Die Antikriegsdemonstration, Rhetorik, und die „twelve monkeys“.

 

Nicht nur die Deutschen als Friedensbefürworter sondern alle Friedensdemonstranten in der ganzen Welt sind eine erfreuliche Erscheinung, auch wenn es Saddam Hussein dann als seinen persönlichen Sieg gegen die bösen Amerikaner und Juden feiern würde, falls er mit Hilfe von Papst und westlichem Pazifismus sich und seine Geheimwaffen und Verstecke vor dem Zugriff der USA und der Briten bewahren kann.

Daß durch solchen Sieg, wenn Briten und Amerikaner nun unverrichteter Dinge ihre Truppen wieder abziehen müssten, die Terroristen wie Ben Laden und seine Anhänger besänftigt und nun ebenfalls zu frommen Pazifisten bekehrt werden, glaubt natürlich auch in Deutschland, Frankreich, Russland und China niemand, und man weiß natürlich, dass wir – und auch die islamischen Staaten - weiterhin ganz auf ein handlungsbereites Amerika angewiesen bleiben, wenn z.B. jemand das deutsche Einwanderungsproblem einfach durch Ausrottung der ungläubigen Deutschen oder das Palästinenserproblem durch Ausrottung der Juden zu lösen versucht, solange die UN und die EU kein entsprechendes friedlicheres Abwehrinstrumentarium und weder eine entsprechende Logistik noch auch Willen und Einigkeit besitzt.

 

Wenn ein Mensch zu einer evidenten Tatsache aus Vorsatz einfach das Gegenteil behauptet bzw. die Gegenposition einnimmt, dann nennt man das gelegentlich Dialektik. Solche Übungen, als spiele in solcher Dialektik die Wahrheit und echte Überzeugung keine Rolle, sollte zumindest im Philosophie- und Religionsunterricht fleißig geübt werden, nicht nur als heuristisches Prinzip (insofern, als damit immer ein Stück Wahrheit auch der Gegenseite ans Licht gebracht wird,) und als ein wertvolles Stück Selbsterkenntnis, dass der Mensch nämlich sein Leben lang im Grunde nichts anderes macht, sondern auch deswegen, um Rhetorik als solche besser erkennen und durchschauen und ihr nicht so leicht aufsitzen zu können. Und trägt zur Konditionierung des einfachen Verstandes bei.

Die oft verzweifelten rhetorischen Luftsprünge und Anstrengungen der deutschen Regierungskoalition, mit denen eine diplomatische Ungeschicklichkeit des Kanzlers vor der („dummen“) Öffentlichkeit vertuscht und sogar als ganz besondere Leistung dargestellt oder zumindest gerechtfertigt wurde, machte die fatale Wirkung deutlich, dass die selbstverständliche Wahrheit plötzlich recht blass oder sogar böswillig aussah.

 

In der neuen globalen Weltfamilie mit zunehmend gemeinsamer Wissenschaft, Bildung und Begrifflichkeit, was vermischt mit jeweils alter Begrifflichkeit zu den peinlichsten Missverständnissen und Dummheiten führen kann, gehört jedoch nicht nur die weltweit offiziöse Argumentation und Rhetorik zum polizeilichen oder militärischen Handwerk, nämlich gegenüber einer zueinander zunehmend freundlich gesinnten Bevölkerung, wozu auch die Bevölkerung von Gegnerstaaten gehört, sondern, wie es die schwierige Befreiungsaktion am 23. Oktober 2002 in Moskau zeigte, es muß Struktur, Bezeichnung, Begrifflichkeit und Anwendung von Antiterroraktionen ganz konkret und deutlich von all dem unterschieden werden, was früher Krieg genannt wurde, und muß zu einer regelrechten Wissenschaft werden, wie die Kriminalistik.

 

Natürlich weiß man, und man verlässt sich darauf, dass auch hier die USA allen voran geht.

 

Dieser US-amerikanische Protagonismus bewahrte das Land nicht vor schrecklichen Fehlern,-

 der Leserbrief aus „Neues Deutschland“ zählt einige auf – (gegenüber dem deutschen Faschismus machten alle Seiten schreckliche Fehler, die Deutschen vorweg mit ihrer Obrigkeitsgläubigkeit, die Engländer, weil sie nicht mit den oppositionellen deutschen Generälen paktierten, Stalin, weil er mit Hitler paktierte, die USA, weil sie so lange zögerten,)

und als solcher ist der Protagonismus hauptsächlich ein oft bitterer Lernprozess. Der permanente Vorsprung vor allen Ländern der Welt resultiert aus der wohl längsten Erfahrung mit Recht und demokratischer Praxis, Erfahrung sowohl mit Gebrauch wie mit Missbrauch, aber nicht zuletzt natürlich auch durch den wirtschaftlichen Erfolg und durch die militärische Überlegenheit.

