Anlässlich eines Religionswettbewerbs setzen wir uns mit der Frage der gemeinsamen Weltverantwortung der Religionen auseinander. Wir bitten Sie, als Vertreter Ihrer Religion, diesen Fragebogen ernst und gewissenhaft auszufüllen und sich dafür Zeit zu nehmen, denn Ihre Meinung ist uns sehr wichtig. Vielen Dank für Ihre Mühe!

 

Mit freundlichen Grüßen,

Luise Hafner und Carina Ofterdinger

 

Hallo Luise Hafner und Carina Ofterdinger,

Vielen Dank für die Fragen!

Die Religionen und ihre Weltverantwortung?

Wohl unvermeidlich sind die Fragen selbst wert- und verdienstvoller als alle konkreten Antworten, die immer nur Teilaspekte des Glaubens betreffen und beleuchten können und zudem immer von der Zeit, der Situation und der antwortenden Person und ihrer Erziehung, Bildung, Disziplin, und ihrer Herkunft und Subjektivität her gefärbt sind. Es gibt in der Gegenwart z.B. keinen Theologen, keine Theologin mehr, der/die den ganzen gewaltigen Kosmos des einfachen Glaubens eines einfachen Menschen, der in den Tempel, in die Kirche oder Moschee geht, überblicken könnte. Dabei ist der Glaube keineswegs komplizierter geworden. Das Gebet zu Gott ist einfach und zu jeder Situation an jedem Ort der Welt jedem Menschen in jeder Sprache möglich. Gott ist nicht protestantisch, katholisch, mohammedanisch, hinduistisch oder buddhistisch u.s.w..

Vergleichbar z.B. mit der Medizin so hat sich unvermeidlich auch die Theologie, und haben sich die Religionswissenschaften, die sich in allen Kulturen der Gegenwart langsam - aber immerhin - zu einem gemeinsamen Niveau hinentwickeln, in viele Disziplinen geteilt und haben sich in diesen spezialisiert. Dieses bedeutet mit der Qualitätssteigerung einerseits zugleich eine zunehmende Bescheidenheit des Wissenschaftlichen, was den Menschen und seinen einfachen Glauben betrifft; dies bedeutet andererseits aber eben auch Verlust an Kompetenz und damit auch Kompetenzanspruch und zugleich Verlust an Verantwortungsbewußtsein dem Ganzen gegenüber bezüglich eben aller Wahrheitsaussagen, die damit dem einfachen Menschen in seinem einfachen Glauben aufgeladen werden – und womit sich zugleich als positiver Aspekt die religiöse Bevormundung abbaut. Wir sehen in allen Religionen zunehmend die Laien unter sich und sich selbst überlassen. Dieses ist sicher nicht unproblematisch. Denn zunehmend ist damit auch jeder Theologe und jeder Pfarrer, Priester usw. außerhalb eines engen Spezialgebiets Laie mit der Anfälligkeit zur Isolierung, Subjektivität und zur fundamentalistischen sog. Stallzugehörigkeit.

 

Dieser Prozess, bei dem die unendlich wertvollen Büchereien, Literaturverzeichnisse, Fachzeitschriften, Nachschlagewerke, Enzyklopädien und Internetzugänge an Bedeutung und Einfluß gewinnen, - aber eben keine Verantwortung übernehmen können, ist ein grundsätzlich anderer, als der andere problematische Vorgang der ebenfalls zunehmenden Säkularisierung an den Rändern aller Religionen aus anderen Gründen, auf die Sie wohl in den beiden letzten Fragen reflektieren.

Innerhalb und außerhalb aller Religionen, Philosophien, Ideologien, Lehrmeinungen, Parteien und Initiativen steht immer der normale, einfache Mensch mit seinem Tun und Lassen, Mühen und Laufenlassen, Reden und Schweigen, Verstehen und Ignorieren.

 

Zu Ihren Fragen:

 

1. Was ist die gemeinsame Weltverantwortung der Religionen?

 Wenn Sie von Weltverantwortung der Religionen sprechen, gehen Sie von einer Welt aus mit ihren alltäglichen sachlichen, d.h. politisch-weltlichen Problemen und Lösungen, und mit mehr oder weniger guten bzw. schlechten Lösungsvorschlägen und Weltkonzepten, die wir jeweils demokratisch teils befürworten bzw. ablehnen, als die sie mit einer begrenzten Anzahl souveräner Staaten, souveräner Menschen und eben auch souveräner Religionen, Ideologien, Philosophien, Parteien sichtbar und bekannt ist. Es wäre weltfremd, würde man diesen weltlichen, geographischen und organisatorischen  Aspekt auch in den Regionen der Religionen bestreiten.

Analog zu einem Lebewesen sprechen wir heute sowohl von einer Nation wie von einer Religion derart, als seien diese Organisationen selbstständige Organismen, die wir sogar als autarke Individualitäten und Identitäten empfinden. Dieses ist ohne Zweifel eine der großen Leistungen des vergangenen 20. Jahrhunderts.

