Der Staat oder die Welt als Insel

©Friedhelm Schulz, aktualisiert am 13 August 2002

Die Unmündigkeit: Friedhelm Schulz, Teil der Kunsttheorie: Siehe http://members.tripod.de/FriedhelmSchulz

Der Staat von Prof. Dr. F. Fürstenberg

Prolog 
Das normale Verständnis und Selbstverständnis eines modernen Staates unserer Gegenwart, wie es Prof. Dr. F. Fürstenberg wohl in bestmöglicher Abrundung formuliert hat, sei dem Folgenden als selbstverständlich vorausgesetzt. 
Aber weder als gültiger Begriff oder gültige Definition noch als das damit Gemeinte kann und darf man den Staat nur als statische Entität verstehen, wie sie in tragbaren Gesetz- und Regelbüchern, in gut gesicherten Grenzen, Staatsorganen Gebäuden usw. gegeben scheint, statt dessen finden wir den Staat in einem Geflecht von begrifflichen, sprachlichen, gedanklichen, psychischen, sozialen, ethischen, politischen und geschichtlichen Beziehungen, mit einem gemeinsamen Bildungsstand, die sowohl nach innen wie nach außen bis ins menschlich Transzente und darüber hinaus in bislang nur religiös und spekulativ formulierbare Orientierungen und Postulate reichen. Und nur in Reflektion auch darauf sind die Erfolge einerseits, wie andererseits die ja geschehenen und weiter möglichen Absurditäten und Unmenschlichkeiten auch unter einer demokratischen Verfassung zu verstehen und die Erfolge zu erhalten und die Fehlleistungen vielleicht zu vermeiden, wie es in unserer Möglichkeit und Verantwortung steht.
 
 

Der Staat Friedhelm Schulz, Teil der Kunsttheorie
Die Moderne als Emanzipation vom Mittelalter.
Was nämlich mit Demokratie und mit dem modernen Staatsverständnis an Mittelalter und mittelalterlichen Institutionen samt deren Anachronismen und immer möglichem Mißbrauch, den keiner bestreitet, überwunden werden sollte,
 

 war zwar durchaus aber eben nicht nur die Obrigkeit und zwar nicht nur Initiator eines obrigkeitsstaatlich und päpstlich bzw. kirchlich verordneten und damit begrifflich geordneten Glaubens und mittelalterlichen Welt- wie Selbstverständnisses nur bei dem regierten Staatsvolk, also nur von Oben nach Unten, sondern war und wurde gewissermaßen von solchem überstaatlichen göttlich-universal begründeten und verstandenen Glauben auch selbst getragen und legitimiert. Diese Korrelation bestand dabei also keineswegs nur formal in Form von Staatsgewalt von Seiten der Aristokratie und Kirche als von Oben nach Unten zum Volk hin, sondern war als mittelalterliches Staatsbewußtsein auch von Unten nach Oben durch solchen Glauben gewissermaßen konstituiert.
Wenn auch Faith, Glaube und Vertrauen als die derart vereinfacht gesehene Disposition eines sozialen Miteinanders auch immer der naive und damit ideale Nährboden für Betrug und Irrtum, für Betrüger und Scharlatane war und ist, was von Letzteren denn auch zu allen Zeiten weidlich ausgenutzt wurde, so war dieses edle christliche Menschen- und Weltbild in der Hauptsache doch der Nährboden, auf dem eine langsame Entwicklung zu einem menschlicheren Selbstverständnis und zu einem sozial konzipierten Staat mit Kranken- und Waisenhäusern, mit Schulen und Universitäten, mit geregeltem Handwerk, mit dem Postulat einer gerechten Rechtsprechung und mit weltweitem Handel und Wandel erst gedeihen konnte.

Die Versuche, diesen Glauben - meist nur als naiven mittelalterlichen Volks- und Aberglauben gedeutet - auch in ganzer Tiefe zu verstehen, was eigentlich erst mit Herder und dann mit der Romantik unternommen wurde, mußte als Wissenschaft an folklorisch Formalem, an den nur empirisch faßbaren Riten, Bräuchen, Märchen, Liedern, Kleidung usw. enden und scheitern, so wertvoll all diese Wissenschaften für die Volkskunde auch sind. Derart kann auch unsere Religion selbst, ob jüdisch, christlich oder islamisch nicht von den Glaubensformen, Bräuchen, Riten und Traditionen her verstanden und im richtigen Verständnis verordnet werden, sondern umgekehrt nur von dem Glauben her, der zu solchen Formen erst führt. Wie es ja auch zur alltäglichen Erfahrung gehört, daß man von der Form her jede Tat und Untat, jede Raffinesse und Dummheit und selbst Mord und Totschlag mit frommen Sprüchen aus der Bibel oder aus dem Koran vor sich selbst und vor Menschen zwar rechtfertigen kann aber vor Gott verantworten muß. Gott ist kein Idiot. Aber was ist göttlich und was ist menschlich?
Die Grundproblematik, die uns mit dem Geschehen Jesu, mit dem christlichen Glauben damit allgegenwärtig ist, ob Gott oder Mensch, ob göttlich oder menschlich, ob Inhalt oder nur Form, und zwar als Wahrheit oder Vorwand und Willkür bzw. Wahrheit oder Irrtum, Wirklichkeit oder Schein und Wahn, ist dann in der Realisation als Verhalten genau entsprechend das, was wir umgangssprachlich als Himmel oder Hölle auf Erden bezeichnen, wofür wir verantwortlich sind.

Es war eben keineswegs so, als wäre der Glaube von der Obrigkeit und von Kirche und Klosterwesen dem niederen Volk nur gepredigt und aufgezwungen und kontrolliert und dann nur schamlos ausgenutzt und nicht selbst geglaubt worden, was es natürlich gab und was wir u.a. seit Renaissance und „Aufklärung", etwa seit dem 15. Jahrhundert, bis heute als das nur „Finstere" des Mittelalters sehen und zurecht abzustreifen versuchen.

Wissenschaftliche Richtigkeit statt Gottes Wille.
Was wir an religiöser und weltlicher Selbstverständlichkeit in solcher Korrelation bis heute undurchdacht und unverstanden oft nur als Paganismus, Papismus, religiöse Magie, als Volks- und Aberglaube, als Populismus und als christlich- oder islamisch individuelle, mittelalterliche Spekulation, Willkür und Unwissenheit sehen und mit dem modernen wissenschaftlichen Rationalismus und mit dem „natürlichen" Darwinismus als „Aufklärung" überwunden glauben, war damit aber keineswegs die gedankliche Lösung der im Mittelalter ungelösten und auch mit brutaler Gewalt und autoritärer Dogmatik nicht zu bewältigende Problematik unseres Welt- und Menschenbildes für unser Selbstverständnis, sondern wurde hauptsächlich wohl wegen der gedanklichen und begrifflichen Schwierigkeit aber dann wohl auch im Sog von Wissenschaft und Technik als empirische Realität leichtfertig übersehen und deswegen zunehmend als Problematik ignoriert und schlicht aufgegeben. Und genau diese oben genannte Problematik zwischen Göttlichem und Menschlichem, Kirche und Staat, Idee und Wirklichkeit, zwischen Seele und Leib, Geist und Körper, Leben und Tod, Verantwortung und Schicksal wurde als ignoriertes aber weiter bestehendes, d.h. ungelöstes gedankliches Problem zugleich das ethische Vakuum oder Niemandsland bezüglich des anderen Postulates unseres Glaubens, nämlich der Verantwortlichkeit und zwar als Hintergrund des europäischen Hegemonialwahns bis weit nach den Weltkriegen.
Ich fürchte, nicht einmal heute ist die gräßliche Karikatur verstanden, die die Geschichte selbst vom Menschen als „homo hominis lupus" zeichnete, wie sie sich keine Phantasie eines Künstlers hätte ausmalen können, wo statt der unfaßbaren Transzendenz scheinbar nur einfach konzeptmäßig und rational als „Natur" und als „natürlich" und „logisch" d.h. faktisch gerechtfertigt Reichtum und Macht, geistige, körperliche, technische, politische und militärische Überlegenheit über Wahrheit, Existenz und Recht - und auch über die Religion - bestimmt und zwar auf Kosten des jeweils Unterlegenen „als dessen Hölle auf Erden", statt zum Nutzen aller „als der Himmel auf Erden", - um hier dieses andere ethische Postulat unseres Glaubens bzw. seine Kehrseite zu verdeutlichen. Denn Glaube als das Tun und Verhalten im Sinne Gottes ist zugleich ein Tun und Verhalten zum Wohle aller: Das Verhältnis zu Gott ist ein Verhältnis zum Nächsten, zum Mitmenschen.

Staat wie Kirchen samt Staatsideen, Philosophie, Wissenschaft, Recht und Theologien, Moral und Ehre gerieten aber - trotz aller Wissenschaftlichkeit - allesamt in diesen Sog eines quasi nur utilitären Individualitäts-, Kultur-, Religions- und Staatspatriotismus für sich und gegen jeweils Anderes und Andere. In den Weltkriegen nicht anders als in den gegenwärtigen Kriegen beten alle Parteien zu dem gleichen Gott gegen und zum Schaden des jeweiligen Gegners. Und wenn selbst heute noch Bildung, Wehrkraft und Freiheit als Konkurrenzkampfatribute gepriesen, verstanden und benutzt werden und als Neoliberalismus im oft auch geforderten wie im gefürchteten Sinne „homo hominis lupus" bedeuten, scheint es, als wäre dies menschlich Gegenteilige an Selbstverständlichkeit und Menschlichkeit im Menschen und in der realen Gesellschaft, in Wirtschaft und Politik gar nicht mehr existent, als gehörten selbst heute noch Kultur, Religion und Bildung zu den Reißzähnen des Wolfes im Kampf jeder gegen jeden.

Und auch die nur gegenteilige Sichtweise wäre unrealistisch:
Denn sowenig, wie man den Faschismus nur als einen Rückfall ins Mittelalter sehen darf, wenn dieser auch ebenfalls durch eine Korrelation von Oben und Unten bestand, die aber nicht durch christlichen Glauben bestimmt war, aber es war auch nicht ein Rückfall nur in die vorchristliche Zeit des Abendlandes, sowenig gilt dies für seine Überwindung - nicht nur seitens der Siegermächte, sondern auch innerhalb der deutschen Landesteile und deren Begrifflichkeit.
Sicher war die neue Friedensbereitschaft in Europa seit 1945 auch Kriegsmüdigkeit; die Soldaten waren tot. Sicher gab es die Angst vor den neuen Atomwaffen. Sicher gab es eine Besinnung auf das Verbrecherische aller Kriege, wenn auch (bislang) keine Reflexion auf das Logische des Krieges für das Staats- wie für das menschliche Selbstverständnis, wie ich es hier im Ansatz versuchen will. Was ist Politik? Sicher gab und gibt es seit 1945 das Erschrecken des Menschen vor dem Menschlich-machbaren. Sicher gibt es viele (allzuviele) Parallelen der Nachkriegszeit zum „Augsburger Frieden" nach dem 30-jährigen Krieg, d.h. Kompromisse statt Einsicht. Sieg ist immer ein schlechter Ratgeber. Natürlich gab es ein bißchen Biedermeier in Europa, - nicht nur in der DDR.
Aber dieses bedeutet leider ebenfalls nicht, als wäre damit die ungelöste ethische Problematik des Mittelalters verstanden und gelöst worden oder als sei die Problematik mit der Ignorierung oder durch die Trennung von Staat und Kirche plötzlich verschwunden. Und das moderne Selbst- und Staatsverständnis, (wie es Prof. Dr. F. Fürstenberg beispielhaft umreißt), wie es sich aus dem kalten Krieg zu dem relativ friedlichen Miteinander der Gegenwart in Europa mit relativ echter Demokratie, sozialer Marktwirtschaft im Westen und aus einem idealistischen Sozialismus im Osten zu einem Wohlstand und friedlichen Miteinander entwickelt hat, den unsere Großväter, den Marx, Engels und Lenin eher für utopisch und für den Himmel auf Erden gehalten hätten, und angesichts dessen sich selbst Thomas Morus seines Utopia geschämt hätte, bedeutet leider nicht, als seien wir nun plötzlich bessere Menschen oder gar echte Christen geworden, die aus Einsicht und in gegenseitigem Vertrauen nur noch nach der edlen Maxime „jeder zum Wohle aller" handeln, und leider resultiert dieser Wohlstand eben nicht aus einer Lösung jener bislang ungelösten Problematik, als ob diese nur früher im Mittelalter und zur Zeit der Weltkriege die Ursache all der Unmenschlichkeiten und Absurditäten war und heute mit unserer modernen Begrifflichkeit nicht mehr möglich sei und sein könnte.

Wenn sich dieses friedliche Miteinander des heutigen Europas und der zivilisierten Welt auch nicht nur durch Verstehen und Vernunft und plötzliches gegenseitiges Vertrauen, sondern durch den „kalten Krieg" und durch die jeweilige Parteizugehörigkeit zu Ost oder West und in Westeuropa zudem durch die Vormundschaft der USA und im Osten durch die Vormundschaft der UDSSR bilden konnte, wenn auch mit jeweils unterschiedlicher Intention, so ist diese zarte daraus gewachsene Pflanze moderner Zivilisiertheit, was wir im zivilen wie politischen Miteinander durchaus - trotz aller Konfrontation - als langsam gewachsenes gegenseitiges Vertrauen bezeichnen können, dennoch von ganz anderer als mittelalterlicher Qualität, die sich nur undeutlich als verbindliche gegenseitige Berechenbarkeit und deutlicher als gemeinsame Sozialisation mit einer neuen gemeinsamen Begrifflichkeit umschreiben läßt.
Diese neue gemeinsame weltweite Begrifflichkeit, die, wenn auch als solche noch kaum reflektiert, z.B. in England, Spanien, Frankreich, Polen, Ungarn, Rußland genauso zum Gegenwartsverständnis gehört, wie in Burma, Indien, Afrika, Malaysia, Singapur, Vietnam, China oder Japan, - wenn auch immer im Kontext mit jeweiliger Tradition und jeweiligem Bildungsstand, - ist genauso Realität, als hätten wir bereits eine gemeinsame Enzyklopädie in den jeweiligen Sprachen der genannten Länder oder Kulturbereiche.

„Gemeinsame Sozialisation" und neue oder mit neuer „Begrifflichkeit" sind dabei nur die Umschreibung eines hochkomplexen Vorgangs. Neue Begrifflichkeit bedeutet leider nicht, daß damit die ungelöste Problematik der alten, nämlich auch des jeweiligen Mittelalters, gelöst oder beseitigt wäre.

Wenn faktisch auch die militärische Macht der beiden einstigen Weltmächte und Blöcke, so war es dennoch die moralische Rechtfertigung der Zerschlagung des deutschen Faschismus einerseits aber dennoch auch die moralische Rechtfertigung der jeweiligen Machtblöcke gegeneinander oder voreinander andererseits, die sich jeweils aus der vorgeworfenen Unmoral der Gegenseite rechtfertigte und begründete, was dann beide Seiten und insbesondere die westliche Seite wegen der dort relativ freien Presse langsam zum heute selbstverständlichen ethischen Level zwang, d.h. moralisch zu handeln.

