Willkommen zum Thema Bildung und Bildungssysteme
Alles was den Menschen vom Tier unterscheidet gehört zum Thema Bildung.
Whatever separates human being from the animal it belongs to the theme education.
Dennoch wird kaum ein Thema derart vernachlässigt.

Ein Hauptproblem jeder Bildungsreform ist ohne Zweifel die Tatsache, dass wir und unser Urteilsvermögen das Produkt eines alten oder des bestehenden Bildungssystems sind.

In fast allen Diskussionen über das Bildungsproblem hört man, dass nicht die Politik schuld ist, auch nicht die Minister, schon gar nicht das Bildungssystem oder die Schule, oder gar die Lehrer, schuld sind die Eltern, sagt man übereinstimmend, und die schlechten Zensuren bekommen die Schüler. Daran ist mehr richtig als es scheint, schuld sind in der tat die Produkte des Bildungssystens, nämlich die Menschen in der Politik, im Bildungssystem und in der Schule. Es ist ein Teufelskreis.

29. Mai, 2002


Ein Religionsbuch
Leisten sie einen Beitrag! Translate interesting contributions into your language! Schildern Sie Beobachtungen und Erlebnisse: in Schule und Universität, in Medien, Beruf und Politik, in Familie und Nachbarschaft, bei Freundschaften und Feindschaften, Beispiele von Achtung und Verachtung, von Sieg und Niederlage, bei Hilfe und Betrug;
 write in your language and mailto: Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de?subject=Bildung

Neu: 11. September 2001. aktualisiert 14. Sept.
Ein Religionsbuch
Das Problem der Arbeitslosigkeit als Bildungsproblem
Bildungstheorie
Bildungsphilosophie
Grundprobleme
z.B. Wo immer das Bildungssystem gesellschaftliche, dh. soziale Hierarchien und die Hackordnung wie auf dem Hühnerhof oder wie im Affenstall bestimmt, findet man auch die Tendenz, Bildungsunterschiede zu verteidigen und auszubauen, - und damit natürlich auch den ganzen aristokratischen Mist wie Menschenverachtung, Korruption, Bestechung, Opportunismus und Mißwirtschaft. 
Grundthemen
Von der Enzyclopädie zum Internet/ englisch

Warum ist eine Diskussion über Bildung schwierig? 
Warum sind Bildungsreformen schwierig? 
Bildung und bestehende Bildungseinrichtungen. 
Bildung und Dressur. 
Bildung und Freiheit. 
Sozialstrukturen und Bildung. 
Bildung und Religion 
Bildung und Medien. 
Bildung und Politik. 
Bildung und Armut, Bildung und Wohlstand. 
Bildung und politische Ansichten. 
Bildung und soziale Ansichten. 
Bildung und Frieden.

Afrikanisches Model:deutsch,französisch, englisch
Bildungsmodelle

 

  home, Übersicht



Ein altes anachronistisches Bildungssystem, in der Hand der Bundeswehr?

Vorwort zum folgenden Artikel: Bildung.

Mir ist klar, daß der unten gelobte Scharping mit bestem Gewissen behaupten würde, das an ihm Gelobte in der folgenden Interpretation weder gesagt noch gemeint noch auch nur gedacht zu haben, nämlich aus der Bundeswehr die beste Hochschule unserer Zeit machen zu wollen.
Allerdings könnte einem Eingeweihten der Szene privater Bildungsunternehmen, die in der Regel überteuert verkaufen, was man im Internet und in jeder Bibliothek fast gratis bekommen kann, in der Tat der Optimismus fragwürdig scheinen, ob sie es besser machen würden, als es unsere traditionellen Hochschulen tun. Pädagogische Konzepte werden auch dort noch kaum
angepriesen und auch wohl kaum ausprobiert.
Schöne Ansätze dazu aber gibt es. Und man  findet  bereits auf dem Markt der Lernsoftware interessante Versuche von Firmen, die auch die Lernprogramme der virtuellen Flugmaschinen aber auch der Millionen Spiel- und Killerautomaten schreiben, an denen Jugendliche Milliarden ausgeben, um Reaktionsschnelle zu üben.
Hier würde ein Pessimist behaupten, daß dort erst das Angebot diese Nachfrage erzeugt, während tatsächlich die Nachfrage nach Information und Bildung ungeheuer ist, wo und wie immer dieses ohne das monströse, aufgeblähte Schreckgespenst der antiquierten Schulinstrumente von Drohung, Erpressung, Zwang, Demütigung, Bevormundung, Erniedrigung u.s.w. angeboten wird.
Und es ist keineswegs utopisch, einen Lehrauftrag auszuschreiben, der als Leistung der Schule das Abitur samt Studium nebenberuflich in der halben Zeit oder in 30% der Zeit zu halben Kosten schafft.
 
 

Die deutsche Bildungsaristokratie
Ein Lob für unseren Militärminister.

Was an Ideal und Idealismus bei den Enzyklopädisten Zugang zum Wissen der Menschheit für jedermann bedeutete, ( Siehe den Artikel „Von der Enzyklopädie zum Internet.") wurde in Deutschland unter wilhelminischer Kaiservorstellung zum Machtinstrument und damit zu einer Untertansproduktionsanstalt. Wenn auch die militärischen Formen etwas dem Zivilen angepaßt wurde, so ist dennoch die Vorstellung von Bildung wie entsprechend auch die Struktur der Bildungsinstitutionen im Sinne von Oben und Unten als Wert und Unwert von göttlich gut bis dumm und böse auch als Lohn und Strafe, Macht und Abhängigkeit als Erfolg und Mißerfolg, als Gewinner und Verlierer noch durchgängig wilhelminisch aristokratisch bis archaisch einerseits, und andererseits jener wilhelminischen Zeit entsprechend für eine Agrarbevölkerung konzipiert, in der man als Kind bis zum 14 Lebensjahr alles lernen konnte und mußte, was man fürs Leben brauchte. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert, wenn man auch die Schulzeit etwas verlängerte und sich der Lehrstoff veränderte und wenn inzwischen dort Demokratie gelehrt aber in der Grundstruktur das Gegenteil praktiziert wird.

Im Überblick:

1.  Kann Lehrstoff und Schule demokratisch sein?
2.  Ist unser Lehrstoff, - wie das Einmaleins - Konvention, demokratischer Konsens, ist es ein göttliches - oder noch mehr - ein Naturgesetz, dem auch Gott noch unterworfen ist? Wäre eine demokratische Abstimmung darüber, ob 5 mal 5 = 25 ist, tatsächlich eine demokratische Abstimmung, eine Reifeprüfung des Einzelnen, eine Reifeprüfung der Allgemeinheit oder erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Grundlagenforschung? Schlimmer noch als keine Antwort ist die undifferenzierte Unterwerfung, unter etwas, „daß nun mal so ist", weil sich dahinter ein archaisches Prinzip verbirgt, dem mehr an Mythos anhängt als jeder Tradition, gleichgültig ob man sich oder einen anderen dem unterwirft. Denn dies ist das archaische Unterwerfungsprinzip, das auch über Leichen geht und ist von uns als menschliche Handlung zu verantworten.
3.  Mythos und die anstehende Entmythologisierung von Gedächtnis, Denkvermögen und Fertigkeit.
4.  Ist die menschliche Handlung als Anwendung von Naturgesetzen nun Magie, Technik oder Broterwerb bzw Lebenserhalt.
5.  Man sollte nicht meinen, daß all solche Fragen, Antworten und die geforderten Reformen ganz real hinter dem stehen, was Abc-Schützen lernen müssen, wie es einst ja auch ganz kriegerisch noch hieß, - womöglich demnächst aber dann auch vor oder hinter den Abc-Waffen - und was das Kind als auch eigenes Sein oder Nicht-eigenes-Sein oder als Haben oder Nicht-Haben, Gewinn oder Mißerfolg bereits in der Grundschule erwartet.

