der Bibel oder im Koran, der eine göttliche Weisung oder Botschaft enthält, wie z.B. "Du sollst nicht töten." eine empirische Realität besitzt, weil ich diesen Satz sehen und die Papierseite aus der Bibel oder dem Koran sehen, in der Hand halten, wiegen und messen und empirisch beweisen kann.

Genau dieses aber wäre eine Täuschung, denn sehen, wiegen und messen kann ich nur das Papier und die Tinte.

Die gedankliche Bedeutung solcher Schriftzeichen muß der jeweilige Leser jeweils selbst denken.

Hieraus ergeben sich sehr viele unvermeidbare Schlußfolgerungen, von denen ich drei unterstreichen möchte:

1. daß ein jeder Mensch, ob er nun lesen kann oder nicht, ob er Professor ist oder nur Schüler, allein schon durch die empirisch unbeweisbare Tatsache, daß er denken, sprechen und verstehen kann, eine Dimension von Existenz besitzt, die über alles wissenschaftlich Erkennbare hinausreicht. Der Mensch ist keineswegs nur eine Sache und sollte uns heilig sein und uns Ehrfurcht abverlangen, weil wir mit jedem Menschen etwas Göttlichem, einem Geschöpf Gottes, einem Kind Gottes, wie wir Christen dieses umschreiben, gegenüberstehen.

2. ergibt sich daraus die problematische Tatsache, daß der gleiche geschriebene Text von verschiedenen Menschen unterschiedlich verstanden und ausgelegt werden kann. Die vielen Konfessionen und Richtungen, wie wir sie in allen Religionen finden, auch wenn sie sich auf die gleichen Schriften beziehen, finden einerseits so ihre Erklärung, aber sie irren sich allesamt, soweit sie ihre jeweilige Auslegung der Schrift aus der Schrift empirisch beweisen wollen.

3. so wenig, wie die Wahrheit selbst auf einem Papier stehen kann, auch nicht eine empirische Wahrheit, so ist auch mit dem geschriebenen Wort "Gott", "Allah", "Jahwe", "Krishna",  "Buddha" oder "LORD" nicht Gott selbst auf diesem Papier. Sonst bestünde Gott aus Tinte oder Druckerschwärze und wäre eine Sache. Sowenig besteht Gott aus den Steinen einer Kirche, eines Tempels oder einer Mosche. Und Gott besteht auch nicht aus dem Sand oder den Steinen eines heiligen Landes oder aus dem Stein oder Holz eines Kruzifixes oder aus der Farbe eines Heiligenbildes.

Dieses weiß man heute. Die Menschheit befindet sich auf einer Entwicklungsstufe, wo dies selbstverständlich ist - bzw. sein sollte, wo man farbige Bilder nicht mehr verbieten braucht und auch nicht unterschiedliche Konfessionen, die sich in der Vergangenheit gebildet und in bestimmten Traditions- und Konventionsformen erhalten haben.

Dies heißt natürlich auch, daß man dennoch zwischen Wahr und Unwahr, Falsch und Richtig unterscheiden muß und daß menschliche Gedanken ebenso real sind, wie es auch Gott wirklich gibt. Selbstverständlich ist auch, daß Gott kein Frosch und keine Giraffe ist, daß Gott auch nicht katholisch, protestantisch, mohammedanisch, jüdisch, buddhistisch oder hinduistisch ist.

Der menschliche Köper besteht aus  einer Hand voll Mineralien und einem Eimer Wasser, wie wir es heute sagen würden; aber auch das ist nur eine gedankliche Aussage, wonach aber der Gedanke selbst, den ein Mensch denkt, eben nicht aus Mineralien und Wasser besteht.

Unter diesem Aspekt gilt es jetzt zu verstehen: Was bedeutet Entwicklung? Was sind Entwicklungsstufen? Eine neue Stufe bedeutet jedenfalls nicht einfach das Ungültigwerden der vorigen.