Neu in solcher Begrifflichkeit wurde damit die ethische Dimension sowohl globaler übernationaler Weite und einer neuen Dimension von Allgemeinheit und weltweiter Allgemeingültigkeit wie aber auch die Begrenztheit des Globalen einerseits wie die nun global begrenzte Universalität solcher Ethik andererseits. Letzteres ist als zwar als politische und ethische Möglichkeit und kulturelle Attraktivität längst ergriffen und begriffen, aber als ethisches Problem wahrscheinlich noch am wenigsten verstanden.
Dieses ergibt durchaus neue aber eben nur zusätzliche Bedeutungen und Relationen und bedeutet z.B. : Nicht mehr Sieg, größere Macht, Kraft, größerer Reichtum entscheidet über Recht und Unrecht, Gut und Böse, Sein oder Nichtsein wie im normalen Kampf und Gerangel jeder gegen jeden, sondern nun auch umgekehrt: Die Erde kann als Lebensbereich nur dann erhalten werden, wenn der Mensch Richtig und Falsch als Gut und Böse richtig anwendet, wodurch sich die eigene Existenz und die der Menschheit durch ein ethisches wie zugleich intelligentes Niveau entscheidet. D.h. diese neue Begrifflichkeit ist keineswegs eine ethische Bekehrung, sie ist ganz im Unterschied zur mittelalterlichen Problematik nicht religiös und transzendent positioniert und ist auch nicht nur die Folge der zufälligen Konstellation der Nachkriegszeit, sondern resultiert mit einer ganz neuen Problematik schlicht aus der Begrenztheit unserer Erde. Die neue Problematik zeichnete sich bereits im 2. Weltkrieg ab, der als Teilaspekt oder Vorwand zumindest, im Unterschied zu den einfachen kolonialistischen und nationalistischen Beutekriegen der Vorzeit, bereits Kampf um die begrenzten Territorien und Ressourcen war.
Mit der begrifflichen und ethischen Gemeinsamkeit eines politischen Miteinanders der Erdbevölkerung in wachsendem Wohlstand, mit schnell (aber zu langsam) wachsender kommunikativer Infrastruktur und Bildung verstärkte sich eben nicht nur der Segen und auch die Problematik der schnell wachsenden Bevölkerung als Erdbevölkerung mit den ökologischen Folgen, sondern daneben oder vor allem schiebt sich plötzlich die Brisanz und Dringlichkeit der Problematik in den Vordergrund, die mit der Überwindung des Mittelalters eben nicht gelöst sondern nur verdrängt und vergessen wurde und von Marx und Lenin mit der Ignorierung oder Ablehnung des Religiösen auch als gelöst nur mißverstanden wurde, weil sie seit Menschengedenken nur religiös formuliert wurde, nämlich die entscheidende Frage nach Sinn und Wert des Individuum und der menschlichen Existenz überhaupt.
Diese nun verdoppelte ungelöste Problematik zwischen menschlicher Existenz, Individualität und Ethik wirft denn auch die Frage auf, ob diese Begrenztheit nicht zugleich auch die Begrenztheit menschlicher Vernunft ist, ob der Mensch zu solcher Vernunft und Ethik einer friedlichen Weltgemeinschaft als Geistesleistung überhaupt fähig ist.
Hierzu gehört ja nicht mehr nur die Fähigkeit zur gedankliche Bewältigung der Probleme durch eine Elfenbeinturmelite, sondern auch die Fähigkeit der Umsetzung. So tritt eben unvermeidlich zu der alten meist religiösen Leib-Seele, Wahrheits- und Schuldproblematik nun immer zugleich mit dem Wahrheitsanspruch auch die Allgemeingültigkeitsspekulation als Vormachtsstrategie hinzu, wie wir es als Religions-, Konfessions oder Kulturpatriotismus bzw. Ideologie zur Genüge kennen. Dabei kann eine Bewältigung der Problematik eben nicht mehr allein durch Verstehen und analytische, d.h. intellektuelle Geistarbeit aber eben auch nicht durch Verdrängung oder durch Eliminierung, Bekämpfung oder Beseitigung aller jeweils anderen Ansichten und Wahrheiten als der eigenen gelingen, und zu einem Konsens führen, wie es leider zum Vorzeichen der drei Abrahamäischen Religionen wurde, aber nicht nur in diesen, die aber nun mal da sind. Auch oder gerade Letzteres gilt es - nicht nur theologisch, sondern auch logisch, politisch und soziologisch - neu zu verstehen: Soweit und vor allem wie nämlich in diesen Religionen Gott als Schöpfer und zugleich Herr der Welt Wirklichkeit ist, und zwar nach jeweiligem Verständnis des Wie, weil Existenzaussage immer durch oder als die jeweilige Attribution erfolgt, was dann „logisch" für alle Welt und alle Menschen gilt, so grundsätzlich gilt es eben nicht nur unterschiedliche Attributionen sondern auch die vielen Alleingültigkeitsansprüche unter einen Hut zu bringen.

Ein leider etwas zu einfaches Beispiel soll die Problematik verdeutlichen:
Zehn Menschen transportieren gemeinsam eine lange Leiter, wovon sehr viel abhängt, und sie stehen plötzlich vor der Entscheidung , ob sie links oder rechts an einem Baum, der im Wege steht, vorbeigehen sollen, was eben nur gemeinsam möglich ist. Über Vorgang und Ausgang dieses Entscheidungsprozesses lassen sich ganze Romane schreiben.
 

Ein Baum steht im Weg und wird zu einem ethischen Problem

Im schlimmsten Falle geraten alle bei der Diskussion über den besten Weg in Streit und schlagen sich gegenseitig tot, so daß die Leiter ihr Ziel nicht erreicht, was man vermeiden sollte.

Im besten Fall sind alle von vornherein einig. Dies wäre ein glücklicher Zufall, worauf man sich aber nicht verlassen kann.
Die Natur demonstriert für solche Situationen alle möglichen Lösungen dazwischen, vom immer entscheidenden Leithammel, der sich gegen alle als stärkster durchsetzt, vom alternativen Führer, wie beim Vogelflug, von der genetischen Bestimmung, wie bei Bienen und Termiten bis zur genetisch programmierten und damit determinierenden Entscheidung in den Köpfen aller, so daß alle z.B. nicht anders können, als gezwungenermaßen z.B. linksherum oder zum Licht hin zu laufen, was bei einer unvorhergesehenen Situation dann auch falsch sein kann, wie bei der Motte, die unweigerlich ins offene Feuer fliegt. 
Zu einfach an diesem Beispiel scheint auf den ersten Blick der Baum als Ursache des Problems. 
 

 

Aber wir wollen sogar zusätzlich noch annehmen, daß beide Ausweichmöglichkeiten gleich günstig und beide richtig sind, was sogar verdeutlicht, daß oft nicht die Entscheidung selbst sondern das Zustandekommen einer gemeinsamen Entscheidung - wie sie auch immer sei - das Problem ist, wobei dann die Frage nach Sinn und Wert des Einzelnen einfach als etwas Zweitrangiges oder gar Unwichtiges untergeht.

Der Mensch in seiner Entscheidungsfreiheit und Verantwortung stößt, was an diesem Beispiel weniger einsichtig wird, sowohl auf die nun doppelte Problematik von Richtig und Falsch, nämlich der universal und transzendent fundierten Ethik einerseits und andererseits der heute global existentiell oder politisch bzw. anthropozentisch empirisch gedachten Ethik, die es noch zu analysieren gilt, wie nun zusätzlich noch auf das Problem, die diese beide Denkwelten miteinander verursachen. Denn es sind beim Menschen nun ausgerechnet die ethischen Kriterien beider Kategorien wie Ehre, Treue, Solidarität, Loyalität, Patriotismus, Glaubensgewißheit, Wahrheit, Wissenschaftlichkeit usw., die in der Problematik jüngster Vergangenheit und unserer Gegenwart entweder in einen Topf geworfen oder miteinander verwechselt oder gegeneinander ausgespielt werden, wodurch sich zum einen ein großes Tor für Betrug, Irrtum, Rhetorik, Polemik, Streit und Scharlatanerie auftut, wodurch zum anderen aber u.U. eine vernünftige Lösung verhindert wird. Denn bei diesem Streit geht es um das Miteinander, wobei es diese merkwürdigen, sich gegenseitig aufbauenden oben genannten Kriterien als Weltanschauungen oder Dämonen und zwar als soziale und politische Realitäten sind, die scheinbar mit jenem Baum gar nichts zu tun haben, die geistig und politisch zu bewältigen sind, was über das Schicksal der Menschheit entscheiden kann.
Selbstverständlich ist eine zivilisierte demokratische Abstimmung als Automatismus, mit der jeweils eine Mehrheit nach welchen individuellen Gesichtspunkten und Strategien jedes Einzelnen auch immer entscheidet, keine Entscheidung über Richtig und Falsch, Gut und Böse, sondern zeigt nur den Willen der Mehrheit, wobei die überstimmte Minderheit ihre Ansicht weiter als Richtig und Gut behalten und vertreten darf. Und kein Mensch würde behaupten, daß die Vernünftigeren der Menschheit bereits in der Mehrheit wären.

Denn es gilt auch darin beides zu sehen und zu verstehen, sowohl Himmel wie Hölle auf Erden, und zwar als die immer gegenwärtigen Kriterien auch eines modernen Selbstverständnisses , nämlich als jeweiliges Handlungskonzept durchaus im Sinne einer auch zusätzlichen nichtreligiösen oder nichttranszendenten jeweiligen Rezeptur, wenn auch kaum noch oder zumindest mit dem Ende des „Kalten Krieges" seit Gorbatschow immer weniger in der alten mittelalterlichen obrigkeitsstaatlichen Struktur von Dogmatik, Gedankenkontrolle und Inquisition, wie es in Ost und West bis zum Exzeß entartet war.

Das Vakuum als die von mir so bezeichnete Ursache für die unbeschreiblichen Unmenschlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts auf Seiten aller Kriegsparteien bestand ja nicht in dem fehlenden Glauben oder in dem Fehlen von etwas woran man glaubte, von beidem gab es auf allen Seiten, wie wir noch sehen werden, reichlich und mehr als genug. Auch das so sehr komplizierte Abhängigkeitsverhältnis von beidem als versteckte oder offene Dogmatik, nämlich eines Glaubens zu dem, was man jeweils glaubt bzw. dem oder der man glaubt, was einem als ureigenes Bewußtsein immer gegenwärtig sein sollte und im Folgenden mein Hauptthema ist, fehlte naturgemäß eben nicht. Gottvertrauen, Idealismus, Patriotismus, Moral und Selbstlosigkeit fand man auf allen Seiten eher überreichlich, selbst bei den Nazis. Grundsätzliche Skepsis genau dagegen gab es nur sporadisch als modischer Anarchismus, als Agnostizismus, als subversive Attitüde oder als DADA und naturgemäß eben ohne moralische und politische Kraft. Als philosophische Skepsis, wie sie von Hume und Berkely an bis Kant Heisenberg, Plank und Einstein bestand, war sie ebenfalls ohne politische Relevanz.
Dieses Vakuum bestand vielmehr in der fehlenden jeweils persönlichen Verantwortlichkeit für den eigenen Glauben und für das, was man glaubt.
Dieses als Selbstverständlichkeit rein gedanklich nachzuvollziehen, bereitet bis heute Schwierigkeiten. In der Tat kann man zurecht von einer Bildungsimplosion sprechen. Der menschliche Verstand war der Situation der ganzen Problematik des vorigen Jahrhunderts nicht gewachsen. Denn wenn man unsere beiden, seit Menschengedenken und von allen großen Weisen und Religionen gekannten und gepredigten Selbstverständlichkeiten als Kriterien für Gut und Böse, Richtig und Falsch als die ethische Kehrseite der persönlichen bzw. jeweils privaten Verantwortung heranzieht, wo Nutzen und Vorteil nur auf Kosten und zum Schaden aller falsch und böse ist, und das Gegenteil, nämlich Urteil und Handlung nicht zum Schaden und Leid und auf Kosten anderer oder aller geschieht, sondern eher zu Aller Nutzen, erweist sich gerade Letzteres, was im Prinzip sowohl der Lehre Jesu wie dem logischen Kantschen „kategorischen Imperativ" entspricht, als problematisch.

Jesus: „Alles nun, was ihr wollt, daß Euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten." Matth. 7, 12.
Kant: »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.«