Erkennen, Urteilen, Handeln, Lehren und Lernen sind natürlich als System und Automatismus unserer Bildungseinrichtungen im Kontext mit unserer Geschichte, mit Religion, Kultur, Politik, Sprache, Beruf und Wissenschaft zu sehen, und ist sehr vielschichtig, so daß die Fokussierung nur auf die uralten archaischen Grundmauern in all unserem Tun leicht zu einem unglaubwürdigen Pamphlet mißlingen kann und was vielleicht dann auch eine ebenso eng strukturierte Reaktion, sei es als Ablehnung, als Vorurteil oder als Aktionsprämisse hervorrufen könnte. Aber die andere Möglichkeit, die reine Lernpsychologie, auf die man alternativ zu den hier sicher einseitigen Argumenten als Anwalt notwendiger Veränderungen meist zu setzen pflegt, kann eben auch nicht - oder nur theoretisch - von irgendeinem Außerhalb angewandt werden oder erfolgen, außerhalb von Religion, Kultur, Politik, Sprache und Beruf und steht deshalb immer ebenfalls ganz in diesem Kontext - ist aber dennoch mein zusätzlicher Anwalt und Komplementär.
Zudem muß ich an dieser Stelle den wohl interessantesten und vielleicht wichtigsten Aspekt allgemeiner Bildung scheinbar ganz ignorieren, er ist im Folgenden dennoch beiläufig überall spürbar, wenn auch ungenannt, daß nämlich die allgemeine Bildung auch die Gesellschaft, die Sprache, die Religion, Kultur, die Berufsstruktur, die Wissenschaften und selbst die politischen Verhältnisse verändert, und zwar über bewußt angelegte Zielsetzung jeweiliger Bildungsstruktur hinaus, wie wir an den einst sozialistischen Ländern im Osten sehen konnten. Daß die dort dogmatisierten Strukturen so schnell veralteten, lag ja nicht daran, daß die ursprünglichen Vorstellungen von notwendiger Veränderung des vorletzten Jahrhunderts im Kontext der damaligen Zeit unbegründet und falsch waren, als mehr als 90% der Menschen im Osten oder überhaupt der Menschheit noch Analphabeten waren und von den Gebildeten entsprechend ausgenutzt, verachtet und behandelt wurden, was sich als Prämisse damaliger Konzeption von 1850 bzw. 1917 eben durch die erfolgte allgemeine Bildung veränderte, wozu dann auch das Entstehen ganz neuer Möglichkeiten, neuer Erwartungen und Rechte gehörte, von denen Marx und Lenin nicht einmal träumten, was man aber nicht als Versagen sondern als Erfolg werten muß. Es ist eben nur keine Bildungszielsetzung, was stagniert. Aber wie in vielen asozialen Alkoholikerfamilien, die man sich als schreckliches Beispiel vor Augen halten soll, wo die Eltern ihre Kinder daran hindern, sich zu bilden und zu emanzipieren, weil sie fürchten müssen, Macht, Autorität und Achtung zu verlieren, so gibt es natürlich auch noch einige Staaten - wie einst die Kolonialmächte - die aus dem gleichen Grunde Bildung und Bildungsreform fürchten. Und nicht anders gibt es natürlich auch bei uns eine starke Lobby, die von den Mißständen profitieren und Veränderungen zurecht fürchten müssen. Diese werde ich nicht nennen oder als Schwierigkeit an den Pranger stellen, weil dieses nur ärgerlich ist und hier zu weit führt.
Aber auch den wichtigsten Aspekt jeder Bildung muß ich unausgeführt lassen, und zwar nicht deswegen, weil ich ihn übersehe oder mißachte, sondern, weil er weniger praktisch und organisatorisch und mehr als Ideal, Ziel und Bestimmung des Menschen und der Menschheit eine ganz andere Dimension von Argumentation und Umfang weil Grundsätzlichkeit erfordert. Wohin entwickelt sich die Menschheit? Man findet verbreitet statt Hoffnung auf Veränderung eher Angst vor solcher.

Die neue Initiative vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Rudolf Scharping, die Ausbildung nicht nur als Dienstleistung statt als Machtausübung zu verstehen, sondern sogar solche Umkehrung auch institutionell zu realisieren, indem z.B. Hunderte von Firmen beauftragt werden, die einzelnen Ausbildungssektoren zu übernehmen, ist ein vorbildlicher Ansatz von Versachlichung, wenn es nicht dabei bleibt. Ähnliches muß aber auch bezüglich aller anderen Schulen, Hochschulen und Universitäten - und natürlich auch Betriebe - ganz selbstverständlich werden, wozu das lahme, längst weltfremde, statische Lehrmonopol "Alter Schule" zum Müll der Geschichte gehört, wie der Rohrstock. Pädagogisch gute und bessere Lernprogramme der Software müssen genauso konkurrieren wie Lehrsysteme verschiedener Firmen und Personen - und vielleicht natürlich auch wie verschiedene Lehrtraditionen, die sich in alten Kulturen herausgebildet und bewährt haben. Diese eher institutionelle Reform sollte erleuchten, als was anderes Ausbildung sonst oder allgemein noch immer verstanden wird.

Bevor wir aber diesen Ansatz mit weiteren Argumenten festigen, schon allein, um alte, vertraute, aber überholte Bildungsvorstellungen in Frage zu stellen, um vielleicht zumindest einen Aspekt eines modernen Bildungsideals umreißen zu können, müßten wir natürlich auch grundsätzlich zu klären versuchen, was  Lernpsychologie, Pädagogik und Lernsoftware leisten kann und was nicht, was aber wohl teils aufgrund von Rückständigkeit bzw. merkwürdiger Traditionen und aufgrund merkwürdiger Befangenheit in alten Vorstellungen noch gar nicht möglich ist und wegen der eigentlich erst jetzt oder vielleicht erst in Zukunft sich ergebenden Möglichkeiten noch kaum zu überblicken ist?
Um die Gegner jeder oder solcher Entwicklung, die ohne Zweifel zu einer Verallgemeinerung oder zur Liberalisierung von Lehr- und Lern- und Berufskompetenzen und Beseitigung von Lehrmonopolen führen muß, zu beruhigen, aber auch, um keine unerfüllbaren Erwartungen und Illusionen zu wecken, sei vorweg festgestellt und zugestanden, daß auch das schnellste Lernprogramm, mit dem ich bereits heute die komplizierteste Rechnungen und Kalkulationen erledigen kann und mit dem ich in vielleicht 3 Monaten eine Sprache verstehen, sprechen und schreiben kann, - was es längst gibt, - , und daß ich auch mit dem besten Übersetzungsprogramm, wodurch sich vielleicht das Erlernen anderer Sprachen für viele überhaupt erübrigen wird, nicht zugleich die Reife und Weisheit vermitteln könnte, z.B. eine Brücke zu bauen oder z.B. Shakespeare oder Hölderlin dann auch zu verstehen oder ein Werk wie Goethes Faust zu schreiben. Selbst das berechtigte und oft angeführte Argument für Reformen, daß Genies wie Hermann Hesse, Thomas Mann, Heinrich Böll, Bert Brecht und selbst Albert Einstein - und eigentlich die meisten der großen Geister - eher trotz und meist sogar gegen unser Bildungssystem und meist außerhalb von ihm sich entwickelten, sollte uns nicht verstellen, daß die guten, alten Reifeprüfungen, Gesellenbrief, Meisterbrief, Promotion, Habilitation und sonstige Titel bisher eine nützliche gesellschaftliche Funktion darstellen, wodurch sich manches vereinfacht und regelt, wenn es um wichtige Handlungs- und Entscheidungskompetenzen geht, wenn damit auch die Physiognomie und Bedeutung eines Titels oder Berufs keineswegs verstanden ist, wodurch mit einer Zertifikatsübergabe jemand von einer Stunde zu anderen dann ein anderer Mensch wird oder zu werden scheint, was dann nicht nur in der Aufwertung bestimmter Menschen durch die entsprechenden Abwertung anderer Menschen ein weitgehend unverstandenes Phänomen von Geltung, von merkwürdigen Richtigkeits- bis Wahrheitskriterien darstellt, die ursprünglichen und früher berechtigten, heute aber anachronistischen hierarchischen Machtverhältnissen entstammen, die heute eher wie die alten überholten Adelstitel und Uniformen getragen werden, als daß diese mit tatsächlichem Wert, tatsächlicher Kompetenz, Fähigkeit oder Leistung etwas zu tun hätten, wobei die Waage, wie weit der Wert durch die allgemeine Wertung der Tradition, oder ob die allgemeine Wertung durch einen tatsächlichen Wert bestimmt wird, neu geeicht werden muß. Denn ob und wieweit man sich einfach über solche Geltung hinwegsetzen kann und soll und nur den meßbaren Gebrauchswert eines Menschen akzeptieren soll, muß dabei in dem Sinne hinterfragt werden, daß der Mensch nun mal so ist und oft erst in solcher Anerkennung d.h. gewissermaßen, durch den eigenen Glauben an sich und den der anderen an ihn seine eigentliche Souveränität, Sicherheit und Kompetenz erwirbt, sei es auch noch so lächerlich, ob dieses dadurch geschieht, daß sich ein afrikanischer Medizinmann anmalt und sich mit Knochen und sonst was behängt und eine große fürchterliche Maske aufsetzt, ob sich ein Polizist erst durch die Uniform als Autorität empfinden oder von anderen empfunden und geachtet wird, oder ob dieses durch ein Zertifikat mit der feierlichen Übergabe und mit einer Festrede geschieht. Dies alles ist nicht einfach wegzudenken noch als Sinn oder Unsinn aus dem Bildungsgedanken auszuklammern.
Da sich in aller Welt und nicht in Deutschland und Europa diese beiden eigentlich wesensfremden Kriterien in heute oft lächerlicher Weise überschneiden, was aber noch an Beispielen anzuführen ist, werden sich auch diese Kompetenzkriterien ändern - zumindest aber weiter versachlichen müssen. Was z.B. früher eher Zunft- oder Geheimwissen war oder noch früher die Magie von Schamanen, und was erst nach hartem, unterwürfigem und oft rituellem Dienen und nach vielen Lehrjahren der Unterdrückung, Ausbeutung, Erniedrigung und vielen Beleidigungen enthüllt wurde, kann heute eine Maschine oft besser und schneller und steht als überall abrufbare Information in der Gebrauchsanweisung oder jedem Fachbuch und bald hoffentlich auch in deutscher Sprache im Internet, wobei das reine Verstehen oft in 20 Minuten zu leisten ist und nicht erst vieler Jahre Knechtschaft bedarf.
Dennoch wissen wir natürlich, daß ein entsprechender Facharbeiter, Meister, Doktor, Mediziner, Professor die seinen Beruf betreffende Gebrauchsanweisung irgend eines Instruments z.B. anders und kompetenter liest und anwendet, als der Laie, wobei wir uns in der Praxis auf die berufliche Kontexterfahrung und das oft vielschichtige Hintergrundwissen des Fachmanns verlassen wollen und meist sicher auch können. Hier soll man nicht das Kind voreilig mit dem Bade ausschütten, wenn uns die Hochachtung vor dem graduierten Fachmann jedoch auch nicht hindern sollte, die uralten Strukturen zu überdenken.
So wird z.B. ein Patient in wenigen Jahren mit einem Mausklick genauere, aktuellere und mehr Informationen über seine Krankheit besitzen oder bekommen können, als der Arzt, den er aufsuchen muß, der bei seiner Diagnose vieles nur erraten kann, was der Patient am eigenen Leibe spürt, erlebt und oft Zeit seines Lebens an sich oder als sich, d.h. als sein Selbst kennt; und es wäre lächerlich, bestehende Erfahrungen über den Menschen und seine Krankheiten wie einen esoterischen Hokuspokus weiter hinter einer Geheimsprache zu verstecken, und es wäre lächerlich und regelrecht kindisch und unverantwortlich, diese ohnehin unvermeidliche Entwicklung als Kompetenzbeschädigung der Ärzteinnung aufzufassen, zu behindern und lächerlich zu machen, wenn der betroffene Mensch sich selbst informiert und selbständig denkt und eigentlich ja immer schon besser informiert zum Arzt kommt, als es dieser naturgemäß sein kann und sich der traditionellen Bevormundung entzieht.