Vorher gilt es deswegen einen Blick auf zwei typische Denkfehler unserer modernen Gegenwart zu werfen, wie sie im Orient und Oxident,in Ost und west, Nord und Süd anzutreffen sind, die auch der eigentliche Anlaß meines Schreibens und eben der Hintergrund auch des bereits lang existierenden Afghanistankonflikts sind, und aus der gemeinsamen Ursache resultieren, die der deutsche Philosoph Gerold Prauss als "Dingverfallenheit" bezeichnet (siehe Gerold Prauss, "Die Welt und wir", Metzler Verlag, B.II, ab Seite 33 ). Besonders finden wir diese beiden Richtungen von Dingverfallenheit in den weniger gebildeten Schichten, wozu leider wohl auch die meisten Lehrer der Schulen gehören, die unsere Kinder besuchen.

Schon längst kennt die Menschheit diese beiden Schwächen, die sich meist gegeneinander ausgerichtet sind und leider als Fehlverhalten oft undifferenziert und verallgemeinernd einander vorgeworfen werden, daß man nämlich

a. nur das als wirklich anerkennt, was Sache und Ding ist und was sich derart beweisen und messen läßt.

b. daß man alles Wirkliche, nämlich auch den Menschen und sogar Gott als Sache und Ding denkt, als ob man es beweisen, messen und in jede Kausalität einbauen könnte.

Mit anderen Worten nennt man Ersteres schlagwortartig:

a. Materialismus, den man weitgehend zurecht dem Westen und der Aufklärung vorwirft.

und Letzteres schlagwortartig:

b. Fundamentalismus, den man weitgehend zurecht allen Religionen und besonders dem Islam vorwirft.

Man könnte beides auch bezeichnen als

a. fundamentalistischen Materialismus und

b. materialistischen Fundamentalismus.

Ich will dieses an einem Beispiel aus dem christlichen Sprachgebrauch verdeutlichen. Wenn Jesus sagte, im Himmel seien viele Wohnungen für die Gläubigen ( Joh. 14,2) und die Ungläubigen kämen in ein ewiges Höllenfeuer ohne Wasser zum trinken (Luk. 16, 24), dann kann man dieses ganz wörtlich nehmen, als sei Gott Maurer, Dachdecker und Installateur und womöglich auch Elektriker und dabei derart grausam, daß er einem sündigen Menschen nicht mal einen Schluck oder Tropfen Wasser gönnt sondern diesem ewiges Leid im Feuer zubereitet habe.

Der fundamentalistische Materialist wird zurecht sagen, (in wenigen Worten) daß es einen solchen Gott als Maurer und Installateur nicht gibt, der sich igendwo versteckt, und falls ein Gott dermaßen grausam sei, müßte man ihn ablehnen; dies alles sei Produkt von Angstmacherei oder Phantasie.
 Der typisch materialistische Fundamentalist nimmt die schriftlich überlieferte Aussage des Propheten wörtlich und hofft vielleicht tatsächlich auf eine kostenlose Wohnung im Himmel, wo Gott dann auch das Dach repariert und die Wasserleitung und er wird nur deswegen nichts Böses tun, um ja nicht in das Höllenfeuer zu kommen. Vielleicht wird er versuchen, mit Gott zu handeln und zwei gute Taten gegen eine Böse einzutauschen, wenn er z.B. dem einen Menschen das Geld stiehlt und davon zwei Bettlern etwas abgibt, oder so ähnlich.
 

Wenn wir heute nun ganz selbstverständlich davon ausgehen, daß diese Aussagen von Jesus heute nicht in solch primitivem Sinne verstanden werden dürfe, und daß mit dem ewigen Höllenfeuer die Irreversibilität einer Handlung gemeint ist, daß also ein Diebstahl, eine gute oder böse Handlung durch nichts in der Welt mehr rückgängig zu machen ist, - selbst wenn ich 10000 gute Handlungen tue, selbst wenn mir der Diebstahl verziehen wird oder niemand in der Welt davon weiß, bleibt die Tatsache in der Welt bestehen, daß ich ein Dieb bin oder gewesen bin - selbst nach dem biologischen Tod, wenn wir Christen diese Aussage Jesu also heute mehr in diesem Sinne verstehen und damit sowohl dem  fundamentalistischen Materialismus wie auch dem  materialistischen Fundamentalismus mit vernünftigem Abstand entgegnen können, bedeutet dieses Zweierlei:

1. daß wir diese Aussage Jesu keineswegs für falsch und überholt halten;

2. daß wir von einer geistigen Entwicklung ausgehen, die wir unserem Glauben verdanken.

