Die wohl teuerste Polizeiaktion der Weltgeschichte.

 

Groß-Britannien und die USA zahlen im Namen der Vernunft und der Weltgemeinschaft.

 

Nur deswegen lenkt Saddam ein. Und sobald die Inspektoren auf Massenvernichtungswaffen stoßen, wird er mit deren Vernichtung einverstanden sein.

Und wann immer ihm das Versteckspiel gelingt und er solche Waffen in Zukunft anwenden wird, unterschreibt er sein eigenes Todesurteil; solange Briten und Amerikaner zu einem Gegenschlag gerüstet bleiben.

Bezahlen müssen Briten und Amerikaner, - und unschuldige Iraker.

Natürlich ist es schwierig, in der neuen Weltsituation zwischen Krieg und Polizeiaktion zu unterscheiden, weil die Begriffe, die Strukturen und Instrumente noch aus dem vorigen Jahrhundert der Weltkriege stammen. Der Krieg gegen Hitler war nur im gewissen Sinne, jedenfalls aber aus der Sicht der USA bereits eine Polizeiaktion. Aus der Sicht Groß-Britanniens, Frankreichs und Russlands war es Krieg aus berechtigten nationalen Interessen.

Beides klar zu unterscheiden, dürfte auch weiterhin schwierig sein.

Auch die Bekämpfung des internationalen Verbrechens ist nicht nur von internationalem und juristischem Interesse, sondern immer auch von nationalem Interesse. Deswegen sprechen wir auch von Krieg gegen Terrorismus und z.B. gegen den internationalen Drogen- und Menschenhandel u.s.w..

Wenn heute ein Despot und Krimineller – vielleicht ein Drogenboss - mit Geld, Medien und anderen Machtmitteln sich einer Nation bemächtigt, sich Atombomben, chemische und biologische Waffen einkauft oder baut und nun eindeutig wie Dr. Mabuse oder Goldfinger durch Erpressung nach Weltherrschaft strebte, wäre sich die Weltgemeinschaft wohl ohne Diskussion sofort einig, dass ein Eingreifen als reine Polizeiaktion und nicht als Krieg zu bezeichnen wäre.

Und dass wir in diesem Sinne zwischen Krieg und Polizeiaktion unterscheiden, ist ein Fortschritt.

Gegen Letzteres hätte auch der Papst nichts einzuwenden.

Machiavelli 1469- 1527 hätte sich noch ohne Skrupel an Dr. Mabuse und Goldfinger verdingt.

Und die Welt wird sich auf ständigen Terrorismus und seine ständige Bekämpfung einrichten müssen, wie wir auch mit gewöhnlicher Kriminalität und mit ihrer Bekämpfung leben müssen, - man sollten dabei aber nicht mehr von Krieg sprechen, selbst wenn sich hier eine andere Dimension von Verbrechen einrichtet und wir zunehmend das Militär für deren Bekämpfung einsetzen.

Und die Verfügungsgewalt über die knapper werdenden Ölressourcen ist für die Weltwirtschaft  in der Hand eines Despoten nicht weniger ein Terrorinstrument wie Massenvernichtungswaffen.

Zum Glück offenbart sich Gut und Böse niemals so eindeutig, wie in einem Horrorfilm. Weder ist die neue Situation der Menschheit seit dem Ende des kalten Krieges schon ins Bewusstsein der damaligen Randstaaten, der sog. 3. Welt, vorgedrungen, und erst recht nicht in deren politisches Gefüge, noch sind die Weltmächte selbst ganz von dem Trauma des kalten Krieges und dessen exzessive Verstrickung erwacht.

Dennoch war der mit niemandem abgestimmte deutsche Querschuß von Schröder unklug, der ja keineswegs mit irgendwelchen aufklärerischen Aktionen oder paradigmatischen Definitionen begleitet wurde, und es ist ein Zeichen der Freundschaft, dass Frankreichs Präsident, Chirac, die befreundete Nation nicht einfach im Regen stehen lässt.

Als Saddam seine Rede an die deutschen Grünen richtete, dass die Blätter im Irak so grün seien und der Teufel, Bush, sie nun verwelken wolle, besagte dies ja nichts weniger, als dass er die Grünen und die deutschen Medien für Idioten hält, was er auch von seinem eigenen Volk denkt.

Natürlich denkt ein verzweifelter bzw. mit der Menschlichkeit der Gegner pokernder Saddam nicht an einen Paradigmenwechsel, und er droht, seine unschuldigen Soldaten samt Bevölkerung massenweise in den Tod zu schicken, wie es in den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts die grausame Regel war, - falls seine Generäle und Soldaten das mitmachen.

Und es ist der amerikanischen und britischen Konsequenz zu verdanken, dass Saddam dies Pokerspiel in jedem Fall bereits verloren hat, und es wäre ein Glück für die Bevölkerung des großen Kulturlandes am Euphrat und Tigris und für die gesamte Region, wenn ein Krieg vermieden werden und sich dort wieder normaler Handel und Wandel entwickeln könnte.

 

Die eigentliche Kontroverse liegt wohl darin, ob dieses auch mit oder nur ohne den anachronistischen, grausamen und lächerlichen Saddam-Despotismus möglich ist. Den Vertretern der ersten Alternative muß man entgegenhalten, dass auch Saddam nicht ewig regieren wird und die Unsicherheit eines Machtwechsels in jedem Fall droht.

Jedenfalls wäre ein allsprachiger, sachlicher – und eben nicht religionsfeindlicher – Informationssatelit über dem Nahen Osten menschlicher, billiger und nachhaltiger, als ein blutiger Krieg.

 

Friedhelm Schulz