Aber in unserem alten Bildungsgefüge, das zugleich unsere Gesellschafts- und Wertstruktur darstellt, - zumindest bestimmt, - mischen sich bis heute so unverstanden, wie zu Zeiten der Schamanen und Alchimisten die chemischen Strukturen der Heiltinkturen unverstanden waren, in unserem Berufsbild mit allen Kenntnissen und Fertigkeiten zugleich Mythos, Berufsethos, Identität, Egoismen, Ehrgeiz, Eitelkeit, Eifersucht, Herrscherrechte und Herrscherfähigkeiten und -bedürfnisse wie Unterwerfungspflichten und Unterwerfungsfähigkeiten und -bedürfnisse, aber eben auch Gelderwerb, Auskommen, Basis für Familienstrukturen und was sonst noch an üblen und wertvollen Attributen mit dem Ritus von Zeugnissen und Examina, die in dem komplizierten Wirrwarr des sozialen Gefüges und der menschlichen Handlung überhaupt einerseits mal so etwas wie quasi objektive Qualitäts- verbunden mit entsprechenden Machtinsignien für Menschen war und gewissermaßen den Staatsautomatismus darstellten, wie es einst hohe Namen, Orden, Uniformen, Trachten, Schwert und Degen kenntlich machten und was bis heute ein Großteil unseres Wertgefüges ausmacht, das sich unmittelbar mit der „Wahrheit" des Einmaleins unserer Grundschule verknüpft, was es alle zu überdenken und zu verstehen gilt, was aber unmittelbar mit dem Lehrstoff gar nichts zu tun hat und dennoch in einer Abhängigkeit steht oder als zu stehen scheint gelehrt wird, z.B. welche Wertigkeit der Kohlenstoff besitzt, und die aber andererseits noch immer ein Abbild sind oder beinhalten, nämlich der ursprünglichen Aristokratie und gesellschaftlichen Rangordnung früherer Zeiten. Dieses betrifft bei weitem nicht nur unsere Berufsstruktur, sondern unser Rechts- und Staatswesen überhaupt wie eben nicht zuletzt unsere Bildungsinstitutionen und Regeln, die nicht nur sich selbst reproduzierendes Resultat solcher Berufsstrukturen sind, was die Schulen, Hochschulen und Universitäten betrifft, sondern ja auch wieder und immer weiter die alten Strukturen von Rechts- und Staatswesen reproduzieren und bestimmen.

Sicher liegt hier der Grund für die zögerlichen Reformen im Bildungswesen.

Aber man kann auch nicht einfach von einer Korrelation von Gesellschaftsstruktur und Bildungssystem sprechen, auch wenn es Korrelation natürlich gibt, aber ganz sicher hat Bildung, Wissen und Denken für das, was der Mensch tut und wie er seine Welt gestaltet, ein stärkeres Gewicht als umgekehrt die Gesellschaft dieses Denken bestimmt, weswegen es ganz notwendig und unaufhaltsam eine Entwicklung gibt, wobei man dennoch beides zugleich, nämlich Bildungssystem und Gesellschaft, durchaus auch wie eine Zwangsjacke sehen darf und sogar muß, wenn man beides als zwei statische Seiten der Außenwelt des Subjekts betrachtet, die in China aus einem Menschen einen Chinesen machen und in Deutschland einen Deutschen, was denn auch in der Vergangenheit sinnvoll war, als es wegen der Unmenschlichkeit der Menschen und Barbaren (besonders außerhalb der jeweiligen Gemeinschaft) auch ratsam war, den Hort der Eltern, der Sippe und der eigenen Kultur, wo man akzeptiert wurde und Rechte hatte, und die man kannte, nicht zu verlassen, - sinnvoll, auch wenn man selbst barbarisch mit jeweils Fremden nicht anders barbarisch umging.
Zur Zwangsjacke wird Gesellschaft und Bildungssystem, wenn beide sich z.B. anschicken, das Individuum wie einen unwissenden Analphabeten zu behandeln, wenn es bereits eine Allgemeinbildung hat oder mehr noch, wenn es mehr an Einsicht und Vernunft besitzt, als jene anonymen Automatismen der alten Konventionen (wie es aber immer sein wird), die sich eben durch bezahlte Machtinstitutionen aufrechterhalten, oder durch Stil und Inhalt z.B. des Unterrichts oder der Lehrbücher in den Schulen oder, wenn durch ein zu kleinkariertes, rückständiges Menschenbild seitens der Presse die hervorgebrachte Information eher verblödet oder abstößt, beleidigt, verärgert und innerlich abgelehnt wird, - oder, was noch schlimmer ist, wenn dabei jeder Einzelne der Allgemeinheit unter dem Vorzeichen von Meute oder Herde das Zutrauen zur zarten Pflanze der Vernunft bewußt aufgibt und gewissermaßen Amok läuft und das Idiotische bejaht, wobei jede Institution, ob absolutistisch, aristokratisch oder demokratisch die ganz normale Tendenz hat, sich eher den Menschen passend zu machen, wie ich es in meinem „Mail-Art-Museum zur billigen Erstarrnis" mit dem aufgestellten Prokrustes-Bett demonstriere, als daß sich die Institution von selbst dem Menschen anpaßt.
Der neue Denkansatz, wie ihn unser neues Jahrtausend nun ermöglicht und erfordert, setzt eine Definition und den Vorsatz der ständigen, permanenten Überwindung des Teufelskreises voraus, und diese Überwindung ist ein vielschichtiger Prozess, der natürlich nicht erst mit unserem Verteidigungsminister Rudolf Scharping begann, sondern in China, Indien, Ägypten und Persien vor etwa 6000 bis 5000 Jahren damit ansetzte, größere Volksmengen auch verschiedener Rassen, Sprachen und Religionen unter einen Hut bringen zu müssen. Im Gegenteil würde Rudolf Scharping, wenn ihm die Tragweite seiner Gedanken bewußt wäre, vor Alpträume nicht mehr schlafen können, weil er sich von seinen alten Lehrern und Professoren mit ihren jeweiligen Rohrstöcken verfolgt fühlte. Denn was Scharping ganz vorbildlich für die Bundeswehr fordert und strukturell auch realisieren will, was ihm auch gelingen möge, bedeutet auf die normale Gesellschaft und ihr Bildungssystem übertragen nichts anderes, als daß ein Bildungsminister z.B. eine Privatfirma an der Ecke beauftragt, einer Schule oder Universität und ihren Lehrkräften und Studenten beizubringen, wie man einen Lehrstoff einem Menschen in einem bestimmten Alter am besten und am schnellsten beibringt, oder diese beauftragt, den Unterricht selbst zu übernehmen.