Diese Entwicklung recht zu verstehen, bedeutet allerdings auch, daß man zu reflektieren hat, daß ein Ding oder eine empirische Sache und auch eine menschliche Handlung vor 2000 Jahren keineswegs in dem engen Newtonschen Sinne gedacht wurde, es bedeutet aber auch, daß man Gott und eine biblische Wahrheit keineswegs in diesem engen Empirismus als Ding oder als geometrische Funktion verstehen darf, der den heutigen Begriffen einer technisch und zunehmend künstlich gestalteten Welt unserer Gebrauchsanweisungen zugrunde liegt. Die Bibel, der Koran oder das Pelikanon sind keine Gebrauchsanweisung dafür, wie man Gott benutzen oder behandeln muß. Man darf sowenig den Menschen wie auch Gott nicht als Ding oder als Automat verstehen, der so und so reagiert, wenn man so oder so handelt. Dies wäre in der Tat materialistischer Fundamentalismus. Gott ist weder ein Automat noch ein Sklave des Menschen, den man wie ein Werkzeug oder wie ein Auto für seine Zwecke so und so für sein Geschäft, für seinen Vorteil zum Schaden anderer oder für seine Politik benutzen kann. Da aber heute Menschen die Religion häufig offenbar benutzen und mißbrauchen, um finanziellen Vorteil oder politische Ziele und politische Positionen zu erreichen, bedeutet dies, daß man eben Religion und Religionsausübung voneinander unterscheiden muß, wie es Prof. Yasar Nun Öztürk hervorhebt, wobei Letzteres eben etwas Menschliches ist.

Dieses ist heute jedem, der Gott erfahren hat, ganz selbstverständlich.

Die Frage aber, ob denn unsere Väter und Großväter, die scheinbar die Bibel und den Koran ganz wörtlich nahmen und verstanden, allesamt im Irrtum lebten und einen Irrtum glaubten, so daß wir heute zwischen dem scheinbar Falschen der Tradition und dem Richtigen der Gegenwart unterscheiden müßten, was ebenfalls ganz sicher Unsinn ist, benötigt zur Antwort Ehrlichkeit und Genauigkeit. Denn unsere Väter und Großväter bis zu Jesus und Mohammed hin verstanden weder das Ding und die Naturgesetze in heutigen Sinne einer Gebrauchsanweisung noch die heiligen Schriften.

Und wenn heute naive und verirrte Menschen in den Koranschulen den Kindern und jungen Männern den Weg ins Paradies wie eine Gebrauchsanweisung lehren, - ich werde jetzt bewußt vereinfachen und übertreiben, um deutlich zu werden, - es brauche nur jemand, der sich Imam nennt, den heiligen Krieg zu erklären, und dann brauche ein junger Mann sich nur in die Luft zu sprengen oder sich sonst irgendwie töten oder töten lassen, dann käme er ganz automatisch ins Paradies und hätte dort die wunderbarsten schwarzäugigen Mädchen auf tausend weichen Kissen und zudem viele Sklaven und die schönsten Genüsse, - dann ist sowohl der Imam wie auch der Selbstmörder ein Lügner oder ein Irrender, in der Ansicht, als sei Gott ein Paradiesautomat und der Himmel ein Bordell.

Gott ist kein Idiot, der nicht zwischen Egoismus, Geilheit oder Nationalismus auf der einen Seite und einer echten Sorge um den Islam auf der anderen Seite unterscheiden könnte.  Sind Gott und seine Heiligtümer Eigentum und Besitz bestimmter Menschen? Oder sind wir nicht allesamt seine Kinder und sein Eigentum?