Diese Schwierigkeit kann man sich verdeutlichen, wenn man z.B. von einem gemütlichen Platz eines Straßencafès aus, auf dem Berliner „Ku-Damm", auf der Düsseldorfer „Königsallee" oder auf der Prommenade in Dar Es Sallam die Menschen der relativ wohlhabenden Gegenwart in ihrem Treiben, Eilen und Verweilen beobachtet und dabei die empirisch gar nicht faßbare Vielschichtigkeit des Normalen bedenkt: Denn es ist dabei unvermeidlich, sich in den Köpfen der verschiedenen dort flanierenden Passanten sowohl latent wie auch konkret Weltanschauliches vorzustellen, wie Neofaschismus, Antifaschismus, Sozialdemokratisches, Liberales und Christdemokratisches, Katholizismus, Protestantismus, fundamentalistischen wie emanzipierten Islam, Atheismus, Neoliberalismus wie Anti-Neoliberalismus, fundamentalistischen wie liberalen Kommunismus und Anarchismus, wobei all jene Ismen keineswegs als isolierte Entitäten existieren, sondern zugleich immer auch Reaktion aufeinander sind, obwohl in den Gesprächen, die man dort bisweilen führt oder belauschen kann, von all dem gar nicht die Rede ist.
In diesem Treiben einer modernen Gesellschaft sind nun diese Kriterien des Miteinanders und des Gegeneinander, als Himmel und Hölle, als Frieden oder Titanik, als Freiheit oder Babylon, als Menschlichkeit oder Apokalypse keineswegs Kriterien allein der Deutung von Optimismus und Pessimismus, so wie man ein Glas Wasser halb leer oder halb voll sehen kann, sondern sie sind eher die Klinke in der Hand eines Jeden, und zwar einer Tür, die als tatsächliche doppelte Funktion sowohl den Zugang öffnet wie versperrt, sowohl für Gutes wie für Schädliches, oder wie ein jedes Examen unserer Zivilisation Zugang und Möglichkeit sowohl eröffnet wie versperrt. Schwierig dabei ist, daß sich Schießen oder Öffnen als Vorteil für den einen zum Nachteil und auf Kosten anderer als die Hölle einerseits oder zum Vorteil aller als der Himmel andererseits, obwohl immer von Menschen zu verantworten, dennoch nach quasi schicksalsartigen Regeln, nach zufälligen Konstellation und zwar nach Kriterien verhält, die eben nicht wie schwarze und weiße Vögel zwischen den Menschen umherfliegen, sondern oft ganz zufällig meist aber in unserer gemeinsamen aufeinander bezogenen Denkstruktur in Form von Philosophien, Theologien, Ideologien, Intentionen, Absichten, Konventionen, Gruppierungen und auch entsprechendenden Charakteren diese vielschichtige Funktion einer Tür oder eines Urteils bestimmen. Und es ist wohl inzwischen unstrittig, daß auch die idealste Verfassung und die beste Polizei die Hölle auf Erden nicht garantiert verhindern oder nicht selbst zur Hölle auf Erden werden könnte - und sei es auch nur die Hölle für eine Minderheit, sowenig wie die gleiche oder eine andere ideale Verfassung, Polizei, Partei oder Philosophie den Himmel auf Erden garantieren könnte. Wir wissen, daß auch eine Demokratie samt bester Polizei, daß auch Gerechtigkeit und selbst das christliche Kreuz und die biblische Botschaft wie auch der Islam zum Mord- und Unterdrückungsinstrument und damit zum Vorzeichen der „Hölle auf Erden" werden kann. So bedeuten gegenseitiges Vertrauen und die darunter mögliche Liberalität unter allen Umständen sicher Komfort, Wohlstand und Frieden für alle, wie dieses unter allen Umständen - nicht anders als im Mittelalter - eben immer auch die große Chance des Betrügers, des rücksichtslosen Egoisten und Wolfes zum Nachteil aller ist.
Und gerade im Entstehungsprozeß einer gemeinsamen weltweiten Sozialisation und Begrifflichkeit sollten wir die Berechenbarkeiten und Unberechenbarkeiten wie die vielen Absurditäten im modernen Selbstverständnis zu verstehen suchen und entsprechend reflektiert Teil dieser gemeinsamen Begrifflichkeit werden lassen, nämlich auch als Wertung nach den Kriterien Himmel oder Hölle auf Erden im Sinne von Richtig oder Falsch, wozu uns die jüngste Geschichte des vergangenen Jahrhunderts nicht nur verpflichtet, sondern wozu sie uns ja auch viele konkrete Beispiele liefert.
Dazu gehört, daß solche Kriterien als Selbstverständlichkeiten nicht nur als Weisheiten oder Philosophien, wie sie seit Menschengedenken bestehen, sondern im Kontext mit konkreten Situationen als Selbstverständlichkeiten zu selbstverständlichen Begriffen werden, was durch Begriffe wie z.B. „Menschen- und Völkerrechte" aber auch technisch über gemeinsame Informationsmedien - ähnlich der Idee von CNN - auch ganz praktisch realisierbar ist.
Selbst ein albanischer Bergmensch muß wissen, wie natürlich auch ein Israeli oder Palästinenser, daß er mit dem Wahn seiner Blutrache vor aller Welt als Hinterwäldler und Idiot, und zwar ebenso als Idiot und Krimineller gilt wie derjenige, der an ihm schuldig geworden ist.


Was bei den Mächtigen der Kolonialmächte die von den deutschen Faschisten beneidete negative Nebenerscheinung von Reichtum und Macht war, nämlich der eigene Vorteil auf Kosten und zum Nachteil anderer und zwar durch den Nachteil anderer, was dann glänzende Ausstattung, billige Bedienung und Arbeitskräfte, Rohstoffe usw. einerseits bedeutete, und andererseits Überlegenheit, Arroganz, Größenwahn, Verachtung  der Schwächeren, Ärmeren, Ungebildeteren und das Recht diese kaufen, versklaven, entrechten und delegieren zu können, dieses archaisch Allzumenschliche, was ganz sicher, wenn auch versteckt, der häßliche und sicher negative Antrieb für die, und zugleich die Folge nicht nur von der Profitgier, sondern vielleicht von jeder archaisch-ursprünglichen Staatenbildung ist, auch wenn dieses in der politischen Verwirklichung durch Militär, Diplomatie und Delegierte von jenen Untertanen mit dieser merkwürdig ehrlichen Loyalität und echtem Patriotismus ausgeführt wurde, wurde von den Faschisten - und natürlich nicht nur von ihnen - nun ganz offen ausgesprochen zum erklärten Vorbild und Hauptziel, was denn auch zurecht als geschmacklos und vulgär empfunden wurde, so geschmacklos und kriminell, als würde ein Mann ohne den umständlich-kulturellen Modus des „Lebens- und Arterhalts“, wozu das religiös-ethische Miteinander des Abendlandes durch die halbfertige Aufklärung darwinistischer Erfolgstheorie herabgestuft und was von den Faschisten als „modern-aufgeklärt“ übernommen worden war, sich der Frau mit den Worten bekanntmachen „Ich darf und will dich f. und ausrauben, weil ich der Stärkere bin.", um sie dann mit diesem Recht des Stärkeren zu vergewaltigen, zu plündern und zu töten oder zu beleidigen, wenn sie nicht will.

Sicher ist solche naive Ehrlichkeit und dann die wissenschaftliche Präzision bei der Realisierung der faschistischen Verbrechen nur als Geschmacklosigkeit gesehen wohl das schwächste Argument gegen Verbrechen und Faschismus und soll hier auch nur auf die Schwierigkeiten hindeuten, die es macht, die Wirklichkeit eines modernen Staates unserer Zeit allgemein und die des faschistischen Staates jener Zeit insbesondere zu verstehen.

 

Der noch unverstandene Aspekt von Faschismus und Neofaschismus.

Diese ( von mir ) bewußt drastische Überzeichnung des eigentlich ganz normalen Gerangels im zwischenmenschlichen Zusammenleben nun als den forcierten vordergründigen faschistischen Staatsbegriff zu sehen, wie ihn die aufgeklärten Marxisten und damit natürlichen Antifaschisten als ein zu überwindendes System von Ausbeutern und Ausgebeuteten rein ökonomisch definierten und verneinten, war danach bei den Faschisten also nur ein quasi eklektizistischer Chauvinismus, der also nicht einmal echt sondern nur „gespielt“ und inszeniert war, wie es der späte Wittgenstein vielleicht formulieren würde. Und in der Tat wollte Hitler und der Faschismus wohl weder Sex noch Macht und Reichtum, sondern all dies als etwas Patriotisches, was über die zwei meist vernachlässigten weil selbstverständlichen Seiten des modernen, darwinstisch verstandenen Staates, nämlich 1. Erfolg und Anerkennung (Eitelkeit) und 2. die eigene Existenz als Selbstverwirklichung bzw. als Selbstverwirklichungsvoraussetzung die Schwierigkeit verdeutlicht, die „Individualität“ oder Entität dessen zu bestimmen, was mit dem modernen Staat eigentlich existiert oder gemeint ist, nämlich seine Wirklichkeit.

 

Denn in dem Vakuum, das mit der Moderne durch die Preisgabe der mittelalterlichen Vorstellung und Argumentation eines Gottesstaates, einer göttlichen Ordnung mit göttlicher Gerechtigkeit und Legitimation entstand, in dem die Potentaten Kaiser, König und Papst eben nicht nur als die erfolgreichsten Ausbeuter und Unterdrücker sondern als Diener Gottes und der Menschen galten oder sich so legitimierten, die für Recht und Ordnung sorgten, aber natürlich auch durch die Konfessionalisierung, Säkularisierung und die zunehmende Privatisierung des Glaubens, konnten und mußten diese eigentlich selbstverständlichen Aspekte von menschlicher Gemeinsamkeit Teil eines bewußten Programms werden und sind ein tieferer Grund für den europäischen Hegemonialwahnsinn und das weltweite Nachkriegsgerangel zwischen Staaten - besonders deutlich noch immer im Islam, wo sich die alten Gottesstaatsvorstellungen mit modernem Nationalismus vermischen oder mit solchem konkurrieren.

Diese Schwierigkeit der Definition des als modernen Staat zu Definierenden liegt im ganz selbstverständlichen Selbstverständnis einer solchen menschlichen Gemeinschaft heute, die nicht nur intensional als die jeweilige innere Struktur der jeweiligen Gemeinschaft zu verstehen ist, innerhalb der das Verhältnis von Mensch zu Mensch als die jeweilige Weise der jeweiligen Kultur, Konvention und Ordnung und des jeweiligen Gerangels stattfindet, die es natürlich zu verstehen gilt, sondern liegt als das eigentlich Moderne und Problematische nun auch in der extensionalen Bedeutung solcher Gemeinschaft in der Welt. D.h. wenn früher das Menschliche mit dem Glauben an Gott über das jeweils Intensionale von Familie, Region, Sprache und Staat hinaus in einen absoluteren Bezug zum Universalen gestellt war (natürlich mit der Auswirkung auch auf die jeweilige innere Struktur), so trat in der Moderne da, wo jener Glaube an Gott und Transzendenz aufgegeben wurde, alternativ nun das Globale als Gültigkeitskriterium an die Stelle des Universalen, während dort, wo der Glaube an Gott bestehen blieb oder bleibt, nun das irdisch Globale, die Weltgeltung, die neue eher anthropozentrische Ethik und Wissenschaft als neue Dimension des Irdischen und der irdischen Gültigkeit und Verantwortlichkeit hinzu kommt. Deswegen ist es bereits schwierig, auch nur die Schwierigkeit einer Definition zu erkennen, und erst recht zu versuchen, sie zu verstehen. Denn es gilt nicht nur diese schwierige Correlation von Intension und Extension - nicht nur im Faschismus - zu verstehen, was ich in den oben benutzten Begriffen wie Neid und Eklektizismus andeuten wollte, sondern auch die Schwierigkeit der Klärung zu umreißen, was man als neues Verhältnis von anthropozentrischer Ethik und Wissenschaftlichkeit als Globalisierung des Sozialen und Individuellen mit dem Universalen des Menschen in seinem Verhältnis zu Gott versteht. Ohne Zweifel wurden (und werden je nach Bildung noch immer) im Denken und in der Begrifflichkeit aller Sprachen diese beiden extensionalen Aspekte des Menschen und jeder Gemeinschaft, was wir heute als das anthropozentrisch Globale oder Internationale einerseits und das transzendent Universale andererseits unterscheiden, weitgehend zusammengedacht und gleichgesetzt.

Mit dem kurzen geschichtlichen Abstand von nur 60 Jahren von jener Entgleisung alles Menschlichen der Weltkriege entfernt ist es noch zusätzlich schwierig, einmal die fast religiöse und als solche auch forcierte Dimension des Faschismus und zum anderen diese Rivalität und Konfrontation anthropozentrisch wissenschaftlicher Konsequenz im Bewußtsein der Aufklärung mit der universalen Ethik und Verantwortung in der traditionell überlieferten jeweiligen Religionsform analythisch schon zu verstehen.

Wie es der evangelische Präses und Bischof Kurt Scharf als Vermächtnis und Forderung bereits formulierte und bis zum Ende seiner Tage forderte, muß und kann heute jene Konfusion bereits intellektuell bewältigt werden, die mit diesen beiden unterschiedlichen in früherer Theologie und Wissenschaft meist zusammen oder sich gegenseitig disjunktiv einander ausschließend gedachten Universalitäten noch immer besteht, daß sich also Glaube und Wissenschaft, bzw. Aufklärung und Glaube, Globalität und Universalität einander ausschließen, als Gut oder Böse einander bekämpfen oder das Gleiche bedeuten.

Obwohl man, um eine einfache alltägliche oder eine offizielle politische Rede, Handlung oder Haltung, ja auch auch eine Verfassung oder Rechtsprechung einer Nation verstehen zu können, diese verschiedenen Aspekte sehr wohl unterscheiden muß, sind sie aber nicht voneinander zu trennen sondern sind als absurde Konfusion oder vernünftiges Verhältnis miteinander immer zugleich - und zwar einander bedingend - gegenwärtig.

Und ein vernünftiges Miteinander der Menschen und Völker bedarf einer klaren Begrifflichkeit. Das kann natürlich nicht bedeuten und könnte gar nicht funktionieren, unser Leben auf den Leisten nur der oben genannten Begrifflichkeit von Intension und Extension der individuellen, nationalen, globalen bis universalen Intention zu schlagen, es gilt vielmehr, jeweils auch die vielen anderen Kriterien mit ihren eigenen funktionalen Möglichkeiten und Grenzen innerhalb solcher Begrifflichkeit zu verstehen, nach denen wir handeln und urteilen.

Es sind dabei gerade die Selbstverständlichkeiten im Selbstverständnis von Menschen und Nationen, die solche Vielschichtigkeit verdecken und dann gerade zu konfusen Vereinfachungen verleiten, wenn man die Korrelation z.B. zwischen den beiden Kriterien übersieht, wieweit eine nationale Struktur durch Gesetzgebung, Bildungs- und Sozialstruktur, Sprache, Religion, Tradition usw. das Individuum bestimmt und damit im Ergebnis als intensionale Struktur zu verstehen wäre einerseits, und wieweit andererseits jedes einzelne Individuum umgekehrt - also extensional - jene nationale Struktur bestimmt hat und bestimmt und ausfüllt und so verstanden wird, und man dazu auch noch die vielen anderen Schichten noch innerhalb jener Begriffe ignoriert und man statt dessen eine Nation z.B. nur als Territorium mit Bevölkerung und gemeinsamer Sprache definiert, wonach es dann so scheinen könnte, als ob die Existenz der Nation nur aus diesen drei Kriterien resultiere.

 

Man kann sich dieses verdeutlichen, wenn man sich vorstellt, was jemand unternehmen könnte oder müßte, der sich radikal zum „Diener einer Sprache“ erklärt: Dieser könnte dazu alle Mittel anwenden, von Gewalt, Verfolgung, Repressionen angefangen bis zur totalen Kommunikations- bis Gedankenkontrolle. Wir würden diesen Menschen sicher bald zu den Wahnsinnigen rechnen. Man kann sich aber an diesem Beispiel weiterhin verdeutlichen, daß er dieses mit echtem Idealismus betreiben würde, auch wenn man sich vorstellt, daß jener „Diener der Sprache“ - wie einst die Sandinisten in Nikaragua - bald die Hälfte der Bevölkerung wegen Sprachvergehen eingesperrt, diskriminiert oder außer Landes getrieben hätte.

Aber man könnte z.B. jenem offensichtlich wahnsinnigen „Diener der Sprache“ auch nicht entgegenhalten, daß es so etwas wie seine verkürzte Vorstellung von Sprache wie die Existenz einer Sprache, sprachliche Falschheit und Richtigkeit oder eine Legitimität einer Sprache gar nicht gäbe. Er würde uns ganz zurecht entgegenhalten, daß in jedem modernen Staat ohnehin bereits Karriere und Lebenslauf eines Menschen nach solchen Kriterien entschieden wird, ob er die jeweilige Landessprache richtig benutzen kann.