Verantwortlichkeit setzt Entscheidungsfreiheit voraus, und diese bringt dieses Denken und Selbstverständnis in einen logischen Konflikt mit den vier Hauptkriterien, die ontogenetisch wie phylogenetisch unser weltliches, alltägliches Tun und Verhalten quasi als Trieb konstitutiv determinieren: Das alltägliche Gerangel um Existenzerhalt (Nahrung, Wohnung, Selbstverteidigung usw.), Arterhalt (Fortpflanzung, Sex und Familie, Zugehörigkeit, Stamm usw.) und Geltung sind miteinander und zudem eng verwoben mit dem, was wir (hier vereinfacht) Abgrenzung, Grenze oder Haut nennen, ohne das keine Individualität und keine bewusste Erkenntnis und Sprache möglich wäre. Dennoch wird in unserer Zeit zunehmend bewusst, aktuell und zu einem erst rudimentär verstandenen wenn auch seit je alltäglich gegenwärtigen Problem, dass wir 1. mit Individuum oder Individualität und seinen Rechten und Pflichten  keineswegs nur das verstehen können, was innerhalb der geometrischen Grenze d.h. innerhalb der Haut eines Menschen existiert und passiert, bzw. innerhalb der nationalen geographischen Grenze einer Nation oder innerhalb des geographischen oder organisatorischen Bereichs einer Religion. Bereits die genetische Struktur als Entwurf, als Determinierung und Konditionierung und erst recht die Entscheidungsfreiheit des Menschen führt über diesen Bereich hinaus, man braucht Eltern, Nahrung, Wasser, Hilfe von Außen u.s.w., womit wir auch die Individualität jenseits des alltäglichen Gerangels als ein räumliches und organisches Geflecht zu verstehen versuchen, das alles Erkennbare und damit alle anderen Individuen betrifft und von diesem abhängig ist. Zu diesem Verständnis haben die großen Weltreligionen und Philosophien zumindest begrifflich, ethisch und auch strukturell ein benutzbares Instrumentarium beigetragen, wenn uns auch die aktuell praktische Verantwortung für die ganze Welt erst nach dem Start der ersten Satteliten und der ersten Mondbegehung recht  bewusst wurde.

Mehr noch, als wie sich die verschiedenen Disziplinen innerhalb der Religionswissenschaft, der Theologie und Religion mit dem jeweiligen Kompetenzanspruch zentrifugal auseinander bewegen,  trennten sich Religion, Philosophie, Wissenschaft, Politik und Technik, und in ihnen wiederum die verschiedenen Disziplinen mit ihren jeweiligen Kompetenzbereichen so voneinander, dass die gemeinsame religiöse Wurzel kaum noch erkennbar ist.

Obwohl sich dennoch von diesem geschichtlichen Ursprung aus den Religionen her das gemeinsame ethische Anliegen auch von moderner Wissenschaft, Theologie, Technik u.s.w., nämlich dem Nutzen des Menschen, der Menschheit und der Welt zu dienen, positiv im Sinne einer kausalen Verantwortlichkeit ableiten ließe, ist die gestellte Frage ganz sicher anders zu verstehen, nämlich ganz aktuell in Bezug auf die heutige Verantwortung der heutigen Religionen für die heutige Welt.

Nach einer Weltverantwortung der Religion zu fragen scheint vordergründig angesichts der durchaus sinnvollen noch zusätzlichen Trennung von Staat und Religion jeder modernen Gesellschaft ein Anachronismus. Der Staat kümmert sich um irdische und weltliche Belange und trägt vor der Welt und Gott auch zunehmend für die Welt die Verantwortung, während Religion eine andere Dimension menschlichen Lebens zu betreffen und zu bedeuten scheint.

Auf irgend eine Verknüpfung von beidem deuten jedoch die vielen, wenn nicht alle religiösen Formen, Gebote und Traditionen hin, die eine Religion ausmachen, durch die sich immer auch ein Verhältnis zu anderen Menschen zeigt, das durchaus auch eine politische Seite hat.

Um aber von einer Weltverantwortung nicht nur der Politik und z.B. dem religiösen Politiker, sondern auch der Religion sprechen zu können, gilt es den Unterschied zur und die Kompatibilität der politischen mit der religiösen Intention zu verstehen.

Hier gilt es zuerst deutlich zu machen, welche Rolle die Religion bzw. der Glaube für den heutigen Menschen spielt, nämlich im heutigen alltäglichen Gerangel um die Existenz, um Arterhalt d.h. Paarung, Sex, Familie, um Beruf und Ansehen und um die persönliche, religiöse, kulturelle und nationale Identität wie um die persönlichen Rechte, und wieso es für beide, für Staat und Kirche bzw. Religion durchaus sinnvoll ist, Staat und Kirche bzw. Religion institutionell zu trennen.

 

Ich will dieses mit möglichst knappen Worten umreißen. Der Theologe, Prof. Dr. Christof Gestrich,  formulierte vergangenen Monat in Berlin in der »Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen«

„Die Freiheit ist ein Geschenk Gottes an die Menschen ..., so dass die Menschen es wagten, die tierischen Fesseln (Sachzwänge des Gerangels, Lebenskampfes, {von mir}) des Verhaltens abzustreifen. ... Wo Böses aufkommt und herrscht, da wird Freiheit aufgelöst.  E. Jüngel formulierte steil, ein Wort von Herder abwandelnd, ‚Die Glaubenden sind die ersten Freigelassenen der Schöpfung.’“

Alle großen Religionen der Gegenwart bieten durch Gebet, Meditation, Versammlungen, Tempelbesuch u.s.w. die Möglichkeit, inneren Abstand von solchen Sachzwängen, vom Gerangel des Alltag zu finden, dessen Regelung heute die Aufgabe der Politik ist, ursprünglich aber auch die der Religion war, also von Streß, Not, Haß, Gier, Habsucht, Eifersucht, Rachsucht, Betrug, Diebstahl, Gewalt und deren Ursache zu erreichen und eben Besinnung. Denn erst mit der inneren Freiheit davon, nämlich mit der inneren Freiheit von Zwängen und für eine eigene Entscheidung ist überhaupt Verantwortung erst möglich.