Diejenigen Lehrer, die den Kindern den Selbstmord lehren, sind Bestien. Und die Weltgemeinschaft muß solche Selbstmordschulen, in denen Menschen durch falsche Lehre und Kopfwäsche  zu Bomben umerzogen werden, verbieten. Denn dieses ist unmenschlich und gottlos.
 
 

Natürlich gilt es in gleicher Weise auch den fundamentalistischen Materialismus zu kritisieren, der die Existenz Gott verneint, weil Gott nicht empirisch wie ein Ding oder eine Sache zu beweisen ist.

Aber ich habe Atheisten kennengelernt, die sich mit Abscheu von jeder Religion abwandten, gerade wegen solchem verlogenen, kindischen und verirrten Fanatismus, und zwar Atheisten, die sich dennoch bemühten, gute Menschen zu sein, ohne auf einen Lohn, auf schwarzäugige Mädchen im Paradies oder auf ein gutes Geschäft mit Gott zu spekulieren.

Natürlich gibt es Menschen, die als Hedonisten glauben, sich alle Vorrechte mit Geld und Macht kaufen zu können.

Aber Gott weiß, ob die Zahl der Atheisten, die glauben, sich alle Vorrechte mit Geld und Macht kaufen zu können nicht genau so groß ist, wie die Zahl der "Gläubigen", die nicht anders glauben, sich alle Vorrechte mit Geld und Macht kaufen zu können, und die selbst Gott und seine Heiligtümer noch kaufen wollen. Wird Gott den gläubigen Hedonisten mehr lieben als den atheistischen Hedonisten, der Gott nicht kennt? Sollte sich nicht der Gläubige, der sogar versucht, Gott zu betrügen, nicht mehr fürchten?

Ist denn Gott ein Idiot, ein Schwächling und machtlos, so daß man ihn betrügen könnte?

Palästina, das heilige Land für Juden, Moslems und Christen, ist es Eigentum bestimmter Menschen, oder ist es nicht umgekehrt samt der Moslems, Juden und Christen Eigentum Gottes.

Entwicklungsstufe als Progress, Konditionierung und Reife.

Beide genannten Fundamentalismen sind also unterschiedliche Formen von Materialismus. Der Materialismus des sog. Westens oder der Aufklärung, der als Verlust des Transzendenten, Verlust des Glaubens bis zum Verlust des Ethischen, zur Versachlichung des Menschen und zur Verneinung Gottes führt, weil man nur das als real akzeptiert, was empirisch nachweisbar ein Ding oder eine Sache ist, hat also sein Spiegelbild im religiösen Fundamentalismus, bei dem alles Reale und Wirkliche als Ding und Sache gedacht wird, wonach auch auch Gott versachlicht wird als etwas, das je nach Religion oder Konfession nach den Regeln der Bibel, des Koran oder des Pelikanon "funktioniert" und entsprechend benutzt und funktionalisiert werden kann.

Man kann sich streiten, welche Art solcher Naivität die schlimmere ist. Ganz irrig ist es aber, den fundamentalistischen Materialismus, also Ersteres, als Krankheit nur des Westens und den materialistischen Fundamentalismus nur als typische Krankheit islamischer Fanatiker zu sehen. Wir finden beides nicht nur in allen Religionen, sondern als Ansatz zumindest finden wir beides auch in jeder Person - sei sie nun Atheist oder religiös, denn, wie der Philosoph Gerold Prauss nachweist, ist auch das scheinbar als "eindeutig" empirisch definierte Ding, wie z.B. ein Stein, ein Sandkorn, ein Atom oder ein Elementarteilchen keineswegs nur eine Sache, auch wenn wir es als solche "Sache" von einem Lebewesen unterscheiden, und benutzen nicht fromme Menschen z.B. bei Gebet oder Meditation bestimmte Hand-, Kopf- und Körperhaltung und natürlich auch bestimmte Redewendungen als Methode oder Technik, um damit Gott gewissermaßen gefügig zu machen. Und wird nicht in allen Religionen der Glaube an solche "Techniken" benutzt, um sich die Gläubigen gefügig zu machen?