Dieses ist ein Schritt hinaus über die Freiheits- und Emanzipationsidee der Aufklärung und der Enzyklopädisten, daß das Subjekt eben nicht mehr Eigentum, Untertan, Objekt oder gar Produkt von Gesellschaftsstruktur und deren Bildungssystem sei, wie es zur Zeit der Leibeigenschaft selbstverständlich schien, und wie es auch innerhalb der Aufklärung regelrecht gepredigt und dann auch geglaubt wurde, als unsere heutigen Schulen samt ihrer Struktur entworfen und gegründet wurden, sondern daß unter dem Vorzeichen der Demokratie und eines Bewußtseins der grundsätzlichen Gleichwertigkeit aller Menschen, dieser Mensch nun auch endlich das bewußt und mündig handelnde Subjekt gegenüber den Instrumenten von Staat und Bildungssystem und damit Beherrscher und Beherrscherin auch dieser Instrumente sein muß, bzw. werden soll, und zwar auch als bewußtes Ideal und Ziel des Staates und jeder Erziehung und Bildung.
Das System ist das Instrument des Menschen und nicht umgekehrt der Mensch das Instrument und Objekt des Systems, was auch für jede Maschine gilt.
 

Dies bedeutet als neue oder bessere Disposition des Lernens selbst beim gleichen Lehrstoff Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung mit einem entsprechend neuen Verhältnis auch zum Mitmenschen und seiner jeweiligen Bildung; was dann in der Konsequenz heißt, daß jemand selbst, und für einen selbst jemand anderes nicht mehr katholisch, protestantisch, Moslem, Hindu, Kommunist, Hexe, Schamane, Demokrat, Faschist, Elektriker, Dichter, Physiker u.s.w. ist, weil er dazu gemacht wurde oder sich infizierte wie mit einer körperlichen Mißbildung, Krankheit oder Zauberkraft, den man nur noch durch Verbrennen, Totschlagen, Einsperren, Bestechen u.s.w. verneinen, ablehnen oder widerlegen kann, sondern wonach Wissen, Weisheit, Bildung, Beruf oder Überzeugung etwas ist, das man hat und dessen man Herr ist, und das man sich ohne tausend Hürden, Riten, Verbote, Beziehungen, Schwierigkeiten u.s.w. zulegen kann wie ein Auto oder einen Führerschein, oder wie einen Computer samt Lernprogramm. Theologisch heißt dies, daß der Zugang zu jeder Erkenntnis und selbst zu Gott für jeden offen ist und von keiner Institution, und nicht von formalen Bedingungen wie Opfer, Riten, irgendeinem Hokuspokus, von einer bestimmten Geburt oder von der Zustimmung und Macht anderer Menschen abhängig und damit fremdbestimmt ist oder durch die Erkenntnis abhängig wird.
Bereits diesen Unterschied von Sein und Haben einer geistigen Disposition zu definieren, bedeutete ein neues Verhältnis zu sich und anderen Menschen, und bedeutet eine heute falsche und lächerliche Vorstellung vom Menschen aufzugeben, auch wenn man die falsche als einst brauchbare und nützliche Disposition zu verstehen sucht, als man auch sich selbst nicht anders verstand und die eigene als die einzig mögliche Denkbarkeit wie ein Schicksal verstand, verfluchte oder verteidigte und hütete.
Derart vereinfacht und verkürzt bieten sich allerdings Mißverständnisse zuhauf an. Was ich plausibel und deutlich machen will, ist ja die Absurdität, von der wir uns zu emanzipieren längst begonnen haben, die man sich vorstellen kann, als bekäme das Blut durch den bestandenen Führerschein eine andere Farbe oder bedeute so etwas wie einen neuen Körperteil.
Es ist aber auch das schlechte Bild, das der Mensch von sich selbst und anderen hat, das aber eben gerade durch solche provinzielle Vorstellung von einer eben ungeistigen weil institutionellen, mechanischen, biologischen, sippenhafte u.s.w. Fremdbestimmung herrührt, und nicht nur die Angst vor dem Verlust eigener Privilegien, wodurch solche Freiheit des Geistes und des Menschen schon immer als eine Profanisierung, Trivialisierung und quasi Entheiligung beruflicher bzw. gesellschaftlicher Qualifikation und Kompetenz gefürchtet und behindert wurde. In der Tat waren wohl die Scharlatane immer die ersten freien Geister, deren Scharlatanerie aber eben darin bestand, solche freigewählte, quasi gestohlene, einfach genommene Kompetenz oder Köpenikade, im alten Sinne der alten Konvention zu benutzen oder auszugeben, und eben nicht, wie Eulenspiegel, den alten lächerlichen Standesdünkel als solchen zu entlarven.

Es ist wohl genau diese Schwierigkeit einer veränderten und sich verändernden Situation, weswegen wir auch in der Provinz Deutschland noch immer in der mißlichen Situation sind, daß Kritik am Staat einfach bestritten und als Staatsfeindlichkeit verfolgt wird und daß ein Versagen z.B. des Bildungssystems den Schülern als schlechte Noten angekreidet wird, wodurch sich Reformen und Entwicklung natürlich nicht nur verzögert, sondern wodurch gerade die Mißstände unserer mit falschem Mythos beladenen Lehr- und Prüfungsordnung nun zur hinderlichen Zwangsjacke werden.
Ich weiß nicht, ob es lernpsychologische Statistiken und Untersuchungen darüber gibt, ob die Verneinung der eigenen Sprache durch einen selbst eine günstige Voraussetzung ist, eine andere Sprache zu lernen. Aber lernpsychologisch einsichtig und plausibel ist jedenfalls, daß solche Verneinung, Ablehnung oder Mißachtung der eigenen Sprache durch den vorgesetzten Lehrenden, wenn sie sich unterschwellig in jenem anachronistischen Sinne mit der Ablehnung auch des lernenden Menschen verbindet, ein Lern- und Zugangshindernis darstellt.
Nicht zuletzt aus solcher fehlenden Einsicht und ethischen Einstellung ist es z.B. den Schulen und Universitäten in 40 Jahren nicht gelungen, den hier in Deutschland lebenden Ausländern, Kindern wie Erwachsenen, die deutsche Sprache nahezubringen, ganz abgesehen von anderer Allgemeinbildung, was nichts weniger als geistige Verstümmelung und Körperverletzung für die Betroffenen und deren Familie und nicht zuletzt Schaden auch für die ganze Gesellschaft bedeutet, wonach man dann den Ausländern die Schuld gibt und wobei die üblen Folgen für weltweite Beziehungen und Ansehen nicht einmal genannt sind. Aber auch deutschen Kindern, die ihre Muttersprache gottlob vor der Schule lernten, wird nicht zuletzt durch die Fehlleistung aufgrund unverstandener, anachronistischer Lehrdisposition, die sich dann durch entsprechenden Standesdünkel vermittelt, die Zeit mit entsprechend schlechtem Unterricht gestohlen, in dem sie beleidigt, erniedrigt, bevormundet und am Ende mit schlechten Noten noch bestraft werden, und dann auch nach 12 Jahren kaum einen vernünftigen Brief schreiben können, obwohl die Bibliotheken voll sind mit Vorschlägen, Untersuchungen und Lösungen, den Lernvorgang besser zu verstehen und zu nutzen und an allen Enden der Welt Ansätze zu neuen Versuchen gemacht wurden und vorgeschlagen werden.