Alle großen Religionsstifter von Laotse bis Mohammed kennen und verkünden diese Erfahrung.

 

Der Grundsatzfrage, wie sich logisch solche innere Freiheit mit der ontogenetisch wie phylogenetisch vorgegebenen natürlichen Veranlagung des Menschen vereinbaren lässt, geht Gerold Prauss mit seiner gigantischen Arbeit „Die Welt und wir“ nach, wenn er z.B. klarstellt:

Band 2/1, Seite 424 

„Hat es doch schlechthin keinen Sinn, von einer Absicht oder Intention zu sprechen, wo Verwirklichung als eine Fremdverwirklichung von etwas Anderem immer wieder nur auf eine weitere Fremdverwirklichung von etwas Anderem zurückgeht, wie normalerweise im Bereich der makroskopischen Objekte, wo Natur als ein Ereignis immer wieder nur die Wirkung ist von einer Ursache als einem anderen Ereignis. Hier von einer Absicht oder Intention zu sprechen, wäre denn auch nichts als jener Animismus, und zu diesem werden Sie wohl kaum zurückkehren wollen. Von einer Absicht oder Intention zu sprechen, hat vielmehr nur dort Sinn, wo Verwirklichung als eine Fremdverwirklichung von etwas Anderem auf eine Selbstverwirklichung zurückgeht, nämlich auf die Selbstverwirklichung zu eben solcher Absicht oder Intention von etwas Anderem. Sie aber ist von so besonderer Art, daß sie auch nicht einmal auf eine weitere solche Selbstverwirklichung zurückgehen kann - — da sie sonst gar nicht erst zustande kommen könnte, weil unendlichem Regreß erliegen müßte und genau in diesem Sinn auch immer wieder etwas Ursprüngliches bilden muß.

Denn eine Absicht oder Intention eines Subjekts kann eben, wie Sie schon gesehen haben, nicht auch ihrerseits auf eine weitere Absicht oder Intention dieses Subjekts zurückgehen.

Zum Sinn von Absicht oder Intention gehört jedoch nicht nur, daß sie als Fremdverwirklichung aus Selbstverwirklichung hervorgeht, sondern auch noch, daß sie aus dem Selbstbewußtsein dieser Selbstverwirklichung heraus ergeht, das auch dem Fremdbewußtsein dieser Fremdverwirklichung zugrunde liegt. Denn in der Tat tritt eine Absicht oder Intention nur auf, wenn sie als Fremdverwirklichung durch Selbstverwirklichung auch noch bewußt umwillen ihrer selbst ergeht, um nämlich für sich selbst bewußt Erfolg zu haben in Gestalt von etwas eben dadurch Fremdverwirklichtem als Wirklich-Anderem. Genau in diesen, Sinn von ursprünglichem Selbstbewußtsein ursprünglicher Selbstverwirklichung jedoch, das als der Ursprung von Bewußtsein auch noch dieses Fremdbewußtsein  dieser Fremdverwirklichung erklärt, ließ eine Absicht oder Intention ihrem Gesamtsinn nach bereits im vorigen sich herleite: Kann so etwas wie Selbstverwirklichung doch ohne Selbstbewußtsein von sich widerspruchsfrei gar nicht denkbar sein.“

 

 

Wir können getrost behaupten, dass jeder Politiker samt Untertan, jeder Religionsfürst und Gläubige, und somit erst recht auch jeder Wähler als Privatmensch immer auch Gott gegenüber verantwortlich ist, ob er einen solchen kennt oder nicht, womit zugleich ja die Entscheidungsfreiheit des Menschen eben nicht nur behauptet wird, sondern womit zugleich ein Prozess zur Befreiung dazu als Entwicklungsprozess auf drei Ebenen erhellt d.h. gemeint sei.

 

1. Ginge es Gott oder einer Religion oder einer Philosophie darum, eine theologische Dogmatik oder Ideologie im Sinne einer Denk- und Handlungsvorschrift, die von jedem Theologen oder Philosophen und in jeder Generation anders und neu entworfen oder verstanden wurde und wird, politisch umzusetzen, zu verwirklichen, dann könnte das Ergebnis nur Diktatur, Gehorsam, Unterwerfung, Zwang und Entmündigung sein mit den barbarischen Instrumenten der Gedankenkontrolle, der Inquisition und der Gewalt mit den Nebenerscheinungen wie Erpressung, Misstrauen, Missbrauch, Verleumdung, Heuchelei, Lüge, Opportunismus, Angst und Schrecken, - eben Unfreiheit, wie alle Völker es nach einer bitteren Geschichte zu lernen hatten. Die beste Idee und Religion entwickelt sich derart zum Freiheits- und damit zum Menschenfeind, wenn sie mit Macht und Gewalt realisiert wird, und dabei wohl unvermeidlich von Menschen auch als Machtinstrument benutzt, d.h. auch instrumentalisiert wird.