Gerold Prauss "Die Welt und wir", Bd.II, Seite 381,

Ohne weiteres nämlich ist es möglich daß ein Subjekt einen Inhalt, der allein in seinem Selbstbewußtsein als dem bloßen Zeitbewußtsein auftritt, wie der Inhalt von »Gefühl« oder von »Stimmung«, auch noch in sein Raumbewußtsein als sein Fremdbewußtsein einbringt, dadurch, daß es auch durch ihn noch ein Objekt sich vorstellt oder sich entwirft. Ja es ist gar nicht auszuschließen, daß ein unerfahrenes (ontogenetisch junges oder auch phylogenetisch frühes) Subjekt faktisch immer so verfährt und damit faktisch immer erst im Lauf seiner Erfahrungen zurücknimmt und als «Stimmung« oder als «Gefühl« sich selber zuschreibt, was es als Entwurf bzw. Vorstellung von einem Objekt aufrechtzuerhalten nicht vermag. Jedoch tut oft genug auch ein erfahrenes Subjekt dies immer noch, was Sie als «Projektionen« kennen. Deren Möglichkeit, wie auch die der Zurücknahme von ihnen, läßt sich nur erklären aus dem hergeleiteten Zusammenhang von Selbst- und Fremdbewußtsein, der verschiedenste Verschiebungen von Inhalten erlaubt, obwohl es sich bei ihm um jenen asymmetrisch-einseitigen handelt, wonach nur das erstere dem letzteren zugrunde liegt, nicht umgekehrt.

Was alles diese unsere Herleitung erklärt, geht Ihnen voll jedoch erst dann auf, wenn Sie hier auch vollständige Umschau halten, nämlich nicht nur Rückschau, sondern im Zusammenhang mit ihr auch Vorschau. Denn erst dann ergibt sich Ihnen ein Gesamtzusammenhang, aus dem auch der gesamte Umfang an Komplexität der inneren Struktur von Subjektivität hervorgeht. Das Verhältnis zwischen Zeit und Raum ist danach asymmetrisch-einseitig, indem die Zeit dabei die Vorwärtsform von Raum und nicht etwa der Raum die Rückwärtsform von Zeit ist. Vielmehr ist der Raum danach auch seinerseits die Vorwärtsform für etwas, das dann aber auch nur etwas Anderes als die Zeit sein kann, mithin nur etwas Anderes als das Subjekt, eben nur das Objekt‘. Insbesondere absichtstheoretisch, und das heißt bewußtseinstheorerisch ................

In dem Begriff  "Bitte" treffen als Absicht und illokutionäre Handlung beide Tendenzen. Aber wie die Bitte sehr vielschichtig ist, - sie umfaßt das Wünschen, das Äußern des Wunsches, wie sie auch die methodische Einflußname ist oder als solche versucht wird auf das Verhalten eines Objekts, sei es Mensch oder Gott, - so sind auch die sog. extremistischen, fundamentalistischen Demonstrationen in den islamischen Staaten sehr vielschichtig:

Denn ganz unabhängig von den Parolen und Sprüchen sind diese Demonstrationen ja auch die Wahrnehmung und bereits als solche faktisch die Adaption von modernen Menschenrechten, die den traditionellen oft mittelalterlichen Gesellschaftsstrukturen des Islams entwachsen, auch wenn sie sich verbal gegen den sog. Westen richten. Aber die Menschenrechte sind eben nicht regional zu verstehen. Es gilt eben auch zu verstehen und verständlich zu machen, daß Gott, daß auch Allah  nicht irdisch-regional oder nationalistisch zu verstehen ist und eigentlich ja auch transreligiös zu verstehen ist: Mohammed ist nichts ohne Gott; aber Gott existiert auch ohne Mohammed, - es sei denn, Allah sei eine Kreation von Mohammed.
 
 
 
 
 
 

(wird fortgesetzt)

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