Und noch schwieriger als die Definition der Entität von Sprache oder/und Zahlen und deren ja gemeinsamen Gebrauchsregeln, Konventionen, Richtigkeiten und Falschheiten jeweiliger Gemeinschaft von Menschen ist die Definition dieses Aspektes einer modernen Nation, die sich im Praemodernen hauptsächlich als Eigentum von Potentaten definierte und legitimierte. Und zwar deswegen noch schwieriger, weil sich dabei im Gegensatz zur Sprache eben gerade das empirisch Konkretisierbare einer modernen Nation wie Bevölkerung, Territorium und Grenze einem Verständnis der Schwierigkeit solcher Definition in den Weg stellt.

 

Wenn nämlich die Wirklichkeit und das Wie und Wie-Nicht einer Sprache samt der Zahlen auch evident ist, so wäre es z.B. offensichtlich unsinnig, die Existenz einer bestimmten Sprache nur mit der oder als die zufällige öffentlich bekannte Existenz einer Enzyklopädie, einer aufgeschriebenen Grammatik oder eines Mathematiklehrbuchs zu begründen. Denn ohne Zweifel sind z.B. der deutsche "Duden" für die deutsche oder der englische "Webster" für die englische Sprache nur die Beschreibungen der jeweiligen Sprachen, die auch ohne Duden, Webster, oder „Adam Riese“ existieren würden. Man würde vielleicht sagen, die jeweilige Sprache existiert in den Köpfen derjenigen, die sie sprechen. Die gleiche jeweilige Sprache als Entität müßte dabei als Duplikat in den Köpfen all der Menschen existieren, die sie sprechen. Vielleicht gelingt es den Medizinern in einigen Jahrhundert im zerebralen Sprachzentrum unseres Gehirns so etwas wie eine speicherfähige CD mit den Laut- und Schriftbildern von Wortschatz, Grammatik- und Mathematikregeln und jeweiligen Konventionen zu finden. Spätestens dann allerdings würde die Schwierigkeit schon deutlich, wie man den Zusammenhang des jeweils gemeinten mit der jeweiligen Bezeichnung empirisch nachweisen wollte, der eben nicht empirisch sein kann und damit auch keine empirisch nachweisbare Existenz besitzen kann. Bei dem Gesang einer Nachtigall dagegen könnte man mit einer bestimmten Berechtigung davon ausgehen, daß er die Folge einer bestimmten Genstruktur ist, so daß man den bestimmten Gesang als ein empirisch nachweisbares Rassemerkmal oder als ein Rasseprofil bezeichnen könnte, so daß z.B. ein Gentechniker durchaus eine Nachtigall züchten könnte, die wie eine Schwalbe zwitschert.

Der faschistische Vulgärdarwinismus war bezüglich der Legitimität der eigenen Nation gewissermaßen auf ein analog ähnliches genetisches Verständnis angewiesen, weil er die empirischen Kriterien einer Nation wie Bereich und Grenzen, wie sie bestanden, nicht akzeptieren wollte. Und spätestens dadurch, nämlich durch die Hitler-Stalin-Verträge wurde die Fragwürdigkeit der scheinbar sicheren empirischen und natürlichen Kriterien für die Existenz einer bestimmten Nation deutlich, als man mit den Grenzen die polnische Nation einfach beseitigen wollte. Aber mehr noch wurde dadurch auf faschistischer Seite die Unhaltbarkeit einer genetischen Definition des Nationalen deutlich, was als Unhaltbarkeit in dem Begriff Eindeutschung enthalten ist.

wie es zwar unsinnig wäre, mit einer Verfassung oder Landkarte die Existenz eines Staates zu begründen.

 

Zudem, eben weil ursprünglich wie geschichtlich selbstverständlich, wurde und konnte wegen der schwierigen ungeklärten Definition des Selbstverständlichen des Selbstverständnisses auch nicht die weitere logische, theologische, philosophische wie ethische Schwierigkeit zur Sprache kommen, wie eine demokratische oder sonstwie hergestellte Mehrheit mit der ja weiterhin bestehenden Religiösität der Menschen als Volkeswille zugleich Gottes Wille sein kann und wann nicht, was eben dazu führen konnte und kann, beides einander gleichzusetzen.

Besonders interessant ist hierbei das Verhalten der „Zeugen Jehovas“, die sich sowohl jeder demokratischen Zustimmung wie auch Ablehnung zu enthalten versuchen und genau dadurch den Ausgang von Wahlen dennoch mitverantworten müssen.

Was an der Demokratie auf den britischen Inseln ursprünglich eher nüchtern gewährtes oder erkämpftes Zugeständnis an sehr konkreten Rechten war, wurde so auf dem Kontinent - zuerst in Frankreich - zur modernen Weltanschauung aber im Bereich der oben genannten eigentlich selbstverständlichen Aspekte menschlichen Zusammenlebens und Gerangels mit der nun nur durch Territorium und Grenze legitimierten Entität oder Individualität.

Man kann sicher sagen, daß es diese Verlegenheit war, weswegen die Faschisten zu der gerade im Rassengemisch Deutschland absurden Vorstellung einer deutschen Rasse kamen, weil sich eben allein durch Territorium und Grenzen nicht die Qualität der Bewohner und die Existenz von eigener Nation begründen läßt.

 

Eine bis heute normale „objektive“ Definition der „objektivierbaren“ Seiten des modernen Staates will ich als allgemein bekannt und akzeptiert hier voraussetzen. (Siehe beiliegende Zusammenfassung von Prof. Dr. F. Fürstenberg, in der angesichts der übergeordneten Wesenheit des Staates menschliche Gefühle wie Ehre und Schande, Schmach und Genugtuung, Streben, Leben und Tod usw. von untergeordneter Bedeutung sind, was auch dazu führt, die bestehenden Absurditäten, wie sie schon Erasmus im 16 Jahrhundert aufzählte, ohne sie abändern zu wollen, einfach zu ignorieren, die zu benennen allerdings damals wie heute wohl das Ende jeder politischen und gesellschaftlichen Karriere bedeutet.)

 

Mit diesen normalen bis abnormen Gefühlen macht sich zugleich der immer nur subjektive Aspekt der politischen Katastrophe zum Thema, der sich weder philosophisch, noch wissenschaftlich oder politisch objektivieren läßt und angesichts objektiver Tatsachen und faschistischer Programme und Dokumente, die wir Schwarz auf Weiß als Belege vorzeigen können, leicht in den Hintergrund geraten. Zudem aber Gefühle, die im normalen Alltag auch eines aktiven SSlers oder Soldaten nur einen kleinen Teil des ganzen menschlichen Sentiments ausmachen. Man feierte schließlich „normal“ Weihnachten, Ostern und Geburtstag in der Wüste wie in Stalingrad und Buchenwald.

Und es scheint auch eher nur Spekulation sein zu können, wenn wir von einem Gefühl ausgehen, aus dem heraus es erst z.B. zu den objektiven Sätzen in Hitlers „Mein Kampf“ und dem ganzen Desaster des 2. Weltkriegs kommen konnte.

 

Gerade angesichts der Globalisierung wird aber genau dieser bislang undefinierte Gefühlsaspekt nationaler Identität interessant, der in vielen Facetten faschistische Züge und Abnormitäten annehmen und „rechtfertigen“ kann, die sich keineswegs unbedingt mit Hakenkreuz und Schnauzbärtchen kenntlich machen müssen.

 

Daß die Faschisten den englischen und für alle Welt ursprünglich initiierenden und vorbildlichen Parlamentarismus übersahen oder als Schwäche verneinten, hat natürlich rein geschichtlich auch etwas mit der noch jungen, ungewohnten eigenen und recht negativen Erfahrung mit Demokratie zu tun, lag aber im Wesentlichen daran, daß damals wie heute Demokratie keineswegs und schon gar nicht eine ethische Legitimation eines Staates war und ist. Demokratie gar als ethisches Vorzeichen und ethische Verpflichtung eines Staates nach Innen und Außen, wie sie im Utopia von Thomas Morus, einem Freund des Erasmus, schon im 16. Jahrhundert formuliert wird, ist selbst als Forderung realpolitisch gesehen eine junge Nachkriegserscheinung - eigentlich erst der Gegenwart, die sich als Programm heute an den Namen Gorbatschow, Clinton, Toni Blair, Joschka Fischer, Mandela, Kostunica und Djindjic zwar festmachen lassen.

 

Der Staat als ethische Legitimation, der Staat als Ursache von Verbrechen.

Daß im allgemeinen Hegemonialwahn nach dem 1. Weltkrieg noch - angesichts der Alternative Erfolg oder Niederlage, Ehre oder Schmach, Fressen oder Gefressenwerden moralische Bedenken als Schwäche, als fehlende Loyalität und als mangelnder Patriotismus und damit auch als mangelnde Moral gepredigt, empfunden, geglaubt und natürlich auch bestraft wurde, führt ja über die recht einfache Frage, >Erfolg und Ehre, bzw. Erfolg als Ehre für wen oder was<  zu der ebenfalls scheinbar ganz naheliegenden und scheinbar einfachen Antwort >nämlich für den König oder Führer, für`s Vaterland, für die Nation, für die christlichen Werte usw.< zugleich, besonders für Deutsche, zu der eigentlich schwierigsten Frage moderner Zivilisation in Europa, wie sich damals unser christlicher Glaube bzw. unsere christliche Ethik und Tradition als abendländisches und jeweils nationales Elitebewußtsein „höherer ethischer Qualität und Legitimität“ mit den Absurditäten einerseits und der Barbarei der Kolonialisation, der endlosen Kriege und schließlich der Weltkriege andererseits vereinbaren ließen, da unser Vorbild Jesus ja eindeutig ein gegenteiliges Verhalten verlangt.

Denn besonders als Deutscher ist es einsichtig, daß die Deutschen der wohl frommsten, ordentlichsten und vielleicht sogar gebildetsten Nation durch jenen Diktator Hitler wohl kaum so ganz plötzlich zu schlechteren und unchristlichen, gottlosen Menschen und Idioten wurden. Denn es waren ja die Juden, die sich wie Jesus verhielten und ganz ohne Spekulation auf irgendeinen Märtyrergewinn zur Schlachtbank führen ließen, was bis heute keiner versteht.

 

Natürlich gibt es die zu einfachen Antworten:

Þ Von den „Zeugen Jehovas“ derart, daß seit Constantin alle christlichen Kirchen versagt hätten und in die Hand des Teufels gerieten und zum Werkzeug des Teufels wurden.

Þ Kritiker wie Angehörige aller Religionen behaupten, daß die jeweilige Religion und der jeweilige Glaube bereits immer politisch für irgendwelche Machtinteressen instrumentalisiert und mißbraucht wurden, wobei die Ersteren jede Religion und Letztere jede Politik für das eigentliche Übel halten.

Þ Christen aller Konfessionen und Nationen empfanden - und glaubten dies auch - , daß es christliches Gebot sei, sich dem Staat unterzuordnen, der von Gott jeweils verordnen sei.

Þ Die Linken behaupten, daß Hitler zum Lakaien der Großindustrie wurde, und daß der Faschismus das wahre und zwar häßlichste Gesicht des Kapitalismus sei und sich als solches gezeigt habe.

Þ Kosmopoliten, Liberale und Kapitalisten behaupten sogar selbstkritisch, daß im Gegenteil oder zugleich die Industrie und das Kapital zum Lakaien Hitlers, des Staates und des Nationalsozialismus geworden seien, was in Zukunft generell nur durch eine industrielle Globalisierung zu verhindern sei.

Þ Nicht zuletzt kennen wir das verbreitetste Argument, daß Staatstreue und die Anerkennung von Recht und Ordnung zum normalen Anstand und zu den selbstverständlichen Grundpfeilern jeder und auch der christlichen Zivilisation gehören, und daß die Kriege und Staatverbrechen nur die Fehlleistungen der Staatsführer seien, wovor sich der moderne und mündige Mensch als Schutz davor, potentieller Täter wie auch potentielles Opfer zu werden, nur durch Demokratie, demokratische Kontrolle und Mitbestimmung schützen könne.

Þ Die mit der Aufzählung bereits dargestellte Vielschichtigkeit findet sich nicht minder treffend wie ungenau in dem Argument gegen Faschismus und in der allgemeinen Beobachtung besonders neofaschistischer Erscheinungen wieder, wonach dieses wie eine Krankheit sowohl Ursache wie Folge chauvinistischen Charakters und Denkens sei.

Þ Ich persönlich wachte auf unserer Erde 1933 - d.h. bewußt wahrscheinlich 10 bis 20 Jahre später - noch in Verhältnissen mit einem ähnlichen entsprechend chauvinistischen Selbstverständnis des Mannes auf, in denen nicht nur in Deutschland und nicht nur bei Faschisten und keineswegs nur bei Männern, sondern gerade bei Frauen, denen faktisch mit der Ehe tatsächlich ihr Eigentum genommen wurde, ein solcher Chauvinismus als männlich und erstrebens- und besonders liebenswert galt, wodurch die Kriege erst möglich wurden.

Þ Die Kunstwissenschaften haben bezüglich faschistischer Kunstdoktrin nach dem 2. Weltkrieg trotz löblicher Parteinahme gegen den Faschismus im Prinzip hauptsächlich Ästhetisch-Rhetorisches und Polemisches aber kaum Analytisches hervorgebracht.

 

 

Aber wenn auch all die oben skizzierten Antworten, zu denen ich noch weitere Kausalitäten und noch weitere Schichten unseres Selbstverständnisses hinzufügen muß, ihre Richtigkeit und sicher ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen haben, so wäre z.B. mit dem Begriff „Chauvinismus“, den wir als Umschreibung einer bestimmten Art von Männlichkeit kennen, die es überall gibt, weder der historische Faschismus noch der Neofaschismus bereits verstanden.

 

Wenn wir nun ganz einfach fragen, wie es für ein Geschehen überhaupt so viele und noch viel mehr unterschiedliche und sogar gegensätzliche und mehr oder weniger richtige Gründe für ein bestimmtes geschichtliches Geschehen geben kann, dann erklärt sich das zum einen natürlich dadurch, daß eben viele unterschiedliche Menschen an so einem Prozeß des Geschehens beteiligt sind, wie dann natürlich auch an dem Prozeß des nachträglichen Verstehens, zum anderen natürlich dadurch, daß das menschliche Verhalten auch eines einzigen Menschen auf ein sehr vielschichtiges Selbstverständnis zurückzuführen ist.

Die Vielschichtigkeit kann man systematisch oder kategorisch zurückführen auf oder begründen z.B. mit der ontischen, physischen, psychischen, sozialen und gesellschaftlichen unterbewußten und bewußten Kategorie samt der in dieser Weise oder jener Weise durch Erziehung, Schule, Erfahrung und Lebensumstände zufällig entstandenen jeweiligen Lebenskonzeption.

Ich glaube, ein Menschenleben würde nicht ausreichen, alle Bücher zu lesen, die unser Handeln und besonders den Faschismus derart zu erklären ansetzen.