Aus diesem plausiblen Grunde kann die Religion gerade in der Trennung von der Tagespolitik ein Ort der Besinnung und der inneren Freiheitsfindung sein und bleiben und damit auch Verantwortung vermitteln, - gerade weil ihr eigentliches Anliegen weit über diese Tagespolitik hinaus geht.

 

2. Dennoch gehört es zur Wirklichkeit jeder Religion selbst, dass dort Gedanken, Behauptungen, Befehle, Drohungen sowohl in der Form von Informationen, als auch in der Form der Überredung, Drohung, Indoktrination, Inkulturation, sozialer Konvention, Tradition und Allgemeingültigkeit vermittelt werden, die das Denken und Tun im Sinne von Richtig und Falsch, Gut und Böse und damit ein aufeinander abgestimmtes, berechenbares Miteinander bestimmen. Wir Christen sprechen davon, lebendige Steine einer Kirche zu sein (1.Pet.2,4).

Aber Jesu Schicksal ist geradezu ein Beispiel dafür, wie gnadenlos sich Unstimmigkeiten mit der Lehre, Konvention und Tradition einer Religion gegen Abweichler richten können, also gegen die Freiheit und Selbstverantwortung; wir kennen dieses in den Religionskriegen bei Christen untereinander, im Kampf gegen Häresien, Sekten und Irrlehren, aber natürlich auch als Kampf der Religionen gegeneinander um die Vormacht, um die Alleingültigkeit oder Alleinherrschaft, selbst wenn dieses ganz unpolitisch verstanden wird und es nur um die Interpretation und Auslegung von Lehre, Dogmen und von Falsch und Richtig geht.

 

3. Die menschliche Natur.

Bevor wir die Verantwortung als Aufgabe, Möglichkeit und Grenze der Religion für das Irdische jeder Tagespolitik beschreiben können, sollten wir uns diese irdische Natur des Menschen und der menschlichen Gemeinschaften – auch der Religionen – und damit unserer daraus resultierenden irdischen Probleme bewusst machen. Denn sehr viel mehr, als uns bewusst ist, ist auch das uns Selbstverständliche unserer irdischen Natur auch in unseren Religionen enthalten. Wie einst die großen Potentaten und Diktatoren wie Alexander, Caesar, Dschingiskahn, bis Napoleon und Hitler versprachen und dachten: „Wenn sich alle Völker von mir unterwerfen lassen, bedeutet dieses Frieden für alle.“, so finden wir z.B. solche naive Vereinfachung scheinbar auch in allen Religionen, soweit sie miteinander konkurrieren und sich gegeneinander abgrenzen und selbst noch bis in die Gegenwart hinein sich mit Krieg und Gewalt bekämpfen und somit eher selbst ein Problem der Tagespolitik sind als dass sie für solche die Verantwortung übernehmen könnten. Deshalb müssen wir verstehen, dass gerade dem entgegen sowohl Wurzel wie Träger solcher Entwicklung zur Freiheit in den Religionen zumindest implizit gegeben und zu erkennen ist, nämlich auch als Fähigkeit, solche Feindschaft gegeneinander zu überwinden wie auch die „natürliche“ Feindschaft Mensch gegen Mensch, wie es sich ja auch zunehmend abzeichnet, wie ja zumindest implizit in dem Begriff „Gut“ mit der Aufforderung dazu, nämlich gut zu sein statt böse auch die Entscheidungsfreiheit dazu enthalten ist, und in dem Begriff „Böse“ implizit die Aufforderung und damit die mögliche Entscheidungsfreiheit dagegen beschworen, behauptet und gemeint ist und dem Menschen vermittelt und auch aufgeladen wird.

Wie die biblische Genesis – wahrscheinlich bereits 5000 Jahre vor unserer Zeit - formuliert, verließ der Mensch mit dieser Erkenntnis, d.h. mit den Begriffen „Gut“ und „Böse“ und der darin enthaltenen Verantwortung das Paradies. Dieses ist also keine neue Erkenntnis aus dem 20. Jahrhundert.

Natürlich können und brauchen und dürfen wir nicht dem Gedanken ausweichen, dass angesichts einer Entscheidung erst mit den Begriffen und Vorstellungen „Gott“, „Gut“ und „Böse“ solche Freiheit und Verantwortung erzeugt und Wirklichkeit werden und zwar durch die allem Irdischen und irdisch-Natürlichen übergeordnete Dimension von „Richtig“ und „Falsch“ im Sinne einer anderen und nur höheren, scheinbar übernatürlichen Bindung. Gilt dies Gleiche aber doch auch und wohl Grundsätzlich, wenn nicht hauptsächlich gegenüber dem Urteil und Schicksal eines Menschen, wenn wir uns dessen Schicksal und Urteil gegenüber verantwortlich fühlen. Es wäre geradezu weltfremd, wollte die Theologie solchen anthropolischen Aspekt der Religionen leugnen. Nur gilt es, Anthropologie und Natur weit umfassender zu begreifen, als einen darwinistischen, ökologischen und physo-chemischen Prozess, in dem es in der Tat kein Gut und Böse zu geben scheint.