Der Kampf gegen Terrorismus und innerstaatliche Unmenschlichkeit wie Genozid, Folter und Misshandlung der eigenen Bevölkerung als weltweites Anliegen ist jedoch neu.

Würde heute z.B. Toni Blair mit einem britischen Spezialkommando Saddam verhaften und vor ein ordentliches Gericht stellen, wäre der ganze Irakkonflikt theoretisch bereits halb gelöst und zwar unblutig. Dazu hätte die Resolution 1441 dem Irak im Falle der Mißachtung die Verhaftung von Saddam ankündigen müssen.

Die Entwicklung zu einer solchen notwendigen Alternative zum Krieg würde in der Gegenwart an der ideologischen Befangenheit – nicht nur - der USA scheitern, weil gerade diese Befangenheit (ich meine nicht eine heute den USA oft fälschlich unterstellte religiöse Befangenheit,) eine entsprechende Erweiterung der allgemeinen Menschenrechte verhindern würde. Außerdem wäre dazu wohl die Installation einer Art Weltpolizei notwendig.

Wie es bereits der amerikanische Präsident Clinton formulierte, geht die Zeit zuende, dass ein Herrscher in seinem Lande ungestraft machen kann, was er will.

 

Natürlich wäre es angesichts der aussichtslosen Lage des Iraks in jeder Hinsicht

1. wirtschaftlich und militärisch am Ende,

2. politisch isoliert,

3. als ein inhuman rückständiger Staat eine Beleidigung für jeden Iraker und Moslem,

die wohl beste Lösung, wenn das irakische Militär ihren Diktator selbst gefangen setzen und vor ein nationales oder internationales Gericht stellen würde, und wenn im Irak dann in offener Zusammenarbeit mit den USA über freie Wahlen langsam zivilisierte Verhältnisse entstehen könnten, wie etwa in Serbien und der Türkei. Eine einflussreiche Machtposition kann der Irak – wie kein zivilisierter Staat - ohnehin nicht mehr über Verschlagenheit, Terror, Erpressung und Massenvernichtungswaffen erlangen, sondern nur über eine zeitgemäße humane Vernunft.

F.S.

 

 

5. März 2003

Der Widerwille gegen Krieg überhaupt, soweit er schon mit einem, wenn auch zaghaft interkulturellen Bewusstsein von Gemeinsamkeit in den weltweiten Demonstrationen mitschwingt, ist sicher ein positives Segenzeichen unserer Zeit und meint die unschuldigen Opfer von Menschenleben.

Eine in Kauf genommene quasi berechnete Anzahl von unschuldigen Opfern, ist eine unerträgliche Vorstellung. Dies war nicht immer so.

 

Daß sich in diesen Demonstrationen auch recht krause Argumente und auch die widerlichsten Ambitionen bewegen, sollte in den reichlichen Diskussionen der Medien Anlaß sein, den positiven Aspekt zu formulieren und hervorzuheben.

Leider demonstrieren diese Talkshows, dass wir, und insbesondere wir Deutsche, erst langsam lernen, über unsere Grenzen hinaus auch politisch vernünftig zu denken.

Daß Jacques Chirac und Toni Blair den deutschen Tollpatsch, der seine Widerwahl nicht mehr erwartet und womöglich nicht einmal gewollte hatte und wohl deswegen so dick auftragen zu können geglaubt hatte, wie ein privater Demonstrant in der anonymen Menge, wieder zwischen sich ins Boot brachten, und dass die Freunde Deutschlands, Russland und China Freundschaft demonstrierten, zeigt, dass die Welt menschlicher geworden ist.

Wer dieses, wie der gute Peter Schollatur mit den Paradigmen des vergangenen Jahrhunderts misst, versteht ganz sicher die Welt nicht mehr und sieht allüberall verkappte Strategien, wie einst der gute Don Qichote vor den Windmühlen, - auch Iraker und Pakistani wollen zur normalen Welt gehören wie Tunesier, Inder und Indonesier, und wer von den deutschen Grünen glaubt, dass die Iraker für eine moderne Zivilisation in einer friedlichen Weltgemeinschaft zu blöd seien, ist schlicht weltfremd und hat nie mit einem Moslem in Deutschland gesprochen, der hier ohne Probleme zurecht kommt.