 

Kasten

Konklusion

Wegen der aktuellen und von aller Welt ohne Zweifel aber zu Unrecht sehr lächerlich empfundenen Diskussion der Deutschen, ob man auf seine Nationalität stolz sein könne und was das bedeute, und da die folgende Analyse solcher verschiedenen Schichten unseres Selbstverständnisses als Antwort auch darauf langwierig und schwierig ist, will ich das Resultat schon vorwegnehmen, was man heute vielleicht als

„.Paradigmenwechsel durch Begriffsbildung“ überschreiben würde.

Die ethische Katastrophe ist als Katastrophe der Weltkriege kaum vom Ethischen einer heutigen Position her zu verstehen, wie es versucht wird. Man müßte dann aus heutiger Sicht z.B. den auf allen Seiten bis heute noch sehr populären Afrikakrieg als einen Streit von Kriminellen untereinander auf gestohlenem Boden um die Beute sehen. Churchill kämpfte nach seinen eigenen Worten um sein zusammengeraubtes Weltreich, so auch Frankreich, diese beiden teils gegeneinander aber am Ende miteinander gegen die Absicht Hitlers, sich ebenfalls ein deutsches Weltreich zu „schaffen“. Es wäre absurd undmißverständlich, Churchill, De Gaulle, Rommel, Duce und die Millionen beteiligten Soldaten neben Hitler einfach als Kriminelle zu sehen. Auf allen Seiten war solche Moral undenkbar und wäre als Demoralisierung wahrscheinlich mit dem Tod bestraft worden. Nach Hitlers Ansicht hatte die ethisch orientierte Weimarer Demokratie nur dazu geführt, sich den Wölfen auszuliefern, die in den Demokratien in England und Frankreich eben das Böse gegen Deutschland beschlossen. Man kann sich eben durchaus auch eine demokratische Räuberbande vorstellen, in der das Kriminelle die Mehrheit bildet. Roosevelt und die meisten amerikanischen Soldaten führten ihren Krieg sicher mit der Vorstellung, für das Gute gegen das Böse zu kämpfen. Aber bereits Eisenhauer käme heute zusammen mit Hitler, Stalin, Churchill, De Gaulle und Duce vor das Haagener Kriegsverbrechertribunal.

Daß solche rein ethische Betrachtungsweise nach heutigem Standart damals nirgendwo und bestenfalls in sozialistischen Ländern möglich war, ist das Problem.

Wie ich in meinem Aufsatz über die Haut und weiter unten mit dem freundlicheren Vergleich zwischen dem typisch kontinentalen und dem typisch britischen Inseldenken noch zu verdeutlichen versuche, muß man zwar jede und gerade diese noch junge und unvorstellbar grausame jüngste Vergangenheit mit solchen heutigen Augen sehen, aber man kann sie derart weder verstehen noch eine Wiederholung verhindern, wenn ich richtig voraussetze, daß die Menschen in den letzten 50 bis hundert Jahren weder besser noch schlechter geworden sind.

Zu verstehen gilt nämlich das, was der englische Philosoph Bertrand Russell scheinbar ganz abwegig als ein grammatisches Problem bezeichnet: Wenn wir heute ganz selbstverständlich den Staat so definieren, daß von einem Territorium ausgehend Recht und Ordnung, Macht, Kultur, Sprache, Außenpolitik usw und selbst der patriotische Stolz auf sein Land legitimiert und zugeordnet ist, und zwar auch als modernes Selbstverständnis so steht dem ein altes archaisches ganz „natürliches“ und sogar ontisch mit unserem Denken und Denkvermögen verknüpftes Selbstverständnis immer zugleich gegenüber, mit dem sowohl die eigene Existenz wie die Verfügungsmöglichkeit und -gewalt und der Verfügungsbereich - auch der territoriale - ganz gegenteilig erst die Folge von Leben, Erfolg, Macht, Ordnung, Sprache usw. ist. Russell würde sogar behaupten, daß Ersteres ohne das Letztere nicht lebensfähig wäre, und zwar, weil es langweilig wäre.

Dieses ontisch und genuin aber dennoch archaische Lebensprinzip, das bereits im Mutterleib mit der ersten Zellteilung beginnt, alles andere als Nichtich mit der eigenen Körperlichkeit zu verdrängen und das mit dieser Fähigkeit auch erst lebensfähig ist, wobei dann später der Verfügungsraum oder Verfügungsbereich utilitär durchaus auch auf andere Lebewesen und auch über andere Menschen ausweitet, vergleiche ich weiter unten bewußt kritisch mit dem Verhalten der Affen im Affenstall oder der Hühner auf dem Hühnerhof, wo sich die Sozialisation nach dem Prinzip der Hackordnung gestaltet. Völlig mißverständlich nennt man dieses Gerangel heute angesichts der Globalisierung „Neoliberalismus“. Nach diesem archaischen Prinzip entstanden und bestehen Sprachen, Kulturen, Konventionen, aber auch die meisten heutigen Staaten und Nationen.

Selbst im heutigen Selbstverständnis würde man ein Kind, das sich seinen eigenen Bereich nicht erkämpfen und behaupten kann oder will, als Fehlentwicklung und als krank bezeichnen; ich werde im Folgenden einen solchen Menschen als Mensch-X oder Kultur-X bezeichnen.

Die Raub- und Eroberungszüge der Hunnen, Goten, Wickinger, Franken und später die der Kolonialmächte betätigten sich ohne Zweifel als Räuber, Mörder und Kriminelle, aber sie trafen überall auf Sozialgebilde, die keineswegs nach heutigem Maß unschuldig waren sondern nach dem gleichen archaischen Prinzip entstanden waren und bestanden. Schließlich war die Welt einst von Afrika aus erobert worden, wie wir heute wissen.

Was aber ein menschlicheres, ethisch bestimmtes wie das moderne Staatsbewußtsein eigentlich bedeutet und wie sich dieses mit dem ontisch wie genuin diesem zugrundeliegenden Existential vereinbaren läßt, ist seit etwa 5000 Jahren das Anliegen der großen Philosophien und Religionen

Um zu verstehen, müssen wir versuchen, uns in das alte Selbstverständnis hineinzudenken, das natürlich die ganze Begrifflichkeit umfaßt und das Gerangel auch im modernen Alltag noch bestimmt.

 

Die Begriffe Empirie Freiheit und Verantwortung.

Als weiteres aber noch grundsätzlicheres aber ähnliches modernes Phänomen von Problematik kommt natürlich hinzu, was im Folgenden zu den wichtigsten Argumenten gehören wird, daß die Handlung des Menschen trotz einer bestimmter Struktur und Veranlagung nicht nur als und als Folge solcher Struktur und Veranlagung, Erziehung usw. empirisch verstehbar ist, denn der Mensch ist kein Automat, wie er zudem auch nicht allein als Folge seiner jeweiligen eigenen Logik und Vernunft bzw. Unvernunft empirisch und empirisch verstehbar handelt, sondern daß er sich - wie übrigens in den meisten Fällen irgendwelcher Bewegungen und Handlungen - spontan und eben auch ganz willkürlich so oder so verhält, - ob man z.B. einen Bleistift zuerst oben oder unten anfaßt, ob man das Gute tut und das Böse läßt oder umgekehrt, wofür man vor sich, vor den Mitmenschen und vor Gott verantwortlich ist. Dennoch können wir einen Menschen in seiner ganzen jeweiligen Komplexität erkennen, so daß, wie schon gesagt, ein Mensch einer bestimmten Region den Menschen einer anderen Region anhand von Aussprache und Gestus einordnen kann.

 

Der Teufelskreis des Bösen.

Wir sehen aber an dieser Komplexität ganz deutlich das Bild der russischen Mamutschka, wie sich z.B. solcher Chauvinismus im Denken, Handeln, in der Familie, im Staat wie dann auch im internationalen zwischenstaatlichen Verhalten und Verhältnis erkennen läßt. Und die Tatsache, daß der betagte deutsche Duden auch heute noch - ganz wörtlich - Chauvinismus als gesteigertes Selbstbewußtsein definiert, zeigt nur zu deutlich, wie unverstanden auch heute noch dieses Abhängigkeitsverhältnis der verschiedenen russischen Puppen untereinander ist, ob die Verhältnisse, ob die Gesellschaft als die „objektive Natur“ verstanden, in der ja nun unzweifelhaft der Stärkere, Reichere, Gebildetere und noch immer wohl ganz eindeutig der Mann gegenüber dem Schwächeren, Ärmeren, Ungebildeteren und gegenüber der Frau alle Vorteile hat, unser Denken und unser subjektives Selbstverständnis bestimmt, entgegen der wohl logischeren - aber eben nur logischen - Antithese, daß es nicht die Verhältnisse sind sondern das Denken und das Selbstverständnis des Menschen, aus dem solche unmenschlichen Verhältnisse resultieren, dem ja unser christliches Weltbild entgegensteht oder entgegenstehen sollte.

 

Mensch und Gesellschaft.

Die angedeutete Vielschichtigkeit jeder menschlichen Problematik bei der unüberschaubaren Anzahl verschiedener Aspekte menschlichen Verhaltens akkumuliert im konkreten Alltag sowohl im privaten wie im politischen Denken von selbst und ohne Systematik seit je, aber seit der Modernen der Demokratien einerseits und der auch für die Allgemeinheit geforderten Selbstbestimmung und individuellen Freiheit andererseits, auch explizit zu dieser relativ einfachen Dualität von Mensch und Gesellschaft, Individuum und Staat, Privatheit und Öffentlichkeit.

So ist es real. Und ohne Zweifel gibt es ja auch diese beiden Aspekte, die wir aber nicht mit unseren beiden Koordinaten Subjekt-Objekt verwechseln sollten, die ja ebenfalls bereits eine Vereinfachung in unserem normalen Denken bedeuten. Mit dieser im modernen Staats- und Nationsbewußtsein naheliegenden aber vordergründigen Sichtweise vereinfacht sich die Problematik selbst natürlich nicht sondern führt im Gegenteil nicht nur im Verständnis sondern erst recht in einem daraus resultierenden Verhalten des Menschen und der Politik - als Vertretung der Gesellschaft „und/oder“ als Vertretung des privaten Menschen verstanden - zu merkwürdigen Absurditäten in unseren logischen, politischen, philosophischen, ethischen und religiösen Selbstverständnis und Verhalten - und zwar ungewollt, fast unbemerkt und kaum vorhersehbar. Und gerade wo wir z.B. bereits diese beiden sicher wichtigen und wesentlichen Gesichtspunkte jeder modernen Gesellschaftsordnung, nämlich Mensch und Gesellschaft gedankenlos mit jenen Koordinaten Subjekt und Objekt, bzw. Subjektivität und Objektivität nur einfach vermischen, verwechseln oder gleichsetzen, sind wir schon latentes Opfer einer solchen Absurdität, wenn dabei der Mensch als das Subjekt, als das Subjektive, Zufällige, Ungenaue und dazu Sterbliche Opfer des Staates wird, der dabei als das Objektive, Wissenschaftlich-Erfaßbare, Empirisch-Reale quasi als Übermensch gedacht und dann angewandt werden kann, zu etwas, das dem Menschen übergeordnet ist und dem der Mensch dann auch geopfert werden kann.

 

Daß nämlich allein schon in dieser Dualität von Mensch und Gesellschaft gedacht ein Übel sowohl die Ursache wie aber auch zugleich die Folge  von einem Übel sein kann und als solches gedacht werden kann und auch gedacht wird, ist bereits für sich allein schon das beste Beispiel von einem Teufelskreis, indem sich das Böse verstärkt, und in den ganz Europa und praktisch die ganze Welt hineingeraten war. Der Mensch als Produkt der Gesellschaft verstanden würde böse durch eine böse Gesellschaft.

Und ehe ich die Schwierigkeit und die Notwendigkeit, die eigentliche christliche Menschlichkeit gegen solchen chauvinistischen Realismus und Darwinismus zu vertreten, beschreibe, sollte ich nochmal das gewichtige marxistisch-leninistische Argument des vorigen Jahrhunderts gegen den Subjektivismus, gegen den Glauben und gegen die Kirchen betonen, wie es heute noch weit verbreitet ist, wonach es die Starken, Reichen und Mächtigen - also die Winner - sind, die den Armen und Untertanen den christlichen oder islamischen Glauben nur deswegen predigen und durch bestallte Kirchen predigen lassen, um ihre eigenen Privilegien zu schützen und um das Volk in Wohlverhalten, Untertänigkeit und Selbstaufopferung zu halten, was sicher auch faktisch weitgehend das mehr oder weniger heimliche aber durchschaubare Motiv war, Kirche, religiöse Unterweisung und Religion staatlich zu fördern und zu finanzieren. Man ersparte sich dadurch Kritik, Widerstand, Aufstand, Revolution, Enteignung und entsprechende Schwierigkeiten, und man sparte dadurch an Polizei und Militär.

Es wäre weltfremd, solches ganz zu bestreiten. So ist denn der Kommunismus, welcher Variation auch immer, die typisch dialektische Mischung aus typisch britischem Realismus und kontinentaler aber irrationaler Romantik, was ich noch etwas eingehender miteinander vergleichen möchte, ohne aber bis heute eine andere als nur die empiristisch-logische Grundlage zu haben, nach der ein Staat nicht anders als der Mensch

à  einerseits, und zwar in typisch britischer Nüchternheit und Sachlichkeit, eine berechenbare Sache innerhalb einer natürlichen mehr oder weniger berechenbaren Natur ist und auch so behandelt wird,

à  während andererseits die eigentlich unnatürliche und romantische Zielvorstellung einer menschlicheren Welt, eines humanen und gerechten Staates und eines daraus resultierenden menschlichen und nicht-unmenschlichen Menschen, nämlich des Kommunisten, zwar selbstverständlich ist aber im wissenschaftlichen Kommunismus als Lehre ohne Begründung blieb.

Die Unmenschlichkeit des Menschen als Produkt ungerechter und unmenschlicher Verhältnisse, wie sie ja am Anfang des 20. Jahrhunderts nun tatsächlich bestanden, sollte dadurch beseitigt und in Menschlichkeit verwandelt werden, daß man zuerst gerechte und menschliche Verhältnisse herstellt, wonach dann auch der Mensch menschlich sein könne und dann merkwürdiger Weise auch sein würde, was eine löbliche aber keineswegs damit auch begründete Theorie, Hoffnung oder Prämisse ist, - in der Realisation wäre es aber mit den Menschewiki kaum weniger blutig und kriegerisch hergegangen als es den Bolschewiki geschah, um sich an der Macht zu halten. Man sollte ja auch nicht verkennen, daß die übrige Welt der Starken, Mächtigen und Reichen in panische Angst geriet, daß solcher Versuch dennoch gelingen könnte, und was sie zu hindern und auch militärisch und in jeder Weise zu verhindern suchte, wo immer es ging.

