Moskau und der Terror vom 23. Oktober 2002.

Dummheit, Kriminalität und Geltungstrieb mit den Instrumenten „Linke Dialektik“ und „moderne Waffen“ führen zur Selbstüberschätzung: ein Wesensmerkmal der Dummheit mit der Folge, dass man glaubt, das Leben des anderen Menschen ohne Waffen und linker Dialektik verachten und vernichten zu dürfen, weil man es kann. Dabei ist Terror und Erpressung nichts anderes, als dass man – wie jeder Dieb - den Glauben, das Vertrauen und die Humanität des anderen zum eigenen Vorteil ausnutzt, also den Glauben nur als Schwäche und als die eigene Chance sieht.

 

Es ist nicht Gott, der mit Betrug, Lüge, Mord und Selbstmord einen Gottesstaat gründen will.

 

Jürgen Habermas (Alle Zitate von Habermas hier aus „Glauben und Wissen“, Sonderdruck zum Terror bei Suhrkamp):

„Es gibt den Teufel nicht, aber der gefallene Erzengel treibt nach wie vor sein Unwesen — im verkehrten Guten der monströsen Tat -“.

 oder

„Wer einen Krieg [...] vermeiden will, muß sich die unabgeschlossene Dialektik des eigenen [...] ( linken [von mir])Säkularisierungsprozesses in Erinnerung rufen.“

 

Die Hegelsche Dialektik als hermeneutisches Prinzip der Natur ist sicher eine Irrlehre und ein Irrglaube, es sei denn, man verstehe darunter Trial-and-Error. Aber als hermeneutisches Instrument hat sie die Welt verändert, wie keine Philosophie vor Hegel, - und sicher auch ein ganzes „Lager“ der christlichen Theologie, die selbst die Bergpredigt Jesu teils bis heute noch als Anwendung eines solchen Instrumentes gänzlich mißversteht.

Als rhetorisches, polemisches und politisches ursprünglich linkes Instrument der Linken aber dann auch der Rechten, mit dem man jederzeit nach Gutdünken „Gut“ und „Böse“, „Falsch“ und „Richtig“, „Lüge“ und „Wahrhaftigkeit“ vertauschen kann und darf, wurde es im „Kalten Krieg“ auf beiden „dialektisch“ voneinander geschiedenen Seiten praktiziert, zumindest gegen die jeweils andere Seite, während die Political correctness jeder Seite solche Dialektik im jeweils eigenen Lager mehr oder weniger rigide behinderte. Als Eklektizismus des Kalten-Krieges nicht mehr unter sozialistischem sondern unter religiösem Vorzeichen wäre das Phänomen ein neues, wie Habermas sagt:

„Trotz seiner religiösen Sprache ist der Fundamentalismus ein ausschließlich modernes Phänomen.“

War es de-facto jedoch Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Vernunft und Bildung (Glasnost und Peristroika), die diesen auf Falschheit und Irrglauben gebauten und genau deswegen auf beiden Seiten zum menschenfeindlichen Exzess geratenen Prozess von der „linken“ Welthälfte aus beendete und die menschliche Freundschaft zur anderen Seite suchte, was weitgehend von den weniger gebildeten und weniger wahrhaftigen Medien und Heißspornen in der Politik der anderen Seite bis heute noch als eigener Sieg der eigenen Einseitigkeit gefeiert und vielleicht ja auch missverstanden wird, während die Fraternisierung von Bevölkerung und Medien mit den Argumenten der Terroristen und „Fundamentalisten“ (Islamisten) quasi die dumme Gegenreaktion ist auf die dumme Siegerpose der anderen Seite. Mit Dummheit meine ich hier bewusst negativ wertend die übernommene oder überkommene Präsupposition, als sei die dialektische Struktur die objektive Eigenschaft der Natur und nicht nur menschliche Behauptung oder menschliches Verhalten. Hierbei spielt es auch keine Rolle, ob man von Recht und Gerechtigkeit spricht oder von Religion. Natürlich meine ich mit Dummheit auch Denkunfähigkeit, was eben nicht mangelnde Intelligenz oder Raffinesse bedeutet: im Gegenteil, es wird solche geradezu geschult in dem Sinne, wie Sophistikation der Sophisten ursprünglich gemeint ist. Die gleiche ursprüngliche Bedeutung gilt es auch bei meinem Vorwurf von Geltungstrieb zu verstehen. Immerhin sind diese Völker der ursprünglich 3. Welt im kalten Krieg aufgewachsen, in dem sich jene verkorksten Parameter von Dialektik in der eigentlich gültigen Welt abspielten. Und es ist nicht die Armut, durch die sich diese Islamistik hochschaukelt, sondern die Ungültigkeit, Wertlosigkeit und das Ausgeschlossensein von der gültigen Welt. Es geht bei solchem Geltungstrieb darum, von der gültigen Welt angeschaut zu werden. Natürlich werden die jungen Leute durch Geld, Indoktrination und Gruppenzwang an diesem Geltungstrieb gepackt und instrumentalisiert, wenn man ihnen eine reale Karriere anbietet. Und die so was finanzieren glauben vielleicht tatsächlich, im Paradies dafür einen Logenplatz kaufen zu können.