 

Denn diese oben derart sicher vereinfachte negative Plausibilität und negative Erfahrung mit Religionen und Konfessionen, mit Gut und Böse, so wie mit Falsch und Richtig, Gut und Böse als Dogmen, mit solchen administrativ und politisch dogmatisierten Ideen, Ideologien, Wahrheiten und Interpretationen überhaupt, wodurch eine Entwicklung im zivilisiert-humanen gesellschaftlichen Miteinander, wie in der Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Politik und nicht zuletzt von Philosophie und Theologie immer behindert oder verhindert wurde, sollte uns nicht verleiten, nicht minder dogmatisch quasi dogmatisch-agnostizistisch uns jenseits der Kirche und der Religionen, jenseits von Gut und Böse, von Falsch und Richtig zu stellen oder Gott einfach zu leugnen und zu ignorieren.

 

Dieses gilt - scheinbar paradoxer Weise - in gleicher Weise und zwar ursprünglich von den vier oben angeführten natürlichen, d.h. angeborenen Kriterien des alltäglichen Gerangels, die Existenz- und Arterhalt, sowie unser Geltungs- und Identitätsbedürfnis bestimmen, nämlich von der menschlichen Natur, der wir eben nicht ausgeliefert sind, wenn wir sie auch täglich als Ursache und Problem allen Strebens und als Ursache von Glück und Befriedigung wie auch von Leid und Verzweiflung selbst erleben und anderen zufügen, und in denen wir uns verlieren und vergessen können, und über die wir uns an anderen Menschen vergehen und schuldig machen bzw. die an uns und gegenüber Gott schuldig werden, wenn wir z.B. andere Menschen und Geschöpfe gefügig und untertan machen und ebenfalls instrumentalisieren bzw. von ihnen gefügig gemacht und instrumentalisiert werden. Denn ungeschminkt d.h. unzivilisiert ausgelebt als Kampf jeder gegen jeden kennen, erkennen und erleben wir diese „natürlichen“ Kriterien des alltäglichen Gerangels ganz sicher oft als die eher unmenschlichen, animalischen Attribute von unzivilisierten Barbaren und unzivilisierter Barbarei, die unser aller Vergangenheit bestimmte.

Dennoch würde die einfache Verneinung und Überwindung der menschlichen Natur erst recht Unmenschlichkeit bedeuten, wie wir klar sehen müssen.

Wir können uns nicht über den Menschen und seine Natur stellen, ohne selbst unmenschlich zu werden und mit dem Menschen auch uns selbst zu verneinen, wie es aber scheinbar fast alle großen Religionen fordern. Im NT : Rö.7,18; Gal. 6,8;

 

Dafür, daß es seit Menschengedenken überall in der Welt Inseln gab und gibt, auf denen Menschen trotz ihrer menschlich-barbarischen Natur eben auch nicht barbarisch und dennoch natürlich miteinander umgingen und umgehen können – zumindest zeitweise -, mag als Beweis gelten, dass zivilisiertes Miteinander trotz oder aufgrund von Politik, trotz oder aufgrund von Religion und Philosophie und trotz oder aufgrund der menschlichen Natur möglich ist. Und dies ist das Sehnen aller Kreatur, wie es Paulus formuliert (Rö 8,19)

Deswegen scheint es mir notwendig, dieses vereinfachte anthropologische Modell der vier Lebenstriebe als Beispiel etwas genauer auf seine Natur hin zu untersuchen.

Am Ende des vergangenen Jahrhunderts und Jahrtausend erlebten wir die stolze und sicher aufregende Meldung, dass der DNS-Code des Menschen endlich entschlüsselt sei. Das heißt, wir haben oder kennen die Millionen Buchstaben, deren Funktion und Bedeutung jedoch noch zu 99,99% unbekannt sind. Wenn wir nur die Existenz, die Art und das Treiben eines Individuums in Flora und Fauna als nur vier von allen DNS-Bausteinen verstehen oder aber als die philosophische oder biologische Benennung oder Zusammenfassung mehrerer, dann mag das eine unstatthafte Vereinfachung sein, als würden wir alle Weltelemente wie einst nur in Luft, Feuer, Erde und Wasser einteilen.

Aber es mag dennoch hilfreich sein, uns diese Kriterien derart als ontogenetisch wie phylogenetisch vererbte und auch logische Voraussetzung allen Lebens und auch der menschlichen Existenz zu denken, wozu wie jede Art auch der Mensch für diesen Existenzkampf in der Welt gegen und mit der gleichen Art von Menschen und mit anderen Arten, wie Raubtiere, Insekten, Läuse, Bakterien u.s.w. zugleich eine Konditionierung mitbekam z.B. durch die Art der Wahrnehmung und des Wahrgenommenwerdens, des Schmerzes und des Leidgefühls, der Libido, der Verteidigung und des Angriffs u.s.w., wodurch diese vier Kriterien wie durch ein unentwirrbares Netz von Verbindungen, Querschaltungen, Abhängigkeiten und gegenseitigen Verstärkungen miteinander verwoben sind.

 

   die vier Seins- und Verhaltenskriterien DNS-rechts die DNS-Helix

Ohne diese vier Triebe und die entsprechende Konditionierung, bzw. ohne diese Gene würde die Menschheit kaum einen Monat überleben.