In einem Bilderbuch würde man die Weltgeschichte des vergangenen modernen Jahrhunderts nun etwa so schildern, als ginge es hier um zwei Personalitäten, daß nämlich der Staat nun das böse und unzuverlässige Subjekt mit Gewalt, Bedrohung, Erpressung und Verlockungen zum untertänigen Wohlverhalten zwang, in der UDSSR genau so wie im Faschismus Europas wie dann auch im folgenden „Kalten Krieg“ auf allen Seiten, wo dann weiter im Namen des Staates auf beiden Seiten, im Osten wie im Westen, wie aber besonders in der sog. 3. Welt, in Armenien, in Spanien, Griechenland, Indochina, Afrika, China, aber auch in den Kernländern der UDSSR, Europas und Amerikas dem Menschen, d.h. dem Subjekt unvorstellbares Leid angetan wurde, wobei „der Staat“ auf allen Seiten im Kampf für eine bessere Welt immer martialischer wurde und vor Waffen so strotzte, daß man damit auf allen Seiten nicht  nur viele Millionen Menschen getötet hat, sondern die ganze Menschheit tausend Mal hätte vernichten können.

 

 

Staat, Subsidiarität, Sprache und Wissenschaft.

 

Obwohl es wohl schwierig ist, ohne den oben schon genannten Paradigmenwechsel einer Begriffsbildung von einer geistigen Entwicklung - und zwar zum Besseren und Richtigeren hin - zu sprechen, wie ich es geradezu beschwöre und beteuere, und obwohl es falsch wäre, von einem Mehr oder Weniger an Entwicklung auf dem Kontinent oder auf den Inseln wie z.B. Großbritanien oder Australien, Cuba oder Madagaska zu sprechen, so will ich bei dem dennoch bezüglich des unbezweifelbaren und ja unglaublichen Entwicklungsschubs des vergangenen Jahrhunderts, wie ihn die Menschheit nie erlebt hat, (als sei in der Tat der Krieg der Vater aller Dinge,) aber aus einem ganz anderen Grund bei allem einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Insel und Kontinent fokussieren, wie er sich unterschiedlich im Denken und Verhalten über das und als das Verhältnis von Staat und Subjekt ergab und ergibt, und zwar deswegen, weil sich die Menschheit, wie gesagt, mit einem unaufhaltbaren Tempo auf eine Situation zubewegt, die eben der einer Insel entspricht, nämlich einer Menschengemeinschaft auf der Insel Erde. Und dieses geschieht weit radikaler, als es sich Hobbes vorstellen konnte, wobei auch das z.B. besonders Typisch-Britische oder Typisch-Australische, Cubanische usw. weit radikaler auftreten wird, als in den genannten Inselstaaten, die durch vielerlei Interessen und Querverbindungen und Bindungen vom jeweiligen Festland stark beeinflußt waren und sind, und wodurch sich dieser Unterschied weitgehend sogar ausglich oder verdeckte.

Denn spätestens seit dem ersten Sputnik ergibt sich die Frage, in welcher berechtigten und richtigen wie unberechtigten weil irrigen Weise beeinflußt das unabänderliche und ja auch „natürliche“ und nur mit großem Aufwand zu überwindende geographische Begrenztsein der menschlichen Lebenswelt und unserer menschlichen und irdischen Existenz unser Denken und Handeln in der Zukunft bzw. in der Organisierung und Vorbereitung der Zukunft, was ja bereits Thema jeder Parlamentsdebatte ist, sei es in den vereinten Nationen oder in den nationalen und regionalen Parlamenten und was als inzwischen globalisierte internationale Antiglobalisierungsbewegung von sich reden macht.

 

Die im Gegensatz zum nüchternen Rationalismus und Pragmatismus z.B. britischen Denkens einst fast religiöse Irrationalität kommunistischer Romantik als Ziel und Traum einer besseren und heilen Welt und zwar als selbstverständliches Selbstverständnis einerseits und Doktrin andererseits resultierte aus der tatsächlich fehlenden natürlichen Grenze eines wissenschaftlichen Anspruchs einerseits und der deswegen fehlenden Definition einer Grenze, - zwischen Staaten ebenso wie zwischen Menschen und zwischen Natur und Mensch, Objekt und Mensch und Staat und Mensch, weswegen in der UDSSR definierte Regionen ganz logisch zentralistisch nur als verwaltungstechnische Zuständigkeitsbereiche und nicht als Religions-, Kultur- und Sprachbereiche definiert und gehandhabt wurden, was nach Wegfall des Zentralismus auch zu einem Auseinanderfallen tendierte und auch führte. Mit anderen Worten: Entgegen der regionalen Begrenztheit staatlicher Gesetzgebung und nationaler Konventionen, Lebensregeln und Gewohnheiten usw. wozu zunehmend auch die Sprachen gehörten, galten im Selbstverständnis moderner Wissenschaftlichkeit wissenschaftliche Erkenntnisse und als solche auch der Kommunismus überregional und universal und wurde mit jeder anderen Wissenschaftlichkeit selbst über jede kirchliche und theologische Kompetenz erhoben.

 

Und daß gerade die Bedingung wie die Bedingtheit einer geographischen Grenze - ob nun natürlich oder künstlich - auch für das individuelle und subjektive Selbstverständnis auch in der einstigen UDSSR eine Rolle spielte und ein allgemeinmenschliches Bedürfnis und natürliches Bedürfnis zu sein scheint, zeigt der Hang, sich z.B. mit der Fußballmannschaft der „eigenen“ Stadt oder des „eigenen“ Landes zu identifizieren, was immer dies heißt, oder wie es geradezu in jeder Hinsicht sinnbildlich war, wie das Ende der MIR im Jahre 2001, die nun in der Tat jede geographische Grenze des Irdischen überwunden zu haben schien, aber den Menschen im geographischen Bereich der ehemaligen Sowjetunion in einer besonderen Weise und in einer unterschiedlichen Weise berührte, als alle anderen Menschen der Erde.

Ein ähnlich starkes, aber in der Substanz ganz anderes Nationalgefühl konnte ich vor einigen Jahren auf den britischen Inseln beobachten, und zwar als jemand mit diesem allgemeinen britischen Gefühl spielte, indem er den Aprilscherz verbreitete, Indien habe das Englische als Amtssprache aufgegeben, womit er ein regelrechtes ungläubiges Erschrockensein auslöste und auch auslösen wollte. Diese für mich hochinteressante Beobachtung des britischen Erschrockenseins über die Falschmeldung darüber, daß nun Indien die englische Sprache aufgeben wolle, bedeutete nichts anderes aber nicht nur, als daß nun der Brite ein Stück weiter auf seine Insel zurückgeworfen und dort eingesperrt würde, sondern mit einem noch grundsätzlicheren Akzent, der für einen Kontinentalen schwer nachzuvollziehen ist.

Diese beiden beschriebenen Gefühle und zwar als Patriotismus bei dem Ende der MIR im ehemaligen regionalen Bereich der UDSSR und ganz anders bei jenem Aprilscherz auf der britischen Insel haben dennoch etwas Gemeinsames: Was für einen wissenschaftlichen Sozialismus eigentlich überregionale Bedeutung und Universalität beanspruchte, war als Identitätssymbol oder Erkennungszeichen nur des Ostblocks quasi verkommen und längst zu einem zwar überregional gültigen Vorzeichen aber nur einer Region, nämlich der sog. 2. Welt geworden, als Ausdruck sowjetischer Univeralindividualität, wie es für den Briten wegen des fehlenden Bewußtseins einer künstlichen Begrenztheit von Nation und Sprache - eben wegen der natürlichen Begrenztheit - als Bedrohung der Gültigkeit der eignen britischen Universalindividualität empfunden wird, oder sehr vereinfacht ausgedrückt, als Bedrohung der Verständlichkeit oder des Verstandenwerdenkönnens durch die englische Sprache.

 

Dennoch interessiert hier insbesondere der Unterschied zwischen dem Selbstverständnis innerhalb der natürlichen und selbstverständlichen Grenze einer Insel und den künstlichen Grenzen des Kontinents. Nach unserer Theorie führt ersteres einerseits zu einem Verlust - oder auch einer Minderung - von Irrationalität und Romantik mit dem Gewinn von Rationalität und Wirklichkeitssinn und der Gefahr des Empirismus, je selbstverständlicher und vielleicht auch sicherer der eigene Gültigkeitsbereich war, während im Fall der künstlichen Grenze und des künstlichen Begrenztseins geographischer Zugehörigkeit womöglich auch das Gefühl der Künstlichkeit aller anderen Gültigkeiten - wie Gesetze, Sprache, Kultur usw. - und überhaupt der Begrenztheit der eigenen Gültigkeit und auch empirischer Wahrnehmung einhergeht mit eben dem Verlust von Rationalität und dem Gewinn einer Offenheit für alles, was über oder jenseits der eigenen Wahrnehmung und Gültigkeit liegt, mit der Gefahr spekulativen und irrationalen Verhaltens und Denkens.

 

Der kontinentale Idealismus "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit usw.", d.h. diese kontinentale Romantik einer heilen Welt besaß als Gegensatz zum britischen Realismus ganz real ausgehandelter Verträge mit jeweiliger Obrigkeit keinen natürlichen Geltungsbereich, der wegen der fehlenden engen und natürlichen geographischen Grenzen, wie auf der Insel, nur die globale Gültigkeit sein konnte, was vor der Raumfahrt aber nicht als Grenze sondern als Alleingültigkeit erscheinen mußte.

 

Obwohl hier in meiner Skizze als geographische Grenze sehr einfach und möglichst plausibel und dafür sehr vordergründig als etwas Objektives dargestellt, ist dies jedoch im Selbstverständnis des Subjekts, der Ehe und Familie, des Staates und des Verhältnisses zum anderen Menschen besonders in der übrigen Welt noch keineswegs verstanden. Dieses wird deutlich, wenn wir einmal den ursprünglichen Zusammenhang der verschiedenen Puppen oder psychischen, physischen, sozialen, nationalen oder internationalen Ebenen bis zur Globalen hin und auch in die andere Richtung bis zum Kern menschlicher Existenz weiterdenken.

Hierbei können wir erstmal nicht so grundsätzlich auf den Grund gehen, wie es Prauss fordert, weil dabei jener reale Unterschied, der durch die seine Deutlichkeit verlieren müßte

Wir müssen in einem Vordergrund bleiben, wo Prauss dem dogmatischen Empirismus einen erkenntnistheoretisch verstandenen Praktizismus entgegenstellt, womit der Mensch eben nicht als passiv empfangendes sondern bereits im Selbstverständnis oder Selbstbewußtsein auf der untersten bzw. höchsten Ebene als.

 

Lorbeeren oder faule Tomaten

 

Es geht bei diesem Unterschied zwar in der Hauptsache aber nicht unmittelbar um das Problem des Staates im Sinne von Subjektivität und Objektivität, sondern um zwei unterschiedliche Dispositionen, beides zu sehen, die sich sehr einprägsam an dem Vergleich britischer und kontinentaler Sichtweise verdeutlichen läßt, wobei man natürlich, wie gesagt, beides auf beiden Seiten antrifft nur mit unterschiedlicher Gewichtigkeit. Gewissermaßen geht es um den Hintergrund beider Sichtweisen, als würden wir beide Koordinatensysteme addieren. Und so werden mich Briten, so ich ihnen das eine zuschreibe, mit Lorbeeren schmücken, wenn ich z.B. behaupte, daß jenes typische Inselgefühl einer derart selbstverständlichen Allgemeinheit des natürlichen Sprachbereichs ein auch individuelles Gültigkeitsgefühl von Allgemeingültigkeit vermittelt, wie es nicht ohne britisches Vorbild der moderne Menschen überall in der Welt, ob in Afrika, Australien, Rußland oder China z.B. als Member der Menschenrechtskonventionen ebenfalls auch subjektiv globale Allgemeingültigkeit einfordert und in einem allgemeingültigen Selbstverständnis als Mensch zumindest langsam entwickelt.

Aber die Briten werden mich im anderen Fall mit faulen Tomaten bewerfen, was ich natürlich ganz sinnbildlich meine, wenn ich als die andere Seite der typischen Neigung einer Inselmentalität als Unart oder Gefahr anführe, nämlich jene britische wie auch modern-globale Allgemeingültigkeit als neuen mittelalterlich-antropozentrischen Gültigkeitsanspruch - und zwar naturgemäß mit jener empiristischen Dogmatik zu vertreten, wodurch auch der Mensch und insbesondere der jeweils andere Mensch zu einer Sache wird..

Aber mit solchem Vergleich der Insel zum Kontinentalen kann ich mich, wie noch öfters im Folgenden, auf den Briten Bertrant Russell berufen, der, wenn auch ohne oder mit ganz anderer Erklärung, mit folgenden Worten im Grunde das Gleiche beobachtet bzw. beschrieben hat:

Bertrant Russell (Philosophie des Abendlandes, EuropaVerlag, Seite 555) „Von Descartes bis Kant leitete die kontinentaleuropäische Philosophie ihre Vorstellung vom Wesen der menschlichen Erkenntnis großenteils aus der Mathematik ab, hielt aber die mathematischen Resultate für unabhängig von der Erfahrung. Infolgedessen unterschätzte sie wie der Platonismus die Rolle, welche die Wahrnehmung spielt, während sie den Anteil des reinen Denkens überbewertete. Der englische Empirismus hingegen war von der Mathematik nur wenig beeinflußt und neigte daher zu einer falschen Auffassung von der wissenschaftlichen Methode. Hobbes verfiel keinem dieser Irrtümer. Erst heutzutage finden wir wieder verschiedene Philosophen, die, obwohl Empiristen, die Bedeutung der Mathematik gebührend betonen. In dieser Beziehung hat sich Hobbes sehr verdient gemacht. Dennoch begeht auch er schwere Fehler, so daß man ihn nicht zu den ernsten Philosophen rechnen kann. Er hat nicht die Geduld, ein Problem bis ins Letzte zu verfolgen, und neigt sehr dazu, den gordischen Knoten durchzuschlagen. Seine Schlüsse sind logisch, was er aber dadurch erreicht daß er unbequeme Tatsachen einfach übergeht. Er wirkt kraftvoll, aber dabei gewalttätig und versteht sich besser darauf, die Streitaxt zu schwingen als das Rapier zu führen Dennoch verdient seine Staatstheorie aufmerksam betrachtet zu werden, um so mehr, als sie moderner ist als jede frühere Theorie, die Machiavellis nicht ausgenommen.“

 

Das was Max Black als Kunsttheoretiker von der britischen Insel her geradezu übersehen muß, daß nämlich das Problem seiner deswegen so verdienstvollen Grenzziehung eines möglichen empirischen Wissens über Wahrnehmung und Darstellung im Ursprung von seiner Konzeption her gar nicht als ein Problem der Logik, Sprache, Philosophie und Wissenschaft besteht, sondern darin, daß er ganz ähnlich wie Hobbes die Künstlichkeit einer Grenze für ganz selbstverständlich - „selbstverständlich“ auch im übertragenen Sinne - und deswegen für ganz natürlich hält wie die Haut als menschliche Begrenzung, und sie deswegen auch ignorieren kann bzw zu ignorieren neigt.