Wie tief jene Tradition des kalten Krieges das Bewusstsein ausmacht, sollte die Lektüre „Die Welt und wir“, von Gerold Prauss verdeutlichen können

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Synthetisch und mithin auch ursprünglich-informativ kann ein Als wirklich-Hinstellen nicht von etwas sein, das dabei wie Behaupten oder Urteilen (einer Erkenntnis [von mir]) selbst schon immer wirklich ist. Das kann es vielmehr nur von etwas sein, das dabei umgekehrt gerade nicht schon immer wirklich ist, sondern das dabei allenfalls erst immer wirklich wird, oder auch nicht. Und dies ist eben etwas, das infolgedessen, wenn es wirklich wird, auch dadurch wirklich wird, daß es als wirklich hingestellt wird, so daß es dadurch dann auch als wirklich hergestellt wird, kurz: verwirklicht wird.

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Zum Ausdruck kommt darin denn auch nicht nur der ganze Praktizismus, der an Stelle jenes Theoretizismus schon für das Behaupten oder Urteilen wesentlich sein muß. Vor allem findet darin auch noch seinen Ausdruck, daß Behauptung oder Urteil als Bewußtsein ursprünglich auch nur erwähnendes oder thematisierendes Bewußtsein bilden kann, das auch genau im Sinn dieses Als wirklich-Hinstellens von etwas Anderem als sich selbst erfolgen muß, und zwar auch immer schon von Anbeginn des Wahmehmungsbewußtseins von etwas als Außenwelt. Und dieser Sinn hängt wesentlich mit jenem anderen zusammen, wonach Wahrnehmungsbewußtsein jenes Fremdbewußtsein einer Fremdverwirklichung von etwas Anderem zu etwas Wirklich-Anderem sein muß, die als intentionale oder als absichtliche Verwirklichung nur eine fehlbare Verwirklichung sein kann.

 

Dieser Islamismus und Terrorismus an allen Enden hat mit dem Islam und mit Religion wenig zu tun. Und die Formulierung von Habermas ist goldrichtig:

Hegels Schüler brechen mit dem Fatalismus dieses trostlosen Vorblicks auf eine Ewige Wiederkehr des Gleichen. Sie wollen die Religion nicht länger im Gedanken aufheben, sondern ihre profanisierten Gehalte durch solidarische Anstrengung realisieren. Dieses Pathos einer entsublimierenden Verwirklichung von Gottes Reich auf Erden trägt die Religionskritik von Feuerbach und Marx bis zu Bloch, Benjamin und Adorno: »Nichts an theologischem Gehalt wird unverwandelt fortbestehen; ein jeglicher wird der Probe sich stellen müssen, ins Säkulare, Profane einzuwandern.«12 Inzwischen hatte freilich der historische Verlauf gezeigt, dass sich die Vernunft mit einem solchen Projekt überfordert. Weil die derart überanstrengte Vernunft an sich selbst verzweifelt, hat sich Adorno, wenn auch nur in methodischer Absicht, der Hilfe des messianischen Standpunktes versichert: »Erkenntnis hat kein Licht als das von der Erlösung her auf die Welt scheint.«‘3 Auf diesen Adorno trifft der Satz zu, den Horkheimer auf die Kritische Theorie insgesamt gemünzt hat: »Sie weiß, daß es keinen Gott gibt, und doch glaubt sie an ihn.«‘4 Unter anderen Prämissen bezieht heute Jacques Derrida eine ähnliche Stellung — auch in dieser Hinsicht ein würdiger Adorno-Preisträger. Zurückbehalten will er vom