 

Daß so ein kleiner Dr. Mabuse im Irak diese neuen Paradigmen als Schwäche sieht und protzig als seine Chance für sein schmutziges Pokerspiel empfindet, bzw. als Gefahr für sein Regime, bringt den ganzen Islam in Misskredit; wo ein Dieb ist, müssen sich alle anderen Schlösser kaufen. Saddam spielt auf Zeit.

und man wird das Problem, Saddam Hussein, für die ganze Entwicklung im Nahen Osten nicht anfassen können, ohne selbst schmutzige Hände zu bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Worauf sind Sie so stolz, Herr Präsident? Ich möchte mir gestatten,

an einige Tatsachen zu erinnern:

-In Ihren geheimen Labors wird mit Unmengen Ebola, Pest, Antrax experimentiert. VS, VX, Sarin sind ebenso vorhanden.

-Ihr Land hat das vietnamesische Volk durch den Einsatz von Agent Orange irreparabel geschädigt.

-In Ihrem Land hat Ihr Militär eigene Soldaten Atomtests ausgesetzt.
Ihr Land hat in Jugoslawien und im Golfkrieg Uranmunition eingesetzt.

- Ihr Land war an fast allen der großen

Kriege nach 1945 maßgeblich verursachend beteiligt.

-In Ihrem Land wurden die Ureinwohner millionenfach ermordet, und es wurde ethnisch gesäubert.

- Ihr Land hat h*t bin Laden, die Taliban, Saddam bewaffnet, großgemacht und Kriege, auch chemische, führen lassen, hat seine Geheimdienste Mordaufträge ausführen lassen, hat missliebige Regierungen gewaltsam beseitigt und sich mit Verbrecherregierungen engagiert, immer im »Kampf gegen das Böse«.

— In ihrem Land gilt die verabscheuungswürdigste Doppelmoral, und es gibt die mäohtigste Pornoindustrie. Es ist verboten, Bier auf der Straße zu trinken, aber erlaubt, Waffen jeder Art zu kaufen.

— Sie betonen den Anteil der USA am Sieg über den Faschismus. Sie sollten aber die Liste jener Firmen veröffentlichen, die mit

Hitler paktiert haben. Sie haben gewiss

Anteil am Sieg über Hitler, aber verzeihen Sie, eher einen recht bescheidenen. Als Ihr Land. die zweite Front eröffnete, war der Krieg bereits entschieden, was nicht die Tapferkeit der GI beeinträchtigt.

-Allein in zwei Kriegen, die Ihr Land maßgeblich zu verantworten hat (Korea, Viet nam), haben fünf Millionen Menschen sterben müssen.

Woher eigentlich nehmen Sie den Mut, anderen Völkern beibringen zu müssen, wie sie zu leben haben? Woher eigentlich nehmen Sie den Mut, das Wort Menschenrechte in den Mund zu nehmen - in einem Land wo die schwarze Bevölkerung bis in die Neuzeit übelsten Diskriminierungen ausgesetzt ist? Woher eigentlich nehmen Sie den Mut, anderen Völkern Demokratie Ihrer Denkweise aufzwingen zu wollen? Kann es sein, dass Sie Ihre Hintermänner und Geldgeber der Öloligarchie vergessen haben? Welcher Gott hat Sie beauftragt zu entscheiden, wer das Reich des Bösen und wer das Reich des Guten ist? Wer eigentlich hat Sie ermächtigt, unser aller Erde Umwelt zu zerstören — Ihr Land verursacht 25 Prozent der Umweltzerstörung der Erde — , wer hat Sie beauftragt, Kyoto zu torpedieren?

Herr Präsident! Dies alles ist kein Antiamerikanismus. Ich schätze das amerikanische Volk auch wegen seiner unumstrittenen Verdienste um den Fortschritt und die Zukunft der Menschheit. Nur — dieses liebenswerte Volk unzähliger fleißiger und friedenswilliger Menschen hat Regierende wie Sie, die Cheneys, Rices, Powells, Rumsfelds um keinen Preis verdient.

Herbert Schneider

10318 Berlin