Denn ohne die Relevanz und Wichtigkeit jeweiliger Verfassung, Konfession, Religion und Regentschaft geringschätzen zu wollen, womit man bis heute versucht, den Staat zu definieren und zu modernisieren, muß man als typisch kontinentalen Makel und als die typisch kontinentale Schwierigkeit das Problem einerseits künstlicher Grenzen sehen, die man definieren, rechtfertigen und verteidigen muß und verändern kann, wodurch sich andererseits die entsprechende Notwendigkeit ergibt, nicht nur den Staat in jeweiliger innerer wie äußerer Form als etwas Künstliches, sondern auch alle anderen entsprechend künstlichen Strukturen jener Mamutschka bis zum Auftritt des Individuums und seiner Gedanken logisch zu begründen. Denn ganz unabhängig auch von der idealsten Staatsform, Grenze, Religion, Konfession oder Kultur, sowohl unter „als natürlich“ wie unter „als künstlich“ verstandenen Dogmen ist der Mensch entweder gut oder aber ein Gauner, und zwar auch unabhängig davon, ob er tatsächlich, faktisch, kontingent richtig oder falsch urteilt oder handelt.

Genau das gilt es aber in einer Kunsttheorie aus der Sicht des Künstlers und Herstellers von „Kunstprodukten“ auch für das Grundverständnis des Staates anzuwenden, daß nämlich das Grundproblem und damit die Grundstruktur auch eines Staates in dem Aufeinandertreffen eines Menschen auf einen anderen Menschen, auf ein anderes Subjekt besteht - mit dem Erlebnis einer nichteigenen Forderung. Denn nichts anderes sind die geheimnisvollen und mächtigen Kräfte, die z.B. angesichts absoluter Freiheit vor der leeren, entweder „natürlich“ oder „künstlich“ begrenzten Leinwand oder einem leeren Blatt Papier wie übermenschliche Dämonen den Künstler einerseits zu einem gehorsamen oder ehrlichen oder mechanischen Seismographen seiner Zeit machen und auch sein ursprünglich animistisches Selbstverständnis als sein Kunst- und Staatsverständnis und über dieses auch den Staat bestimmen, wie er in irgendeiner zufälligen Form schon bei den Herstellern der Höhlenzeichnungen bestanden hat; und andererseits sind es ja die gleichen Kräfte, die der Mensch zum Malen und auch zum Sprechen und Handeln benutzt und seinerseits „instrumentalisiert“, sei es, um ein Kunstwerk herzustellen, sei es, um als moderner Staatsbürger einer Demokratie - in welcher Position auch immer - entweder zu reagieren oder zu handeln, d.h. sowohl passiv, fremdbestimmt zu reagieren wie auch aktiv und selbstbestimmt zu handeln, wie es der Alltag erfordert.

Wenn ich nun jene Begriffe vergleiche, wie sie oben und dann auch in z.B. britischen Kommentaren gegen oder für den Faschismus benutzt werden:

 

Kunst, Familie, Faschismus, Ehe, Chauvinismus, Krieg, Ordnung, Recht, Kapital, Liberale, Lakaien, Staat, Nation, Politik, Glaube, Religionen, Werkzeug, Teufel,

bzw.

art, family, fascism, marriage, chauvinism, war, tidiness, law, capital, liberal, flunkeies, state, nation, policy, credence, faiths, religion, tool, deuce,

 

dann behaupte ich - eigentlich intuitiv - daß die gleichen Begriffe, die im Deutschen (und auch wohl im amerikanischen Empfinden) insgesamt mehr eine Tendenz zur komplex-mythischen Bedeutung haben, im Englischen dagegen eher zur rationalistischen Bedeutung tendieren, was sich wahrscheinlich durch intelligente Umfragen oder einfach anhand der Synonyme auch festmachen läßt. So würde z,B. die Bedeutung Faschismus nicht nur bei den Nazis und deren Gegner in Deutschland der Nazizeit zur Bedeutung einer mythischen, irrationalen und fast religiösen, übermenschlichen d.h. bei den Gegnern zu einer dämonischen Bedeutung tendieren, während der Faschismus der Hitlerzeit bei den Briten eher nur als militärische Bedrohung des Königreiches in der Hand des Gegners gesehen wird, während englische Faschisten unserer Zeit bei den Gegnern eher belustigt wie das Spiel der Kinder gesehenwird, die Indianer spielen, während bei den englischen Faschisten - selbst der Rassismus - eher nur zur angeberischen, egozentrische Theorie neigt.

Daß beide Verstehensarten, und zwar aller Begriffe der Sprachen und nicht nur was den Faschismus betrifft, im tiefsten Grund aus der gleichen Struktur menschlicher Erkenntnis resultieren, ist selbstverständlich. Es ist eines der großen Verdienste von Gerold Prauss, den ursprünglichen Animismus beider Tendenzen, die wir natürlich in beiden Sprachen und Denkweisen vorfinden, der sich nur jeweils unterschiedlich stark in den Vordergrund spielt, analysiert zu haben, was natürlich nicht über die beiden folgenden Zitate, sondern nur im Gesamttext der Arbeit „Die Welt und wir“ ganz verständlich macht:

Gerold Prauss (Die Welt und wir. Metzler Verlag,  Bd 1/2, Seite 918

Zitat 1:

„Denn nach allem, was wir bisher wissen, gilt nicht nur phylogenetisch, sondern auch ontogenetisch und sonach in aufschlußreicher Weise übereinstimmend: Ob als phylogenetisch frühes oder als ontogenetisch junges, - jedes Subjekt nimmt zunächst einmal von jedem Objekt innerhalb eines magischen Weltbilds Kenntnis, oder, jedes Subjekt treibt zunächst einmal mit jedem Objekt Animismus.

Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß jedem Subjekt jedes Objekt auch zunächst einmal als objektives oder anderes Subjekt erscheint, was bisher um so rätselhafter ist und bleibt, als doch durchaus nicht jedes Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch solch ein Subjekt ist. Vor einem Rätsel stehen hier denn auch gerade überzeugte Empiristen, weil die Lösung dieses Rätsels eben nur ein nichtempirischer Apriorismus sein kann, den sie desto weniger wahrhaben wollen, da er noch viel grundsätzlicher gelten muß, als sie für möglich halten können. Denn aus jenen Gründen, die wir hergeleitet haben, kann nur gelten: Wann und wo auch immer in Phylogenese oder in Ontogenese erstmals ein Subjekt sich bilden mag, - als solches selbst tritt ein Subjekt dabei von vornherein gerade so auf, daß es ein Objekt für sich von vornherein schon immer für ein anderes und damit für ein objektives Subjekt hält. Weil, als ein Subjekt aufzutreten, und, ein Objekt als ein Subjekt aufzufassen, unserer Herleitung nach ursprünglich und notwendig dasselbe ist, tritt ein Subjekt an ein Objekt heran und so als ein Subjekt hervor gerade dadurch, daß es immer schon mit Animismus oder mit magischem Weltbild gleichsam vorprescht.

Daraus nämlich können Sie sich weiterhin erklären, daß es für ein solches Subjekt dann auch in der Tat zum Drama werden muß, als Subjekt nicht nur anzufangen, sondern auch noch aufzuwachsen, nämlich auch noch fortzufahren damit, jegliches Objekt zunächst einmal als anderes oder als objektives Subjekt anzusehen: phylogenetisch ebenso wie auch ontogenetisch. Denn je danach, ob ihm solch ein Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch als ein objektives oder anderes Subjekt begegnet, und wenn ja, wie ihm ein solches Subjekt dann begegnet, wird dies Drama zur Tragödie oder zur Groteske oder zur Komödie oder zur Idylle und so weiter, wie aus eigenster Erfahrung jeder von uns zur Genüge weiß, soweit er sich zurückerinnern kann.“

 

Zitat 2:

Prauss: Bd2, Seite 278

„Keinesfalls ist Kant zufolge etwa das Erkennen das Ergebnis des Erkannten, das als ein schon immer wirkliches Objekt dieses Erkennen im Erkennenden hervorruft, wie man schon seit jeher und trotz Kant noch immer meint. Das könnte nämlich nur bedeuten, daß es das Erkannte sei, das etwas unternimmt, was die Erkenntnis von ihm zum Ergebnis hat, und somit letztlich selber dafür sorgt, daß es erkannt wird, was absurder Animismus wäre1. Vielmehr ist, was etwas unternimmt, ausschließlich das Erkennende als Intendierendes, das denn auch immer nur und immer erst, wenn es Erfolg hat, das durch sich Erkannte als das durch sich Intendierte dann zu einem wirklichen Objekt hat, und das heißt: zu einem Artefakt durch sich.“

 

Denn auch der typisch britische Glaube eines britischen Faschisten, daß z.B. so etwas wie Rasse das Denken und Handeln des Menschen wie eine hypnotisierende fremde Macht bestimmt, ist eine empiristische Abart von verstecktem Spiritismus, den Prauss in diesem 2. Zitat angreift, während man den typisch deutschen Animismus im 1. Zitat wiedererkennt, wenn man das ehrfurchtsvolle Verhältnis fast als Duzverhältnis des Kontinentalen zur Heimat, zu Blut und Boden, zum Wald, zu Recht und Ordnung, zum Auto, aber auch zur Gemeinschaft, zur Schule, zum Vaterland usw. beobachtet.

 

Die Unterschiedlichkeit im Denken von Insel und Kontinent, die im normalen Habitus jenen sympathischen Akzent romantischer Tiefgründigkeit der Festländer und formaler, britischer Sachlichkeit der Inselmenschen ausmacht, entsteht bei jeweiliger Überschreitung des Normalen also nicht in jener grundsätzlichen Tiefe Praussche Analyse, sondern im Bereich alltäglicher Orientierung, den Prauss im 1. Zitat als das Kriterium „tatsächlich, faktisch, kontingent“ umschreibt, wo also Gedächtnis, Tradition, Erfahrung je nach Kontext, Intelligenz, Wissen, Denkvermögen usw. das konkrete Leben bestimmt.

Und hier auf dieser Oberfläche des Alltäglichen gilt es also, ehe wir noch weiteren Schichten dieses Alltäglichen nachgehen müssen, erstmal eine Begründung für meine scheinbar absurde Behauptung zu finden, daß jene geographische Grenze der Insel, die faktisch aus Felsen, Strand, Kies und Meerwasser besteht, die Bedeutung jener Begriffe verändert, die nun ja ohne Zweifel etwas Geistiges, - und wie Russell behauptet - etwas Semantisch-Grammatisches und ganz sicher nichts Felsiges und Steiniges sind und vom Meerwasser umspühlt sind, wie es nur ein Poet formulieren dürfte.

Würde ich eine Begründung in jener Prausschen Tiefe ansetzen, wo ohne Zweifel die Anfälligkeit für jene Fehlleistungen verständlich wird, nicht aber die typische Unterschiedlichkeit von Insel und Kontinent herrührt, wäre ich zudem der Gefahr ausgesetzt, jene nicht oder nur künstlich bestehende oder eben natürlich bestehende geographische Grenze einer Insel, was nun mal eine Nation und auch die Sprache in der einen oder anderen Art besitzt, nun selbst bereits wie einen Determinator zu hypostasieren, der unser Denken quasi spiritistisch fernsteuert.

 

Es ist also jener Alltagsbereich, den Prauss nur mit den Begriffen  tatsächlich, faktisch, kontingent“ umschreibt, in dem wir diese Grenzen erleben und berücksichtigen müssen. Es sind die Sprachgrenzen, von wo an auf dem Kontinent z.B. die Allgemeingültigkeit der eigenen Sprache aufhört und ich eine andere Sprache sprechen muß. Dort sind die politischen Grenzen, an denen ich meinen Paß zeigen muß. Aber auch innerhalb des eigenen Sprachraumes kennen wir verschiedene Grenzen, z.B. die des Normalen. Wir kennen die Grenze der Lebenszeit, die Grenze unserer Intelligenz, unseres Wissens, die Grenzen der Berechenbarkeit und Präzision, wie sie Max Black aufzeichnet. Wir kennen mehr oder weniger genau die Grenzen sprachlicher Verständigungsmöglichkeit, wo wir z.B. mit Gesten nachhelfen müssen. Wir haben die Grenzen des gesetzlich Zulässigen zu beachten.

Es ist einfach einzusehen, daß diese Grenzen bereits durch die Berücksichtigung ihrer gegebenen Art als Faktizität unser Denken im Alltag bestimmen. Dies ist auf der Insel nicht anders als auf dem Kontinent und hat nichts mit Animismus oder Spiritismus zu tun.

Wer allerdings auf dem Kontinent in der Nähe einer Landesgrenze wohnt und diese womöglich regelmäßig überqueren muß, wird z.B. seinen Pass häufiger bei sich tragen als ein Mensch im Inneren des Landes oder als ein Inselmensch, und er wird eher die andere Nachbarsprache fast ebenso kennen, sprechen und verstehen können, wie die eigene, und er wird auch Gesetze und Allgemeinbräuche des Nachbarlandes ganz gewohnheitsmäßig ebenso berücksichtigen, wie die des eigenen Herkunftslandes. Hierbei hat dann die Selbstverständlichkeit der eigenen Sprache wie die der eigenen Lebensweise bereits eine Gewohnheitsgrenze und durch jene Grenze eine ganz andere Grenzfunktion, nämlich gerade die der Verbindung unterschiedlicher Sprach- und Gewohnheitsbereiche. Diese Doppelfunktion der Grenze auch im Selbstverständnis, ist in der Auswirkung auf Denken und Handeln nun weit komplexer und vielschichtiger als es scheint und reicht in den ethischen, philosophischen bis theologischen Bereich unseres Denkens und Handelns. So wird durch die bewußte Berücksichtigung der Regeln der anderen Sprache, der anderen Gewohnheiten, Gesetze und Normalitäten, die Regeln der eigenen Sprache, der eigenen Gewohnheiten, Gesetze und Normalitäten eben nicht nur überhaupt erst bewußt, sondern sie erhalten jeweils eine Individualuniversalität auf beiden oder allen Seiten der Grenze, und zwar als territorial zugehörige und zugeordnete Gültigkeiten. Selbst ein Lebewesen einer anderen Welt des Universums würde anerkennen, daß in jenem bestimmten Bereich, wie z.B. innerhalb der Grenzen Deutschlands, die deutsche Sprache gesprochen wird und man sich nach bestimmten Regeln und Konventionen verhält. Diese Universalindividualität gehört als erkanntes Phänomen und als Anspruch zum Selbstverständnis. Dort stehen also nicht Gültigkeit gegen Ungültigkeit, sondern die eine universale Gültigkeit als Faktizität neben der anderen, soweit beide Seiten etwas gesunden Menschenverstand besitzen. Aber auch mit solchem gesunden Menschenverstand hat diese kollektive Universalindividualität problematische Auswirkungen. So bemühen sich z.B. die verschiedenen Nationen des Kontinents seit Jahrhunderten, die Sprachunterschiede zu verdeutlichen und zu zementieren und sogar auszubauen, obwohl es ja offensichtlich viel praktischer wäre, sich mit einer gemeinsamen Sprache oder der Annäherung zu einer solchen zu verständigen, wie es eigentlich natürlich wäre. Und so hat man sich lieber geeinigt, in der Sprachenvielfalt des Kontinents als gemeinsames Verständigungsmittel eine zusätzliche Inselsprache einzuführen.