Dennoch ist mit der Alternative als Ideal zwar ein Ziel recht eindeutig formuliert und für alle Menschen auf der Welt, gleich welcher Religion, Kultur, Sprache, Rasse, Bildungsgrad und Intelligenz gleichsam Wunsch, Bestreben und die Voraussetzung für ein Leben, nicht als unmündiger und ungültiger Idiot und Provinzler dazustehen, aber der tiefere Hintergrund sowohl des Zieles, mit dem Denken und Wissen, das man hat, nicht nur in einem würdigen Verhältnis zu der Allgemeinheit zu stehen, was keineswegs Übereinstimmung bedeuten muß, aber immerhin doch Bestimmbarkeit und Selbstbestimmbarkeit - und zwar in und zur Welt genauso wie auch in und zu sich selbst, ist damit noch keineswegs verstanden. Denn was sich hier als Zwangsjacke der Entwicklung und auch der eigentlichen Bildung und Emanzipation entgegenstellt, wäre mit der oben umschriebenen Entmythologisierung und sinnvolleren Nutzung von Gedächtnis, Denkvermögen und Erlangung von Fertigkeiten, wie man die Übernahme der Selbstbestimmung und wie man solche neue Mündigkeit als Freiheit in einer globalisierten Welt umschreiben könnte, das eigentlich Ziel und Thema jeder Bildung, nämlich der Anwendungsbereich ganz übersehen. Und dies ist ja nicht nur der Lehrstoff selbst, der heute gottlob in aller Welt mehr oder weniger richtig, objektiv und übereinstimmend in den Schulbüchern abgedruckt ist und an Richtigkeit in allen Bibliotheken und hoffentlich bald überall auch im Internet nachzuprüfen ist, sondern liegt in diesen unausgesprochenen Inhalten quasi hinter all unserem Schulwissen, die einerseits unseren Verstand hindern, den Lehrstoff zu akzeptieren und im Gedächtnis zu behalten, und die - nicht mal als böse Absicht und auch kaum bewußt - aber als das eigentlich Wichtige vermittelt werden und in der Tat tiefste Provinz längst vergangener Jahrtausende darstellen und oft nichts weniger als lächerlich und deswegen auch hinderlich sind und sich mit der Struktur unserer Gesellschaft genauso wie mit der Struktur von Schule und Universität vermitteln und damit unsere Wirklichkeit darstellen, wie sie nun mal ist und in der wir zurechtkommen wollen und müssen, gerade in der gegenwärtigen Umbruchszeit fast aller Werte.

Eigentlich müßte ich hier auf die philosophische Tiefenproblematik einer mitgeteilten Schulweisheit eingehen, was jetzt hier jedoch zu weit führt, was für einen normalen Pädagogen vielleicht auch zu kompliziert wäre und vielleicht den Leser eher verwirrt und vom Weiterlesen abhält, die in dem Verhältnis eines Gedankens zu seiner Formulierung liegt, - (Hier kann ich nur verweisen auf die Arbeiten von Gerold Prauss und die Überlegungen von Gottlob Frege.). Ich will dieses mit einigen Beispielen vereinfachen. Wir sollten uns klar sein, daß solche Formulierung auch darin besteht, in welcher Weise ein Unterricht stattfindet und auf welchen Abschluß und Erfolg er hinwill. Diese Weise ist in jeder Sprache und Kultur eine Konvention, die sich über die Gesellschaft auf die Schule und von dieser auf den Pädagogen und über diesen wiederum auf die Schüler überträgt und mit dem eigentlichen Lehrstoff gar nichts zu tun hat.