 

Wissenschaftlich-empirisch definiert angeboren und vererbt bedeuten diese Triebe kausal funktionierende Determinanten und Automatismen, die zum einen unsere Existenz ermöglichen und die Weise unserer Existenz ausmachen, wobei sie aber zum anderen im Gegensatz zur nichtmenschlichen Fauna und Flora, wo sie normal sind, ungeschminkt beim Menschen als unmenschlich, eben als das hervortreten, was wir als die Attribute der Barbarei bezeichnen, als fressen und gefressen werden, als verdrängen und verdrängt werden, töten und getötet werden usw..

Diese Vereinfachung soll hier die Problematik solcher Vereinfachung offenlegen.

Wenn diese angeborene Natur des Menschen in der Form dieser vier Triebe letztlich durch ein solches Säuremolekül bestimmt wird, liegt es doch nahe, unsere Natur als einen physo-chemischen Prozess zu verstehen.

Die theoretische Widersprüchlichkeit bei der Antwort auf die Frage nach der Natur des Menschen, daß sie also sowohl barbarisch und böse determiniert und dass der Mensch dennoch mit seinem freien Willen und möglicher vernünftiger rationaler Einsicht für eine ethisch bessere Welt selbst verantwortlich sei, entstand –wie gesagt - nicht erst mit der Erkenntnis moderner Wissenschaft in solche genetische Struktur, und nicht etwa erst mit der sog. Aufklärung im 17 Jahrhundert, der wir dennoch die erste überreligiös und überphilosophisch ethisch gemeinte Maxime „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verdanken, sondern ist ein ganz selbstverständlich gewordenes Erbe der großen Religionen. Im Gegenteil, mit der rasanten Entwicklung von Wissenschaft und Technik und der Weltbevölkerung mit den unbewältigten Problemen wurden seit dem Ende des 19 Jahrhunderts die Stimmen sog. Aufklärer zahlreicher, die die Ethik und Moral scheinbar logisch zurecht für etwas Unnatürliches erklären, aber keineswegs zurecht sogar als etwas Unmenschliches verwerfen, und die auch ihre Begründungen, die in der Tat in den Religionen sehr unterschiedlich, widersprüchlich  und oft recht abenteuerlich gegeben sind, als unglaubwürdig ablehnen. Sicher gäbe es ohne Ethik und Moral kein Bevölkerungsproblem, es gäbe keine Wissenschaft und Medizin, nur primitive Technik und damit auch keine Umweltverschmutzung, keine Gefahr des Atomkrieges und auch kein Artensterben im heutigen Sinne. Wer dem Lebenskampf nicht gewachsen ist, stirbt an den Krankheiten, verhungert, erfriert, wird erschlagen oder von Tieren gefressen. Das durchschnittliche Lebensalter knapp 30 Jahre.

Dem entgegen steht der ungeheure Aufwand einer viele Tausend Jahre währenden Entwicklung an allen Weltenden, in der der Mensch zu einer menschenwürdigen Existenz auf Erden langsam hingeführt und erzogen und vor einem menschenunwürdigen Vegetieren bewahrt wurde, - ein Prozeß, der keineswegs abgeschlossen ist und in der Tat ganz neue Probleme hervorbringt, neben den genannten eben auch die Probleme, die die Religionen nun miteinander haben, und die in der traditionellen Form wie eine zu enge Haut auch für den Menschen, für die Politik und Wissenschaft und selbst für ein humanes Miteinander zu einem Problem und Hindernis werden.

 

Ehe wir diesen Widerspruch, dem wir permanent im alltäglichen Gerangel begegnen, auf die grundsätzliche, unvermeidbare und eben auch alltägliche Vereinfachung d.h. Ungenauigkeit jeder Wahrnehmung und Behauptung zurückführen können, mit deren Hilfe wir von der Natur des Menschen oder überhaupt von der Natur sprechen und uns solche Entwicklung veranschaulichen, sollten wir uns weitere Vereinfachungen d.h. Ungenauigkeiten im und in der Beurteilung des alltäglichen Gerangels vorstellen und die von uns genannten vier Kriterien präzisieren und dies bereits dadurch, dass wir sie einfach nummerieren in

1.            Existenzerhalt,

2.            Arterhalt,

3.            Geltung, Wert, Gültigkeit

4.            Abgrenzung, Identität, Übereinstimmung, Koordinierung innerhalb der Abgrenzung, Haut u.s.w.,

als wären dies eigenständige und voneinander unabhängige Triebe. Es sind jedoch sehr komplexe, miteinander verwobene und voneinander abhängige Kriterien, die unsere biologische Existenz ausmachen. Jedes ist die Voraussetzung für die anderen.

Existenz- und Arterhalt, Geltungstrieb und Identität sind jedoch Vereinfachungen menschlichen Urteilens. Würden wir die Liste mit weiteren Trieben erweitern oder zu weiteren unterteilen wie Lust, Unlust, Liebe, Haß, Hunger, Durst usw. oder alles zusammenfassen und nur von Natur und Leben sprechen

 

Es soll hier auch nicht darum gehen, mit solchen Kriterien noch eine weitere analytische Philosophie oder Soziologie zu entwerfen. Zu empfehlen ist hierzu vielleicht die beiliegende Literaturliste zu diesem Thema. Derart vereinfacht soll hier nur das Natürliche, Irdische, Weltliche, Diesseitige des menschlichen Handel und Wandels vereinfacht mit einfach benennbaren Konturen und Vorstellungen deutlich werden, mit denen uns Gott ausgestattet hat, die durch Gott und unseren Glauben an ihn, eben durch die Begriffe Gut und Böse eine neue Bedeutung und zusätzliche Funktion bekommen.