Genau diese moderne Merkwürdigkeit im Verhalten des Kontinents deutet auf die tiefere Bedeutung einer Grenze hin.

Wenn sich nämlich logisch, ethisch und philosophisch die meisten der jeweiligen Regeln, Gewohnheiten, Gesetze und Bräuche in den verschiedenen Nationen jeweils unterschiedlich begründen, was auf beiden Seiten einer Grenze entsprechend unterschiedlich und gegeneinander sogar widersprüchlich aussehen wird, so erhalten und haben nicht nur diese Regeln, Gewohnheiten, Gesetze und Bräuche selbst zum einen ihre Individualuniversalität und jeweilige Allgemeingültigkeit und Legitimität durch die geographisch begrenzte geographische Zugehörigkeit, sondern eben auch die Begriffe und Bezeichnungen, wobei sich zum anderen jedoch auch diese Grenze durch die jeweilige eigene Allgemeingültigkeiten legitimiert. Und letzteres ist eben als ständig drohender Grenzkonflikt zugleich ein Gültigkeitkonflikt, der das gesamte Selbstverständnis bedroht, weil dies immer auch bedeuten, daß eine Seite mit der logischen, philosophischen, ethischen und theologischen Begründung der eigenen Individualuniversalität oder der jeweiligen und so begrenzten Allgemeingültigkeiten, nicht nur diejenige der anderen Seite infrage stellt sondern damit auch die Legitimität der Grenze. Diese Problematik verdoppelt sich nun praktisch noch durch die Umkehrung, daß nämlich nicht nur der Bewohner oder Besitzer des Territoriums Recht hat, was die Gültigkeit und Begründung der Sprache und aller übrigen Regeln und Gesetze betrifft, sondern, daß man z.B. durch Besitznahme oder Eroberungen jenseits der eigenen Grenze dann auch dort die Richtigkeit der eigenen Argumentation erobert und bekommt.

Und wenn man sich hierzu die ganz normale Verschlagenheit und Zwistigkeit des Menschen, wozu dann noch weitere scheinbar ganz natürliche Gesichtspunkte hinzu kommen, die ich des weiteren noch anführen muß, womit je nach Bedarf die Argumentation zurechtgelegt werden kann, dann darf ich mir dabei eben nicht nur all die geschichtlichen Streit und Kriegsgründe der Vergangenheit vorstellen.

Dieses bedeutet, daß mit der kollektiven Bewohnung die kollektive Wahrheitshoheit - eben auch des eigenen Denkens und Verhaltens, - praktisch durch das bewohnte Territorium, durch Wald und Flur, durch die Heimat, Vaterland, Besitz und Eigentum überhaupt erst erlangt wird, was als Konnotat in diesen kontinentalen Begriffen immer mitgemeint wird.

Dies bedeutet mit einfachen Worten, daß sich mit dem kollektiv bewohnten Territorium durch die Erfahrung, Möglichkeit und Gefahr mit der künstlichen Begrenzung sowohl jeweilige Sprache und Wahrheit herstellt, wie auch ihre Gültigkeit. Durch Zugehörigkeit und Besitz bekommt man Recht.

 

Diese absurde Binsenweisheit gilt natürlich auch auf der Insel, aber mit anderen Folgen.

Weil sich aber gerade diese typisch kontinentale Absurdität gerade in unserer Zeit modernen Denkens ganz aktuell ins Bewußtsein unserer Gegenwart drängt, wie wir in dem weltweiten Kampf um Grenzverläufe einerseits und andererseits um Geltung bzw. um Gültigkeitsbereiche überhaupt erleben, z.B. im Kampf um Jerusalem und ganz beispielhaft bei dem krampfhaften Bemühen, Tausende von Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel zu zerstören bzw. zu verteidigen, zu erhalten und wieder aufzubauen, gilt es, dieses Phänomen zu verstehen, das gottlob weltweit als ein Makel auch kritisch gesehen wird. Gerade aber diese Peinlichkeit unserer modernen Zeit der Demokratisierung und Globalisierung, der weltweiten Bildung von Wissen und Informationstechniken, weist darauf hin, wie geradezu zwanghaft sich eine Effektkausalität als Ursachenkausalität verkleidet, daß sich also scheinbar Ursache und Wirkung vertauschen, was als unterschiedliches und gegensätzliches Menschenbild politisch seit je in der Korrelation von Gültigkeit und Geltung vertauschbar ist, und zwar nicht nur als rhetorisches Mittel. Wie weit dabei allein das Formale bereits über den Wahrheits- und Gültigkeitsgehalt von Etwas in unserem Selbstverständnis bestimmen kann, und was dabei die unvermeidliche wie unterschiedlich mögliche Delegierung einer Verantwortung für eigenes Handeln an solche Geltung wie Gültigkeit, aber auch an Naturgesetze, Gesetze, Institutionen und Personen bedeutet, werden wir im Anschluß später noch untersuchen. Hier gilt es zuerst, mehr die allgemein bekannten Schwierigkeiten zu erkennen, wo immer Selbstverständlichkeiten der Vernunft und Logik entgegen stehen, und wo umgekehrt Vernunft und Logik bestehende - auch ethische - Selbstverständlichkeiten infrage stellen und gefährden. Natürlich wird heute z.B. niemand mehr die Vernunft und Logik eines friedlichen Miteinander, eines Subsidiaritätsprinzips und die Vorzüge einer Demokratie gegenüber jeder Art von Krieg, Diktatur und Despotie bezweifeln, so bleibt dennoch im Gegensatz zum Inselbewußtsein auf dem Kontinent die Künstlichkeit der Grenzen und damit die Legitimität und Legitimierung der umgrenzten Staaten im Vordergrund des Bewußtseins, als etwas durch Raub und Krieg erst Entstandenes und als Definition besonders bei den jüngeren Staaten wie Deutschland und in der neuen Welt als etwas künstlich Gemachtes und Machbares, wo man Sprachen befehlen und verbieten kann, wozu selbst in den Demokratien gehört, daß man Mehrheiten mit Macht und Geld herstellen und daß man Gültigkeiten nicht nur inszenieren kann, sondern geradezu muß, um sie zu verwirklichen.

Dieser Aspekt reicht entwicklungsgeschichtlich und ontologisch bis in die Anfänge jeder Sprache, der Menschheit und grundsätzlich auch des individuellen Lebewesens zurück.

In diesem logisch wie ethisch eigentlich absurden korrelativen Grenzbereich des künstlich und ursprünglich mit Gewalt entstandenen umgrenzten Territoriums auch moderner Zeit, wo das Individuum Teil, Objekt und quasi sogar Eigentum des Staates ist und mit der Demokratisierung zugleich der Staat kollektives Eigentum des Subjekts ist, ist der Status-quo des gerade Bestehenden samt der Verfassung auch mit Gewaltenteilung seine Legitimierung, was nahelegt, daß z.B. geforderte Veränderungen und bereits die kritische Reflexion dieser Art als staatsfeindlich wie eine angedrohte Gewalt empfunden werden können, und - etwas überspitzt gezeichnet - sogar als Gotteslästerung gesehen werden können, als definiere sich selbst Gott mit dem Status-quo der jeweiligen Landesgrenzen bzw. mit der jeweiligen Nation. So kam es in den vergangenen Jahren absurder Weise, und so ist es in den meisten Kriegen auch der Gegenwart, daß alle Seiten den gleichen Gott anbeteten, ehe sie aufeinander losschlagen.

Zu dieser Absurdität, die man einfach nicht übersehen sollte, gehört es, daß man wie seinen Gott nach dem eigenen Land, so auch einen anderen Mensch nach dessen Land beurteilt, wenn man z.B. von einem Deutschen, Italiener, Franzosen, Russen, Kroaten oder Serben spricht. Natürlich wird ganz konkret kein Mensch die Zugehörigkeit zu einem Staat als seine eigentliche Identität empfinden. Der Mensch und selbst ein Regenwurm ist höher organisiert als der modernste Staat.

Beispielhaft finden wir in alten vorchristlichen und vorislamischen Nationen als Definition des Staates nicht nur den eigenen Machtbereich verstanden, sondern eben auch die eigenen zugehörigen Götter oder den eigenen Gott und zwar gegen die Macht der anderen und auch gegen die anderen Götter der anderen Nationen behauptet oder zu behaupten, wie es im alten Testament noch ausdrücklich geschildert wird.

Ein letzter Aspekt an Absurdität aber nicht nur in unserem kontinentalen Selbstverständnis aber als entsprechendes Konnotat auch in unserer Begrifflichkeit von Mensch und Staat erhalten sollte noch die bereits erwähnte Selbstverständlichkeit angeführt sein, daß auch das ursprünglich künstlich und irgendwann und irgendwie mit Gewalt entstandene Territorium samt Sprache und Gesetzgebung als realer und materieller, quasi empirischer und „dauerhafter“ Wert, über den Wert des zufälligen, sterblichen, untergeordneten, gehorsamen zugehörigen Menschen und Bewohners gestellt wird, wobei zu verschiedenen Gelegenheiten vom konkreten Menschen sogar eidlich verlangt ist, die Existenz des Staates über das eigene Leben zu stellen. Ganz selbstverständlich sprechen wir vom Staatsdiener.

Ontologisch verstehen wir Menschen - natürlich ebenfalls auf der Insel genauso wie auf dem Kontinent - zumindest in alltäglicher Begrifflichkeit ganz selbstverständlich und „natürlich“ bereits die jeweils eigene Körperlichkeit des Individuums räumlich als Verdrängung und Abgrenzung zu jeder anderen d.h. fremden Individualität, wobei Haut und Sinne zugleich die Verbindung zur Außenwelt und zu anderen Individuen darstellen. Aber auch hier befinden wir uns in der gleichen begrifflichen Widersprüchlichkeit, daß einerseits auch der eigene Körper bereits Außenwelt und in den verschiedenen Theologien nur als Territorium oder Gehäuse definiert ist, das der Mensch als Subjekt nur vorübergehend bewohnt, während er andererseits zugleich mit dem Körper und sogar durch ihn identifiziert wird.

 

Auf der Insel ergibt sich jedoch durch die andere Aktualität und Erfahrung wegen der fehlenden künstlichen Staatsgrenze und dadurch, daß dort die eigene sprachliche und weltanschauliche Rechtfertigung - und damit auch die Rechtfertigung der eigenen Sprache - nicht auf eine andere Sprache und deren andere Behauptung und Rechtfertigung trifft und sich nicht bedroht, relativiert und infrage gestellt sieht, eine andere Struktur der eigenen Individualuniversalität oder der eigenen Allgemeingültigkeit oder Rechtfertigung.

So stößt z.B. der Brite an seinen Grenzen bei dem Übergang vom Land zum Meer nicht auf ein staatstheoretisches, kulturelles und sprachliches sondern auf ein eher natürliches bzw technisches Phänomen und Problem, das mit den Begriffen der eigenen Sprache empfunden, gedacht, formuliert und gelöst wird.

Aus dieser anderen Situation ergibt sich ein wesentliches Merkmal des britischen Charms und seines anderen Selbstverständnisses, das gegenüber dem kontinentalen Selbstverständnis sowohl augenfällige Vorzüge wie aber auch Nachteile zeigt und zwar als Neigung zu anderen Fehlleistungen, was eben bedeutet, daß wir Erdenbürger mit der Übernahme der englischen Sprache als Weltsprache nach Möglichkeit unsere kontinentalen Unarten nicht mehr artikulieren und vielleicht sogarüberwinden, aber damit auch zugleich die Unarten eines Inselmenschen als solche erkennen und vermeiden können.

 

Zumindest werden wir, wie ich hoffe, mit diesem Vergleich von Insel und Kontinent auch die Argumente der Globalisierungsgegner und -Befürworter wiedererkennen, die sich teils eben als Gegner wie als Befürworter auch jener Vorzüge wie Unarten dieser nationalen Mentalitäten gebildet haben, unter denen die Neofaschisten mit dem Hakenkreuz und mit Weltherrschaftsgedanken nur eine marginale aber pathologische Erscheinung sind.

 

Um diesen Unterschied im Verhalten des Inselmenschen zum Kontinentalen etwas überspitzt zu akzentuieren, der im Gesamtverhalten als Mensch natürlich nur eine charmante oder fatale Nuance ausmacht, würde ich eingangs behaupten, daß in England ein Dieb aus einem anderen Grund ins Gefängnis gesperrt wird, als auf dem Kontinent. Während nämlich der Dieb auf dem Kontinent mit seinem Verhalten die Gültigkeit und Rechtfertigung und selbst den Frieden und die Schönheit des ganzen Staatsgefüges samt Territorium, samt Glaube und Gott infrage stellt und geradezu wie eine Krankheit der Gesamtheit empfunden, bekämpft und beseitigt wird, so würde er auf der Insel wohl hauptsächlich deswegen eingesperrt werden, weil es das Gesetz so vorschreibt.

Während man mit solcher Fokusierung auf dem Kontinent eher von einem sozial- und nationaltherapeutischen Akt sprechen könnte, der an dem Dieb auch die Ursache eines Übels bekämpft, hätte der Rechtsakt auf der Insel eigentlich mit dem Dieb persönlich nichts zu tun, sondern wäre ein Automatismus so ähnlich wie eine Fallgrube. Ein sorgfältiger denkende Brite wie der bereits angeführte Philosoph Max Black würde ganz sicher einwenden, daß man dabei immer auch den Grund mitbedenken müsse, aus welchem Grund sich die Gemeinschaft auf ein solches Gesetz oder auf die Einrichtung einer solchen Fallgrube geeinigt hätte, nämlich um einen Menschen davon abzuschrecken, einen Diebstahl zu begehen. Nun weiß jeder, daß ausgerechnet der Dieb in seinem Gefängnis der Beweis dafür ist, daß diese Abschreckung nicht funktioniert hat. Somit hätte die Einsperrung eines Diebes ins Gefängnis auf der Insel gar nichts mit dem Dieb selbst zu tun, sondern er wird als gepeinigter Gefängnisinsasse dazu benutzt, andere Menschen auf jene Fallgrube aufmerksam zu machen und davor abzuschrecken, einen Diebstahl zu begehen.

Wenn auch noch undeutlich, so wird dennoch die nüchterne Rationalität einerseits und die ethische Problematik andererseits dabei deutlich, die besonders bei der gottlob abgeschafften Todesstrafe augenfällig würde, mit der dann ein Mensch zu reinen Demonstrationszwecken getötet werden müßte.

 

Wird bald korrigiert und ergänzt : (aus der Sicht des Evangeliums des Christen, aus der Sicht des Koran des Moslems, aus der Sicht des Buddhismus des Buddhas usw.)

 

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