Ein Beispiel aus der Zeit, als die Soldaten und Offiziere des 2. Weltkriegs gebildet wurden, wie es hoffentlich heute nirgendwo in der Welt mehr vorkommt, das ich am eigenen Leibe aber noch erfahren mußte, soll den Teufelskreis verdeutlichen, der durch eine Zwangsjacke zur Zwangsjacke wird. Ich bekam als Kind vielleicht 20 Mal oder mehr eine Ohrfeige, d.h. einen Schlag ins Gesicht, wenn ich das Wort „gesamt" falsch, d.h. mit zwei M schrieb. Was ich dabei lernte und was mir dabei ganz ungewollt und quasi nebenbei eingebleut wurde, war denn auch etwas ganz anderes, als jener schlechte Pädagoge im Sinn hatte, nämlich, daß z.B. derjenige, der etwas richtig weiß, denjenigen schlagen darf, der es nicht weiß, und daß die Richtigkeit und das Recht zu schlagen durch das Lehrerexamen bzw. durch die höhere Lehrerposition legitimiert wird. Ganz abgesehen davon steckte unterschwellig jedoch noch die viel schlimmere Information hinter der Prügel, daß nämlich ganz umgekehrt derjenige Recht hat, der stärker ist und auch institutionell an der Macht ist, was mir, dem hilflosen und schwachen Kind, demonstriert wurde. Obwohl ich nun nach 60 Jahren noch immer, wenn ich müde bin, auch heute noch unsicher bin, ob ich „gesamt" nun einem oder zwei M schreiben soll und von kindauf nur weiß und gelernt habe, daß mit diesem Wort ein eigentlich bis heute ungelöstes Problem auf mich zukommt, und daß ich damals wie heute am liebsten dieser Sprache davonlaufen würde, wenn ich nicht in jeder anderen Sprache auf das gleiche Problem stoßen würde, bin ich dennoch dem damaligen schlechten aber gutwilligen Pädagogen dankbar, weil er mir zugleich einbleute, daß Konventionen genauso wie die Art ihrer Geltung und Vermittlung eine problematische Sache ist, daß nämlich Wahrheit und Richtigkeit genauso wie die Form ihrer Darstellung bis heute ganz praktisch noch immer wie ein Vorgang  vermittelt wird, sich wie andere zu unterwerfen. Mit einer Zensur ist solches gar nicht anders, sondern schlimmer und folgenschwerer, was jene Ohrfeigen mir ersparen sollten, nämlich ebenfalls Demonstration von Macht und Unterwerfung, was dann ja nicht nur bezüglich der Formen gilt, sondern notabene auch bezüglich all dessen, was mit ihnen formuliert wird, und wobei Unklarheit bei dem Schüler nicht nur dazu führt, daß er dafür lebenslang bestraft wird, eine niedere Arbeit zu tun, sondern wodurch er absurder Weise dann von weiterem Lernen und Verstehen und von einer weiteren Entwicklung abgeschnitten wird, was vernünftiger Weise ja eher ganz umgekehrt sein müßte.
Sicher und eben ungewollt wurde mir also neben dem mißlungenen Versuch, mir die richtige Schreibweise eines Wortes beizubringen, mißlungen weil mit falscher und untauglicher Methode, etwas ganz anderes mitgeteilt, daß nämlich die Konvention sowohl mit Macht und Gewalt und Grausamkeit wie auch mit Dummheit und Unwissenheit einhergeht, und dieses trotz der allerbesten Absicht, die wohl niemand der Schule absprechen möchte.
Was in Bezug auf die Schreibweise des einen Wortes „gesamt" als mein Problem nun wie eine Bagatelle erscheinen könnte, die ein normaler Schüler ja problemlos bewältigt - in meinem Fall hatte sich wahrscheinlich die falsche Schreibweise aus der Ableitung des Wortes „gesamt" von den Worten „sammeln" und „Versammlung" gebildet, - rückt allgemein jedoch gerade heute in den Fokus neuer Bedeutung und Aktualität, und zwar deswegen, weil heute alle unterschiedlichen Sprachen, Konventionen, Kulturen und Religionen der Welt - und nicht mehr nur einige wenige der gleichen Frage gegenüberstehen, welche Rolle die Konvention überhaupt und insbesondere nun in der mondial gemeinsamen Bildung unserer Welt spielt, ob sich, wie von mir etwas karikaturhaft beschrieben, einige wenige Arten von Dummheit und Gewalt z.B. in Form der englischen, spanischen, chinesischen und russischen Sprache derart durchsetzen werden oder sich durchsetzen wollen, und alle anderen Sprachen und Kulturen die Verlierer sind und kulturell gesehen Prügel beziehen, wie ich mit meiner falschen oder unsicheren Schreibweise, was zumindest eine vernünftige Einstellung zu solcher Entwicklung oder überhaupt sogar eine vernünftige Entwicklung erschweren würde.
Denn keinesfalls kann ja das Argument der Notwendigkeit oder Unvermeidlichkeit z.B. die Dummheit meines schlechten Pädagogen rechtfertigen, besonders, wenn es heute die Möglichkeit des besseren Verstehens gibt, wie ich sie hier versuche. Ich weiß nicht, ob hier „Sieger" oder „Besiegte" mehr Vernunft benötigen, was aber beiderseits bereits ein schlechtes und dummes Vorzeichen ist.
Dennoch lehren wir in unseren kulturellen Nestern weiterhin blindwegs nach Vorstellungen einer Zeit, deren Enge und gedankliche Zwangsjacke wir teils bereits seit 5000 Jahren zu überwinden versuchen, und was spätestens seit den französischen Enzyklopädisten auch in der jüngsten Zivilisation, bei den Europäern, sogar ein Bildungsideal und Ziel ist, wenn die Problematik auch noch nicht verstanden wurde, wobei die Prügelnden und Dummen ja eben nicht diejenigen sind, die die kulturelle Globalisierung betreiben, was eben nicht Gleichmacherei und Vernichtung aller Sprachen bedeutet, wie wir noch sehen werden, sondern diejenigen, die ein Verstehen der Problematik, die es nun mal in jeder Sprache, Kultur und Religion gibt, weder haben noch haben wollen und dabei vor Krieg und Völkermord nicht zurückschrecken, wie es der serbische Provinzler Milosowitsch dem deutschen und österreichischen Provinzler Hitler nachmachte.
Vor einer gemeinsamen Sprache, die sich aus technischen Gründen aber längst mit der Englischen abzeichnet, und was nicht das Ende aller anderen Sprachen bedeutet, sollte natürlich besser ein gemeinsames Verständnis der Sprache, der Kultur, der Religion und Bildung stehen, was ich hier versuche. Nur wo sich prügelnde Dummheit und Gewalt mit der Bildung und Kultur verbindet, wird man auch solcher Sprache und Kultur als Zwangsjacke entfliehen, wie es die deutschen Intellektuellen im vergangenen Krieg tun mußten.
Und solche Zwangsjacke braucht keineswegs offensichtlicher Faschismus zu sein.
Aber es wäre hier angebracht, würde aber zu weit führen, den letzten Weltkrieg auf das europäische Bildungssystem und die damit hervorgebrachte allgemeine Bildung zurückzuführen, die solche Idiotie ermöglichte.
Denn was sich bei mir in jenem Beispiel mit und neben dem normalen Lehrstoff, daß man also „gesamt" mit nur einem M schreibt, mit jener Prügel vermittelte und die eigentliche Einsicht verhinderte, geschieht ja unterschwellig auch allgemein und gerade auch da, wo der „kluge" Schüler sich normaler Weise rechtzeitig anpaßt und unterwirft und zeigte mir damit den dezisionistischen Aspekt, den alles Schulwissen und unser ganzen Bildungs- und Gesellschaftssystem eben systematisch und sicher unbeabsichtigt durch die Schule und Universität latent und potentiell erhält, so nützlich und brauchbar alles gelernte Wissen für Beruf und Leben auch sein mag, das der Schüler und Student dann oft eher trotz als durch unser Bildungssystem erhält. Und hierbei sehen wir denn auch nicht nur den Schüler und die Schülerin ganz konkret als Untertan in ihrer Zwangsjacke, sondern Kultur und Bildung samt allen Inhalten unter ein fragwürdiges Vorzeichen gesetzt.
Aber mit der Einsicht, daß offene und nicht anders versteckte Gewalt ein pädagisch untaugliches Mittel und reine Dummheit und eher menschenunwürdige Dressur als Erziehung, und jedenfalls eine falsche anachronistische Dressur als Erziehung ist, ist das Phänomen der Konvention noch nicht verstanden und das Problem auch noch nicht gelöst.
Denn jene Dummheit ist Provinz, und fortlaufen will und soll der Mensch einem derart menschenunwürdigen Provinzialismus, was nun aber nicht geht, weil man der Welt nicht davonlaufen kann; und was ja auch nicht bedeuten kann, die Konventionen aufgeben zu wollen, sondern sie als das zu lehren, zu lernen und zu benutzen, was sie ursprünglich sind, nämlich Konventionen, die eigentlich als Gemeinsamkeit von Menschen eine wunderbare Sache und ein natürliches und gesundes Bedürfnis sind, wozu schließlich nicht nur die regionale Sprache, unsere jeweilige Kultur, Lieder und die jeweiligen Tänze, Gewohnheiten und Benehmen sondern auch die hochinteressante Wissenschaft samt Mathematik und Physik gehören, die nun mal allen Menschen der Welt gemeinsam gehören und nun doch logischer Weise aus der provinziellen Ecke und Enge vorheriger Jahrhunderte herausgeholt werden sollten, als daß wir ihnen davonlaufen und uns vor ihnen verstecken, wie es einige Mullahs in den arabischen Ländern und bestimmte christliche Sekten versuchen.
Was an dem vorigen, eher privaten Beispiel mißglückter Pädagogik vielleicht überzogen ausgewertet erscheinen könnte, soll das folgende Beispiel der allgemeinen Situation etwas plausibler das Bildungssystem in der problematischen gesellschaftlichen und sogar weltpolitischen Relevanz deutlich machen.
Vorweg möchte ich aber darauf aufmerksam machen, daß nicht die Lösungen der Problematik als etwas Spektakuläres erscheinen, was man dann mit weltpolitischer Relevanz umschreiben muß, denn diese Lösungen, wie die Vorschläge von Rudolf Scharping, erscheinen eher als selbstverständlich, sowohl bereits für heute wie erst recht für die Zukunft. Weltpolitisch spektakulär stoßen vielmehr die anachronistischen, eben weltfremden Mißstände auf, weil sie zu Problemen werden oder solche sind. Konventionen z.B. als Konventionen und als ganz normale Bedürfnisse des Menschen zu bejahen, sich z.B. auf eine Schreibweise zu einigen, ist ja selbstverständlich, während dagegen der Versuch, Konventionen als Dogmen und Wahrheiten und Alleingültigkeiten zu interpretieren, zu handhaben oder zu behaupten, immer zugleich - und zwar ganz unverstandener Weise - auch Ungültigkeit für anderes interpretiert, handhabt und behauptet und damit Konvention nicht als Gemeinsamkeit sondern als Konflikt herausstellt. Am vorigen Beispiel konnte deutlich werden, daß es eben schwierig und für manche Ausländer geradezu unmöglich ist, auch wenn sie bereits 40 Jahre in deutscher Umgebung leben, die deutsche Aussprache der Umgebung zu akzeptieren und anzunehmen, wenn sich damit die Verneinung ihrer eigenen Sprache bzw. das Erlebnis der Verneinung ihrer eigenen Sprache und das Erlebnis der Dogmatisierung der deutschen Sprache - „so heißt das!" verbindet. Dieses ist natürlich auch lernpsychologisch ein Problem, das man pädagogisch lösen muß; aber es ist grundsätzlich ein philosophisches, theologisches, ethisches und damit auch ein soziales Problem: Gegenseitige Vorbehalte verstärken sich. Hier steht immer der eigene Provinzialismus im Wege. Und genau in diesem Zusammenhang möchte ich hier als Christ den Vergleich mit den ersten Bildungssystemen der Menschheit ziehen: Wo immer eine Religion oder Konfession den Zugang zu unserem gemeinsamen Gott herstellt oder auch darstellt, ist sie gut und stellt so auch das normale Verhältnis zum Mitmenschen her; und wo sich eine Religion oder Konfession als Trennung oder Mauer zwischen unserem gemeinsamen Gott und uns Menschen schiebt, trennt sie immer auch Menschen voneinander, wobei Dogmen ja nichts erreichen und betreffen könnten, was die Eigenschaften Gottes betrifft, er ist und bleibt sich selbst gleich, sondern es immer nur das menschliche der Religionen und Konfessionen und ihrer Dogmen, das so spektakulär und problematisch ist.
Nun will und kann ebenso das Geniale der Scharpingschen Lösung auch keineswegs sensationell und spektakulär sein, - aber natürlich auch nicht göttlich, - denn es ist nur ein Schritt aus dem Verhängnisvollen heraus, das uns folgendermaßen deutlich wird:
Wenn ein Pädagoge, ein Lehrer, Professor, Pädagoge oder die Pädagogin den Hörsaal, die Klasse u.s.w. betritt, dann muß er oder sie zuerst eine natürliche und normale Sozialordnung, wie sie unter Kindern und Studenten in dem entsprechenden Alter besteht, beenden und die künstliche Schulordnung einführen, bevor er oder sie mit dem Unterricht oder Vortrag beginnen kann. Und noch weit vor dieser Situation gibt es die Schulpflicht, die weitgehend gleichfalls künstlich und als Fremdbestimmung die Struktur von Familie und Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen bestimmt. Aber nicht dieser Umstand selbst ist es, was hier als problematische Zwangsjacke anachronistisch genannt wird und überwunden werden muß, denn Lernen ist eines der stärksten natürlichen Bedürfnisse des Menschen, und es gehört ebenso zu den hervorragenden Eigenschaften und Bedürfnissen des Menschen, gemeinsam mit anderen einen Vortrag oder ein Ereignis zu verfolgen oder gemeinsam zu veranstalten, sondern das zu verdeutlichende Problem ist, daß immer, wie wir auch die äußeren Formen von Staat, Beruf und Bildung nach dem jeweiligen Stand menschlicher Vernunft gestalten, die Formen mit der Entwicklung menschlicher Vernunft veralten und zur Zwangsjacke werden, wenn sie sich gegen die bessere Vernunft und zur reinen Selbstfrechtfertigung und zum Selbsterhalt gegen eine Entwicklung stellen, wobei institutionalisierte Form immer sowohl die Form des Gelehrten wie des Lehren, Lernens und Handelns umfaßt, und in solchem Fall der Entfremdung die Form vor oder über den jeweiligen Inhalt stellt, wie ich es hier vereinfacht mal so sage, wobei sich die Form quasi versachlicht oder verselbständigt und man z.B. statt zu einem Menschen zu einer Uniform spricht oder wie im Krieg statt einen Menschen einen Soldaten tötet, und umgekehrt eine Aussage dadurch wahr wird, daß ihr Sprecher die jeweils entsprechenden Kompetenzinsignien besitzt, wobei in unserer Gegenwart durch die Ignorierung des Menschlichen hinter der jeweiligen menschlichen Rolle wegen solcher Objektivierung z.B. in der Schule und Universität genau das normale menschliche Bedürfnis zu lernen und die edelste menschliche Begabung der friedlichen Gemeinsamkeit durch die Rechtfertigung und Anwendung institutioneller und struktureller Macht verhindert wird und durch Pflicht, Befehl, Erpressung, Beleidigung, Unterwerfung, Selbstaufgabe, Opportunismus u.s.w. verkrüppelt und diskriminiert wird, so daß gerade die Versager jede Lust zu lernen verlieren und mit Schrecken und Scham an ihre Schulzeit zurückdenken, wobei jene Schulperformace nichts anderes ist als Dogmatismus und was sich weitgehend sicher ganz ungewollt, meist aber wohl ganz unbemerkt und unbekümmert von der Institution auch auf die Inhalte überträgt, weil die Prüfung der Inhalte letztendlich über das Schicksal der Absolventen entscheidet, wobei man nur innerhalb einer Inquisition Karriere macht oder nicht. Es ist dabei in der Tat so, aber nicht nur, daß meine Zustimmung auch dann, wenn mir der Beweis der Wahrheit z.B. in der Mathematik mitgeliefert wird, letztendlich aber erpreßt wird, sondern schlimmer noch als Erpressung ist die mitgelieferte Erfahrung, die noch weit heimtückischer in der Lehre hineingelangt und mit dem Lehrstoff transportiert wird, daß nämlich nicht anders als zur Zeit von Inquisition und Absolutismus Macht zugleich Wahrheitsanspruch bedeutet, wie daß dann auch umgekehrt bei der derart verunstalteten Wahrheit solche verbrieften Wahrheitsgeständnisse in Zeugnissen, Examen, Promotionen und Habilitationen bedeutet, daß derartige „Wahrheit" dann auch Macht bedeutet und Rechte, Ansehen, Privilegien und Wohlstand. Ganz abgesehen davon, daß man derart dann auch die Unwahrheit zur Wahrheit machen kann, was ebenfalls durchgängig geschah und geschieht, bekommen ja auch unstrittige Aussagen wie der sehr brauchbare Lehrsatz des Pythagoras oder die Einsteinsche Formel E=mc² eine verhängnisvolle Dogmatik. Und mag dieses Problem auch noch relativ leicht einsehbar sein, wird es noch schwieriger, wenn wir den Umstand, daß für viele Kinder und Studenten genau deswegen der Lehrstoff nicht mehr glaubhaft und zugänglich ist, daß den Schülern dadurch das natürliche Bedürfnis zu lernen regelrecht ausgetrieben und zerstört wird, daß sie meist in der Schulzeit als Grunderfahrung des Lebens die schlimmsten Beleidigungen, Erniedrigungen und Bevormundungen des Lebens überhaupt erfuhren, und zwar nicht nur, wenn sie sich widersetzten und wenn sich deren Gehirn weigerte, solchen Unsinn - wieso kann jemand aufgrund eines Examens oder Amtes recht haben? - aufzunehmen, wobei der Unsinn ja nicht darin besteht, daß a²+b² innerhalb normaler Mathematik nicht  = c² wäre, sondern, daß dieses akzeptiert werden muß, um eine entsprechende Benotung zu bekommen, und eben nicht nur bei denjenigen Schülern und Studenten, die dann auch an diesem Unsinn und nicht an der Mathematik scheiterten und dafür bestraft werden, sondern gerade bei den Erfolgreichen, die für die Prüfung pauken, die lebensklug diese Tortur durchstehen, sich rechtzeitig bücken, sich durchdienen, um dann selbst Macht, Geld, Privilegien, Freiheit und Wahrheitskompetenz unter dem gleichen Vorzeichen zu erlangen und unter dem gleichen gewissermaßen aristokratischen oder absolutistischen Vorzeichen anzuwenden. Und geprüft wird inzwischen längst die Bereitschaft und Fähigkeit, unter diesen Voraussetzungen einen Lehrstoff zu akzeptieren, zu lernen und zu wiederholen und zumindest bis zur Prüfung auch zu behalten.