 

12   T. W. Adorno, ,,Vernunft und Offenbarung", in: ders., Stichworte, Frankfurt/M. 1969, 5. 20.

13   T. W. Adorno, Minima Moralia, Frankfurt/M. 2001 (Nachdruck der Ausgabe von 1951 5.480.

14    M. Horkheimer, Gesammelre Schriften, Bd. 14, 5. 508.

 

 

Messianismus nur noch »das kärgliche Messianistische, das von allem entkleidet sein muß«.‘5 Der Grenzbereich zwischen Philosophie und Religion ist freilich vermintes Gelände. Eine sich selbst dementierende Vernunfi gerät leicht in Versuchung, sich die Autorität und den Gestus eines entkernten, anonym gewordenen Sakralen bloß auszuleihen. Bei Heidegger mutiert die Andacht zum Andenken. Aber dadurch, dass sich der Jüngste Tag der Heilsgeschichte zum unbestimmten Ereignis der Seinsgeschichte verflüchtigt, gewinnen wir keine neue Einsicht. Wenn sich der Posthumanismus in der Rückkehr zu den archaischen Anfängen vor Christus und vor Sokrates erfüllen soll, schlägt die Stunde des religiösen Kitsches. Dann öffnen die Warenhäuser der Kunst ihre Pforten für die Altäre aus aller Welt, für die aus allen Himmelsrichtungen zur Vernissage eingeflogenen Priester und Schamanen. Demgegenüber hat die profane, aber nich tdefaitistische Vernunft zu viel Respekt vor dem Glutkern, der sich an der Frage der Theodizee immer wieder entzündet, als dass sie der Religion zu nahe treten würde. Sie weiß, dass die Entweihung des Sakralen mit jenen Weltreligionen beginnt, die die Magie entzaubert, den Mythos überwunden, das Opfer sublimiert und das Geheimnis gelüftet haben.

 

Die praktische Konsequenz.

Erpressung und Terrorismus wird es immer geben, wie immer er sich auch legitimiert. Die Staatengemeinschaft muß sich darauf einstellen.

An einem Gedankenexperiment kann man sich die Konsequenz verdeutlichen: Man stelle sich eine Gemeinschaft von ehrlichen Menschen vor, in der niemand den anderen bestiehlt, betrügt und mordet. Man braucht keine Türen zu verschließen, keine Anwälte, Gefängnisse und Gerichte. Plötzlich aber wird irgendwo gestohlen und der ursprünglich Besitzer ermordet. Man weiß nicht, wer es ist. Und im Schatten und Sog des unbekannten Täters beginnen nun auch andere zu stehlen, denn man kann es leicht auf den Unbekannten schieben. Plötzlich brauchen nun alle Menschen Türschlösser, auch der Dieb. Jeder verdächtigt jeden. Man braucht nun Polizei, Richter und Gefängnisse und Anwälte.

Derart muß man sich darauf einstellen, dass jeder Mensch ohne triftigen Grund den anderen Menschen töten und ihn so zu irgend etwas erpressen kann, wie es der Heckenschütze von Washington und wie es die Milzbrandbriefe, der 11 September und der 30. Oktober demonstrierten. Die Alphabrigade von Moskau hat fast bereits ein Wunder geschafft. Aber sicher sollte es z.B  bald ein Gas geben, das schneller wirkt und nicht so gesundheitsschädlich ist. Man wird z.B. Waffen so kennzeichnen können, dass man nach dem 1. Schuß bereits den Besitzer und Täter kennt, u.s.w..

Natürlich gehört dazu ein vernünftiger Religionsunterricht, den alle Religionen aufeinander abstimmen. Grundgedanken dazu versuche ich in dem begonnenen Essay Weltverantwortung der Religionen und in der Aktion für ein gemeinsames Religionsbuch.

http://mitglied.lycos.de/FriedhelmSchulz

http://home.t-online.de/home/friedhelm-Schulz.Mail-Art/versuch.htm

Weltverantwortung.htm

 Kontakt: Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de/

 

 

Friedhelm Schulz

 

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