 

Die Mechanik oder Klaviatur solcher Kriterien als Kondition, damit wir rein physisch leben können, geschehe über hormongesteuerte Gefühle wie Schmerz und Lust, Hunger und Durst, Liebe und Hass, Angst und Hoffnung u.s.w.. Aber mit solcher einfachen und eben vereinfachten Benennung könnten wir mit etwas Mühe die vielen und verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte, Theorien, Religionen, Philosophien und gesellschaftliche Strukturen, die die Menschheit im Laufe ihrer Entwicklung hervorbrachte, jeweils einem oder einigen dieser vier Kriterien zuordnen, d. h. die jeweils wohl einem von diesen vier Kriterien eine Priorität zumessen, was ich hier nur andeuten will und die bereits von daher, nämlich nur einseitig favorisiert oder betont Widerspruch oder Kontradiktion zu anderen sog. Weltanschauungen mit anderen Prioritäten nahe legen oder hervorrufen. Der Marxismus favorisierte bekanntlich mit Nr. 1 den ökonomischen Prozess und ordnete diesem alles andere unter. Bekanntlich scheiterte er letztlich an solcher Einseitigkeit, nämlich am Wertesystem d.h. am Bedürfnis des Menschen zur individuellen (auch nationalen oder religiösen) Identität und Gültigkeit, also an Nr. 3. und Nr. 4..Das Selbstwertgefühl und das individuelle Selbstwertbedürfnis (Nr. 3.)wurde immer stärker, nachdem der unmenschliche Mangel an Nahrung, Grundversorgung und Bildung einigermaßen gerecht gestillt war. Darwinismus schließlich, die Evolutionslehre wie die psychologische Philosophie von Nietzsche und der Rassismus tendieren zu Nr. 2, aber eben auch Familienbedürfnis, Kinderwunsch, Erotik, Sex, wie ebenso rücksichtslose Sexbesessenheit, die sich über jede Hemmung von Anstand hinwegsetzt. Fast alle Macht- und Kulturstrukturen resultieren aus Nr. 3.: beruflicher und gesellschaftlicher Ehrgeiz, Geld- und nicht zuletzt Machtstreben, und zwar nicht nur von Potentaten. Moderner Nationalismus, Individualismus, Existentialismus, aber auch jeder Konfessions- und Religionspatriotismus und ihre Protagonisten favorisieren schließlich Nr. 4.

 

Wohlgemerkt, mit solchem modernen, ontisch verstandenen Biologismus könnten wir alle sozialen Strukturen des Menschen wie auch seine Philosophien und Religionen gleichzeitig deduktiv wie induktiv, synthetisch wie analytisch samt vieler Widersprüchlichkeiten auf das menschliche DNS-Molekül zurückführen, soweit wir dessen Struktur gemeinsam besitzen, übrigens zu mehr als 99% gemeinsam mit den höheren Tieren von der Ratte bis zum Spatz auf unserem Dach, aber selbst noch weitgehend und grundlegend gemeinsam mit den Pflanzen, Pilzen, Viren und Bakterien.

 

Bei den Tieren und Menschen, die nicht nur reagieren sondern zudem über Sinneswahrnehmungen, Bewußtsein und Lernprozesse bestimmt werden, gilt dieses nicht weniger oder erst recht, wobei das Urteil über Richtig und Falsch einerseits von der Vereinfachung unserer Umwelt bestimmt wird, die durch die Erkenntnis über die Sinnesorgane vorgenommen werden, mit denen wir unsere Umwelt als Zeit und Raum, in den Kantschen Kategorien und als Hell, Dunkel und Farbe, als Form, Beharrlichkeit oder Bewegung, als Teil oder Ganzheit, als Geruch, Geräusch u.s.w. wahrnehmen, ein Vorgang, der sich auch bei höheren Tieren nicht biochemisch oder biophysisch also nicht unmittelbar kausal ableiten lässt, zum anderen jedoch als Urteil über Falsch und Richtig ontogenetisch wie phylogenetisch als unmittelbar und durchaus biochemisch und biophysisch im Sinne unserer vier Kriterien oder der Millionen Gene unserer DNS determiniert scheint. Doch zuletzt sind auch unsere wissenschaftlichen und messbar nachweisbaren  Erkenntnisse nichts weiter, als Schlussfolgerungen aus sinnlichen Wahrnehmungen – und sei es an den Instrumenten – und damit Vereinfachungen, vorläufige Hypothesen und weitere Ungenauigkeiten, denen man widersprechen kann.

Dies alles scheint also darauf hinzudeuten, dass der Mensch nicht anders als Fauna und Flora eben nur ein etwas intelligenteres, ein etwas raffinierteres Tier und Lebewesen ist, das quasi genprogrammiert nur als eine kurze Seinsepoche auf diesem Planeten bzw. im Weltengetriebe auftaucht und wieder verschwindet, wie einst die Dinosaurier, - also lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.