Resümee.

Reformen sind notwendig, wo sich Situation und Allgemeinheit entwickelt haben, wo sie aus den alten Kleidern entwachsen sind, und dieses ist immer ein gutes Zeichen.
Die deutlichen Zeichen solcher Situation von Reformnotwendigkeit sind einerseits das lächerlich und unglaubwürdig gewordene Pathos hergebrachter Werte- und Berufsphysiognomie, und ist andererseits immer das verkrampfte und stärkere Suchen nach und deswegen Festhalten und Beschwören von Kompetenzinsignien wegen des steigenden Kompetenzbedarfs.
Der gute Norbert Elias beschrieb am Anfang und wohl angesichts der ausbrechenden weltanschaulichen Katastrophen des vorigen Jahrhunderts ohne meinen Optimismus einer positiven Entwicklung, den „Prozess der Zivilisation" mehr als eine Orientierung von Unten nach Oben, wobei er aber den eigentlichen Motor und die eigentliche Schwierigkeit dieser langsamen Entwicklung nicht mehr thematisieren konnte und vielleicht auch nicht gesehen hat, daß nämlich in der Entwicklung der Menschheit, eben durch ihr mondiales Zusammenwachsen, neben allen jeweiligen aktuellen Interessen und Notwendigkeiten der Organisation des jeweiligen Alltags und der jeweiligen Mode nicht nur ein tiefes Bedürfnis nach Wahrheit, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit wirksam war und ist, sondern daß solche Entwicklung auch geradezu zwangsläufig unser Schicksal ist, wenn wir dabei menschlich bleiben wollen. Gerold Prauss stellt in seinem 2. Band „Die Welt und wir" (Unsere empiristische Verfallenheit an Dinge) zurecht fest, daß mit der Entwicklung über die griechische Philosophie und die moderne Aufklärung durch die neue Objektivität von Wissenschaftlichkeit nur ein äußerer Aspekt des Irrtums und Unsinns von Animismus und Aberglaube überwunden wurde, wodurch sich ein anderer tief in uns verwurzelter Unsinn von Animismus geradezu einkapselt und verteidigt, der sich aber dennoch im Laufe der vergangenen 3 Jahrhunderte seit Descartes und seit 2 1/2 Jahrtausende seit Aristoteles und Plato wegen seiner Widersprüchlichkeit geradezu zwangsläufig entlarvt, und sei es durch physikalische Experimente, - wie es auch bereits Kant noch grundsätzlicher formulierte.
Ich wünsche daher, daß der kritische Leser sich mit dieser Antinomie hauptsächlich beschäftige, weil die Natur selbst sie aufgestellt zu·haben scheint, um die Vernunft in ihren dreisten Anmaßungen stutzig  zu machen, und zur Selbstprüfung zu nötigen.

Nun sind in der Tat Menschen so, und es sind wohl noch die meisten, die sich unter absolutistischen Verhältnissen, also in der Zwangsjacke, häuslich einrichten und sich dann durchaus wohl fühlen, wo man weiß, was Oben und Unten ist, und wo man selbst mit anderen sowohl Platz, Stellung wie Gemeinsamkeit hat, heute besonders, wo doch, wie in Amerika Sprichwort, jeder Tellerwäscher die Chance hat, Präsident zu werden und soweit nach oben zu kommen, wie er will und kann, seit die Adelsprivilegien abgeschafft jedem zumindest theoretisch die gleiche Chance einräumt.
Und in der Tat waren die Menschen zur Zeit der Inquisition, die wir heute zurecht als extremes Beispiel solcher Reformbedürftigkeit weil besonders verwerflich darstellen, vielleicht noch zufriedener als wir es selber heute sind, als damals jede Hexenverbrennung noch ein großes Fest und Ereignis und ein Erlebnis von vollzogener Gerechtigkeit war, zu dem alle hinströmten, was auch für das Leben unter Kaiser und König gelten mag, dem in Europa viele nachtrauern.
Und es wird noch viel an begrifflicher Präzisierung und entsprechender Selbsterkenntnis des Menschen benötigen, die Entwicklung von jenen alten verrohten Bräuchen und Traditionen zu heutigen Maßstäben zu verstehen, die wir dennoch nicht einfach auch für die Zukunft anlegen oder festlegen können, ohne uns bereits vor den Enkeln schämen zu müssen, ohne überhaupt den oben beschriebenen quasi austauschbaren Zusammenhang von Form und Inhalt in unserem Denken und Handeln zu kennen, wie es sich z.B. aus der Mischung von aktueller Berufs- und uralter, eher mentaler Wertestruktur ergibt, in der ein jeder ja auch irgendwie zurechtkommt oder sich durchmogelt, wie in der komplizierten Grammatik seiner jeweiligen Sprache, wo ein Polizist, Soldat, ein Arzt oder Priester, eine Krankenschwester durch das scheinbar rein Formale einer Uniform - wie nicht anders der Handwerker, Meister, Schullehrer oder Professor und jeder Amtsinhaber sonstwo durch das Formale von Zeugnissen oder Vertrag durchaus ja auch Selbstsicherheit und Selbstvertrauen und damit auch eine bestimmte Dimension von Kompetenz bekommt aber zugleich auch Zutrauen und Vertrauen durch andere erhält und zugleich in jenen anderen erzeugt und damit bereits einen Teil dessen darstellt, was wir heute mit Sozialisation und Teil jeder Kultur umschreiben was aber neben der Bedeutung von
 

erkennbares Zeichen bestimmter Qualifikation,
Erlaubnis zu bestimmten Handlungen,
Pflicht zu bestimmten Handlungen
Berechtigung zu bestimmten Befehlen,
Berechtigung zu bestimmten Verboten,
Entscheidungsberechtigung über andere Menschen,

auch
 

Lust,
Antrieb,
Motivation,
Verantwortung,
Glaube,
Wert

bedeutet, jedoch zugleich auch
 

Institution,
Einsetzbarkeit,
Aussetzbarkeit,
Ersetzbarkeit,
Instrumentalisierbarkeit,
Automatismus,
Sache,
Hebel,
Kaufbarkeit
Bestechlichkeit,
Eigendynamik
Blinheit, u.s.w.

darstellt, was mit der Sozialisation auch Teil der Kultur ist.
Im Zusammenhang mit unserem Bildungssystem, das dem ursprünglichen, natürlichen Erziehungssystem entstammt, als man den Kindern vor dem Eintritt ins Erwachsenenleben und vor dem Verlassensein von Eltern neben Sprache und Bräuche nützliche Lehren und Weisheiten mit auf den Weg gab, wie wir sie in Bibel und Koran noch wiederfinden, die sich teils auf das Zurechtkommen mit jeweils bestehenden Verhältnissen von bestehenden Menschen beschränken und bei den Propheten auch auf eine Veränderung der Verhältnisse hinwirken, wäre jetzt hier eine Gesellschaftsanalyse und Bestandsaufnahme von Gegenwart und Entwicklung angebracht, was neben vielen anderen aus Literatur und Philosophie, wie schon gesagt,  zum Teil Norbert Elias geleistet hat und was die ganze Wissenschaft der Soziologie und Psychologie mit einer unübersehbaren Flut von Details und Statistiken hervorbringt. Ich kann nur andeuten, was davon allgemein bekannt wird.
So weiß man z.B., daß bestimmte Anlagen zu einem differenzierteren Denkvermögen bereits in den ersten Lebensmonaten als Kleinkind erweckt oder abgestumpft werden, was als Konsequenz ja heißt, daß Menschen in der Grundschule bereits lernen müssen, mit Babys richtig umzugehen, um den Teufelskreis einer falschen und milieuabhängigen Konditionierung zu durchbrechen, was wohl ebenso wichtig wäre wie die Schulpflicht. Man weiß, wie ich oben schilderte, daß man allein durch die Weise des Gültigkeitsanspruches des Lehrstoffs die Lernbereitschaft von Kindern und Erwachsenen sowohl wecken wie abtöten kann.
Entsprechend sind die Signale für dringenden Reformbedarf unserer Zeit zusammengefaßt auch allgemein und gelten zum einen international und sind zum anderen von internationaler d.h. weltpolitischer Relevanz auch jeweiliger Region zu Allgemeinheit.
1.  Zu großer und steigender Zeitaufwand,
2.  Zu große und steigende Kosten,
3.  Zu geringe und sinkende Effizienz,
4.  Zum Teil veraltete Berufsbilder,
5.  Die zu große Beschränkung der Vergabe von Berufsinsignien auf die erste Schulzeit,
6.  Die Vernachlässigung der Weiterbildung nach Berufseintritt,
7.  Bildungsstufen als Bildungsbarrieren
 

zurück zum Anfang,andere Themen, mailto: Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de?subject=Bildung

Derart entlarvt sich auch der in unserem Bildungssystem verkappte Unsinn ganz praktisch mehr durch seine Ineffizienz und zugleich überhöhte Kosten als durch Einsicht, daß nämlich keineswegs nur den wertloseren Menschen nach 12 Jahren Deutschunterricht mit Erniedrigung, Langeweile, Strafe und Beleidigungen eher die Zeit gestohlen wurde, als daß sie anschließend einen vernünftigen Brief schreiben könnten, von Literatur, Mathematik, Physik - geschweige von der Philosophie begeistert statt abgestoßen wären, was ja wohl der Normalfall ist, und als daß hier in Deutschland lebende Ausländer auch nach 40 Jahren kein vernünftiges Deutsch sprechen, in allen anderen Fächern ebenfalls ungenügend gebildet sind und kaum eine vernünftige Berufschance haben, was einer Verkrüppelung gleichkommt.
Ich kann annehmen, daß unserem Verteidigungsminister meine obige Analyse der Misere vertraut ist, denn sie ist seit hundert Jahren in allen guten Büchern der Lernpsychologie nachzulesen. Unser Gehirn sträubt sich gegen Informationen, die mit einem unberechtigten und unglaubwürdigen Pathos und Wahrheitsanspruch aufoktroyiert werden.
Dennoch sind es wohl nicht diese Einsichten, sondern reine Kosten- und Effizienzgründe, die zu seiner genialen Reformidee führten, und die ein Entwachsen aus unserem provinziellen Bildungssystem hoffentlich auch allgemein einleiten, nämlich das reine Lehren von Fakten, das Instruieren und prüfen Fachleuten zu überlassen, die nicht in und an dem Teufelskreis der Bildungsaristokratie hängen und gebunden sind, sondern die ganz sachlich benutzbare und abrufbare Informationen, Instruktionen und Fertigkeiten als das weitergeben, was sie sind, nämlich Informationen und noch nicht aristokratische Standesinsignien, und zwar schneller und ohne die Tortur und Zeit- wie Geldverschwendung traditioneller Bildungsmonster, so gutwillig und beflissen sich jene auch anstrengen mögen, was sich mit Hilfe von Lernsoftware und interaktiven Lern- und Übungsinstrumenten bei der Ausbildung z.B. zur Luftfahrt und zum Führerschein ja auch schon längst bewährt hat, wobei der Lernende selbst die Lerngeschwindigkeit und die individuell günstigste Lernweise bestimmen und das Ergebnis jederzeit korrigieren und überprüfen kann.
So wird denn vermutlich auch bald die Einsicht dazukommen, daß nicht nur das Lernen ein natürliches Bedürfnis des Kindes und des Menschen ist, das zu zerstören nicht nur schädlich und kontraproduktiv für Staat und Gesellschaft und geradezu inhuman und ein Verbrechen gegen den Menschen ist, sondern daß auch das Lehren selbst ein natürliches allgemeines Bedürfnis des Menschen, und daß Lehren die beste Schule auch für den Lehrenden wie für den damit auch weiter Lernenden ist.
Dennoch sei der Einwand gewürdigt, daß es in der Bildung nicht nur um Weitergabe von Informationen und Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen und wissenschaftliches Forschen gehe, sondern, wie es das deutsche Wort Bildung beinhaltet, auch um eine Formung des Charakters, des Kulturbewußtseins, des Zivilisiertseins und des ethischen Bewußtseins. Die Frage, ob Pädagogen und Theologen tatsächlich optimal auch Weisheit zu vermitteln und Charakter zu formen in der Lage sind, was man ja nun mal weder studieren noch als Programm gegen Sold ableisten kann, zumal von Pädagogen, die diese künstliche Welt der Schule und Universität nie verlassen haben, und die nach Stand besoldet ganz in jenem Teufelskreis verhaftet sind, bleibt zu bezweifeln.
Selbst erlebt habe ich Weisheit noch bei keinem Lehrer meiner Zeit.
Dennoch würde gerade ein effektiveres, schnelleres Lernen von reinen Fakten, Formeln und Fertigkeiten, das durch Fachleute vorgenommen würde, nicht nur Raum schaffen für allgemeine Bildung, die heute ja zu kurz kommt, sondern vielleicht auch Bedürfnis und Bereitschaft dazu wieder wachsen lassen, was heute durch Zeit- und Leistungsdruck und Benotungsweise geradezu abgewürgt und regelrecht bestraft oder vernachlässigt wird.
 

© Friedhelm Schulz, Mai 2000
 


 

zurück zum Anfang, andere Themen, mailto: Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de?subject=Bildung