Die Behauptung der Philosophen und Religionen, der Gesetzesgeber und Staatslenker und nicht zuletzt aller Eltern, die ihren Kindern oder Untertanen seit Tausenden von Jahren predigen und begründen, dass es für das Verhalten, für das Tun und Lassen des Menschen keineswegs nur auf Richtig oder Falsch als Nützlich oder Gefährlich ankommt, sondern im Unterschied zum Vegetieren der Tiere auch auf Gut und Böse im Sinne einer Verantwortung gegenüber einem gerechten Gott und auch gegenüber den gerechten wie auch ungerechten Menschen, ist nicht anders als jede Definition von Falsch und Richtig ungenau und vereinfacht, so dass man in jedem Einzelfall leicht ein Gegenargument, eine Ausrede oder eine andere Definition oder Behauptung aufstellen kann. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Beispiele aufzuzählen.

Wer aber dann bei vielen oder mehreren Möglichkeiten einer Theorie oder Hypothese, einer These oder Antithese Recht bekommt, sich durchsetzt, die Allgemeingültigkeit bestimmt, ohne das nun mal keine Gemeinsamkeit möglich ist, entscheidet sich, seit Menschen zusammen leben, in diesem und mit diesem Gerangel nach der jeweiligen „Hackordnung“ nach den genannten Kriterien von Oben nach Unten. Dies geschieht keineswegs nur gegen die Mehrheit, sondern die Unterwerfung unter einen Leithammel ist ebenso natürlich wie auch die Gewalt, mit der man Widerspenstige ausgrenzt, bekämpft oder auch tötet.

Und es ist keineswegs so, wie Rudolf Bultmann in seinem Vorwort zu seinem Jesus-Buch behauptet, als könnten wir im Gegensatz zur Geschichte die Natur unbeteiligt und objektiv wie ein Objekt außerhalb von uns betrachten. Es ist im Gegenteil so, dass auch unsere Wahrnehmung und unsere „objektive“ Erkenntnis, unser Dichten und Trachten, unser Handel und Wandel in einer Gemeinschaft selbst Natur ist.

Und wir können getrost behaupten, dass wir es bei den Gemeinsamkeiten auch aller Religionen wie bei allen Gesellschaftsstrukturen und Konventionen, selbst wenn irgendwo tatsächlich die Wahrheit verkündet würde, letztlich immer nur mit natürlichen, freiwilligen, aber auch kaufbaren oder erzwingbaren Loyalitäten, mit irgendwie erzwungener Unterwerfung, Anpassung oder Opportunität zu tun haben, sei es unter Potentaten und Tyrannen, sei es unter Religionsführern, Gurus und Lehrern, unter Eltern, Familien oder Konventionen, und auch in den Parteien moderner Demokratie, - wodurch ja erst dadurch Gemeinsamkeit erreicht wird, dass Gegenargumente unterdrückt oder überstimmt werden. Immer regelt sich dabei Oben und Unten, also wer Richtig und Falsch, Gut und Böse bestimmt, nach den Regeln des Gerangels, wie immer und mit welchen Mitteln dann derjenige, der oben ist, seine Entscheidung auch legitimiert.

Es wäre primitive Unwissenheit, Selbsttäuschung oder Unwahrheit und Lüge, würde irgend eine Religion, Philosophie, Kultur, Nation oder Konvention diese Grundstruktur aus den genannten vier natürlichen Kriterien jeder Gemeinsamkeit leugnen, die wir mit den Tieren auf dem Hühnerhof oder im Affenstall gemeinsam haben, um es ungeschminkt hart auszudrücken. Dieses gehört – mehr oder weniger grob, explizit, implizit, unbewusst oder bewusst – seit Menschengedenken zur normalen Menschenkenntnis. Es ist der ganz normale sog. Lebenskampf.

Wie schon gesagt, ohne diese genetisch bestimmte Grundstruktur würde die Menschheit und auch jede andere Lebensart keine vier Wochen überleben. Und „von Natur aus“ ist in diesem natürlichen Gerangel Betrug, Täuschung, Diebstahl, Verdrängung, selbst Tötung (zumindest anderer Arten) normal und ein Merkmal der Qualität und ein Mittel von Existenz- und Arterhalt. In der Natur ist Betrug nicht böse.

 

die wir aber nicht einfach als fleischlich, irdisch, tierisch, biologisch determinierend und zwar, weil sie ontogenetisch wie phylogenetisch unsere Daseinsfähigkeit bestimmen

 

2. Was wäre der erste Schritt zur gemeinsamen Weltverantwortung der Religionen?

 

3. Kann es überhaupt eine gemeinsame Weltverantwortung geben oder sollten sich die Religionen aus den politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Fragen der Welt heraushalten?

 

4.Ist der Glaube im Hinblick auf den Weltfrieden ein Störfaktor?

 

5. Was könnte die Religionen Islam, Judentum und Christentum einander näherbringen?

 

6. Was wird bzw. wurde von Ihrer Religion zur gemeinsamen Weltverantwortung beigetragen?

 

7. Gibt es Ihrer Meinung nach Religionen die negativ zur Weltverantwortung beitragen?

 

8. Welche Religion hat Ihrer Meinung nach am meisten zur gemeinsamen Weltverantwortung beigetragen?

 

9. Wie religiös sind die Religionen, wenn sie gegeneinander kämpfen? Und warum kämpfen/kämpften Religionen gegeneinander, anstatt sich zu vereinigen?

 

10. Wäre eine Lösung für die Probleme dieser Welt (Religionskriege, Terrorismus...) die Abschaffung der Religionen?

 

Vielen Dank!

LuiseHafner@gmx.de

COfterdinger@aol.com